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Im Gespräch mit HGK Torsten Baltrusch

Erste Erfahrungen mit Spot-Spraying im Westfälischen GC Gütersloh

Head-Greenkeeper Torsten Baltrusch hat im April 2025 die Praxistauglichkeit des Spot-Sprayings auf den Fairways des Westfälischen GC Gütersloh getestet, begleitet wurde der Versuch durch Sebastian Henrichmann von AGRAVIS. Es erfolgte eine Behandlung mit dem Herbizid Overtake auf ausgewählten Fairways, auf denen hauptsächlich Löwenzahn, Klee und Gänseblümchen auftraten. Torsten Baltrusch berichtet im Interview über seine Erfahrungen.

? Grundsätzlich müssen ja einige Voraussetzungen für den Einsatz der neuen Technik erfüllt sein, besonders im Hinblick auf den geeigneten Trecker?
 

! Allerdings, die Anforderungen an den Trecker sind nicht unerheblich. Er muss über eine Front- sowie Heckhydraulik mit Zapfwelle (540 U/min) verfügen und zudem wird ein Steuergerät für die hydraulische Pumpe der Fronttanks sowie eine Steckdose und ein Steuergerät für den Heckanbau benötigt.
 

Zudem ist das Gesamtgewicht zu beachten. Im Frontanbau befindet sich der 500 l-Frischwassertank und der 200 l-Tank für die Spritzbrühe, das bedeutet ein Leergewicht von 320 kg und bis zu 1.000 kg bei einer kompletten Füllung. Das Gewicht im Heck kann bis zu 1.160 kg betragen, bei drei Einheiten und der maximalen Arbeitsbreite von sechs Metern.

? Darum dürfte dann ein Einsatz auf die Fairways beschränkt sein. Wie sieht es denn mit der Arbeitsbreite aus?
 

! Die maximale Arbeitsbreite beträgt sechs Meter, bestehend aus drei Teilbreiten mit je zwei Metern. Die Fairways konnten wir damit komplett behandeln und auch ein Großteil der Abschläge war problemlos zu erreichen und befahrbar, da der Kleintraktor über ein geeignetes Reifenprofil verfügt. Die Manövrierfähigkeit des Gespanns ist natürlich aufgrund der Länge etwas eingeschränkt.
 

? Wie sieht es mit der Bedienung aus?
 

! Die eigentliche Bedienung erfolgt dann, nach Auswahl der hinterlegten Kultur, über ein Tablet.

? Wie beurteilen Sie den Erfolg der Maßnahme?
 

! Da tue ich mich etwas schwer, denn auf einigen Bahnen zeigt sich ein sehr guter Erfolg, auf anderen dagegen fast gar keiner. Rein optisch würde ich sagen, dass wir eine Erfolgsquote von 60 – 70 % erreicht haben. Ich glaube allerdings, dass dies weniger an der Ausbringungstechnik liegt, als vielmehr an anderen Faktoren
 

? Sie haben dann ja Ende Juli erneut den Spot-Sprayer eingesetzt und somit weitere Erfahrungen sammeln können.
 

! Ja genau, diesmal haben wir mit einem Lohnunternehmer gearbeitet, der die Maschine besitzt. Schwerpunkt war diesmal die Behandlung von Klee mit Banvel 480 S. Auch hier zeigte sich die sensationelle Einsparung an Herbizid von über 90 %. Anschließende Kontrollen ergaben eine geschätzte Erfolgsquote von 80 – 90 %. 

 ? Wie lautet nun ihr Fazit?
 

! Zuerst muss man bedenken, dass der Erfolg bei der Bekämpfung von Unkräutern von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängt, wie u.a. Zeitpunkt oder Witterung. Das sehen wir ja auch bei einem konventionellem Herbizid-Einsatz. Definitiv konnte die Ausbringungsmenge an Herbizid um mehr als 90 % gesenkt werden und das ist natürlich sensationell. 
 

Für einen optimalen Einsatz auf den Golfplätzen wäre es aus meiner Sicht nötig, die Arbeitsbreite auf die Hälfte zu reduzieren, um die Manövrierfähigkeit zu optimieren, und den Einsatz auf etwas eingeengten Flächen zu ermöglichen.
 

Inwiefern sich die Anschaffungskosten des Spot-Sprayers, die bei etwa 135.000 Euro liegen, für einen Golfclub lohnen, ist sicherlich eine individuelle Entscheidung des Clubs und stark von den wirtschaftlichen/finanziellen Möglichkeiten abhängig.
 

Aus meiner Sicht könnte sich hier ein sog. Maschinenring lohnen, also in dem Fall ein Zusammenschluss mehrerer Golfanlagen, die sich den Spot-Sprayer gemeinsam anschaffen. Anders als z.B. bei einem Aerifizierer oder anderen Spezialgeräten ist in diesem Fall der Einsatzzeitpunkt nicht ganz so stark eingeschränkt.
 

Vielen Dank Herr Baltrusch. Eine spannende Entwicklung, die besonders dann an Bedeutung gewinnen wird, wenn es zu stärkeren Einschränkungen im Hinblick auf einen Herbizideinsatz auf Sportanlagen kommen sollte.

Autor: Beate Licht | Greenkeepers Journal 4/25

 

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