Erfahrungen mit dem Outsourcing der Golfplatzpflege

Überlegungen von Führungskräften auf Golfanlagen

Bei den Platzpflegeunternehmen gibt es bekanntermaßen einige wenige „big player“, aber auch eine Gruppe kleinerer Unternehmen, die die Übernahme einzelner Aufgaben bis hin zur kompletten Platzpflege anbieten. In unserer Beitragsreihe zum Outsourcing geht es uns nicht darum, einzelne Anbieter zu „bewerten“ oder gar Stärken/Schwächen mit Firmennamen in Verbindung zu bringen. Letztlich ist jede Golfanlage selbst gefordert, den für ihre Anforderungen passenden Partner auszuwählen. Wir beschränken uns deshalb bei den nachfolgenden Interviews und Statements darauf, neutral lediglich von „Platzpflegeunternehmen“ zu sprechen.

 

Bewusst haben wir zwei Einzelanlagen (G&CC Attighof und  GC Schloss Westerholt) für unsere ausführlicheren Interviews gewählt, um eine größtmögliche Vergleichbarkeit zu gewährleisten:

 

 

Daneben ging 2016 durch die Medien, dass die GolfRange ihre Anlagen wieder in Eigenregie pflegt. Da die GolfRange mit insgesamt zwölf stadtnahen Anlagen in Deutschland – gerade im süddeutschen Raum – ähnliche Synergien nutzen kann, wie ein mehrere Anlagen betreuendes Pflegeunternehmen, baten wir Hans-Peter Thomßen deshalb nur um ein kurzes Statement zu seinen Beweggründen. Darüberhinaus befragten wir auch den Kölner GC bzw. den GC Schönbuch nach ihren generellen Erfahrungen mit der Vergabe der Platzpflege.

 

 

Eine Frage an Hans-Peter Thomßen, Geschäftsführer GolfRange GmbH

? Herr Thomßen, 2016 gingen Sie dazu über, die Platzpflege Ihrer GolfRange-­Anlagen wieder in Eigenregie zu übernehmen. Wie lange hatten Sie das Greenkeeping fremdvergeben und was waren die Gründe für den jetzigen Schritt?

 

! Seit Beginn der Aktivitäten der GolfRange GmbH im Jahre 1996 haben wir die Golfplatzpflege „outgesourct“. Damit wurde bis zum Jahre 2016 immerhin fast 20 Jahre eine überregionale Golfplatzpflege-Firma beauftragt. Und das bei wachsender Anlagenzahl bis auf momentan zwölf Golfplätze in Deutschland. In Norddeutschland wurde die Pflege vor fünf Jahren einer weiteren Fachfirma übertragen.

 

Von Beginn an wollten wir uns „nur“ um unsere Kernkompetenz, den „Bau und den Betrieb von Golfanlagen“ kümmern. Alle Zusatzaufgaben wie Pro-Shop, Gastronomie, Golfunterricht oder eben Greenkeeping gaben wir in die bewährten Hände von Fachleuten, die in ihrem jeweiligen Spezial-Gebiet eine höhere Expertise aufweisen konnten wie wir selbst.

 

Was hat uns zu einer Änderung im Bereich Greenkeeping bewogen? Da sind drei wichtige Parameter entscheidungsrelevant:

  • Die enge Zusammenarbeit mit der Murhof-Gruppe (größter Golfbetreiber in Österreich mit 15 Golfanlagen) ermöglichte uns einen Zugriff auf umfassendes Greenkeeping-Know-how, da die dortigen Golfanlagen von einer Greenkeeping-Fachfirma in Eigenverantwortung (Inhaber Murhof-Gruppe) gepflegt werden. Das ermöglicht uns die eigene Pflege der Anlagen im bayerischen Raum aufgrund eines deutlichen Know-how-Zuwachses innerhalb unserer Partnerschaft.
  • Die Anlagen in Norddeutschland und auch die letztjährig übernommenen fünf Golfanlagen rund um Wien werden weiterhin fremdgepflegt, wobei insbesondere die Pflege der österreichischen Anlagen durch die der Murhof-Gruppe angegliederte Pflege-Fachfirma interne Synergie-Effekte in der Gruppe mit sich bringt. 
  • Die Konzentration auf unsere Kernkompetenz „Bau und Betrieb von Golfanlagen“ erhält nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Bereich Golf eine andere Bedeutung und setzt durch standardisierte Arbeitsabläufe und Arbeits-Routinen Zeitfenster frei, die golfrange-intern für erweiterte, standardisierte Aufgabenfelder wie das Thema Geenkeeping genutzt werden können („Standards“).

Eine Frage an Guido Tillmanns, Geschäftsführer Kölner GC

? Herr Tillmanns, der Kölner GC, der innerhalb weniger Jahre zu einem der Vorzeigeclubs in Deutschland wurde, hat sich insbesondere der sportlichen Ausrichtung verschrieben. So arbeiten Sie eng mit der PGA of Germany zusammen und sind 2017 erstmals Austragungsort der Final Four der KRAMSKI Deutschen Golf Liga (DGL) presented by Audi. Ihre Anlage pflegen Sie bislang in Eigenregie. Aus früheren Gesprächen weiß ich, dass Sie alle Bereiche Ihrer Golfanlage immer wieder einer Prüfung unterziehen. Spielt das Thema Outsourcing der Platzpflege für Sie eine Rolle?

 

! Outsourcing war zu Beginn der Projektentwicklung ein umfangreiches Thema, mit dem wir uns beschäftigt haben. Spätestens nach dem Bau und mit Beginn der sogenannten Fertigstellungspflege musste eine Entscheidung fallen. Wir haben hier mit verschiedenen Anbietern gesprochen und immer versucht, abzuwägen, wie hoch der Gesamtvorteil für uns sein könnte: Operativ und administrativ würden wir sicher entlastet. Dies mussten wir in Relation setzen zu den Geschäftskosten, die jede Fremdfirma uns als Aufschlag berechnen würde – im Verhältnis zur Eigenpflege.

Am Ende wurde uns die Entscheidung abgenommen: Bedingt durch den kompletten Sandaufbau der Hauptspielelemente mussten wir uns mit einem eigens für den Kölner GC zu entwickelnden Pflegekonzept beschäftigen, das zusätzlich den kompletten Verzicht auf Pflanzenschutzmittel beinhalten sollte, bei ausgewogener Nährstoffbilanz im Boden und witterungsunabhängiger Bespielbarkeit über 12 Monate.

 

Die Komplexität der Anforderungen war hoch und wir haben am Ende unter Abwägung aller Risiken entschieden, die Golfplatzpflege selbst zu übernehmen, um unser Pflegekonzept stringent umzusetzen. Da es Vergleichbares am Markt damals noch nicht gab, hätte es keinen Vertrag mit einer Fremdpflegefirma gegeben, der alle diese Chancen und Risiken beidseitig gerecht abgebildet hätte. Heute sehen wir, dass es die richtige Entscheidung war, weil wir viel Know-how über unser Pflegekonzept gesammelt haben und zu erstaunlichen Erkenntnissen über das Bodenleben gelangt sind.

 

Generell sollte ein betriebswirtschaftlich agierender Geschäftsführer/Manager/Vorstand die Option der Fremdpflege in seine Überlegungen mit einbeziehen, um neue Erkenntnisse über die Platzpflege und Organisation allgemein zu erhalten oder um saisonale Teilarbeiten zu erwägen; dies kann sinnvoll sein, wenn eine Fremdfirma mehrere Anlagen in einem engeren, regionalen Umkreis pflegt.

Eine Frage an Marc-Frederik Elsäßer, Geschäftsführer GA Schönbuch

? Herr Elsäßer, Ihre Anlage arbeitet bereits seit Jahrzehnten erfolgreich mit einem externen Platzpflege-Unternehmen zusammen. Sie als noch junger Clubmanager, wie bewerten Sie diese Zusammenarbeit mit einem – noch dazu mittleren, regionalen – Dienstleister?

 

! Die Golfanlage Schönbuch arbeitet seit 1998 erfolgreich mit einem Platzpflege-Unternehmen zusammen. In den zurückliegenden Jahren hat sich die Golfanlage Schönbuch stetig weiterentwickelt – von einer 18-Löcher-Anlage zu einer 27-Löcher-Anlage, wir waren eine der ersten Anlagen, die in das Programm Golf&Natur eingestiegen sind und gehören seit 2006 der Qualitäts- und Wertegemeinschaft der Leading Golf Courses of Germany an. Mit dieser Entwicklung sind natürlich auch die Anforderungen an die Platzpflege gestiegen. Ich denke, genau in diesem Punkt liegt die Stärke unserer Partnerschaft: Wir sind gemeinsam gewachsen, haben etwas entwickelt und uns immer neue Ziele gesteckt. Man hat sich durch stets langfristige Verträge entschlossen, einen gemeinsamen Weg zu gehen, der kann auch mal steinig sein – aber nur in einer ehrlichen Partnerschaft und dem Vertrauen in die Kompetenz des Partners kann man eben auch gemeinsam wachsen. Das ist uns (beiden), denke ich, ganz gut gelungen. Aktuell arbeiten wir gemeinsam ein neues Leistungsverzeichnis aus. Dass wir dies gemeinsam tun, hilft uns Anlagenverantwortlichen, ein Bewusstsein dafür zu bekommen, was wir konkret erreichen möchten, wie Prioritäten zu setzen sind und stärkt den Zusammenhalt mit unserem Partner. Schließlich sollen neue Ziele und Entwicklungen erreicht werden.

 

Die Gespräche führte Stefan Vogel (s.vogel (at) koellen.de) ❘ golfmanager 03/2017.

 

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