Best Practice-Beispiel Scottish Open

Profiturniere als Marketingplattform

Wer selbst schon einmal ein Golfturnier im Amateurbereich organisiert hat, weiß um die Schwierigkeiten der Sponsorengewinnung. Auch im Profi-Golfsport ist das Engagement von Sponsoren kein Selbstläufer – dies zeigt nicht zuletzt die kürzliche Absage der ISPS Handa der Damen in Deutschland. Doch gerade große Profiturniere bieten sich als ausgezeichnete Marketingplattform an, da sie ein überregionales, oft sogar globales Medienecho finden und die gewünschte TV-Präsenz gewährleistet ist – ob im Free-TV oder Pay-TV, ist von Land zu Land unterschiedlich. Dabei zeigen sich starke Unterschiede bei der Frage, wie Sponsoren eingebunden werden. Nahezu jedes reguläre Turnier der European Tour oder PGA Tour bei den Herren sowie der LET- und LPGA-Tour der Damen hat einen Titelsponsor. Bei den Damen gilt dies auch für die Majors, bei den Herren stehen die Majors zumindest bisher für sich selbst, auf einen Titelsponsor wird bewusst verzichtet.

 

Die Aberdeen Asset Management Scottish Open

In 2017 hat die European Tour zudem die Rolex-Serie ins Leben gerufen, mit der eine eigene Premium-Kategorie innerhalb der jährlichen Turnierserie geschaffen wurde. Zu diesen Turnieren zählt auch die „Aberdeen Asset Management Scottish Open“, die jedes Jahr in der Woche vor der Open Championship ausgetragen wird. Titelsponsor ist das schottische Unternehmen Aberdeen Asset Management.

Ein wesentliches Merkmal der Rolex-Serie ist das deutlich gesteigerte Preisgeld, dieses liegt bei mindestens sieben Millionen US-Dollar pro Turnier. Auch bei der Scottish Open wurde in diesem Jahr erstmals ein Prämientopf von sieben Millionen US-Dollar ausgespielt – und damit mehr Preisgeld als bei allen drei dieses Jahr in Deutschland stattfindenden Turnieren der European Tour zusammen!

 

Die Scottish Open wird auf jährlich wechselnden Anlagen ausgetragen. Eine weitere Besonderheit: Sowohl das Damen- als auch das Herrenturnier haben den gleichen Titelsponsor und wurden 2017 erstmals auf der gleichen Anlage, auf Dundonald Links an der schottischen Westküste nahe Glasgow, ausgetragen. Dies unterstreicht den Umfang des Sponsoring-Engagements der Aberdeen Asset Management – weist aber ebenso darauf hin, dass für ein erfolgreiches Sponsoring auch die Zusammenarbeit mit den Golfanlagen ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, denn schließlich hat es der Titelsponsor jährlich mit neuen Ansprechpartnern und Anlagen zu tun. Welche Ziele die Aberdeen Asset Management mit ihrem Engagement verfolgt und welche Vorteile sie in ihrem Engagement bei beiden Turnieren sieht, erläutert der zuständige Manager Robin Spring im separaten Interview.

Direkt VOR den Open und als Gruppen-Event

Natürlich ist ein Golfturnier, besonders die nationale offene Meisterschaft, im Mutterland des Golfsports quasi per Definition ein besonderes Turnier. Die Positionierung im Turnierkalender unmittelbar vor der Open Championship, dem ältesten und einzigen europäischen Major, bietet zudem beste Voraussetzungen, ein attraktives Teilnehmerfeld zu gewinnen, wie Spring im Interview erläutert. Doch auch die gesamte Turnierorganisation ist hier ein wenig anders als in Europa. Wer die Scottish Open besucht, stellt schnell fest, dass ein Turnierbesuch selten von Einzelpersonen erfolgt. Stattdessen geht man häufig gemeinsam mit (Golf-)Freunden oder vor allem mit der Familie – so wird der Turnierbesuch fast schon zum Wochenendausflug mit Picknick. Entsprechend auf Familien zugeschnitten ist daher auch das Angebot auf der Turnieranlage, selbst ein Karussel war dieses Jahr aufgebaut. Und im Bereich des Merchandisings und der Ausstellung liegt der Fokus bei diesem Turnier deutlich auf der Vermarktung von Schottland als Golfdestination und der Förderung des Golfsports – die Vielfalt und Anzahl der Aussteller bei den deutschen Golfturnieren ist sicherlich größer, andererseits sichert der schottische Ansatz den teilnehmenden Partnern deutlich mehr und konzentriertere Aufmerksamkeit.

 

Die Golf-Promotion-Plattform Scottish Open

Deutlich stärker als manch anderes Turnier präsentiert sich die Scottish Open als Golf-Promotionplattform so­wohl im Innenverhältnis für schottische Golfer als auch im Außenverhältnis für Golftouristen aus aller Welt. Und auch wenn sicherlich viele Anlagen dieses traditionsreiche und sehr erfolgreiche Turnier gerne regelmäßig auf ihrem Platz austragen würden, bietet die wechselnde Austragung zahlreiche Vorteile – auch für vergleichsweise junge Plätze. 2017 wurden das Damen- und Herrenturnier erstmals nacheinander auf Dundonald Links ausgetragen – nachdem die Damentour bereits im Vorjahr hier Station gemacht hatte. Die vom renommierten Architekten Kyle Phillips design­­te Anlage setzt damit ihren Aufstieg in die Liga der absoluten Top-Linksplätze Schottlands fort.

Die Austragung der Scottish Open ist nach Einschätzung von Dundonald-Club-Manager Ian Ferguson ein wichtiger Baustein für das weitere Wachstum: „Die Ausrichtung eines solch prestigeträchtigen Events erhöht den Status unserer Anlage. Die weltweite Berichterstattung steigert zudem die Wahrnehmung und das Profil unseres Clubs“, so seine Erkenntnis. Dass sowohl das Damen- als auch das Herrenevent auf seiner Anlage ausgetragen wird, sieht er als großen Vorteil, da es die Positionierung der Anlage als einen der besten modernen Linksplätze in Schottland stärke. Auf die Auswahl der Austragungsorte hat der Club übrigens keinen Einfluss, diese Entscheidung obliegt der jeweiligen Tour und dem Titelsponsor – womit deutlich wird, welch enormen Einfluss Titelsponsoren auf die Ausrichtung haben. Die Auswahl eines Titelsponsors ist ebenfalls außerhalb des Einflussbereichs des Austragungsortes, trotzdem zeigt sich Ferguson mit der Auswahl und Zusammenarbeit mit dem aktuellen Titelsponsor beider Turniere äußerst zufrieden.

Innovative Ideen verbinden Private- und Public-Golf

Dass ein Golfturnier auch eine wunderbare Gelegenheit zu einer echten Private-Public-Zusammenarbeit sein kann, zeigt die Integration der schottischen Initiative „Making Maths Count“ in beide Turniere. Anstelle der üblichen Kennzeichnung der Spielbahnen auf den Lochfahnen wurden die Nummern durch Formeln ersetzt und regten somit zum Nachdenken und Rechnen an. Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon zeigte sich äußerst zufrieden mit dieser Aktion: „Die Verbindung von Mathematik und Sport auf eine solche kreative Weise wie mit dieser Initiative unterstreicht die Bedeutung, aber auch den Spaß an diesem Thema.“ Dass die Aktion auch bei den Zuschauern sehr gut ankam, zeigte die große Nachfrage im Merchandising-Bereich nach diesen Lochfahnen – die es jedoch nicht zu kaufen gab, die verwendeten Modelle wurden nach Turnierende an die teilnehmenden Schulen aus der Region North Ayrshire verteilt.

 

Die Durchführung beider nationalen Leuchtturm-Events auf der gleichen Anlage stellt die Ausrichter jedoch vor zusätzliche Herausforderun­gen: „Aufgrund des schottischen Klimas ist es für einen Platz sehr herausfordernd, genügend Zeit zur Erholung zwischen den Events zu haben“, so Ferguson mit Blick auf das Greenkeeping.

Dass es 2017 dennoch gelungen sei, führt er auf den ausgezeichneten Zustand und nicht zuletzt die ausgezeichnete Arbeit des gesamten Greenkeeping-Teams zurück. Lob findet der Club-Manager auch für die Bündelung von Damen- und Herrenturnier am gleichen Austragungsort: „Wir sind starke Unterstützer des Damengolfsports und sind begeistert, dass wir dessen Vermarktung durch eine noch größere Aufmerksamkeit als Austragungsort sowohl des Herren- als auch des Damenturniers unterstützen können.“ Wer als Zuschauer das Herrenturnier besuchte, erhielt gegen Vorlage seiner Eintrittskarte daher auch freien Eintritt an einem Tag des Damenturniers. Die ersten positiven Auswirkungen der Austragung bei Dundonald Links lassen sich Ferguson zufolge bereits erkennen. „Seit bekanntgegeben wurde, dass das Turnier bei uns ausgetragen wird, haben wir einen starken Anstieg an Greenfee-Buchungen von Gästen aus Europa und den USA verzeichnet. Unser Mitgliedschaften-Kontingent ist aktuell ausgeschöpft, aber ich bin überzeugt, dass noch mehr Menschen unserem Club beitreten möchten und mehr Golfer als Gastspieler zu uns kommen werden“, so sein überaus positives Fazit.

 

Autor: Michael Althoff | golfmanager 04/2017

 

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