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Golfanlagen contra Bildungs-Misere

Wie Golfplätze zur Grundwasserneubildung beitragen

Zugegeben – die Überschrift ist vielleicht etwas irreführend. In diesem Beitrag geht es nämlich nicht um die altbekannte schulische Bildungs-Misere in Deutschland, sondern um die noch nicht ganz so bekannte Misere bei der Bildung von neuem Grundwasser. Dieses ,neue‘ Grundwasser ist von zentraler Bedeutung für den Wasserhaushalt. Eine nachhaltige Nutzung der Grundwasserressourcen setzt nämlich voraus, dass mittel- und langfristig nicht mehr Grundwasser gefördert wird als durch versickernde Niederschläge dem Grundwasser wieder zugeführt werden. Das ist jedoch in weiten Teilen Deutschlands nicht (mehr) der Fall.
 

Für das Gebiet am Seddiner See im Bundesland Brandenburg haben Gutachter für die Grundwasserneubildung (GWNB) einen langjährigen Mittelwert (1970 – 2023) von lediglich 93 mm errechnet. Gleichzeitig wird aber die jährliche Verdunstungsrate von der freien Wasserfläche mit 792 mm (Tendenz steigend) angegeben und der auf der Golfanlage des G&CC Seddiner See gemessene Jahresniederschlag beträgt gerade einmal 457 mm (Mittelwert 2005 – 2024). Dass solche klimatischen Rahmenbedingungen im Ergebnis zu einer unzureichenden GWNB aus Niederschlägen und damit zu sinkenden Grundwasserständen bis hin zu trockenfallenden Brunnen und Gewässern führen, dürfte wenig überraschend sein.
 

,Grundwasserstress in Deutschland‘ ist sowohl der Titel als auch das Ergebnis der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) im Mai 2025 veröffentlichten Studie über die Grundwasser-Situation in Deutschland. Die Untersuchungen in 401 Landkreisen ergab, dass bei der Hälfte der Landkreise derzeitig das Grundwasser übernutzt wird. In diesen Regionen wird für die öffentliche und die nichtöffentliche Nutzung mehr Grundwasser entnommen als neu gebildet werden kann, d.h. der Wasserhaushalt ist dauerhaft defizitär. Die Jahres-Wasserbilanz weist gewissermaßen einen ,hydrologischen Verlustvortrag‘ aus, der auf das Folgejahr vorgetragen wird. Hiervon betroffen sind Landkreise in ganz Deutschland, allerdings mit einem regionalen Schwerpunkt im Nordosten Deutschlands. Die Zeiten, in denen eine in quantitativer und auch in qualitativer Hinsicht ausreichende Verfügbarkeit von Wasser in ganz Deutschland garantiert werden konnte – diese hydrologischen ,Rundum-sorglos-Zeiten‘ – gehen nun dem Ende entgehen.
 

Anmerkungen zu den Berechnungen und Recherchen
 

Beim Verfassen dieses Beitrags zeigte sich immer wieder, dass die Verfügbarkeit von Daten zu umweltrelevanten Themen nicht zufriedenstellend ist. Zu dieser Einschätzung kommt auch das Umweltbundesamt (UBA), wenn es feststellt: „Dabei wurde deutlich, dass die Datenbasis zum anthropogenen Einfluss auf den Wasserhaushalt nicht den Erfordernissen entspricht“ (UBA 18102024). Das gilt sicherlich auch für andere Themenbereiche. Und es kann auch als Indiz dafür gewertet werden, dass dem Themenbereich ,Wasser‘ bisher offensichtlich nicht die Bedeutung beigemessen wird, die ihm eigentlich zukommen müsste.
 

Die gewünschten Daten liegen nicht vor
 

Auch wenn es eine Vielzahl staatlicher Statistiken gibt, sind nicht alle gewünschten Daten verfügbar. Sei es, dass die Daten nicht erhoben wurden oder sei es, dass sie – aus welchem Grund auch immer – nicht veröffentlicht werden. So hat bspw. das Statistische Bundesamt in seiner öffentlich zugängigen Online-Datenbank GENESIS u.a. die Bodenflächen der Bundesrepublik Deutschland nach den verschiedenen Nutzungsarten erfasst: „Flächennutzung nach Art der tatsächlichen Nutzung“ heißt dieser Daten-Bereich. Dort gibt es in der Kategorie ,Flächen für Siedlung und Verkehr‘ u.a. die Kategorie ,Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen‘, die eine Bodenfläche von 5.415 km² umfasst und damit einen Anteil von 1,5 % an der Gesamtfläche Deutschlands hat (Stand 31.12.2023). Die Daten hierzu von Bund und Ländern umfassen 54 Nutzungsarten nach dem Amtlichen Liegenschaftskataster-Information-System (ALKIS-Nutzungsartenkatalog). Dort ist u.a. der Nutzungsartenschlüssel 18110 ,Golfplatz‘ verzeichnet (Kennung Objektartenkatalog 41008 FKT – 4110). Veröffentlichte Daten hierzu gibt es allerdings nicht – auch nicht auf Nachfrage. „Die gewünschten Daten liegen im Informationsangebot der amtlichen Statistik nicht vor“ heißt es in der E-Mail der Pressestelle des Statistischen Bundesamtes vom 25. August 2025.
 

Aber nicht nur die mangelhafte Verfügbarkeit von Daten ist ein Problem. Auch die Qualität der Daten, die bei den Berechnungen verwendet werden, ist sehr unterschiedlich – von aktuell und valide bis hin zu Schätzungen von Experten, wenn keine Daten zu recherchieren waren. Und last but not least sollte man sich stets bewusst sein, was Mittelwerte und andere aggregierte Daten eigentlich aussagen – und vor allem, was nicht. 
 

Trotz der in vielerlei Hinsicht schwierigen Datenlage und daraus resultierenden Ungenauigkeiten führen die Berechnungsergebnisse zur GWNB auf Golfanlagen zu interessanten Erkenntnissen, die in der Diskussion über die Verwendungszwecke von Wasser den Stellenwert des Golfsports für die GWNB deutlich macht. Dies wiederum kann Einfluss auf Reglementierung und Priorisierung bei der Wasserverwendung nehmen. Die ersten Verbände ,stehen bereits in den Startlöchern‘, um beim Thema ,Priorisierung‘ die Interessen ihrer Klientel offensiv zu vertreten. 
 

Der Deutsche Bauernverband e.V. (DBV) zum Beispiel, der die Interessen von rund 90 % der fast 300.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland vertritt, hat in einer Pressemitteilung vom 04. Mai 2025 seine Forderung zu dem Thema klar formuliert: „Für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen und der Versorgung von Tieren muss der Landwirtschaft neben der Trinkwasserversorgung oberste Priorität in der Wassernutzung eingeräumt werden.“
 

Wasser als gesellschaftlicher Spaltpilz
 

Vor dem Hintergrund sinkender Pegelstände – sowohl bei Oberflächenwasser als auch beim Grundwasser – wird in der öffentlichen Diskussion die zunehmende Nutzungskonkurrenz um das knapper werdende Gut (laut)stärker thematisiert. Der Ton wird rauer und gelegentlich wird das Wasser-Thema leider auch für ideologisch motivierte Stimmungsmache missbraucht. Die von der Partei DIE LINKEN in Berlin geforderte Schließung der Berliner Golfanlagen ist ein Beispiel dafür. Die reichen Golfer ,verplempern‘ die letzten Tropfen des kostbaren Wassers für ihr elitäres Hobby auf einem satt-grünen Rasen – der altbekannte vorurteilsbehaftete Sozialneid lässt grüßen. 
 

Aber nicht nur unter Politikern, sondern erstaunlicherweise auch unter Journalisten finden sich immer noch Golf-Kritiker, für die der Begriff ,Recherche‘ offensichtlich ein Fremdwort ist. Die Aussage eines Golf-Kritikers „Golfplätze sind die Skipisten des Sommers“ reduziert beide Sportarten auf den Wasserverbrauch und ist darüber hinaus ziemlich sinnfrei.
 

Der landwirtschaftliche Online-Dienst ,agrarheute‘ kommt dagegen beim Golf-Bashing mit einem für Deutschland relativ neuen Thema ,um die Ecke‘: Er plädiert dafür, die Flächen der Golfanlagen lieber für Solarparks zu nutzen: „Zumal Golfplätze nicht wirklich gut genutzter Platz sind, dienen sie doch nur dem Hobby einiger weniger. Noch dazu haben Sie mitunter einen hohen Bedarf an Wasser, es kommen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz und überhaupt sind sie arbeitsintensiv.“ (Quelle: agrarheute 02.03.2025: Flächenfraß in Deutschland. Golfplätze brauchen mehr Platz als Solarfarmen).
 

Nicht wirklich gut ist auch eben dieses Statement, offenbart es doch ein erschreckendes Maß an Unkenntnis, gepaart mit Denken in Klischees. Umso wichtiger ist es, solchen fake news mit Sachinformationen gegenzusteuern und auf die positiven ökologischen und gesellschaftlichen Aspekte des Golfsports zu verweisen. Hierzu gehört u.a. auch die GWNB aus Niederschlägen, die auf das Gelände von Golfanlagen fallen. 
 

Zusatzbewässerung als conditio sine (a)qua non
 

Die Kritik am Golfsport und seinen vermeintlich negativen Umweltauswirkungen entzündet sich meistens an einem angeblich zu hohen Wasserverbrauch der Golfanlagen bzw. daran, dass hierfür überhaupt Wasser ver(sch)wendet wird. Dabei wird jede verantwortungsbewusst geführte Golfanlage allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen darauf achten, den Wasserverbrauch so gering wie möglich zu halten, getreu dem Motto: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Aber auch eine effiziente Wassernutzung ändert nichts an der Tatsache, dass an kaum einem Standort in Deutschland auf eine mehr oder weniger intensive temporäre Bewässerung der Rasenflächen verzichtet werden kann. Selbst in Regionen mit einem langjährigen mittleren Jahresniederschlag von mehr als 1.000 mm können Trockenperioden eine zusätzliche Bewässerung notwendig machen. Das gilt übrigens in gleichem Maße auch für andere Rasensportflächen, die beispielsweise von Fußball oder Hockey genutzt werden.
 

Zentrale Fragen und die ,neue Normalität‘
 

Der Klimawandel hat natürlich auch einen erheblichen Einfluss auf die aktuelle und die zukünftige Entwicklung der GWNB. Die Frage dabei ist heute nicht mehr, ob der Klimawandel kommt und ggf. wann, sondern vielmehr, wie weit er heute bereits das aktuelle Wetter-Geschehen beeinflusst und mit welcher Dynamik die zukünftige Klima-Entwicklung voranschreiten wird.
 

Das Umweltbundesamt prognostiziert in seiner aktuellen Studie WADKlim („Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit – Anpassung an Trockenheit und Dürre in Deutschland“) zur erwartbaren Klima-Entwicklung in Deutschland: „Nach aktuellem Stand des Wissens werden Dürren und Trockenheit häufiger und langanhaltender auftreten und bilden die ,neue Normalität‘…“ (Quelle: Umweltbundesamt 18.10.2024).
 

Vor diesem Hintergrund stellt sich nun zwangsläufig die Frage, wie sich der Betrieb der Golfanlagen auf die GWNB und damit auf eine wichtige Größe des Wasserhaushalts auswirkt. Fördert der Betrieb der Golfanlagen die GWNB und hat somit positive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt oder sind die Golfanlagen eine Belastung für den Wasserhaushalt? Welchen Beitrag leisten die Golfanlagen zu der eingangs zitierten ,Bildungs-Misere‘ beim neuen Grundwasser? Wie ist die regionale Verteilung bei der GWNB?

Grundwasserneubildung aus Niederschlägen
 

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat unter Einbeziehung einer Vielzahl dieser Einflussfaktoren die GWNB-Raten in Deutschland kleinräumig und flächendeckend berechnet und kartografisch dargestellt (vgl. Abbildung 1). Die Karte zeigt die mittlere jährliche Grundwasserneubildung in Deutschland für den Zeitraum 1961 – 1990 als Rasterdarstellung mit einer Zellengröße von 1 x 1 km. Deutlich erkennbar ist, dass die GWNB im Süden Deutschlands mit stellenweise mehr als 500 mm pro Jahr sehr ausgeprägt ist, während der Nordosten mit zum Teil weniger als 100 mm pro Jahr sehr niedrige Werte aufweist. Im Rahmen einer aktuellen Studie wurde für das Wassereinzugsgebiet der Seddiner Seen-Kette beispielsweise eine durchschnittliche GWNB-Rate von gerade einmal 93 mm pro Jahr ermittelt.
 

Die GWNB aus Niederschlägen auf Golfanlagen beginnt damit, dass Niederschläge auf den Flächen einer Golfanlage niedergehen, zum größten Teil in Form von Wasser. Diese Niederschläge werden allerdings nur zum Teil dem Grundwasser zugeführt. Die Höhe dieses Anteils ist regional sehr unterschiedlich. Die höchste GWNB-Rate weist mit mehr als 20 % das Einzugsgebiet der Donau auf, den niedrigsten Wert mit weniger als 13 % das Einzugsgebiet der Elbe (vgl. Abbildung 2). Der Durchschnittswert für Deutschland liegt bei 17 %.

Im Detail beeinflussen eine Vielzahl von Faktoren die GWNB-Rate, beispielsweise die Jahreszeit, die Vegetation, die Landnutzung, die Verdunstung, die Sickerwasser-Rate, das Relief, die Bodenstruktur sowie hydrogeologische Gegebenheiten u.a.m. Von erheblicher Bedeutung ist auch die Intensität der Niederschläge. Bei Starkregen, insbesondere nach Trockenperioden, ist der Oberflächenabfluss u.U. so groß, dass nur ein relativ geringer Anteil der Niederschläge versickert und dem Grundwasser zufließt.
 

Die rückläufige Entwicklung des Grundwasser-Dargebots ist in zahlreichen Regionen in Deutschland nicht mehr zu übersehen. Eine Mitteilung des Landesamts für Umwelt in Rheinland-Pfalz im Mai 2025 trug beispielsweise die Überschrift „Fehlender Regen verhindert Grundwasserneubildung“.  In dem Beitrag wird u.a. festgestellt, dass sich die GWNB in Rheinland-Pfalz in den vergangenen 16 Jahren (2003 – 2019) von 1,5 Mrd. m³ auf nur noch 1,2 Mrd. m³ Grundwasser pro Jahr verringert hat. Für das Bundesland Brandenburg beziffern Hydrologen der Uni Potsdam in einer aktuellen Studie den Rückgang der GWNB seit 1980 sogar mit 40 %.
 

Rückläufige Grundwasser-Pegelstände wurden bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dokumentiert. Auf die zunehmende Trockenheit in den meisten Regionen Deutschlands und die sich daraus ergebenden Konsequenzen hätten sich Politik und Verwaltung somit bereits seit langer Zeit einstellen können. Das betrifft nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens – auch den Golfsport und auch den Betrieb von Golfanlagen.

Von der Golf-Kapazität zur GWNB-Netto-Bilanz
 

Zur Beantwortung der Fragen zur Entwicklung der GWNB und welche Bedeutung der Betrieb der Golfanlagen dafür hat, waren einige Berechnungen erforderlich. Grundlage hierfür waren u.a. Daten, die der Deutschen Golf Verband (DGV) in 2024 bei einer Umfrage zur Bewässerung bei den Golfanlagen in Deutschland erhoben hatte. Auf Basis dieser Daten sowie weiterer Statistiken wurden einige grundlegende Kennzahlen für den Betrieb von Golfanlagen errechnet (vgl. Tabelle 1).
 

Auch wenn die Befragungsergebnisse nicht repräsentativ sind für die Grundgesamtheit der DGV-registrierten Golfanlagen, so ist die Aussagekraft dieser Daten dennoch nicht zu unterschätzen. Immerhin hat rund ein Sechstel der Grundgesamtheit an der Befragung teilgenommen. Die Kennzahlen sollen außerdem nicht nur zur Orientierung dienen und für Vergleichszwecke genutzt werden, sie sollen auch den ökologischen und den gesellschaftlichen Nutzen des Golfsports dokumentieren.

 

Golf-Kapazität
 

Die Jahresstatistik des DGV weist per 30. September 2024 insgesamt 726 Golfanlagen unterschiedlicher Größenordnung aus, aber leider keine Löcher-/Spielbahnen-Gesamtzahl. Diese Größe wurde durch eigene Berechnungen für 2024 mit 13.503 Löchern ermittelt. Das entspricht rechnerisch 750,17 18-Löcher-Einheiten. In 2020 waren es 720 Golfanlagen mit 13.314 Löchern = 720 18-Löcher-Einheiten) (Quelle: Golfmarkt Deutschland 2021, Sommerfeld AG).

Ein Vergleich der Golfanlagen-Strukturen 2014 mit denen von 2024 nach den Kriterien Bundesland und Anlagengröße auf Basis der DGV-Jahresstatistiken zeigt eine Entwicklung hin zu größeren Golfanlagen. Während der Neubau von Golfanlagen in Deutschland – von Einzelfällen abgesehen – zum Erliegen gekommen ist, wurden in dieser Zeit einige Golfanlagen erweitert, so dass sich die Löcher-Gesamtzahl von 2020 zu 2024 lt. DGV-Statistik um mindestens 189 Löcher (= 10,5 18-Löcher-Einheiten) erhöht hat. Die DGV-Strukturdaten des Jahres 2024 wurden deshalb hilfsweise linear hochgerechnet auf insgesamt 13.503 Löcher. Die regionale Verteilung der Golfanlagen sowie der Anteil der verschiedenen Anlagengrößen (9 Löcher, 18 Löcher usw.) am deutschen Gesamtmarkt sind somit unverändert geblieben. Wünschenswert ist natürlich, dass der DGV seine Standard-Jahresstatistik um eine Löcher-Statistik erweitert.
 

Flächen der Golfanlagen
 

Die FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) ,Richtlinie für den Bau von Golfplätzen‘ gibt für einen 18-Löcher-Standard-Platz einen Flächenbedarf von 60 ha und für einen Meisterschaftsplatz von 75 ha an. Von der Annahme ausgehend, dass jeweils die Hälfte der Plätze als Standard- bzw. als Meisterschaftsplatz angelegt sind, ergibt sich – aus planerischer Sicht – für den Flächenbedarf ein Mittelwert von 67,5 ha für eine 18-Löcher-Anlage.
 

Eine Mitgliederbefragung, die der DGV im April 2024 zum Thema ,Golfplatzbewässerung‘ durchgeführt hatte, kommt mit einer durchschnittlichen Fläche von 67,09 ha zu einem sehr ähnlichen Ergebnis und bestätigt die getroffenen Annahmen (jeweils 50 % Standard- bzw. Meisterschaftsplätzen).
 

Der Anteil der versiegelten Flächen für Clubhaus, Betriebshof, Parkplätze, Wege u.a.m. wird mit 3 % veranschlagt, so dass zur Versickerung der Niederschläge eine Fläche von 65,1 ha (= 3,62 ha pro Loch bzw. 48.881 ha Gesamtfläche) verbleibt. Bezogen auf die Gesamtfläche der deutschen Golfanlagen (d.h. einschließlich der versiegelten Flächen) sind es 50.366 ha bzw. 3,73 ha pro Loch (vgl. Tabelle 1). 
 

Erwartungsgemäß ist die Golf-Kapazität nicht gleichmäßig über Deutschland verteilt, sondern durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet. Die meisten Golflöcher – und damit die größten Golfflächen – sind mit jeweils rund 2.900 Löchern in den Landesgolfverbänden Bayern und Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen. Für diese beiden Bundesländer ergibt sich eine Golfanlagen-Fläche von jeweils rund 10.500 ha. (vgl. Tabelle 2).

Niederschläge auf Golfanlagen
 

Durch Zuordnung der langjährigen mittleren Jahresniederschläge zu dem jeweiligen Bundesland – von 574 mm in Sachsen-Anhalt bis 953 mm in Baden-Württemberg – ergibt sich eine Niederschlagsmenge von insgesamt rund 423 Mio. m³ Wasser, die im Durchschnitt jährlich auf den Golfplatzflächen in Deutschland niedergeht. Betrachtet man nur die Flächen, die nicht versiegelt sind und bei denen die Niederschläge somit ungehindert versickern können, dann reduziert sich die betreffende Niederschlagsmenge auf 410 Mio. m³ (vgl. Tabelle 2).
 

Diese Niederschlagsmengen betreffen die ,natürlichen‘ Niederschläge, die als Regen, Schnee oder Hagel niedergehen. Diese Niederschläge werden ergänzt um die ,künstlichen‘ Niederschläge – sprich: das Beregnungswasser für die Golfanlagen. Der DGV-Arbeitskreis Bewässerung hat in einer Muster-Berechnung für eine 18-Löcher-Anlage in einer Region mit durchschnittlichem Jahresniederschlag einen Jahres-Bewässerungsbedarf von 43.731 m³ ermittelt, d.h. im Durchschnitt 2.430 m³
Wasser pro Loch. Bei insgesamt 13.503 Löcher ergibt sich somit ein Wasserbedarf von durchschnittlich 32,81 Mio. m³ pro Jahr für die Bewässerung der Golfplätze in Deutschland. Insgesamt ergibt sich somit ein Niederschlagsvolumen von 444 Mio. m³, das jährlich auf die nicht-versiegelten Golfplatzflächen in Deutschland niedergeht und die GWNB beeinflusst. 
 

Zur Veranschaulichung der Größenordnung dieser Wassermenge ein Beispiel: Man stelle sich ein riesiges quadratisches Becken vor mit einer Kantenlänge von 20 km, umgeben mit einem Fahrradweg. Bei sportlicher Fahrweise (30 km/h) benötigt man
2:40 Stunden für die 80-km-Runde. Ist dieses Becken nun bis 1,00 m Höhe mit Wasser gefüllt, dann enthält es ein Volumen von 400 Mio. m³.
 

Wasserbedarf


Wie bereits erläutert, ist der Jahresbedarf der Golfanlagen in Deutschland mit rund 33 Mio. m³  Wasser zu veranschlagen. Der DGV-Arbeitskreis Bewässerung hat in einer Bedarfsermittlung für eine 18-Löcher-Anlage in klimatisch mittlerer Lage einen jährlichen Wasserbedarf von insgesamt 43.731 m³ errechnet. Das entspricht 2.430 m³ pro Loch bzw. 652 m³/ha: Der Durchschnittswert für bewässerte Landwirtschaftsflächen ist mit 778 m³/ha (Quelle: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt 10.05.2024) fast 20 % höher.
 

Die FLL-Richtlinie für den Bau von Golfanlagen kommt mit einem errechneten Bedarf von 2.402 m³ Wasser pro Loch zu einem ähnlichen Ergebnis wie der DGV-Arbeitskreis, sofern bei den Berechnungen jeweils der FLL-Mittelwert zugrundegelegt wird. Für Abschläge in mittlerer Lage wird bspw. ein Beregnungsbedarf von 100 bis 200 mm/a angegeben. Für die Berechnung wurde hier ein Wert von 150 mm zugrundegelegt.


Wasserherkunft
 

Dass bei der DGV-Umfrage zur Bewässerung der Golfanlagen lediglich 122 auswertbare Fragebögen vorlagen, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass der Wasserverbrauch auf vielen Golfanlagen offensichtlich immer noch ein Tabu-Thema ist. Die Frage nach dem Wasserverbrauch insgesamt (ohne Differenzierung nach der Wasserherkunft) beantworteten lediglich 73 Golfanlagen, d.h. gerade einmal 10 % der Grundgesamtheit. Die Auswertung zeigt, dass die Befragungsergebnisse nicht repräsentativ sind für die Grundgesamtheit der DGV-registrierten Golfanlagen. So sind z.B. aus Bayern und Baden-Württemberg mit insgesamt 60 Golfanlagen in der Stichprobe vertreten (Stichprobenanteil: 48 %), während der Anteil dieser beiden Bundesländer an der Grundgesamtheit lediglich 36 % beträgt. Die beiden Bundesländer sind also in der Stichprobe stark überrepräsentiert – und das sind gerade die beiden Bundesländer mit den höchsten Jahresniederschlägen: Bayern mit 935 mm und Baden-Württemberg mit 953 mm.
 

Bemerkenswert ist ferner, dass nach den Umfrageergebnissen die Hälfte der Golfanlagen bisher keine Niederschläge speichert. Lediglich 35 % der Befragten gaben an, dass ihre Golfanlage über eine Speicherkapazität für Niederschlagswasser von mindestens 5.000 m³ verfügt. Immerhin gaben 51 % der befragten Golfanlagen an, dass in den nächsten Jahren Investitionen für den Bau oder die Erweiterung von Speicherteichen geplant sind. Die Bedeutung der Nutzung von Niederschlägen zur Bewässerung der Anlage wird offensichtlich in zunehmendem Maße erkannt.
 

Über die Herkunft des auf den Golfanlagen zur Bewässerung verwendeten Wassers liegen bisher nur bedingt aussagekräftige Daten vor. Bei der DGV-Umfrage 2024 gaben 80 % der Befragten an, Grundwasser zur Bewässerung zu verwenden, 56 % verwenden Oberflächenwasser aus Seen oder Flüssen, 30 % gespeicherte Niederschläge und 35 % Brauchwasser. Mengenangaben hierzu gibt es leider nicht. In den meisten Fällen werden vermutlich zwei oder drei Kategorien von Wasser genutzt, bspw. Grundwasser in Verbindung mit Speicherwasser. 
 

Es spricht einiges dafür, dass die Struktur der hauptsächlich genutzten Wasserarten von Golfanlagen und Landwirtschaft sehr ähnlich oder sogar identisch ist. Letztendlich sind Golfanlagen ja auch landwirtschaftliche Betriebe, die allerdings keine Pflanzen zur Ernährung oder Energiegewinnung anbauen, sondern Rasenflächen zur Sportausübung und Freizeitgestaltung. 
 

Die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016 weisen aus, dass zur Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen in 2015 zu 77 % Grundwasser einschließlich Quellwasser und Uferfiltrat verwendet wurde (vgl. Tabelle 1). Bei den Golfanlagen wird ebenfalls von einem Anteil von 77 % ausgegangen. Hierin ist auch der 6 %-Anteil für Speicherwasser enthalten. Oberflächenwasser (z.B. aus Flüssen oder Seen) wird mit einem Anteil von 11 % berücksichtigt. Der restliche Anteil ist im Wesentlichen Brauchwasser. 
 

Bei der hier angenommenen Struktur der Wasser-Herkunftsarten bei den Golfanlagen wird – neben 23,3 Mio. m³ Grundwasser – von der Verwendung von 3,6 Mio. m³ Oberflächenwasser, 2,0 Mio. m³ Speicherwasser sowie 3,9 Mio. m³ andere Wasserbezugsquellen für die Bewässerung der Golfanlagen ausgegangen.

Brutto- und Netto-Bilanz der GWNB
 

Wie bereits erläutert, wird im Durchschnitt lediglich ein relativ geringer Teil der Niederschläge dem Grundwasser zugeführt. Dieser Anteil liegt i.d.R. zwischen 10 % und 20 %. Während es im Einzugsgebiet der Donau 20,2 % sind, sind es im Einzugsgebiet der Elbe lediglich 12,7 %. Mit diesen GWNB-Raten kann aus den Niederschlagsmengen die neu gebildete Grundwassermenge berechnet werden (vgl. Tabelle 3).

Bei der Ermittlung der Bundesland-spezifischen GWNB-Rate kann es jedoch zu Ungenauigkeiten kommen, da bei einigen Bundesländern nur grobe Schätzungen vorgenommen wurden. Das betrifft diejenigen Bundesländer, in denen nicht nur ein Einzugsgebiet der großen Flusssysteme wie Donau, Rhein oder Elbe vertreten ist.

Für Deutschland wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bei den GWNB-Raten ein Mittelwert von 17 % angegeben. Das entspricht einer Jahresniederschlagssumme von 135 mm und einem Gesamtvolumen von 5,32 Mrd. m³ Wasser. Die hier vorgenommenen Berechnungen für die Golfanlagen ergeben bei den GWNB-Raten einen Mittelwert von 17,05 %. 
 

Als Gesamtergebnis ist festzustellen, dass die Golfanlagen in Deutschland im Durchschnitt durch die auf ihren Flächen niedergehenden Niederschläge die GWNB mit rund 76 Mio. m³ Wasser pro Jahr unterstützen. Allein die Top 3 der Bundesländer, nämlich Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, tragen in der Brutto-Bilanz mit rund 50 Mio. m³ in besonderem Maße dazu bei. Fast zwei Drittel der GWNB der Golfanlagen wird in diesen drei Bundesländern ,produziert‘ (vgl. Tabelle 3). 
 

Der Zuflussmenge von 76 Mio. m³ neu gebildeten Grundwassers auf dem Gelände der Golfanlagen in Deutschland steht eine Grundwasser-Entnahmemenge zur Golfplatzbewässerung von 23 Mio. m³ gegenüber. Unter Berücksichtigung dieses ,Eigenbedarfs‘ ergibt sich für die GWNB somit eine Netto-Bilanz von 52 Mio. m³ Grundwasser zugunsten der Allgemeinheit. Diese Menge entspricht dem Jahresverbrauch von fast 1,1 Mio. Menschen in Deutschland.

 

Eine 100 Mio. Euro-Sachspende für das Gemeinwohl
 

Die meisten Sportarten benötigen zu ihrer Ausübung eine spezifische Sportstätten-Infrastruktur. Die Kosten hierfür (Investitions-, Betriebs- und Instandhaltungskosten) werden zu 67 % von der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) getragen. Die Gesamtkosten für die ca. 225.000 Sportstätten sowie ca. 310.000 km Sportstätten in Linienform (z.B. Rad- und Wanderwege) betrugen im Jahr 2022 rund 27,4 Mrd. Euro (Quelle: Sportstätten in Deutschland; Bundesinstitut für Sportwissenschaft, November 2023). Der Golfsport hingegen trägt die Kosten für seine Sportstätten-Infrastruktur selbst, entlastet dadurch die Finanzhaushalte der öffentlichen Hand um diese Kosten und leistet damit einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl.
 

Einen weiteren erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl leisten die Golfanlagen durch die dort stattfindende GWNB. Legt man zur Ermittlung des monetären Wertes der durch die Golfanlagen erfolgte GWNB (Netto-Bilanz 52 Mio. m³) einen durchschnittlichen Trinkwasser-Preis von 2,00 Euro pro Kubikmeter (ohne USt.) zugrunde, dann wird von den Golfanlagen jährlich eine Sachspende in Höhe von mehr als 100 Mio. Euro zu Gunsten des Gemeinwohls geleistet – und das sogar ohne Spendenbescheinigung. 
 

Die Golfanlagen in Deutschland sind also bezüglich der rückläufigen GWNB nicht ein Teil des Problems, sondern ein Teil der Lösung. Ohne die Golfanlagen würden die Wasserbilanzen in etlichen Regionen Deutschlands noch schlechtere Werte aufweisen, als das ohnehin schon der Fall ist. Die anfangs gestellte Frage, ob der Betrieb der Golfanlagen für die GWNB eher Fluch oder eher Segen ist, dürfte mit diesen Ausführungen eindeutig beantwortet worden sein. 
 

Die Bildungs-Misere ist damit allerdings noch nicht behoben – weder die eine noch die andere.

 

Autor: Horst Schubert | golfmanager 5/25

 

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