Spielverderber Nachhaltigkeit?
Herausforderungen für Clubmanager

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Ressourcenknappheit fordern Golfanlagen mehr denn je – wer langfristig bestehen will, braucht strategisches Denken statt permanentes Krisenmanagement.
Ein Blick auf das Jahr 2025 zeigt: Das Leben (und Arbeiten) der Clubverantwortlichen ist 2025 nicht einfacher geworden. Stets neue Herausforderungen beschäftigen die Führungskräfte auf vielen Golfanlagen im operativen und strategischen Management. Mal ist es das Thema Wasserknappheit, mal die Be- und Entwässerung aufgrund heftiger Niederschläge, mal fehlen qualifizierte Mitarbeiter und auch die anhaltende Inflation und die unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen die Arbeit nicht leichter. Das sorgt vielfach dafür, dass vor allem Clubmanager sich immer häufiger nicht mehr um die Führung der gesamten Anlage kümmern (können), sondern immer häufiger Aufgaben im operativen Geschäftsbetrieb übernehmen. Fast ist man versucht, den Begriff ,Vizepräsident/Vizepräsidentin der Feuerwehr‘ als Tätigkeitsbezeichnung zu empfehlen – denn immer, wenn es irgendwo ,brennt‘, wird heute gerne nach den Clubmanagern gerufen.
Nun ist es ein bekanntes Phänomen, dass Dringlichkeit bei der Aufgabenerledigung Wichtigkeit leider schlägt – dennoch: Ein großes IT-Unternehmen hat schon vor Jahrzehnten die Aufgaben seines Managements wie folgt zusammengefasst: „Führen heißt, dafür zu sorgen, dass andere ihren Job gut machen“. Die Praxis zeigt oft ein anderes Bild – häufig auch als Ergebnis einer fehlenden langfristigen Planung und Umsetzungskontrolle. Dabei sind die Voraussetzungen für Golf deutlich besser als in manch anderem Wirtschaftsbereich: Die Anzahl der im Deutschen Golf Verband (DGV) registrierten Mitgliedschaften stieg auch 2025 leicht gegenüber dem Vorjahr, mit Happy Gilmore platzierte sich ausgerechnet ein rund um das Thema Golf konzipierter Film erfolgreich in den Charts der Neuerscheinungen und rückte den Sport ins allgemeine Interesse.
Digitalisierung als Hoffnungsträger – und neue Belastung
Die Lösung vieler Herausforderungen wird heute in der Digitalisierung gesehen. Ob es um die Gewinnung neuer Mitglieder und Gastspieler durch Social Media-Kampagnen und mehr geht, die Messung der Kundenzufriedenheit, elektronische Startzeitenbuchungen samt Wartelistenmanagement, KI-Nutzung für Newsletter und viele andere Einsatzbereiche und nicht zuletzt auch die Optimierung der Bewässerung durch sensorgesteuerte, moderne Anlagen: Gerade im Zeitalter des Fachkräftemangels, aber auch des zunehmend Medien-getriebenen Kunden, eignen sich technische Systeme zur Lösung.
Nachhaltigkeit rückt wieder in den Fokus
Doch gerade Themen wie Wasserknappheit oder in Brüssel diskutierte Vorschriften zum Verbot von Pflanzenschutz- und Düngemitteln bringen ein seit vielen Jahren ebenso wichtiges Querschnittsthema wieder an die Oberfläche: die Nachhaltigkeit.
Zur Erinnerung: Bereits am 24. Juli 2025 war der weltweite Earth Overshoot Day, der ,Erdüberlastungstag‘, erreicht. Er bezeichnet das Datum, an dem die Menschheit rechnerisch alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Ab diesem Zeitpunkt lebt die Menschheit von den Reserven der Erde.
Auf einzelne Länder betrachtet zeigen sich unterschiedliche Ergebnisse: Während in Qatar bereits der 06.02.2025 das relevante Datum markierte und auch Luxemburg mit dem 17.02.2025 bereits nach sechs Wochen des laufenden Jahres die Überlastungsgrenze erreichte, liegt der Tag für Deutschland mit dem 03.05.2025 ebenfalls in der ersten Jahreshälfte. Für die gesamte EU haben Forscher den 29.04.2025 ermittelt, Deutschland schneidet also etwas besser ab als der EU-Durchschnitt. Von knapp 90 betrachteten Ländern schafft es einzig Uruguay mit dem 17.12.2025, eine Überbelastung der natürlichen Ressourcen fast zu vermeiden (Quelle: https://overshoot.footprintnetwork.org/newsroom/country-overshoot-days/). Die USA erreichten den Erdüberlastungstag bereits am 13.03.2025, während China mit dem 23.05.2025 gar besser abschnitt als Deutschland. Während Sie, liebe Leser, diese Daten verarbeiten, werden Sie vielleicht schon innerlich darauf hinweisen, dass man eine starke Wirtschaftsnation wie Deutschland nur schwerlich mit Uruguay vergleichen könne. Und überhaupt: Solche Berechnungen seien doch grundsätzlich eher theoretische Modelle, und menschlicher Wohlstand sei ohne Ressourcenverbrauch kaum möglich – Argumente, die man übrigens auch von Politikern an dieser Stelle immer wieder hört. Man gewinnt daher zunehmend den Eindruck, der Erdüberlastungstag entwickelt sich ein wenig zum ‚Muttertag der Nachhaltigkeit‘: kurz innehalten, die Bedeutung der Nachhaltigkeit würdigen, aber dann zurück zu ‚Business as usual‘.
Mikro- und Makroperspektive der Nachhaltigkeit
Versucht man jedoch – was zugegebenermaßen nicht gerade einfach ist – frei von politischen Argumenten und sonstigen Weltanschauungen, das Thema halbwegs neutral zu betrachten, fallen zwei Aspekte auf: Zum einen ist Nachhaltigkeit ein eher langfristiges Thema, zum anderen gibt es, wie so oft in der Wirtschaft, eine Mikro- und eine
Makro-Perspektive.
Zusätzlich sind zwei Herausforderungen untrennbar mit einer Optimierung der Nachhaltigkeit verbunden: Man benötigt entsprechende finanzielle Mittel und muss individuelle, lokale Besonderheiten berücksichtigen.
Finanzen, Rahmenbedingungen und Realität
Gerade bei den finanziellen Mitteln wird schnell deutlich: Der Ruf nach dem Staat wegen finanzieller Förderungen verhallt angesichts angespannter Kassen, gerade auf kommunaler Ebene, schnell im Nirvana, letztlich müssen die Kunden – also Mitglieder und Gastspieler – die notwendigen finanziellen Mittel erbringen, auch wenn sie bei Betreiberanlagen oft von den Eigentümern vorfinanziert werden.
Wie wichtig die jeweiligen Voraussetzungen sind, von denen aus man seine nachhaltige Reise beginnt, zeigt das immer noch gerne kontrovers diskutierte Reizthema Elektromobilität. Während in Deutschland der Anteil reiner E-Fahrzeuge bei den Neuzulassungen im Juli 2025 bei 18,4 % lag, hört man aus Norwegen von Werten jenseits der 95 %. Experten machen hierfür zwei Hauptgründe aus: Erstens verfügt Norwegen über enorme Wasserressourcen, so dass rund 90 % der Energie aus Wasserkraft gewonnen werden, der Rest kommt überwiegend aus Windkraftanlagen. Damit gewinnt Norwegen fast 100 % seines Stroms aus erneuerbaren Energien und gibt ihn deutlich günstiger als in Deutschland an die Verbraucher weiter. Zweitens hat Norwegen jedoch nahezu keine relevante Automobilindustrie – anders als in Deutschland, wo Volkswagen samt Audi und Porsche sowie BMW und Mercedes weiterhin zu den größten Arbeitgebern der Republik zählen. Daher ist Elektromobilität ein hervorragendes Beispiel für die Frage, aus welcher Perspektive man Nachhaltigkeit betrachtet: Wird der zum Betrieb der Fahrzeuge gewonnene Strom umweltverträglich gewonnen, kann der CO2-Ausstoß nachhaltig reduziert werden. Wird der Ladestrom jedoch beispielsweise durch die Verbrennung von Gas oder anderen fossilen Brennstoffen erzeugt, verlagern sich die Emissionen vom Ort des Verbrauchs auf der Straße hin zum Ort der Verstromung.
Wenn Golfanlagen sich mit Nachhaltigkeit befassen, sollten sie daher stets drei Fragen für sich klären:
- Ist man bereit, eine langfristige Optimierung anzustreben und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen oder geht es nur um kurzfristige Effekte?
- Bezieht sich der Nachhaltigkeits-Ansatz nur auf die eigene Anlage (Mikro) oder auf die gesamte Region oder noch größere geografische Einheiten?
- Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit gegenüber anderen Zielen einer Golfanlage, beispielsweise der kurzfristigen Gewinnerzielung oder auch dem Golferlebnis?
Die Antworten auf diese Frage kann nur jede Golfanlage für sich selbst finden – genau wie in der klassischen Wirtschaft gibt es keine Patentlösungen. Gerade die Frage ,Mikro oder Makro‘ gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung. Hintergrund ist die fortschreitende Digitalisierung – nicht nur auf Golfanlagen, sondern im gesamten Leben. Noch unter Bundeswirtschaftsminister Lauterbach startete die elektronische Patientenakte ePA, Steuererklärungen gibt man am besten per ELSTER oder ELSTER-kompatibler Software ab und längst werden Smartphones mehr zum Austausch von Textnachrichten denn zum klassischen Telefonieren genutzt. Sowohl im Greenkeeping als auch in der Kundengewinnung und -betreuung lautet ein Megatrend des Jahres 2025 ‚Digitalisierung und KI‘.
Digitalisierung und der unsichtbare Ressourcenverbrauch
Kein Zweifel, Technologie hilft nicht nur, dem Arbeits- und Fachkräftemangel zumindest teilweise entgegenzuwirken, sondern auch die eigene Leistung und das Golferlebnis zu verbessern. Doch Anfang August 2025 sorgte eine Meldung aus Großbritannien für Aufsehen: Angesichts der Wasserknappheit rief die britische Regierung dazu auf, alte E-Mails und Fotos zu löschen! Damit wird der Blick in Sachen Nachhaltigkeit auf ein spannendes Thema gelenkt: den Ressourcenverbrauch, der für die Nutzung bestimmter Systeme an anderer Stelle entsteht und somit weitgehend außerhalb der eigenen Wahrnehmung. Das trifft gerade auf IT-Systeme zu. Die in den letzten Jahren vollzogene Abkehr von lokalen Serversystemen hin zu Cloud-basierten Lösungen hat zwar das Leben in der Praxis vieler Golfanlagen und anderer Unternehmen vereinfacht, aber auch die Wahrnehmung verändert. Denn die Auslagerung der Serversysteme an andere Standorte hat zwei Themen aus der Wahrnehmung genommen: Den Stromverbrauch zum Betrieb der Rechner – und vor allem die durch die Rechner erzeugte, teils enorme Wärme. Damit die Systeme nicht überlastet werden, hilft nur eines: Kühlung – und diese erfolgt primär durch Wasser. Ein Spareffekt beim Wasser tritt natürlich nicht durch das Löschen einer einzelnen E-Mail oder eines gespeicherten Fotos auf – erst, wenn durch den reduzierten Datenverbrauch weniger Serverkapazität benötigt wird, kann tatsächlich Wasser eingespart werden.
Wenn Technologie zum Umweltfaktor wird
Gerade KI, die enorme Rechnerkapazitäten und immer leistungsfähigere Prozessoren benötigt, ist damit ein Treiber des Wasserverbrauchs. Auch Blockchain-Anwendungen, beispielsweise bei Krypto-Währungen, sind alles andere als sparsam beim Wasserverbrauch.
Das Öko-Institut hat sich im Auftrag von Greenpeace mit den Umweltauswirkungen künstlicher Intelligenz befasst (Quelle: www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Report_KI_DEU.pdf). Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass KI-Rechenzentren ihren Stromverbrauch von 2023 bis 2030 verzehnfachen werden, der Wasserverbrauch werde sich bis dahin auf insgesamt 664 Milliarden Liter vervierfachen. KI-Rechenzentren benötigen damit gemäß der Studie doppelt so viel Wasser wie herkömmliche Rechenzentren. Die Heinrich-Böll-Stiftung verweist darauf, dass 20 klassische Google-Anfragen 10 Millimeter Wasser verbrauchen, während ein 20 bis 50 Fragen umfassender Chat mit ChatGPT einen halben Liter Wasser verbrauche (www.boell.de/de/ 2025/01/08/digitalisierung-kuenstliche-intelligenz-und-wasserverschwendung).
„Lieber weniger mit KI spielen anstatt nur alle zwei Tage duschen“ könnte man aus diesen Daten scherzhaft ableiten. Um es vorweg zu nehmen: Natürlich ist es nicht Ziel dieses Beitrags, zum Verzicht auf Digitalisierung und KI-Nutzung aufzurufen. Aber die Beispiele zeigen zweierlei:
- Nachhaltigkeit wird oft nur in Bezug auf das direkte Umfeld betrachtet. Wer beispielsweise im Rahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie Ladesäulen auf seiner Golfanlage installiert, sollte dabei beachten, wie der darüber ausgelieferte Strom erzeugt wird. Und während man bei der Bewässerung des Platzes und der Übungsflächen den Verbrauch unmittelbar am eigenen Zähler oder am Wasserstand des Speicherteichs ablesen kann, wird der Wasserverbrauch für den per KI erstellten Newsletter und die Social Media-Kampagne im wahrsten Sinne ,verwässert‘ und taucht nirgends als messbarer Wert auf.
- Wie bisher ist auch in Zukunft technologischer Fortschritt mit Ressourcenverbrauch verbunden – das gehört zum Dasein aller Lebewesen, denn ab dem Tag unserer Geburt verbrauchen wir die Ressourcen der Natur, um zu leben und zu überleben. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Natur – allerdings ist der Mensch in Hinblick auf den technologischen Fortschritt in den letzten Jahrtausenden deutlich ,umtriebiger‘ gewesen ...
Nachhaltigkeit ganzheitlich denken
Auch wenn das Leben per se ohne Ressourcenverbrauch nicht möglich ist: Sowohl im Berufsleben als auch in der Freizeit sollten wir mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umgehen. Gerade im Freizeitbereich wird deutlich, dass auch hier ein Ressourcenverbrauch unvermeidbar ist: Schwimmbäder benötigen Wasser, Wanderwege und Mountainbike-Strecken in den Alpen greifen unweigerlich in die Natur ein und auch Golfanlagen benötigen Fläche und Wasser als wichtigste Voraussetzungen für das Spiel mit dem kleinen weißen Ball.
Wenn Golfanlagen sich jedoch der Nachhaltigkeit verschreiben, ist es wichtig, dass hier ein ganzheitlicher Ansatz anstelle eines lokalen Ansatzes verfolgt wird. Dazu gehört auch die Frage, welche Anfahrtswege Golfer für eine Golfrunde auf sich nehmen. Nachhaltigkeit auf Golfanlagen bedeutet letztlich, sich bewusst für oder gegen bestimmte Einrichtungen, Angebote und Arbeitsprozesse zu entscheiden. Denn der Ressourcenverbrauch einer Golfanlage geht weit über den Golfplatz an sich, seine Bewässerung und die tägliche Platzpflege hinaus. So, wie heute vielfach bereits bei der Bewässerung anstatt des Gießkannenprinzips selektiv nach gemessenem Bedarf gehandelt wird, sollte auch für andere Bereiche des Anlagenbetriebs stets die Frage begleitend betrachtet werden, ob die Aktion tatsächlich notwendig ist und welche Ressourcen dadurch verbraucht werden.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
So schön Nachhaltigkeit und insbesondere Umweltschutz als Aushängeschild sind – nicht nur für den Golfsport, sondern generell für die Wirtschaft: In der heutigen Zeit reicht ein rein lokaler Ansatz nicht aus. Was organisatorisch vielfach als ‚Heilsbringer‘ daherkommt und oftmals auch Spaß macht (auch Rangesysteme erhöhen natürlich den Energieverbrauch einer Golfanlage), läuft schnell Gefahr, dass sich Nachhaltigkeit als Spielverderber erweist, da sich durch die entsprechenden Maßnahmen der Energie- und Wasserverbrauch weiter erhöht. Dennoch: Auch der Golfsport kommt nicht umhin, sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung beim Thema Nachhaltigkeit zu stellen – und während im Fußball gerne der Spruch „die Wahrheit liegt auf dem Platz“ zitiert wird, liegt sie im Golfbetrieb bei der Nachhaltigkeit nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Aktive Freizeitgestaltung ist ohne Ressourcenverbrauch nicht möglich. Die deutsche Golfbranche hat in den letzten Jahren erfolgreich daran gearbeitet, auf dem Platz umweltverträglicher und ressourcenschonender zu werden. Bei aller Technologieoffenheit und -freundlichkeit sollte auch im Bereich des Anlagenmanagements, der Kommunikation und des Betriebs die Frage nach der Nachhaltigkeit begleitend beachtet werden. Oft sind es schon kleine Maßnahmen, die große Wirkung erzielen. Erster Schritt hierzu ist, wie so oft, die Schaffung eines entsprechenden Bewusstseins. Muss man jeden Tag einen Newsletter verschicken? Muss jeder Newsletter mit zwei oder drei KI-generierten Bildern oder gar Videos ergänzt werden? Die Lösung liegt hier oft in der individuellen Abwägung.
Nachhaltigkeit soll nicht zum Spielverderber von Innovation, Effizienz und nicht zuletzt Kundenerlebnis werden. Aber ein kontinuierliches Hinterfragen des eigenen Handels ist möglich – und kann oft einen wichtigen Beitrag dazu leisten, auch abseits der Golfanlage weniger Ressourcen zu verbrauchen.
Autor: Michael Althoff | golfmanager 5/25