Im Gespräch mit Wilma Erskine, Royal Portrush GC

Open Championship kehrt nach Royal Portrush zurück

Über die Bedeutung der Rückkehr der Open Championship nach Royal Portrush und die möglichen Auswirkungen des Brexits befragte der golfmanager Wilma Erskine, Secretary/Manager des Royal Port­rush Golf Club.

 

? Frau Erskine, wie sehen Sie die aktuelle Situation des Nordirischen Golfmarkts?

 

! Der Golfmarkt Nordirlands befindet sich insgesamt in einem stetigen Wachstum. Hauptverantwortlich hierfür sind Golftouristen aus den USA.

 

? Wann begann diese Entwicklung?

 

! Noch vor einigen Jahren litten wir unter der globalen wirtschaftlichen Rezession, auch die politische Situation in Nordirland und der Terrorismus waren nicht gerade hilfreich bei der Vermarktung der Destination. Als wir jedoch 1993 die Amateur Championship bei uns in Royal Portrush austragen durften (die von Iain Pyman gewonnen wurde), stieg die Aufmerksamkeit sowohl für Nordirland allgemein als auch für Royal Port­rush als Austragungsort im Besonderen. Vor allem die Fernseh-Berichterstattung hat uns sehr viel Aufmerksamkeit in der ganzen Welt beschert.

? Wenn wir von 1993 als Wendepunkt hinsichtlich der Nachfrage ausgehen: Auf welche Kundengruppen zielen Royal Portrush und Nordirland ab?

 

! Die Nachfrage steigt seit dem tatsächlich kontinuierlich. Die Mehrheit unserer Kunden kann man als „High End, High Spend“ bezeichnen. Sie bevorzugen sehr hochwertige Dienstleistungen, sind aber auch bereit, die entsprechenden Beträge dafür auszugeben. Aus ökonomischer Sicht ist das eine sehr befriedigende Entwicklung.

 

? Royal Portrush ist ein privater Golfclub, dennoch sind Sie für Gäste aus der ganzen Welt offen. Wie können diese beiden Zielgruppen, also Mitglieder und Gäste, integriert werden?

 

! Gäste spielen eine wichtige Rolle in unserer Wirtschaftlichkeit und bei unseren Finanzen. Die Hauptsaison reicht von Mai bis Mitte Oktober, in der Nebensaison ist die Anzahl der Gastspieler bisher eher gering. Unser Ziel ist es, unsere Gäste als „Mitglied für einen Tag“ zu behandeln. Das Kundenerlebnis und die Kundenzufriedenheit stehen für uns an erster Stelle. Unsere Gäste geben im Durchschnitt gut 500 GBP pro Tag aus. Dieser Betrag beinhaltet die Golfrunde, einen Caddie, Einkäufe in unserem Pro-Shop, den Verzehr in unserem Clubhaus und die Übernachtung. Wir kommen aktuell auf rund 6.000 Runden von Gastspielern pro Jahr – wir könnten sicherlich noch mehr verkaufen, aber wir haben uns ein freiwilliges Limit auferlegt, da die aktuelle Anzahl gut mit den Runden unserer Mitglieder harmoniert.

 

? Die letzte Open Championship außerhalb Englands und Schottlands fand 1951 in Royal Portrush statt. Warum dauerte es so lange, bis die Open wieder hierher zurückkehrt?

 

! Zunächst war die poli­tische Situation nach der Open 1951 nicht gerade förderlich für solch ein bedeutendes internationales Event. Dies hat auch die Entscheidungen ab den 1960er Jahren stark beeinflusst. Aber wie alle anderen Austragungsorte der Open Championship war es auch erforderlich, Royal Portrush und die gesamte Region des County Antrim weiterzuentwickeln und zu investieren. Genau dieser Prozess setzte vor einigen Jahren ein. Mit der Austragung der Irish Open 2012 in Royal Port­rush haben wir unter Beweis gestellt, dass wir bereit sind, die Open Champion­ship wieder bei uns willkommen zu hei­ßen. 2012 wurde die Open in Royal Lytham & St. Annes ausgetragen – und wir haben mit der Irish Open genau so viele Zuschauer erreicht wie die Open Championship in England in jenem Jahr!

 

? Welche Entwicklungen waren nötig, um Royal Portrush auf eine weitere Open Championship vorzubereiten?

 

! Da sich Golf permanent weiterentwickelt, brauchte unsere Anlage einige Verbesserungen. In enger Abstimmung mit Peter Dawson, dem Chief Executive der R&A, haben wir einen Plan entwickelt, um unseren fantastischen Platz weiter zu optimieren. Im Ergebnis haben wir Mackenzie & Ebert damit beauftragt, zwei neue Spielbahnen zu bauen, um das Layout und die Qualität unseres Platzes weiter zu verbessern.

 

? Wie wichtig ist die Rückkehr der Open Championship nach Irland beziehungsweise Nordirland für Golfer und den Golfmarkt im Vergleich zum Ryder Cup, der 2006 im K-Club nahe Dublin stattfand?

 

! Der K-Club ist ein typischer Parkland Course – und vor allem Gäste aus den USA kommen nach Großbritannien und Irland, um Linksgolf zu spielen! Der wirtschaftliche Erfolg im Anschluss an den Ryder Cup war für den K-Club daher leider eher begrenzt, sie hatten einige schwere wirtschaftliche Zeiten zu überstehen. Hier in Royal Portrush bieten wir den Gästen genau das, was sie von einem irischen Golfplatz erwarten: Linksgolf vom Feinsten, das Meer, einige blinde Schläge und eine fantastische Landschaft – selbst der berühmte Giant‘s Causeway kann von mehreren Grüns und Fairways unserer Anlage bewundert werden.

 

? Fürchten Sie nicht, dass es nach 2019 erneute mehrere Jahrzehnte dauern könnte, bis die Open Championship wieder nach Royal Portrush zurückkehren wird?

 

! Keinesfalls, darauf haben wir von Beginn an geachtet! Wir streben eindeutig nachhaltige Investitionen und Entwicklungen an. Wir haben mit der R&A einen Vertrag über drei Open Championships abgeschlossen – natürlich unter der Annahme, dass die Open 2019 ein Erfolg wird, wovon wir selbstverständlich ausgehen. Dies ist auch der Anlass für die zahlreichen Infrastruktur-Investitionen, die bereits rund um Portrush in Angriff genommen wurden. Wir werden die Open Championship also sicherlich in den nächsten 20 Jahren hier wiedersehen.

 

? Wie haben Sie Ihre Mitglieder in die gesamte Vorbereitung eingebunden?

 

! Unsere Mitglieder waren von Beginn an eingebunden. Sie interessieren sich sehr für die gesamte Entwicklung und Vorbereitung. Aus unserer Sicht ist Kommunikation das Wichtigste. Daher haben wir unsere Mitglieder von Anfang an aktiv in unsere Kommunikationsstrategie einbezogen. Wir halten sie regelmäßig auf dem Laufenden über unsere Aktivitäten und die Vorteile, die sich für Royal Portrush daraus ergeben.

 

? Wie kann Royal Portrush von der Open 2019 im Bereich Sales & Marketing profitieren?

 

! Wir planen derzeit weder unseren Club noch unsere Geschäftsfelder auszuweiten. Wir haben beispielsweise kein Interesse, Royal Portrush zum Golfresort mit eigenem Hotel auszubauen. Um aber unsere Position im fortschreitenden Wettbewerb mit anderen Golfanlagen – vor allem Links-Plätze in Großbritannien und Irland – weiter zu verbessern, würden wir uns gerne im Ranking der besten Golfplätze ein wenig nach vorne verbessern. Die Rückmeldungen unserer Mitglieder und Gäste zeigen, dass unsere Anlage schon heute mehr als wettbewerbsfähig ist, aber nichtsdestotrotz arbeiten wir täglich hart daran, uns und unsere Leistung weiter zu verbessern.

 

? Wie bewerten Sie die Auswirkungen einer Open Championship im Vergleich zur Irish Open, sowohl für Ihren Club als auch für Golfreisen nach Nordirland und insbesondere nach Portrush?

 

! Die Open Championship ist das größte Sportereignis, das je in Irland ausgetragen wurde. Keine andere Sportveranstaltung hier hat je eine so hohe Medienpräsenz erzielt. Die Erträge, die rund um dieses Event erwirtschaftet werden, fließen wieder zurück in unsere Infrastruktur. Sowohl Einheimische als auch Gäste werden daher langfristig von diesem Großereignis profitieren.

 

? Welche Rolle spielt es in Ihrer Vertriebsstrategie, dass Royal Portrush zur Rota der Open Championship-Austragungsorte zählt?

 

! Alleine die Zugehörigkeit zur Rota ist Marketing pur! Dies gibt einem Club deutlich mehr Glaubwürdigkeit – und natürlich unterstreicht es auch die Bedeutung des Clubs für die Historie und Entwicklung des Golfsports. Aber die Austragungsorte der Rota sind entweder private Clubs oder werden, wie St. Andrews und Carnoustie, von einem Links Trust betrieben. Kein einziger Austragungsort ist also ein Semi-Private Golfclub oder gar typischer öffentlicher Golfplatz. Jeder Club innerhalb der Rota ist anders und hat seine ganz individuelle Ansprache gegenüber Mitgliedern und Gästen. Eine gemeinsame Marketing- und Vertriebsstrategie, beispielsweise gegenüber der Touristikbranche, gibt es bisher nicht.

 

? Wie kann die Open 2019 den Golftourismus nach Nordirland fördern? Wen sehen Sie in diesem Zusammenhang als interessanteste Zielgruppe an?

 

! Tourism Ireland wird die Open Championship mit diversen Maßnahmen und Kampagnen bewerben. Dies hilft uns, Golf stärker als eine der möglichen Hauptaktivitäten einer Irlandreise herauszustellen. Es wird besonders darauf ankommen, die große Vielfalt herauszustellen, die wir mit Golf in unserem Land bieten können: von Linksplätzen bis zu Parkland-Plätzen, von weltberühmten Spitzenanlagen bis hin zu normalen Golfanlagen. Auch gilt es, die unterschiedlichen Preisniveaus herauszustellen, da wir eine hohe Bandbreite von unseren Weltklasse-Plätzen wie Royal Port­rush und Royal County Down bis hin zu zahlreichen Plätzen mit sehr erschwinglichen Greenfees um 20 GBP pro Runde bieten. Bei amerikanischen Gästen sind wir bereits sehr gut aufgestellt, aber unser Marketing wird natürlich auch Europa beinhalten. Vor allem Deutschland scheint Nordirland noch nicht im gewünschten Ausmaß als Golfreisedestination entdeckt zu haben.

 

? Nachdem Premierministerin Theresa May inzwischen offiziell den Antrag auf Verlassen der Europäischen Union gemäß Artikel 50 der Lissabonner Verträge gestellt hat, wird die Open 2019 aller Voraussicht nach die erste Open Championship nach dem Brexit sein. Welche Auswirkungen erwarten Sie durch den Brexit auf die Open-Turniere, beispielsweise in Bezug auf Anzahl und Herkunft der Besucher?

 

! Es ist sehr wahrscheinlich, dass amerikanische Gäste von dieser Entwicklung eher profitieren werden. International wird der Tourismus aus Non-EU-Ländern ein stetiges Wachstum unseres Golftourismus sicherstellen. Noch keine Einschätzung habe ich bezüglich des europäischen Marktes, er könnte unter den Folgen des Brexits leiden. Aber hinsichtlich der Besucher einer Open Championship erwarte ich keine großen Veränderungen – diejenigen, die eine Open miterleben möchten, werden auch künftig aus der ganzen Welt zu unserem Major kommen, vor und nach dem Brexit. Zudem kann die Entwicklung uns auch neue Chancen auf weiteren internationalen Märkten eröffnen. Der asiatische Markt für Golfreisen ist derzeit sehr stark auf Schottland und England fokussiert. Wir hoffen, dass wir hier künftig unseren Marktanteil ausbauen können. Die Open Championship 2019 ermöglicht es uns perfekt, unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

 

? Welche Auswirkungen erwarten Sie durch den Brexit für die Golfszene in Nordirland?

 

! Leider haben wir bisher kaum Informationen, wie der Brexit genau umgesetzt werden soll und unter welchen rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen wir künftig unser Geschäft betreiben können. Vor allem die Arbeitsbedingungen, sowohl für EU-Bürger mit Arbeitsplatz in Großbritannien als auch für Briten, die in andern EU-Ländern arbeiten, stehen derzeit noch nicht fest. Daher ist es kaum möglich, aktuell die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt belastbar abzuschätzen. Aber insgesamt gehen wir davon aus, dass die derzeitige Entwicklung für uns mehr Chance als Bedrohung ist.

 

? Nordirland ist eine sehr beliebte Golf-Destination. Organisiert die Mehrzahl Ihrer Gäste ihre Reisen selbst oder vertrauen sie eher auf die Dienste von Reiseveranstaltern?

 

! Eine zeitlang dominierten die Individualreisenden bei unseren Gästen. Derzeit stellen wir jedoch ein deutliches Wachstum der Reiseveranstalter-Buchungen fest. Wie bereits gesagt: Unsere Gäste sind High End, High Spend. Sie tendieren daher stärker dazu, den Service eines Veranstalters in Anspruch zu nehmen anstatt selbst stundenlang mit der eigenen Reiseplanung beschäftigt zu sein. Der deutsche Markt ist derzeit noch nicht so stark, wie wir uns dies erhoffen, aber wir arbeiten daran, mehr Buchungen aus Deutschland heraus zu generieren.

 

? Analysieren Sie in Royal Portrush die Anzahl der Runden Ihrer Mitglieder oder die Spielzeiten pro Runde?

 

! Für unsere Mitglieder gibt es bisher keine spezielle Registrierung vor der Runde. Wir können allerdings zählen, wie viele Gäste unsere Mitglieder jährlich mit auf die Runde nehmen, da diese Gäste auf Einladung eines Mitglieds ein stark ermäßigtes Greenfee bezahlen. Bisher überwachen wir auch die Spielgeschwindigkeit nicht. Wir haben gerade erst den Zeitabstand zwischen den Startzeiten von zehn auf nunmehr 12 Minuten ausgedehnt – wie bereits gesagt, steht für uns das Kunden­erlebnis im Mittelpunkt, wir wollen unsere Gäste nicht unter Druck setzen. Dennoch empfehlen wir vor allem Gästen, die unseren Platz zum ersten Mal spielen, einen unserer fantastischen Caddies zu buchen. Dies sorgt nicht nur für eine gewisse Beschleunigung beim Spieltempo, sondern erhöht auch das Erlebnis des Gastes auf dem Platz.

 

Frau Erskine, herzlichen Dank für dieses sehr interessante und informative Gespräch.

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff | golfmanager 02/2017.

 

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