Digitale Technologien als Treiber der Platzpflege
Von der Bestandsaufnahme zur Zukunftsstrategie
Am Ende einer Rasensaison steht in der Regel die Bestandsaufnahme zur Bewertung der Rasenqualität in Verbindung mit den durchgeführten Maßnahmen aus der abgelaufenen Saison. Was war wirkungsvoll? Welche Schwächen hat der Rasen gezeigt? Wie hoch waren die Pflegeaufwendungen? Im günstigsten Fall liegen entsprechende Daten vor, die jetzt ausgewertet werden sollten.
Aus diesen Erkenntnissen können in den Wintermonaten angemessene Pflegekonzepte für die zukünftige Entwicklung einer Golf- oder Sportanlage abgeleitet werden. Was sind die Herausforderungen, was sind die Trends für die nähere Zukunft? In den Fachkreisen erwartet man, dass sich die Digitalisierung rasch vom Hilfsmittel zum Standardwerkzeug entwickeln wird. Sie macht somit die Sportplatzpflege effizienter, nachhaltiger und auch für kleinere Vereine professionell beherrschbar.
Monitoring und Digitalisierung
Pflegekonzepte werden verstärkt daran gemessen, wie effizient sie Spielqualität, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung miteinander verbinden. Für die Planung heißt das, einen praxisnahen Einsatz digitaler Technologien, klimaangepasster Pflegestrategien und möglichst innovativer Rasenlösungen zu berücksichtigen.
Die Digitalisierung wird zu einem zentralen Treiber der Sportplatzpflege der Zukunft und entwickelt sich rasch vom Trend zum Standard, dies bedeutet:
- Datengestützte Entscheidungen: Sensoren, Drohnen und Apps liefern präzise Informationen über Bodenfeuchte, Nährstoffstatus und Belastung.
- Effizienzsteigerung: Automatisierte Systeme optimieren Bewässerung, Düngung und Pflegeintervalle, Ressourcen wie Wasser, Dünger und Energie werden gezielt eingesetzt.
- Nachhaltigkeit: Durch digitale Auswertungen lassen sich Pflegekonzepte klima- und standortgerecht anpassen.
- Transparenz und Dokumentation: Digitale Plattformen ermöglichen eine lückenlose Nachverfolgung und erleichtern Kommunikation mit den Vereinen, Behörden und Fördergebern.
In verschiedenen Teilbereichen der Golf- und Sportplatzpflege wird bereits die Unterstützung durch autonom arbeitende Geräte genutzt. Voraussetzung für den Einsatz sind geeignete Daten zur Steuerung der Mähroboter oder zur Führung von Markierrobotern auf dem Sportplatz. Die Angebote und Ausstattungen nehmen rasant zu, sodass bei anhaltendem Fachkräftemangel die Nutzung der neuen Technik beschleunigt wird.
Materialien und Systeme
Bei der Auswahl von Düngemitteln werden verstärkt organische Produkte genutzt, die in Kombination mit innovativen Biostimulanzien zu umweltfreundlichen Nährstoffsystemen kombiniert werden. Aus der Gräserzüchtung wird angepasstes Saatgut mit widerstandsfähigen Rasensorten für höhere Stressresistenz bei Trockenheit und Rasenkrankheiten erwartet. Ein besonderes Augenmerk gilt den sensorgesteuerten, intelligenten Bewässerungssystemen zur Einsparung der Ressource Wasser. Für hochwertige, stark genutzte Rasensportplätze werden Hybridrasensysteme bevorzugt eingebaut.
Dienstleister und Robotertechnik
Qualifizierte Fachkräfte kommen oft nur noch in spezialisierten Dienstleistungsunternehmen zum Einsatz. So dürfte in fünf bis zehn Jahren auf vielen modernen Sportplätzen der Roboter-Einsatz zum Standard werden. Insbesondere beim Mähen werden autonome Maschinen die Arbeiten weitgehend übernehmen.
Bei entsprechender Robotertechnik in Kombination mit Sensorik, Drohnen und automatisierten Bewässerungssystemen entsteht so ein halb- bis vollautonomes Pflegesystem, das Ressourcen spart, den Rasen gleichmäßiger in Schuss hält und ökologische Belastungen minimiert. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und auch aus wirtschaftlichen Überlegungen wird die Robotertechnik in der Golf- und Sportplatzpflege in den nächsten Jahren einen deutlich größeren Stellenwert bekommen.
Startups als Plattform
Startups spielen eine zentrale Rolle, da sie flexibel und agil sind, um neue Technologien zu entwickeln und anzupassen. Sie arbeiten oft an der Schnittstelle von Technologie und Realisierung der Sportrasenpflege. Das erlaubt ihnen schon heute, innovative und praxisnahe Lösungen anzubieten und regional zu optimieren.
So legt beispielsweise Raw Stadia den Fokus auf hochpräzise Datenerfassung und Analyse von Spielflächen zur Optimierung der Spielqualität und Sicherheit. Greenway fördert die Entwicklung intelligenter Systeme für ressourcenschonende Bewässerung und Pflege mit Nutzung der Satellitenüberwachung. Eine Cloud-basierte Rasenmanagement-Software liefert Turfcoach. Hierbei werden die Daten von Sensoren, Wetterstationen und Drohnen in Pflegeplänen integriert. Startups bringen frisches Wissen und innovative Denkansätze in eine Branche, die traditionell von Handarbeit und Erfahrung geprägt ist.

Ausblick
Die derzeitigen technischen Ausstattungsmöglichkeiten und die fortlaufende Entwicklung der Digitalisierung werden die Akzente in der Golf- und Sportplatzpflege eindeutig verändern. Neue Standards und höhere Erwartungen an die Platzqualität bestimmen die zukünftigen Parameter, wie beispielsweise:
Smart-Turf-Ökosystem
Im Boden verbaute Mikrosensoren messen Feuchte, Temperatur, pH-Wert, Nährstoffgehalt und die Bodenverdichtung in Echtzeit. Diese Daten fließen dann in eine zentrale KI-Plattform, die mit den gelieferten Informationen die Bewässerung, die Düngung oder Belüftung exakt steuert. Bei den Stadion-Rasenflächen mit Vegetationsbelichtung werden derartige Systeme bereits genutzt. Statt flächiger Düngung gibt es Spot-Behandlungen dort wo es nötig ist. Dabei kommen Mini-Drohnen oder punktgenaue Injektorgeräte zum Einsatz.
Ökologisch geschlossene Kreisläufe
Direkt an der Golf- bzw. Sportanlage findet die Grünschnittkompostierung statt. Das Schnittgut wird somit vor Ort zu organischem Dünger verarbeitet. Durch angemessene Regenwasserspeicher und eine geeignete Grauwasser-Aufbereitung entsteht eine nahezu 100 % autarke Bewässerung. Zukünftige Rasenpflegeprodukte stammen weitgehend aus biologischen Quellen, z.B. Mikroalgen-Systeme oder diverse Biostimulanzien.
Assistenzsysteme im Greenkeeping
Mit der Nutzung von AR-Brillen wird die reale Erfassung des Rasens mit computergenerierten, digitalen Informationen überlagert, um die Wahrnehmung des Nutzers zu erweitern, ohne ihn von seiner Umgebung abzuschirmen. AR-Brillen zeigen in Echtzeit den Qualitätszustand jeder Rasenfläche an und schlagen bei Bedarf Pflegemaßnahmen vor. Diese Brillen nutzen Kameras und Sensoren, um die Umgebung zu erfassen, und projizieren dann digitale Inhalte direkt in das Sichtfeld des Benutzers.
Historische Wachstums- und Benutzungsdaten helfen bei der Planung von Turnieren ohne Überlastung des Platzes. Das Fachpersonal fokussiert sich auf die Qualitätskontrolle und die strategische Ausrichtung bei der Platzentwicklung.
Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz
Zukunftsfähige Sport- und Golfanlagen produzieren mehr erneuerbare Energie (Solar, Mikrowind) als sie verbrauchen. Damit wird auch der Einsatz von E-Mobilität für die Pflegegeräte erweitert. Auf diese Weise wird die CO2-Bilanz der Anlage negativ, da der Rasen CO2 aufnimmt und Kohlenstoff im Wurzelhorizont speichert. Die gesamte Anlage setzt auf Kreislaufwirtschaft und ist somit besonders nachhaltig.
Fazit
Nachhaltige Sportrasenpflege entwickelt sich klar in Richtung Technologiegestützte Effizienz. Es entstehen Netzwerke physischer Geräte, die mit Sensoren und Software ausgestattet sind (IoT = Internet of Things, smarte Bewässerung). Umweltgerechte Betriebsstoffe wie Dünger, Pflanzenschutz oder Sand gewinnen an Bedeutung (organisch, recycelt, regional). Die Daten aus dem Monitoring fließen in eine zentrale KI-Plattform, mit deren Hilfe zielgerichtete individuelle Pflegekonzepte bereitgestellt werden, sodass der hohe Qualitätsstandard auf den Golf- und Sportanlagen gesichert wird.
Quellen
CHATGPT, 2025: KI-Anwendung. chatopenai.de
GREENWAY, 2025: Greenkeeping – besser gemacht! greenway-turf.com/de/
RAW STADIA, 2025: Optimising Boot Selection with Surface Data & Team Collaboration. www.rawstadia.com/post/optimising-boot-selection-with-surface-data-team-collaboration
TURFCOACH, 2025: Connecting Sports and Turfgrass for the Best Results. www.turf.coach/about-us
Autor: Dr. Klaus G. Müller-Beck | Greenkeepers Journal 4/25





