Ich habe meine Entscheidung nie bereut

Nachgefragt bei Günther J. Bachor, G&CC Attighof

Facts zur Anlage

Name: Attighof Golf & Country Club e.V.

Adresse: Attighof 1, 35647 Waldsolms-Brandoberndorf

Größe der Anlage: 80 ha, über 60 Bunker

Baujahr: 1990

Löcher: 18

Betreiber/Club: Betreiber-geführte Anlage

Schwierigkeitsgrad: Sportlich-anspruchsvoll

Eingebettet in der Naturlandschaft des Taunus, in ruhiger Umgebung, liegt der Attighof Golf & Country Club. Obwohl sich die Anlage nur 35-40 Autominuten von Frankfurt/Main entfernt befindet, spielt man auf dem leichten bis anspruchsvollen Platz mit kleinen Hügeln, Wald und Wasser in angenehmer und ruhiger Atmosphäre. Breite Fairways, saftige Grüns und über 60 Bunker befinden sich auf der 5-Sterne klassifizierten Anlage. Eine großzügige Driving Range rundet das golferische Angebot ab. Betreiber der Anlage ist Günther J. Bachor mit seiner Frau Edith. Wir befragten ihn zu seiner Entscheidung 2014, das Greenkeeping an ein Platzpflegeunternehmen zu vergeben.

? Herr Bachor, auf dem BVGA-Golffachkongress Anfang 2017 sprachen Sie zum Thema „Outsourcing Greenkeeping – Warum ich diese Entscheidung immer wieder treffen würde“. Können Sie die Gründe nochmals kurz erläutern, die Sie zu diesem Schritt bewogen?

 

! Nach rund 20 Jahren Greenkeeping im Eigenbetrieb wechselten wir auf dem Attighof 2014 zu einem externen Dienstleister. Die wichtigsten Gründe hierfür waren eine höhere Planungssicherheit, der Wunsch nach einer Verbesserung der Platzqualität, nicht zuletzt aber auch eine Entlastung im Büro angesichts des immer größer werdenden Aufwands in der Platzpflege.

 

? Ihre Erfahrungen bei der praktischen Umstellung der Golfplatzpflege?

 

! Zunächst „durchforstete“ ein Trupp der Pflegefirma unsere Maschinenhalle und ordnete, entsorgte und katalogisierte alles.

Bereits hier zeigte sich die hohe Professionalität, wie gleich von Anfang zu Werke gegangen wurde. Ein für uns wichtiger Punkt war, dass alle unsere Mitarbeiter ihren Job behielten – mit allen Rechten bei den z.T. langjährigen Berufsverhältnissen. Auch der Maschinenpark wurde komplett übernommen, natürlich zu einem entsprechenden Zeitwert.


Prinzipiell ist es jetzt so bei uns, dass konsequent alle vier Wochen eine Revision durch einen Supervisor des Unternehmens erfolgt. Zusammen mit dem Head-Greenkeeper, dem Clubmanager sowie mir als Betreiber wird nach einer Platzbesichtigung ein Protokoll erstellt, das neben Fotos vom Platz als Arbeitsgrundlage und Gedächtnisstütze für den nächsten Termin dient. Auch regelmäßig eingesandte Labor-Proben führten in den letzten drei Jahren zu einer nachweislich feststellbaren Qualitätsverbesserung des Platzes.

 

? Was würden Sie als wichtigsten Punkt anführen, den es bei einer Fremdvergabe zu beachten gilt?

 

! Als wichtigstes würde ich das im Vorfeld einer Vergabe erstellte „Pflichtenheft“ mit einem externen Berater ansehen, in dem alle Details geregelt sind. Hier kann gar nicht genug Zeit und Mühe darauf verwendet werden. Auch einen nach wie vor engen Kontakt zum Head-Greenkeeper halte ich für zwingend nötig, insofern handelt es sich um einen Irrglauben, wer meint, mit einer Vergabe der Platzpflege hätte man damit nichts mehr zu tun oder hätte gar keinerlei Einflussmöglichkeit mehr.

 

? Gibt es auch Kritisches, das Sie anführen können?

 

! Kritisch weniger, der Trend in den letzten Jahren geht eindeutig zum Outsourcing. Sehen Sie doch einmal zu unseren niederländischen Nachbarn, dort werden mittlerweile rund die Hälfte aller Anlagen von Externen gepflegt. Wenn ich etwas suchen müsste, vielleicht die Tatsache, dass bei einem größeren Unternehmen mit vielen Anlagen nicht ganz so flexibel hinsichtlich Wetter agiert werden kann wie bei einem Einzelbetrieb; gerade bei Sondermaßnahmen werden große Maschinen-Sondertrupps eingesetzt, die nicht ohne weiteres umterminiert werden können.

 

? Letzte Frage, die Sie uns natürlich nicht mit Zahlen belegen müssen, es geht mehr um Ihre Einschätzung nach drei Jahren Erfahrung mit dem Outsourcing der Platzpflege: Hat sich die Fremdvergabe für Sie wirtschaftlich ausgezahlt?

 

! Nein, die Wirtschaftlichkeit stand nicht im Mittelpunkt der Entscheidung, die Kosten sind in etwa gleich geblieben. Ich kann und möchte nicht über Vertragsbestandteile im Detail sprechen, ich kann nur sagen, dass sich die Fremdvergabe für uns ganz klar „rentiert“ hat; monetär wie gesagt weniger, aber gerade hinsichtlich des reduzierten Aufwands in der Verwaltung, nicht zuletzt aber auch angesichts der gestiegenen Anforderungen im Greenkeeping, was beispielsweise rechtliche Vorschriften angeht. Ich jedenfalls habe ein gutes Gefühl, mit Fachleuten zusammenzuarbeiten, die mit viel Erfahrung und vor allem dem Vergleich zu anderen Anlagen für den Attighof bestmögliche Arbeit abliefern. Außerdem haben wir weniger Stress und können uns mehr auf unsere Kernaufgabe, den Spielbetrieb, konzentrieren.

 

Herr Bachor, recht herzlichen Dank für dieses offene Gespräch und dem Attighof eine pflegerisch gute Saison!

 

Die Gespräche führte Stefan Vogel (s.vogel (at) koellen.de) ❘ golfmanager 03/2017.


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