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Bob Parsons – vom Marine zum Golf-Maverick

Wie Bob Parsons Golf neu erfand

Vom Vietnam-Veteranen zum Visionär – der PXG-Gründer über Mut, Misserfolge und den Spaß am Spiel.

Im Rahmen der Golf Business TechCon 2025 by NGCOA begrüßte NGCOA-CEO Jay Karen den Selfmade-Milliardär Bob Parsons. Wenn man Parsons heute auf dem weitläufigen Gelände seines Scottsdale National Golf Club sieht, ist schwer zu glauben, dass dieser Mann einst in den Sümpfen Vietnams um sein Leben kämpfte. Der Selfmade-Milliardär, Gründer von GoDaddy und PXG, hat sich seinen Weg mit einer Mischung aus Schweiß, Mut und einer gehörigen Portion Verrücktheit gebahnt – und das mit einer Lebensgeschichte, die eher an einen Hollywoodfilm erinnert als an einen typischen CEO-Werdegang.


Vom Straßenkind zum Überlebenskünstler
 

Bob Parsons wuchs im Arbeiterviertel von East Baltimore auf – einer Gegend, in der man früh lernte, sich durchzubeißen. Die Schule war für ihn eine Tortur: Er fiel in der fünften Klasse durch, entdeckte in der Oberstufe Alkohol und das andere Geschlecht und schaffte es gerade so bis zum Abschluss. „Ich war kein guter Schüler“, gibt er unumwunden zu. Doch selbst in dieser Zeit blitzte sein Unternehmergeist auf – mit einem legendären Fehlschlag: Seine erste Geschäftsidee war ein Limonadenstand. Er mixte Wasser, Zucker und Zitronensaft und verkaufte das Getränk in der Nachbarschaft. Erst, als das Getränk seinen ersten Kunden fast umwarf und der junge Bob mit seiner Mutter sprach, kam er dem Fehler auf die Spur: Seine Mutter bewahrte in der Zitronensaftflasche Essig auf – Parsons erste Lektion, dass man Produkte stets testen sollte, bevor man sie auf den Markt bringt. Rückblickend lacht er darüber – es war der Beginn einer langen Karriere voller ,Trial and Error‘.

Im Krieg geformt

Mit 17, ohne klaren Plan und wenig Perspektive, unterschrieb Parsons bei den Marines – mitten im Vietnamkrieg. Seine Mutter stimmte zu, in der Hoffnung, „dass das gut für ihn sein würde“. Das war es – auf die härteste Art. Schon kurz nach der Ausbildung fand sich Parsons an der Front wieder, Mitglied der 26th Marines. Er sah Dinge, die kein junger Mensch sehen sollte: Gefallene Kameraden, nächtliche Angriffe, Verletzungen – und den ständigen Kampf ums Überleben.

Einmal trat er auf eine Sprengfalle, eine nordvietnamesische Handgranate – sie riss ihm buchstäblich die Hose vom Leib. Mit schweren Verletzungen wurde er ausgeflogen, erhielt später das ,Purple Heart‘. Der Krieg formte ihn – diszipliniert, stoisch und entschlossen, etwas aus seinem Leben zu machen. „Ich wollte, dass die Leute zu Hause stolz auf mich sind“, sagt er. Das wurde später Wirklichkeit – in Dimensionen, die niemand erahnen konnte.
 

Neustart durch Bildung
 

Nach dem Krieg begann Parsons neu – buchstäblich von Null. Er schrieb sich am College ein, ohne genau zu wissen, was er studieren wollte. Als der Studienberater ,Accounting‘ vorschlug, fragte er: „Was ist das?“ – und entschied sich spontan dafür. Eine glückliche Fügung. Er fand Gefallen an der Struktur, der Logik und der Klarheit der Zahlen. Aus einem Schüler, der fast sitzengeblieben war, wurde ein Magna-Cum-Laude-Absolvent mit CPA-Titel (Certified Public Accountant). Seine Marine-Ausbildung hatte ihm Disziplin beigebracht – jetzt setzte er sie akademisch um. In den 1970ern entdeckte Parsons seine zweite große Leidenschaft: Computer. Während er als Buchhalter arbeitete, bastelte er zu Hause an einem Programm, das kleinen Firmen helfen sollte, ihre Finanzen zu managen. Das Ergebnis: ,MoneyCounts‘ – eines der ersten Programme zur Haushaltsbuchführung über PC.
 

Vom Kellerbüro zu Millionendeals
 

Er gründete in seinem Keller die Firma ,Parsons Technology‘, kämpfte sich durch drohende Pleiten, lernte Marketing durch Schmerz (teure Anzeigen, keine Anrufe) – und schaffte schließlich den Durchbruch mit einer einfachen Idee: Er senkte den Preis drastisch und setzte auf Direktvertrieb. Der Erfolg explodierte. 1994 verkaufte er die Firma an Intuit – für 64 Millionen Dollar. 

Nach dem Verkauf zog Parsons nach Arizona und gründete 1997 GoDaddy – ursprünglich ein Webhosting-Unternehmen. Als das Geschäft lahmte, stieg er in den Domainhandel ein – eine damals völlig neue Branche. Der Name ,GoDaddy‘ entstand spontan in einer langen Nacht beim Brainstorming: ,FatDaddy‘ war schon vergeben – also GoDaddy. Anfangs lief das Unternehmen schleppend, doch Parsons blieb dran, selbst als sein Vermögen auf sechs Millionen Dollar zusammenschmolz. Erst als die Dotcom-Blase platzte, drehte sich das Blatt. GoDaddy bot günstige, zuverlässige Domainregistrierungen, während Konkurrenten reihenweise bankrottgingen. Seine provokanten Super-Bowl-Spots machten die Marke weltbekannt – sexy, frech, auffällig. 2011 verkaufte er GoDaddy für 2,3 Milliarden Dollar, auch das deutsche 1&1 gehörte zu den damaligen Bietern, warf aber nur 900 Millionen Dollar in den Ring. Parsons behielt fast 30 % der Anteile – die er Jahre später für weitere 2,5 Milliarden verkaufte. Insgesamt ein unternehmerischer Volltreffer.
 

Vom Geschäftsmann zum Golf-Visionär
 

An Ruhestand dachte Parsons danach keine Sekunde. Statt sich auf einem Golfplatz zur Ruhe zu setzen, baute er sich einfach seinen eigenen. Der ,Golf Club Scottsdale‘, später umbenannt in ,Scottsdale National‘, wurde zu seinem Herzensprojekt. Er kaufte das Areal 2013 für rund 600.000 Dollar – ein heruntergekommenes Juwel – und investierte über 25 Millionen Dollar in die Transformation. „Die Anlage war beim Kauf wie eine schöne Frau – nur mit schlechten Zähnen“, erzählt er rückblickend mit einem Lachen. Heute bietet der Club 45 Löcher, 700 Hektar puren Luxus und eine Philosophie, die ganz Bob ist: keine Regeln, keine Verbote, Spaß am Spiel. „Golf ist zu schottisch, zu streng“, witzelt er. „Ich wollte, dass es wieder Spaß macht.“ Doch Parsons wollte mehr als nur Golf spielen – er wollte Golf ,verändern‘. 2014 gründete er PXG (Parsons Xtreme Golf), aus purer Leidenschaft und einer Prise Größenwahn. Der Anlass: Seine damalige Golfprofi-Freundin zeigte ihm, dass er jährlich hunderttausende Dollar für Schläger ausgab – und nie den perfekten fand. Also sagte er: „Dann baue ich eben selbst welche.“ Er holte erfahrene Schlägerdesigner wie Mike Nicolette, gab ihnen freie Hand und ein unlimitiertes Budget. „Keine Preisgrenzen, keine Deadlines – baut einfach die besten Schläger der Welt.“ Das Ergebnis waren High-End-Golfschläger, die so teuer waren, dass die Branche lachte – bis Golfer sie ausprobierten. PXG revolutionierte den Markt mit innovativer Technologie, markantem Design und dem selbstbewussten Slogan: „You’ve never played like this before.“ Heute zählt PXG zu den spannendsten Marken im Premium-Golfsegment, getragen von Tourspielern und begehrt bei Amateuren, die das Außergewöhnliche suchen.
 

Narben, Erkenntnisse und das Vermächtnis des Erfolgs
 

Trotz seines Erfolges trägt Parsons seine Narben offen – körperlich wie seelisch. Seine posttraumatische Belastungsstörung (Englisch: PTSD) nach Vietnam begleitete ihn Jahrzehnte. Erst seine dritte Frau überzeugte ihn, Hilfe anzunehmen – ein Wendepunkt, der ihn auch als Mensch veränderte. Heute spendet er über seine ,Bob & Renee Parsons Foundation‘ jedes Jahr mehr als 26 Millionen Dollar – für Veteranen, Bildung, Frauenrechte und psychische Gesundheit. „Ich will, dass es wenigstens einigen Menschen besser geht“, sagt er schlicht. Bob Parsons ist vieles: Marine, Unternehmer, Provokateur, Golfrevolutionär und dennoch Philantrop. Einer, der mehrmals von vorn anfing – und jedes Mal größer zurückkam. Sein Leben ist der Beweis, dass Leidenschaft und Hartnäckigkeit Berge versetzen können. Oder, wie er es selbst ausdrückt: „Erfolg findet man oft genau in dem Moment, bevor man aufgeben will.“

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 5/25

 

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