Corona, der Platzpflegekostensenker

Einsparpotenziale im Greenkeeping erkennen

Bild: © Somchai Rakin/123rf.com

In einer besonderen Golfsaison, wie der in 2020, stehen unter anderem Überlegungen an, die Kosten in der Platzpflege zu senken, um Greenfeeausfälle zu kompensieren, die durch die Zeit des bundesweiten Lockdowns entstanden sind.

 

Manche Greenkeeping-Teams auf Golfanlagen haben die Golfer-freie Zeit genutzt, um Renovierungen und spezielle Pflegemaßnahmen durchzuführen, die im Spielbetrieb erheblich mehr Zeit gekostet hätten oder zu Einschränkungen des Spielbetriebs geführt hätten. Das war vorausschauend und zahlt sich jetzt durch zufriedene Kunden aus. Andere haben die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, die Pflege auf ein Minimum reduziert und keine Renovierungen wie beispielsweise der Wege, der Beregnungsanlage oder Nachsaaten durchgeführt.

 

Manche Golfanlagenbetreiber, ob nun Verein- oder Betreiber-geführt, überlegen wie sich die Kostenseite auch im Greenkeeping dauerhaft optimieren lässt. Das ist ein sensibles Thema, soll die Kostenersparnis doch nicht dazu führen, dass die Qualität leidet.

 

Eine Quadratur des Kreises?

Dann ist die Zeit gekommen, sich zu fragen, was alles nicht angegangen werden muss und, was es wert ist, es in der Zukunft zu tun.

 

Um diese Veränderungen in der Platzpflege seriös und fundiert antizipieren zu können, ist die Erhebung von Daten unerlässlich.

 

Da das Greenkeeping in der Regel den größten Kostenfaktor für den Betrieb einer Golfanlage bedeutet, lohnt es sich besonders, hier Hintergrundwissen aufzubauen und zu vertiefen. Können Sie Ihre Greenkeeping-Kosten transparent darstellen? Wenn ja, haben Sie gute Karten, Einsparungen vorzunehmen, ohne an der Platzpflegequalität Veränderungen vorzunehmen.

 

Neben dem Verständnis für die notwendigen Prozesse im Greenkeeping, ist es unerlässlich, diese auch zu dokumentieren, um zu einer Bewertung kommen zu können.

 

Damit das nicht so abstrakt ist, hier ein praktisches Beispiel: Auf der Golf­anlage „Die schönste in der Region e.V.“, die auch vom „e.V.“ betrieben wird, ist nach sechs Jahren wieder ein neuer Vorstand gewählt worden. Die Personen des alten Vorstands treten komplett zurück und ein neuer Vorstand tritt geschlossen an. Dieser geht auch motiviert ans Werk. Platzvorstand „John Spindel“ hat sich schon immer über das Hardrough links an Bahn 4 geärgert, da hooken er und seine Stamm-Flightpartner regelmäßig ihre Drives hinein. Ergo ist jetzt die Zeit gekommen, diesen „Missstand“ zu verbessern. Verbessern in dem Sinne, diese und weitere Spielbahnen zu verbreitern, indem die Hardrough-Fläche zugunsten einer Semirough-Fläche in Gesamtheit um 20% verringert wird. Da John Spindels Erfahrungen im Bereich Greenkeeping sich aufs Golf spielen und die Pflege von 100 qm Rasenfläche vor dem Eigenheim beschränken, kann er sich keine Vorstellung von der wirtschaftlichen Dimension dieser Entscheidung machen. Sofern es John Spindel weder der Clubmanager, noch der Head-Greenkeeper sagen, wird sein Kenntnisstand sich auch in Zukunft nicht verändern.

 

Der auch im Greenkeeping versierte Clubmanager wird dem neuen Platzvorstand Spindel voraussichtlich folgende oder ähnliche Rechnung aufmachen: Unsere Kosten für das Semirough-Mähen liegen bei EUR 24,-/Mannstunde und EUR 34,-/Stunde Vollkosten Semirough-Mäher, also gesamt bei EUR 58,-/Stunde.

 

Der Clubmanager weiß, dass für das Semirough-Mähen in den letzten zwei Jahren im Mittel 865 Stunden p.a. aufgewendet wurden. EUR 58,00 x 865 Stunden = EUR 50.170,-. Durch eine Erweiterung der zu mähenden Fläche des Semiroughs um 20% werden 190 Stunden zusätzlich pro Saison gemäht. EUR 58,00 x 190 Stunden = EUR 11.020,-. Die gesamten Kosten fürs Semirough-Mähen belaufen sich also künftig auf EUR 61.190,- und somit zusätzlichen EUR 11.020,- pro Saison. Wie gesagt, es handelt sich hierbei nur um ein Beispiel.

 

Aber, es geht auch anders: Drehen wir das Beispiel um und sparen uns das Mähen von 20% der Semirough-Flächen rund um die Abschläge, so können die eingesparten 190 Mannstunden, die etwa 1,2 Mannmonate entsprechen, für Grünflächenpflege etc. rund um das Clubhaus/Parkplatz eingesetzt werden. Weiterhin verlängern die eingesparten Maschinenstunden die Lebensdauer der Maschine und die Treibstoffkosten werden reduziert.

 

Ganz unabhängig von den Kosten sei nebenbei bemerkt, dass bei einem sachverständigen Blick auf die Anlage und in Abstimmung mit dem Greenkeeping auch andere sinnvolle Maßnahmen gleich mit in Betracht gezogen werden können: Im Bemühen, die Biodiversität der Golfanlagen nach außen zu dokumentieren, ist auch daran zu denken, nicht ins Spielgeschehen eingreifende Flächen in Hardroughs umzuwandeln.

 

Das Wissen um Einsparpotenziale bietet eine seriöse und kompetente Basis, um Kosten zu senken, ohne an der Platzpflegequalität zu sparen. Dabei helfen kann ein geschulter Blick auf einen Golfplatz, der nach einem spe­ziellen Aspekt sucht und nicht nur nach breit ausgemähten „Autobahnen“. Mit der Kenntnis über Flächenverhältnisse auf einer Golfanlage und deren Pflege lassen sich Veränderungen vornehmen, die der Golfer kaum bemerkt, die sich jedoch zu einer relevanten Kostensenkung im Verlauf der Jahre kumulieren.

 

Autor: Adriaan A. Straten | golfmanager 3+4/2020

 

 

Quelle

Eigene Erfahrungen als Golfanlagen-Geschäftsführer; Zahlen beispielhaft aus einer Greenkeeping-Software.

 

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