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Platzpflege als Erfolgsfaktor in Marco Simone

Im Gespräch mit Lara Arias, Golf Course Superintendent

Nur noch ein Jahr, dann findet der Ryder Cup zum dritten Mal nach Valderrama 1997 und Paris 2018 in Kontinentaleuropa statt. Bei Marco Simone in der Nähe von Rom laufen die Vorbereitungen für das Event auf Hochtouren – mit den Italian Open 2021 bis 2023 als jährliche Benchmarks. Wie Sandro Maistrello im vergangenen Jahr im Interview mit dem golfmanager (s. Ausgabe 4/21) ankündigte, ist die Renovierung des Clubhauses inzwischen abgeschlossen, derzeit wird die neue Driving-Range gebaut. Mit dem Besuch des europäischen Kapitäns Henrik Stenson Anfang Juni 2022 biegen die Vorbereitungen auf die Ziellinie ein.

Wie immer bei Großveranstaltungen spielt die Platzpflege eine wichtige Rolle bei den Vorbereitungen. Verantwortlich dafür ist Golf Course Superintendent Lara Arias. Sie ist Teil des Teams von TAS Turfgrass Agronomy & Services, das von Alejandro Reyes und Sylvain Duval nach dem Ryder Cup 2018 gegründet wurde, als Reyes in der Rolle des Supervisors für Le Golf National, Paris, tätig war. Arias ist die verantwortliche Course Managerin vor Ort in Rom – und kann rückblickend seit ihrer Ankunft vor rund zwei Jahren von einer ebenso herausfordernden wie erfolgreichen Entwicklung des nächsten europäischen Ryder-Cup-Austragungsortes berichten. Im Interview mit dem golfmanager lässt sie die bisherigen Aufgaben und Erfolge Revue passieren und geht auch auf die besonderen Herausforderungen ein, die sich aus ihrer Rolle als eine der wenigen weiblichen Superintendents im Golfbusiness ergeben.

 

Was hat Ihr Interesse an der Platzpflege geweckt?

 

! Um ehrlich zu sein: Ich hatte zunächst keinen Bezug zur Golfplatzpflege. Ich hatte mein Studium der Forstwissenschaften abgeschlossen und war auf der Suche nach der besten Option für meine Zukunft, da stieß ich zufällig auf das Wort „Greenkeeping“ und ich beschloss, eine Ausbildung in der Golfplatzpflege zu beginnen.

Haben Sie gleich direkt im Greenkeeping Position begonnen?

 

! Ich zog vom Norden in den Süden Spaniens, nach Málaga, wo ich ein ausgezeichnetes Ausbildungsprogramm für Platzpflege fand und einen Master erlangte. Dazu gehörte auch mein erstes Praktikum auf einem Golfplatz, das ich im Real Guadalhorce Club de Golf absolvierte. Mein zweites Praktikum führte mich zu Finca Cortesin. Meine Familie nannte mich verrückt, weil ich mich für die Golfbranche entschieden hatte – und ich habe meinem Vater nie erzählt, wie viel ich für die Teilnahme am Ausbildungsprogramm für Greenkeeping bezahlt habe! Ich habe nur meiner Mutter gesagt, dass ich das Geld habe und es in meine zukünftige Karriere investieren wollte. Trotzdem erwarteten beide, dass ich in meiner Heimatregion als Ingenieurin arbeiten würde. Aber meine Eltern erkannten schließlich meine Liebe zu diesem Berufsweg und akzeptierten meine Entscheidung.

 

Was sind für Sie die wichtigsten Projekte, die Sie bisher durchgeführt haben?

 

! Ohne Zweifel: Marco Simone (lacht). Ich kam Mitte Juni 2020 hier an, als der Golfplatz geschlossen war und vollständig renoviert wurde. Vor uns lagen der Ryder Cup im Jahr 2023 und drei Italian Open von 2021 bis 2023. Nichtsdestotrotz hatten wir den Platz bis zur ersten Italian Open 2021 fertig und wissen jetzt, dass wir auch den Ryder Cup im nächsten Jahr ausrichten können. Außerdem hatte ich in den Vereinigten Staaten im Rahmen des Ohio State Programs die Gelegenheit, 18 Monate lang auf drei großartigen Golfplätzen zu arbeiten, um diese Golfplätze für die PGA Tour und die PGA Championship vorzubereiten: RTJ, TPC Scottsdale und Quail Hollow. Zurück in Europa, war Le Golf National eine wunderbare Erfahrung: Open de France und Ryder Cup innerhalb von sechs Monaten.

 

Sind Sie bei Marco Simone oder bei TAS beschäftigt?

 

! Ich persönlich bin bei TAS angestellt, welches einen Vertrag mit Marco Simone hat. Alejandro Reyes fungiert als Berater, während ich Superintendent vor Ort bin. Das Greenkeeping-Team hat jedoch direkte Verträge mit Marco Simone.

Warum sind weltweit so wenige Frauen im Greenkeeping tätig?

 

! Nun, ich denke, dass immer mehr Frauen ihren Weg in der Branche machen. Wir haben in Spanien eine Gruppe gegründet, die derzeit versucht, relevante Informationen zu diesem Thema zu sammeln. Wir wollen unsere künftige Kommunikation und unsere Aktivitäten auf genaue Daten stützen, nicht auf Meinungen oder Schätzungen. Daher streben wir zunächst eine klare Analyse der aktuellen Situation von Frauen im Golfsport an. Ich denke, dass Golfplätze mehr und mehr verstehen, dass sich Frauen sehr gut für die Position des Superintendents eignen. Früher hatten viele Golfanlagen Angst – nicht wegen des Wissens, sondern eher wegen der Frage, ob das hauptsächlich männliche Greenkeeping-Personal eine weibliche Führung akzeptieren würde. Ich hoffe, dass meine Position und meine Arbeit dazu beitragen können, mehr Frauen in die Branche und in Führungspositionen zu bringen.

Ich persönlich glaube nicht, dass die Arbeitsergebnisse vom Geschlecht abhängen – sie hängen von den Fähigkeiten und der Leidenschaft für die Branche und der Arbeit ab, die wir zu erledigen haben.

 

Wie können Sie persönlich zu dieser Entwicklung beitragen?

 

! Mit unserer Initiative werden wir für die Qualität unserer Arbeit kämpfen. Meine Geschichte, meine Arbeit und meine Position können hoffentlich anderen Frauen helfen, ihren Weg in der Branche zu machen. Ich teile in den sozialen Medien Fotos und Videos über den Fortschritt unserer Arbeit hier bei Marco Simone. Sobald der Ryder Cup vorbei ist, hoffe ich, dass ich meine Geschichte mit anderen teilen und auch deren Karrieren unterstützen kann. Viele Leute fragen mich nach dem Druck, der durch den Ryder Cup auf mir lastet – aber ich fühle keinen solchen Druck. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit aller Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass dieser Platz heute so spielbar ist. Unsere Mitglieder hier in Marco Simone haben mich voll und ganz akzeptiert und grüßen mich, wenn wir uns auf dem Platz treffen – aber Gastspieler sind oft immer noch überrascht, eine Frau auf einem großen Mäher zu sehen, es scheint also noch ein langer Weg zu sein.

 

Welchen Rasen verwenden Sie bei Marco Simone?

 

! Für Abschläge, Fairways und den Approachbereich verwenden wir „Paspalum“. Das Rough besteht aus „Fescue“ und auf den Grüns verwenden wir „Bentgras“. Aus der Sicht eines Superintendents ist „Fescue“ im Sommer eine besondere Herausforderung: Hier in Rom haben wir wirklich hohe Temperaturen mit über 40 Grad – „Fescue“ wächst in dieser Zeit kaum, also müssen wir sicherstellen, dass sich das Rough bereits vor dem Sommer in einem guten Zustand befindet. (Anm. d. Red.: „Paspalum“ = Vertreter der Warm-Season-Gräser, „Fes-cue“ = „Festuca“, „Bent-gras“ = „Agrostis“)

 

Wie sieht der Fahrplan bis zum Ryder Cup nächstes Jahr aus platzpflegerischer Sicht aus?

 

! In den letzten zwei Jahren und den kommenden Monaten bis zum Ryder Cup haben wir parallel an der Konstruktion, dem Wachstum und der Pflege gearbeitet. Da dies alles in einem sehr begrenzten Zeitrahmen geschieht, müssen wir alle drei Bereiche miteinander kombinieren, was eine große Herausforderung darstellt. Wir haben noch einige Dinge auf dem Platz zu verbessern. Zum Beispiel gibt es auf den Fairways einige Bereiche, in denen „Paspalum“ etwas mehr Pflege braucht, ebenso die Collars, die Grenzbereiche zwischen „Bentgrass“ und „Paspalum“. Wir wollen sicherstellen, dass die Grüns frei von „Paspalum“ sind, was eine Menge Arbeit erfordert. In den nächsten Monaten stehen die Italian Open 2022 im September, eine weitere Italian Open im Mai 2023 und schließlich der Ryder Cup an.

 

Was bedeutet es für die Mitglieder, dass ihr Club Austragungsort des Ryder Cups ist?

 

! Ich denke, es wird ein anspruchsvoller, schwieriger Platz für die Mitglieder sein. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich die Mitglieder über die Höhe des Roughs beschweren würden, sobald wir dem Ryder Cup näherkommen. Aber dies ist eine einmalige Gelegenheit, und ich bin überzeugt, dass sie sie begrüßen werden. Aber im Allgemeinen liegen mir natürlich auch unsere Mitglieder am Herzen, da dies ihr Heimatclub ist. Außerdem werden wir sechs Monate vor dem Ryder Cup damit beginnen, alle Tribünen und Einrichtungen zu installieren – die Anlage wird dann ganz anders aussehen.

 

Wird der Platz für Pflegearbeiten geschlossen?

 

! In diesem Jahr hatten wir den Platz im März für vier Tage geschlossen und werden im Oktober weitere vier Tage für Pflegemaßnahmen und andere Platzarbeiten nutzen.

 

Welchen Einfluss haben der Ryder-Cup-Kapitän und seine Wünsche auf die Platzpflege und das Set-up eines Platzes?

 

! Es ist unglaublich, wie viele Daten und Informationen sie zur Verfügung haben! Wir sind alle Aspekte des Set-ups und der Platzbedingungen mit Henrik Stenson durchgegangen. Er hat letztes Jahr an den Italian Open teilgenommen, was ihm eine Menge Erfahrung gebracht hat, so dass er seine Punkte klar ansprechen konnte. Sie werden uns natürlich in den kommenden Monaten wieder besuchen, um die Entwicklung des Platzes aus erster Hand zu begutachten.

Nimmt Marco Simone an einem Umweltprogramm wie GEO oder Audubon teil?

 

! Ich persönlich halte diese Programme für sehr wichtig, alle Golfanlagen sollten sich an einem dieser Programme beteiligen. Leider lag unser Schwerpunkt hier aus Zeitgründen eher darauf, den Platz auf das erforderliche Niveau für die Italian Opens und den bevorstehenden Ryder Cup zu bringen. Aber sobald wir so weit sind, sollten wir auf jeden Fall eine solche Zertifizierung beantragen.

 

Gibt es für Sie Einschränkungen seitens der Stadt oder anderer staatlicher Einrichtungen, beispielsweise in Bezug auf den Wasserverbrauch?

 

! Nun, ich denke, wir leisten sehr gute Arbeit bei der Bewässerung. Zwei Beispiele: Auf den Grün messen wir täglich die Feuchtigkeit und bewässern von Hand, wenn nötig. Und die „Fescue“-Bereiche – die im Frühjahr wachsen, aber im Sommer nicht – werden in dieser Zeit auch nicht bewässert, um Wasser zu sparen und einen schönen optischen Kontrast auf dem Platz zu schaffen.

Gibt es gesetzliche Einschränkungen seitens der Regierung in Bezug auf das Greenkeeping?

 

! Nicht mehr als anderswo in Europa. Natürlich werden die Vorschriften für den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln immer strenger, aber das ist eine allgemeine Entwicklung.

 

Wie kann man einen Platz für ein solches Großereignis hinsichtlich des Unsicherheits-Faktors „Wetter“ vorbereiten?

 

! Wir können bis zu einem gewissen Grad Vorsorge betreiben. Zum Beispiel haben wir für die Fairways ein Topdressing-Programm von 3.000 Tonnen Sand pro Jahr, da die Fairways einen Lehmboden haben. Wenn es also stark regnet, brauchen wir den Sand, um die von uns angestrebten Bedingungen zu erreichen.

 

Letzte Frage: Wo werden wir Sie nach dem Ryder Cup sehen?

 

! (lacht) Keine Ahnung! Im Moment bin ich jeden Tag sehr beschäftigt und habe einfach nicht die Zeit, darüber nachzudenken, was später passieren könnte. Ich bin sehr froh, dass ich mich mit Anfang 30 einer solche Herausforderung stellen darf. Aber jedes Projekt kann eine Herausforderung sein und Spaß machen – überall auf der Welt. Ich persönlich habe entdeckt, dass ich den Bau und die Etablierung einer Golfanlage liebe – mal sehen, wohin mich das führen wird.

 

Vielen Dank für diese wunderbaren Einblicke und alles Gute für die nächsten Italian Open und den Ryder Cup!

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff | golfmanager 3/2022

 

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