Die Heimat der THE PLAYERS Championship

TPC Sawgrass

Obwohl das erste Turnier im Atlanta Country Club in Marietta, Georgia, ausgetragen wurde, ist die THE PLAYERS heute untrennbar mit dem Stadium Course des TPC Sawgrass verknüpft. Unzählige Spieler verschiedener Generationen – darunter Jack Nicklaus, Lee Trevino, Fred Couples, Greg Norman, Tiger Woods und 2012 Martin Kaymer – haben ihre Fußspuren auf dem Platz und ihre Namen auf der Trophäe hinterlassen. Viele Spieler und Besucher betrachten das Turnier als fünftes Major – und seine 17. Spielbahn ist inzwischen ebenfalls zur Legende geworden: Schätzungsweise rund 70.000 Golfbälle jährlich verfehlen hier das Grün und landen im Wasser! THE PLAYERS ist wohl das einzige Turnier, bei dem teilweise sogar offizielle Zählungen zur Anzahl der ins Wasser geschlagenen Bälle während der TV-Übertragungen eingeblendet werden. Der TPC Sawgrass ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Golfsports, war er doch der erste TPC-Platz weltweit. TPC bedeutet Tournament Players Club, und gerade einmal 34 Anlagen von weltweit über 33.000 Plätzen dürfen diese Bezeichnung ihrem Namen hinzufügen. 18 dieser Plätze gehören der PGA TOUR of America und werden von ihr betrieben. Die TPC-Plätze orientieren sich bei Betrieb und Management an den höchsten Standards weltweit. Eine wichtige Komponente ist das Markenmanagement durch die PGA Tour für alle TPC-Anlagen. Derzeit werden jährlich 14 Profi-Turniere auf den TPC-Plätzen weltweit ausgetragen, einschließlich der Events der Web.com-Tour und der PGA Tour Champions-Tour.

Obwohl alle Anlagen eine ausgezeichnete Qualität bieten, ist der 1982 von Pete Dye entworfene Stadium Course sicherlich der berühmteste Platz. Derek Sprague, General Manager des TPC Sawgrass, traf unseren Autor Michael Althoff vor der PGA Show 2019 zu einem exklusiven Interview über die Anlage.

? Herr Sprague, jeder Golfer hat wohl schon einmal von TPC Sawgrass gehört. Können Sie uns bitte ein paar weitere Information zu Ihrer Anlage geben?

 

! Sehr gerne. Unsere Anlage befindet sich auf einer Grundfläche von 675 Acres (umgerechnet rund 273 Hektar) und beheimatet nicht nur den berühmten Stadium Course, sondern auch den 1987 eröffneten Dye‘s Valley Course. Wir sind sehr stolz auf die Tatsache, der erste TPC-Platz der Welt zu sein, und auf unsere Position als Heimat der Tourspieler. Auch unsere Rolle als Flagship-Resort unter den TPC-Anlagen ist uns sehr wichtig. Um unsere Plätze stets in dem von uns und unseren Gästen erwarteten „Tournament ready“-Zustand zu halten, beschäftigen wir alleine im Greenkeeping über 100 Mitarbeiter. Insgesamt hat der Club rund 350 Angestellte, davon kümmern sich über 100 Mitarbeiter um den Golfbetrieb. Unsere Nachbarn von der PGA TOUR beschäftigen weitere 850 Mitarbeiter, so dass wir ein wichtiger Arbeitgeber in der Region sind.

? Inwiefern profitieren die Tourspieler davon, dass der TPC Sawgrass ihre Heimat ist?

 

! Wir bieten den Tourspielern einen eigenen Übungsbereich und natürlich auch separate Parkplätze. Sehr oft kann man bei uns einen Tourprofi beim Üben oder auf einer Übungsrunde antreffen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass der angekündigte Umzug nach Frisco/Texas ausschließlich die PGA of America betrifft, nicht die PGA Tour. Wir freuen uns sehr, dass die Tour mit ihrer weltweiten Zentrale weiterhin hier in Ponte Vedra Beach bleibt und wir unsere sehr enge und exklusive Zusammenarbeit fortsetzen werden.

 

? Haben auch Amateurspieler Zutritt zur Anlage?

 

! Selbstverständlich, hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Option ist über unsere Partner des örtlichen Marriott Saw­­grass-Hotels. Seine Gäste können Startzeiten auf dem Stadium Course bis zu einem Jahr im Voraus buchen. Aber auch Gäste ohne Aufenthalt im Resort können unseren berühmten Platz spielen, sie können ihre Startzeiten 14 Tage vorab buchen. Aber wie jeder andere Golfclub bieten wir natürlich auch Mitgliedschaften, entweder ausschließlich für den Dye Valley-Course oder für beide Plätze.

 

? Welche Software setzen Sie auf Ihrer Anlage ein?

 

! Für die Startzeitenbuchung nutzen wir EZ Links. Unser POS-System kommt von Jonas. Zusätzlich setzen wir Salesforce für unser Catering sowie unsere Events ein. Wir richten jährlich rund 500 Bankette aus, darunter auch 60 Hochzeiten!

 

? Welche Vorteile sehen Sie für Ihre Anlage im Vergleich zu anderen Golfresorts und Clubs in Florida?

 

! Natürlich ist die THE PLAYERS unser wichtigster Botschafter und unser Promotion-Tool Nummer eins. Dies hat uns beim Aufbau unserer heutigen, weltweiten Reputation sehr geholfen. Das geht natürlich einher mit dem ausgezeichneten, unvergleichlichen Erlebnis, dass wir täglich auf und abseits des Platzes bieten. Zudem gibt es viele weitere, sehr schöne Golfanlagen in unserer Region, die sich mit unseren Plätzen hervorragend im Rahmen einer Golfreise kombinieren lassen. Und nicht zuletzt ist unser Klima angenehmer als das in Süd-Florida, wir haben eine geringere Luftfeuchtigkeit.

 

? Welche Rolle spielt die THE PLAYERS Championship innerhalb Ihrer Marketing- und Vertriebsaktivitäten?

 

! Dieses Turnier war der Anlass, dieses einzigartige Resort und seinen außergewöhnlichen Stadium Course zu bauen. Wir sind der regelmäßige Austragungsort der THE PLAYERS, was viele Bereiche der Turnierorganisation deutlich einfacher macht. Beispiele hierfür sind eine einfachere Logistik aufgrund unserer Lagermöglichkeiten, ebenso die Erfahrungen beim Zuschauermanagement und dem Tribünenbau – und nicht zuletzt aufgrund einer permanenten Lernkurve, um das Erlebnis für die Fans vor Ort von Jahr zu Jahr zu verbessern.

 

? „Erlebnis“ scheint ein zentraler Faktor bei Ihren Aktivitäten zu sein. Wie wirkt sich dies im Tagesgeschäft aus?

 

! Ja, Erlebnis ist eine wichtige Komponente unserer Aktivitäten. Viele Verbesserungen der letzten Jahre konnten durch einen kontinuierlichen Dialog mit unseren Fans erzielt werden. Aber auch das Erlebnis der Spieler ist sehr wichtig für uns, ein regelmäßiger Austausch ist hier extrem hilfreich. Auf Basis der Rückmeldungen der Spieler haben wir beispielsweise die Verbesserungen an Bahn 12 des Stadium Course umgesetzt und die Bahn zu einem vom Tee erreichbaren Par 4 umgestaltet.

 

? Kann man das Fan-Erlebnis auch auf andere Austragungsorte der Tour übertragen?

 

! Beim Erlebnis für die Fans ist es unverzichtbar, dass jeder Austragungsort sein eigenes, lokales Konzept entwickelt und umsetzt. Wenn Sie beispielsweise unsere berühmte Bahn 17 mit der 16. Bahn bei der Phoenix Waste Management Open vergleichen, wird schnell deutlich, dass hier völlig unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Die Anzahl der Besucher in Phoenix belegt jedoch, dass es auch für ein derartiges Fankonzept einen relevanten Markt gibt. Das Erlebnis für die Fans funktioniert nur, wenn es in den lokalen Markt und die Geschichte eines Turniers eingebunden ist – eine simple Copy and Paste-Strategie von einem Austragungsort zum anderen funktioniert nicht.

 

? Wie bewerten Sie die Entwicklung Ihrer Anlage im Vergleich zur Entwicklung der Golfindustrie insgesamt?

 

! Aus meiner Sicht befindet sich Golf insgesamt nicht in einer Krise, aber der Markt verändert sich. Wir sehen einige regionale Verschiebungen, einige Plätze und Resorts leiden unter diesen Veränderungen. Interessanterweise gilt dies sowohl für Private-Clubs, als auch für Public Courses. Unser Resort entwickelt sich weiterhin prächtig und wir beobachten eine stabile Nachfrage. Ein wichtiger Schlüssel zu unserem Erfolg ist sicherlich die weitgehende Saisonunabhängigkeit, weshalb wir unseren Mitgliedern und Gästen ein ganzjähriges Angebot bieten können.

 

? Wie wichtig ist der Standort für den Erfolg eines Golfresorts?

 

! Dies ist der Schlüssel zum Erfolg! Die alte Weisheit „Lage, Lage, Lage“ ist einer der entscheidenden Faktoren beim Betrieb eines Resorts. Golf alleine zieht nicht genügend Nachfrage, aber Golf kann sehr stark von der allgemeinen Attraktivität einer Region, ihrer Anbindung an verschiedene Verkehrsmittel und weiteren Freizeitangeboten profitieren. Als Spezialist in Sachen Golfanlagenbetrieb haben wir uns zudem entschieden, kein eigenes Hotel zu betreiben. Marriott ist unser strategischer Partner und genießt einen exzellenten Ruf in der Hotellerie.

 

? Wie werden Ihre Marketing-Aktivitäten mit dem Gesamt-Marketing von TPC verknüpft?

 

! Das zentrale TPC Marketing-Team kümmert sich um alle weltweiten Marketingaktivitäten, während wir als Club für das lokale Marketing zuständig sind.

 

? Welche Rolle spielt der Preis bei Ihren Vermarktungsstrategien, wie vertreiben Sie die Startzeiten für Gastspieler?

 

! Entscheidend ist es, den Gast zu begeistern. Wenn diese einen großartigen Golftag erleben und ihnen ein außergewöhnliches Erlebnis widerfährt, gibt es keinen Preiswettbewerb. Ausgehend von der aktuellen Nachfrage nach Startzeiten von Gästen scheinen wir genau diese Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen oder sogar zu übertreffen – obwohl unser Greenfee sicherlich im oberen Marktbereich liegt, haben wir keinerlei Beschwerden von Gästen deshalb erhalten. Im Gegenteil: Das Feedback unserer Gäste zeigt, dass sie einen einzigartigen Golftag bei uns genossen haben. Deshalb sehen wir derzeit auch keine Notwendigkeit, Dynamic Pricing einzuführen. Momentan verkaufen wir die meisten Startzeiten entweder über unseren Hotelpartner oder direkt. Zudem arbeiten wir mit Golf Advisor und TPC Vacations (www.tpc.com/offers-vacations/) beim Verkauf von Golfarrangements zusammen. Andere Reiseveranstalter spielen in unserem Vertriebsmix eine eher geringe Rolle, die Mehrzahl unserer Gäste sind Individualreisende, die ihre Startzeiten selbst buchen. Wir haben aber auch rund 300 Golfgruppen jährlich, zum Beispiel die typischen Buddy-Trips. Unser CRM-Tool ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig, da es uns hilft, mehr über unsere Kunden zu erfahren und uns in die Lage versetzt, ihnen individuelle Angebote und Pakete anzubieten.

 

? Die Spielgeschwindigkeit wird derzeit sowohl bei den Profispielern, als auch auf privaten Golfrunden heiß diskutiert. Wie gehen Sie bei TPC Saw­grass mit dieser Herausforderung um?

 

! Wir haben eine durchschnittliche Spieldauer pro Runde von fünf Stunden. Auf den ersten Blick hört sich das ziemlich lange an, aber auf den ersten 16 Bahnen bewegen sich unsere Golfer im normalen Zeitrahmen. Unser berühmtes Loch 17 ist allerdings nicht einfach eine weitere Spielbahn, sondern für viele Golfer der Anlass, uns zu besuchen und eine Runde auf dem Stadium Course zu spielen. Sie möchten jeden Winkel dieser Bahn erkunden und ihre Fotos machen, manchmal brauchen sie auch den ein oder anderen Teeshot mehr, um das Inselgrün zu erreichen. Dies ist ein wichtiger Teil unseres Spiel­erlebnisses, daher sind wir hier sehr tolerant hinsichtlich der Aufenthaltsdauer an dieser Bahn. Zudem haben wir Caddies – entweder Einzelcaddies pro Spieler oder Forecaddies für die ganze Gruppe – die uns dabei helfen, das Spiel im Fluss zu halten. Aus diesem Grund sehen wir aktuell keine Notwendigkeit, weitergehende Maßnahmen im Bereich Spieltempo zu ergreifen.

 

Herr Sprague. Wir danken Ihnen sehr herzlich für dieses sehr interessante Interview.

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff | golfmanager 2/2019.

 

Weitere Informationen

zum TPC Sawgrass finden Sie unter tpc.com/sawgrass/.

 

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