PGA Show stärkt Position im Golf-Business
Technik, Trends und Themen aus Orlando
Auch die Besucherzahlen sind erneut kräftig angestiegen, am traditionell bestbesuchten Messetag, dem Mittwoch, waren die Gänge bis zum Messeende prall gefüllt, auch der Donnerstag zeigte eine starke Besucherfrequenz – besser, als mancher Mittwoch der vergangenen Jahre. Das ist umso bemerkenswerter, als zahlreiche, vor allem US-amerikanische Besucher durch den herannahenden Wintersturm ‚Fern‘ ihre Rückreise früher als geplant antreten mussten. In 2026 präsentierte sich die Messe erneut als sehr gelungene Mischung aus Produktpräsentationen, Weiterbildungsangeboten, Show-Einlagen und nicht zuletzt Branchentreff und Networking. Wie in den letzten Jahren begann die Messe am Dienstag mit dem Demo-Day, bei dem zahlreiche Produkte von den Besuchern im Orange County National Golf Center ausprobiert werden konnten. Im Mittelpunkt stehen jedoch zunehmend die Messetage im Orange County Convention Center. Waren in den letzten Jahren noch einige Lücken auf den Ausstellungsflächen vorhanden und Teile der Hallen gar abgetrennt, präsentierte sich die Show in diesem Jahr noch größer als im Vorjahr – obwohl einige Unternehmen die Größe ihrer Stände gegenüber dem Vorjahr reduziert hatten. Der Erfolg der Veranstaltung dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass es dem Veranstalter Reed Exhibitions gelungen ist, sowohl die NGCOA (sie hält parallel ihre Golf Business Conference ab) als auch die PGA of America, die mit ihrer PGA of America Industry Stage ein breites Angebot an Branchentalks zu verschiedensten Themen bot, in das Konzept einzubinden.
Daten als neues Gold
Beim Gang durch die Messehallen wurde einmal mehr deutlich, welch enorme Rolle Technik und Daten spielen. Besonders spannend ist hier, dass die Daten oftmals nicht von den Golfanlagen selbst erhoben werden, sondern durch Dritte: nicht nur Softwareunternehmen, sondern auch Hersteller von Golfausrüstung. Ziel ist es dabei, das Golfer-Erlebnis zu optimieren. Aus Sicht der Golfanlagen liegt hierin jedoch auch ein gewisses Gefahrenpotenzial: durch ihre Anlagen-übergreifende Kombination von Daten können Softwareunternehmen und Ausrüstungsanbieter künftig noch umfassendere Analysen zu den Kundenbedürfnissen durchführen – ähnlich, wie heute Bonussysteme wie Payback oder Miles & More mehr Daten zum Kundenverhalten haben als der Einzelhandel oder Fluggesellschaften. Für Golfanlagen bedeutet dies, dass sie ebenfalls Daten benötigen, um die Zufriedenheit ihrer Kunden sicherzustellen – und das eigene Angebot fortlaufend zu optimieren. Umfragen und Mystery-Tests sind ein wichtiger Baustein, aber auch eine konsequente Sammlung von Daten über das Kundenverhalten entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf der eigenen Golfanlage – unabhängig davon, ob man diese selbst betreibt oder zum Teil Bereiche ausgelagert hat. Versäumen Golfanlagen dies, laufen sie Gefahr, entsprechende Daten zu den Erwartungen ihrer Kunden künftig von Drittanbietern kaufen zu müssen. Auch sonst spielt Technik eine immer größere Rolle. Puma beispielsweise präsentierte ihr Konzept von per 3D-Druck hergestellten Golfschlägern – was letztlich gar eine Einzelfertigung statt Serienfertigung ermöglicht.
KI – Hype und Realität
Natürlich war KI das dominierende Thema in vielen Bereichen, von der Schlägerherstellung bis hin zum Tee-sheet-Management. Auffällig jedoch: Manchmal hatte man das Gefühl, es käme vor allem darauf an, KI als Buzzword in seinen Messeauftritt einzubinden. Nicht allen Anbietern ist es jedoch gelungen, den tatsächlichen Mehrwert ihrer KI-Einbindung für Golfer oder Golfanlagen zu vermitteln. Manchmal fühlte man sich an einen alten Spruch aus der Technologiebranche erinnert: „Ich habe eine Lösung und suche ein Problem dazu ...“. Denn längst nicht alles, was heute auf KI basiert, wird vom Markt auch benötigt. Dennoch: Die Vorteile der neuen Technologie sind nicht zu übersehen, vor allem Routineaufgaben wie Startzeiten-Buchungen inklusive Wartelisten, Textüberarbeitungen oder die Übernahme von Routineaufgaben wie beispielsweise der Entlastung des Pro-Shops von Anrufen zu Standardfragen (ein gerade in den USA sehr wichtiges Thema, da hier Startzeiten weiterhin häufig telefonisch über den Pro-Shop gebucht werden) werden durch KI deutlich effizienter. Vereinzelt konnte man auch einen Ausblick auf künftige KI-Anwendungen bekommen: Hier wurde wie bei den vom Smartphone bekannten digitalen Assistenten à la Siri und Alexa KI auch als Schnittstelle zwischen Mensch und Daten genutzt. Beispiele dafür zeigt der golfmanager bei ,Uneekor‘ und ,Toptracer‘ in den separaten Kurzbeiträgen im Rahmen dieses Beitrags. Damit wächst KI aus der Rolle der internen Optimierungslösung hin zum sprachbasierten, persönlichen Assistenten. Das ist insbesondere in Hinblick auf das Golftraining interessant. Moderne Software in Verbindung mit Launch-Monitoren und Simulatoren kann nicht mehr nur den Golfschwung analysieren, sondern auch Tipps zur Verbesserung geben und damit einen individuellen Trainingsplan pro Golfer erstellen. In letzter Konsequenz kann dies bedeuten, dass KI künftig auch die Aufgaben vieler PGA-Pros im Golfunterricht übernimmt – damit wurden auf der PGA-Show letztlich Systeme präsentiert, welche den PGA-Pro zumindest in Teilen künftig überflüssig machen; eine nicht allzu fröhlich stimmende Erkenntnis, aber dennoch ein absehbarer Trend. Gerade jüngere Golfer, die den Umgang mit dem Smartphone von klein auf gewohnt sind, werden sich solchen Konzepten gegenüber offen zeigen – man darf gespannt sein, wie sich die Rolle des PGA Teaching Pro künftig definieren wird.
Smartphone statt Hardware
Apropos Smartphone: Die kleinen digitalen Helfer halten auch im Golfbereich immer weiter Einzug. Zahlreiche Technikunternehmen integrieren daher Smartphones noch stärker in ihre Lösung. So wird beispielsweise auf einen eigenen GPS-Chip verzichtet, da man via Bluetooth auf den Chip des Smartphones zurückgreifen kann – und den Kunden damit die Geräte deutlich günstiger anbieten kann. Auch Bildschirme zur Anzeige gesammelter Daten werden zunehmend durch Apps und vorhandene Smartphone-Displays ersetzt. Doch auch bei der Datenerfassung wird die Technik immer smarter und kleiner: So präsentierten gleich mehrere Anbieter Lösungen für das Putttraining, bei denen in speziellen Bällen ein Chip integriert ist, der die Daten per Bluetooth an eine App auf dem Smartphone sendet. Vielfach betonen die Anbieter solcher Systeme ausdrücklich, dass die Datenqualität nicht den Top-Systemen à la ,Trackman‘ oder ,Puttview‘ entspräche – aber man wendet sich bewusst an den Durchschnittsgolfer und damit den Massenmarkt, für den die Datengenauigkeit ausreiche.
Off-Course-Golf im Fokus
Anders als in Deutschland wird in den USA dem Off-course-Golf zunehmend Bedeutung geschenkt. Das liegt nicht nur daran, dass dieses Marktsegment in den vergangenen Jahren dort stärker gewachsen ist als das traditionelle Golf. Immer mehr Golfanlagen befassen sich mit der Frage, ob man sich künftig weiterhin rein auf On-course-Golf konzentrieren möchte oder aber auch Off-course-Golfangebote bereitstellen möchte. Wenig verwunderlich, dass daher das Angebot an Simulatoren und Launch-Monitoren nochmals größer war als in den Vorjahren. Ob diese Geräte dann auf einer Golfanlage oder abseits davon eingesetzt werden, bleibt den Käufern überlassen. ,Golfzon‘ präsentierte mit seinem Citygolf gar ein hybrides Konzept, bei dem man zunächst auf einem Simulator mit einer Bahn beginnt, dann jedoch (dazu hebt sich die Projektionsleinwand) in die reale Welt wechselt, um beispielsweise in einer Stadt auf einem kleinen Puttinggreen die Bahn zu Ende zu spielen – ein Konzept, dass sich bewusst abseits traditioneller Golfanlagen positioniert. Letztlich greift der Anbieter damit ein Konzept auf, das die Profis mit der TGL League bereits in leicht abgewandelter Form (hier wird ausschließlich indoor gespielt) nutzen.
Marken als Medienplattformen
Ein weiterer, interessanter Trend: Immer mehr neue Golfmarken, die durch You Tube und andere soziale Medien bekannt geworden sind, präsentieren sich als Medienagenturen und werben mit eigenen, hippen Bekleidungskollektionen um Golfer. Beispielhaft seien ,Good Good‘ und ,Barstool‘ genannt. Überhaupt: Gerade bei der Bekleidung wurde offenkundig, dass die Golfmode längst auf die gerade in den USA jüngere Zielgruppe neuer Golfer setzt – und dabei keinen Unterschied zwischen On-course- und Off-course-Golf macht. Immer häufiger ähnelt Golfbekleidung moderner Freizeitkleidung und kann so auch abseits der Golfanlage getragen werden. Zudem wird die Mode farblich offener, für Herren gibt es nun zwischen ,Seve Ballesteros-Beige‘ und ,Loudmouth-Extremmuster‘ tragbare und dennoch nicht langweilige Optionen, die Damen-Golfbekleidung präsentiert sich schon seit vielen Jahren moderner und offener. Bei Golfschuhen gab es neben neuen Designs vor allem neue Sohlen zu entdecken, welche neben mehr Laufkomfort vor allem das Anhaften von Schmutz vermeiden sollen. Ein weiterer Messetrend in Sachen Ausrüstung: Immer mehr OEM-Hersteller von Bekleidung und Schuhen suchen den direkten Marktzugang, teils mit eigenen Kollektionen und eigener Marke, teils als On-Demand-Fertiger für Golfanlagen und Merchandise-Anbieter.
Destinationen und Reiseanbieter
Traditionell waren auch zahlreiche Destinationen und Reiseanbieter vor Ort. Das größte Angebot präsentierten erneut Schottland und Irland, auch der Stand der Dominikanischen Republik war stark besetzt. Kontinentaleuropa hingegen war schwächer als im Vorjahr vertreten. Erfreulich, dass mit Golf in Austria und Kärnten Golf wenigstens Deutschlands Nachbarland mit einem kleinen Stand vertreten war. Natürlich gab es auch dieses Jahr wieder einige skurrile Produkte zu entdecken, auch der gefühlt zweihundertste Me too-Anbieter von Golfhandschuhen, Golfkappen oder Pitchgabeln war wieder vertreten. Dennoch: Man hat den Eindruck, dass im Bereich Golf alle wirklich erforderlichen Produkte inzwischen vorhanden sind, Innovationen bestehen daher eher in Produktvariationen denn komplett neuen Produkten.
B2B-Plattform mit Signalwirkung
Die PGA Show 2026 war einmal mehr ein Schaufenster der Golfbranche. Gerade die starke Einbindung von Off-course-Golf sollte in Deutschland mehr Beachtung finden. Wer sich aus deutscher Sicht wundert, warum auf einer Golfmesse auch Pickleball und Racketball ein Thema sind: In den zahlreichen privaten Golfclubs der USA zählen diese Sportarten längst zum unverzichtbaren Portfolio, Pickleball gilt als die am schnellsten wachsende Sportart in den USA – und sorgt damit, in Kombination zum Golfangebot, für ein ausgewogeneres Produktportfolio der Privatclubs. Erneut hat die PGA Show gezeigt, wie wichtig eine echte B2B-Messe für die Golfbranche ist – denn neben der Fachinformation ist der persönliche Austausch und das Networking ein mindestens genauso wichtiger Bestandteil der Messe, nicht nur im Rahmen der Weiterbildungsangebote. Das zeigte sich vor allem bei den täglichen Happy Hours, die stets gut besucht waren und für rege Gespräche unter den Anwesenden sorgten. Man darf gespannt sein, welche der in Orlando präsentierten Produkte sich langfristig im Markt etablieren werden. Wie jedes Jahr hat der golfmanager einige Produkte aus dem riesigen Portfolio herausgefiltert und stellt diese hier in alphabetischer Reihenfolge vor.
Autor: Michael Althoff | golfmanager 1/26





