Spiele der WM 2026 finden auf Naturrasen statt
Fußball-Weltmeisterschaft 2026
Grundsätzliches zu den Rasenflächen bei der WM 2026
Nach den Vorgaben der FIFA wird in allen Stadien auf Naturrasen gespielt. Je nach Standort und Eigenschaften der Stadien werden spezielle Rasensysteme mit ,Cool-Season‘- und ,Warm-Season‘-Gräsern eingesetzt. In unterschiedlichen Varianten wird Hybridrasen als Mattensystem oder als getuffteter (,stitched‘) Fertigrasen genutzt (SIS PITCHES, 2026).
Die 16 Stadien der Fußball-WM 2026
Kanada, Mexiko und die USA teilen sich die Gastgeberrolle bei der bevorstehenden Fußball-WM 2026, dabei kommen spektakuläre Arenen zum Einsatz (Quelle: FIFA, 2025):
Elf Spielstätten in den USA
- Arlington: Dallas-Stadion, AT&T Stadium
- Atlanta: Atlanta-Stadion, Mercedes-Benz Stadium
- East Rutherford: New-York-New-Jersey-Stadion, MetLife Stadium
- Foxborough: Boston-Stadion, Gillette Stadium
- Houston: Houston-Stadion, NRG Stadium
- Inglewood: Los-Angeles-Stadion, SoFi Stadium
- Kansas City: Kansas-City-Stadion, Arrowhead Stadium
- Miami Gardens: Miami-Stadion, Hard Rock Stadium
- Philadelphia: Philadelphia-Stadion, Lincoln Financial Field
- Santa Clara: San-Francisco-Bay-Area-Stadion (Levi’s Stadium)
- Seattle: Seattle-Stadion, Lumen Field
Zwei Spielstätten in Kanada
- Toronto: Toronto-Stadion (BMO Field)
- Vancouver: BC Place Vancouver (BC Place Stadium)
Drei Spielstätten in Mexiko
- Guadalupe: Monterrey-Stadion
- Mexiko-Stadt: Mexiko-Stadt-Stadion (Aztekenstadion)
- Zapopan: Guadalajara-Stadio (Estadio Akron)
Vorkultivierung der Mattensysteme beim Produzenten
Viele der WM-Austragungsorte (insbesondere in den USA) sind reguläre Football-Stadien mit Kunstrasen. Diese werden in den Wochen vor dem Turnier umgerüstet und mit natürlichen Rasensystemen ausgestattet, die den FIFA-Anforderungen entsprechen müssen. Der Trend geht dabei zur Nutzung von Hybridrasen-Systemen, die entweder direkt beim Fertiggrasen-Produzenten als Mattensystem kultiviert werden oder nach dem Verlegen des Fertigrasens im ,Stitching-Verfahren‘ mit Fasern armiert werden.
Die Hybridsysteme werden sowohl mit ,Warm-Season-Gräsern‘ (Bermudagrass, Cynodon dactylon), als auch mit den ,Cool-Season-Gräsern‘ (Wiesenrispe, Poa pratensis, und Deutsches Weidelgras, Lolium perenne) je nach Standort ausgestattet sein (SIS PITCHES, 2026). Diese Rasenkombination sorgt für höchste Stabilität, Belastbarkeit und Strapazierfähigkeit während des intensiven Turniers. In dieser Zeit ist dann das Know-how der Pflege-Teams vor Ort gefordert, damit die Wachstumsbedingungen (Feuchtigkeit, Nährstoffe, Licht und Temperatur) optimal eingestellt werden. Eine fachliche Unterstützung erfolgt durch ein Team der University of Tennessee und der Michigan State University.


FIFA-Qualitätsvorgaben
Von der FIFA werden Standards für die Qualität der Rasenflächen vorgegeben, dies gilt insbesondere für große Turniere wie die FIFA WM 2026. Diese ,Guidelines‘ sollen sicherstellen, dass die Spielfelder den Anforderungen an Spielqualität, Sicherheit, Belastbarkeit und Gleichmäßigkeit entsprechen. Die Umsetzung und Kontrolle dieser Vorgaben erfolgen über ein formales FIFA-Qualitätsprogramm und durch zertifizierte Prüfstellen (FIFA, 2023).
Umfangreiche Forschung und Prüfung
Weit vor dem eigentlichen Turnier beauftrage die FIFA die University of Tennessee in Kooperation mit der Michigan State University, die Entwicklung eines innovativen Rasensystems voranzutreiben, dessen Ziel es ist, den perfekten Spielfeldbelag für eine ultimative Leistung zu schaffen.
Das Team unter der Leitung von Professor John Sorochan, (University of Tennessee, UT), übernahm durch eine fünfjährige Zusammenarbeit mit der FIFA, die wissenschaftliche Betreuung dieses Großprojektes.
Die größte Herausforderung für das Forschungs-Team bestand darin, mit den erheblichen Unterschieden zwischen den einzelnen Stadien an den jeweiligen Standorten umzugehen. Eine Kernfrage lautete: „Wie können wir nordamerikanische Rasenproduzenten und Greenkeeping-Teams in die Lage versetzen, die FIFA-Anforderungen für einen einheitlichen Naturrasen umzusetzen, wenn jedes Austragungsstadion so spezielle Eigenschaften besitzt“ (UT, 2025)? Die 16 Stadien und Trainingsstätten der FIFA-Weltmeisterschaft erstrecken sich über Tausende von Kilometern, in mehreren Klimazonen mit großen Höhenunterschieden.
Eine weitere Erschwernis liegt darin, dass acht der 16 Stadien in erster Linie für die Verwendung durch die NFL mit Kunstrasen ausgelegt sind, und fünf sind mit einer Kuppel überdacht (Dome).
Die Forscher der UT werden die bestmöglichen Spielflächen unter Berücksichtigung der Sicherheit und höchsten Leistungseigenschaften für die Spiele der Weltmeisterschaft gewährleisten.




Gleichmäßigkeit und Traktion stehen für Sicherheit
„Die Gleichmäßigkeit des Rasens ist entscheidend für die Sicherheit und Leistung der Athleten“, sagte Sorochan. Das bedeutet: keine Divots, keine weichen Stellen oder nasse Bereiche. Der Ball sollte einen gleichmäßigen Rückprall haben. Die Spieler müssen sich darauf verlassen, dass sie während eines Turniers auf jedem Spielfeld die ideale Traktion und die gleichen Spielbedingungen vorfinden (UT, 2025).
Sorochans Kollege, Professor John Stier am Department of Plant Sciences, hat zahlreiche Verletzungen von Spielern beobachtet, die direkt mit dem Spielbelag zusammenhängen. „Der Spielbelag als Interaktion mit dem Fußballschuh ist auf jedem Leistungsniveau wichtig für die Sicherheit und das regelgerechte Spiel“, sagt John Stier. „Seit 2008 arbeiten wir mit der Fakultät für Biomechanik und Kinesiologie zusammen. 2009 haben wir eine millionenschwere Partnerschaft mit AstroTurf geschlossen, um das Center for Athletic Field Safety zu eröffnen“, so Sorochan. „Unser Ziel ist es, nicht nur als Pflanzenwissenschaftler den Rasen zu verstehen, sondern auch nachzuvollziehen, wie Sportler mit dem Rasen interagieren. Die Zusammenarbeit mit der FIFA passt perfekt dazu“ (UT, 2025).
Sorochans Forschungsteam setzt sich nicht nur aus Mitgliedern der Fakultät zusammen, sondern über eine enge Verbindung zu ,Trey‘ Rogers III und seinem Team an der Michigan State University, arbeiteten diese ebenfalls an dem FIFA-Forschungsprojekt intensiv mit (UT, 2025).
Gräserauswahl und Vegetationsbelichtung
Zunächst haben die Forscher der UT und der Michigan State University die Auswahl an Grasarten eingegrenzt. Sie entschieden sich für Bermudagrass (Cynodon dactylon) für wärmere Klimazonen und Kentucky-Bluegrass (Poa pratensis) und Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne) für kühlere Klimazonen. Die Kaltzonen-Gräser werden für den Einsatz in den überdachten Stadien getestet.
Die erforderlichen Experimente, insbesondere zur Belichtung, wurden von der FIFA finanziert und in der hochmodernen Indoor-Forschungseinrichtung am East Tennessee AgResearch der University of Tennessee durchgeführt (UT, 2025).
Für die Kuppelstadien kommen LED-Beleuchtungssysteme zum Einsatz, die auch an allen Austragungsorten genutzt werden.
Flachprofil-System für mobilen Einsatz
Für die Stadien mit den Kunstrasenaufbauten musste ein temporäres System entwickelt werden, das eine schnelle Installation und Entfernung zwischen den Veranstaltungen ermöglicht. Dazu setzte man auf eine reduzierte Wurzelzone, die das Wachstum der Gräser ermöglicht, die Bespielbarkeit und die Sicherheit für die Spieler gewährleistet und mindestens drei Monate lang halten kann.
Das Team entschied sich für Rasen, der auf Plastikfolie angezogen wurde, um den Stress für die Pflanzen bei der Ernte (Schälen) und der anschließenden Verlegung zu reduzieren. Unter dem Rasen wurden die häufig bei Kunstrasen verwendeten Stoßabsorptionsmatten getestet. Geeignete Messungen zeigten, dass eine Elastizitätsschicht nicht erforderlich war, aber zur Absicherung der Luft- und Wasserzirkulation auf dem Betonboden musste das Gras angehoben werden.
„Wir haben über 170 Experimente mit der FIFA durchgeführt und uns schnell auf Veränderungen und Herausforderungen eingestellt und stets evidenzbasierte Daten geliefert“, so Prof. Sorochan. „Mit Blick auf die Zukunft arbeiten wir an Innovationen, um Rasengräser länger in Hallen zu kultivieren. Dazu sind eine hocheffiziente Bewässerung und ein pflanzenspezifischer Belichtungsbedarf erforderlich“.
Ausblick
Als technische Neuentwicklung entstand bei diesen Forschungsaktivitäten u.a. auch das ,fLEX-System‘ zur zielgerichteten Prüfung der Spielfeldoberfläche (UT, 2025).
Hierbei handelt es sich um ein Prüfgerät, das mit einem echten Fußballschuh und verschiedenen Sensoren die Interaktion zwischen Spieler und Rasen in der Bewegung simuliert. Es liefert objektive Daten zur Qualität des Spielfeldbelages, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsaspekte für die Spieler.
Literatur
- BROUGHTON, D., 2026: LinkedIn. www.linkedin.com/posts/david-broughton-b1946963_im-in-atl-this-week-for-the-sports-business-share-7442582561555558400-rmAc/?utm_source=share&utm_medium=member_android&rcm=ACoAAD8SC0UBfaL99KBTUe9KoQvIC2rBa2a9tG4&skipRedirect=true.
- CARNAHAM, C., 2026: LinkedIn. www.linkedin.com/posts/christopher-carnahan-84323085_the-indoor-pitch-project-is-moving-along-ugcPost-7428118398569721856-Np38/?utm_source=share&utm_medium=member_android&rcm=ACoAAD8SC0UBfaL99KBTUe9KoQvIC2rBa2a9tG4.
- FIFA, 2025: Die Stadien der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 26™. www.fifa.com/de/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/wm-2026-stadien-mexiko-usa-kanada.
- FIFA, 2023: FIFA Natural Turf Guidelines. https://digitalhub.fifa.com/m/13a9ba8e47d968ea/original/FIFA-Natural-Turf-Guidelines.pdf.
- MÜLLER-BECK, K.G., 2026: Naturrasen im Fokus der Fußball-WM 2026. www.rasengesellschaft.de/newsreader/naturrasen-im-fokus-der-fussball-wm-2026.html.
- SIS PITCHES, 2026: Hybrid Grass Guide: Uses, Benefits and Maintenance Explained. www.sispitches.com/news/hybrid-grass-guide/.
- UT, 2026: Bringing UT’s Turfgrass Expertise to FIFA World Cup 26. www.utk.edu/turfgrass/.
- UT, 2025: Research, Innovation & Economic Development. The University of Tennessee. https://research.utk.edu/oried/2025/12/16/game-changing-research/?_gl=1*1vjsiw8*_ga*NzYzMjE1ODQ5LjE3Njc1NDAyNDA.*_ga_459EKBVHD1*czE3Njc1NDAyNDAkbzEkZzEkdDE3Njc1NDE2ODkkajYwJGwwJGgw


