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Regionale Wirtschaftsförderung durch Damengolf

Seit vielen Jahrzehnten ist Golf wichtiger Bestandteil des Angebots von Andalusien. Es richtet sich nicht nur an die klassischen Urlauber, sondern auch an die wachsende Gruppe der internationalen Einwohner, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Dadurch entstanden in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Golfanlagen, vor allem an der Costa del Golf zwischen Málaga und Sotogrande. Diese wiederum waren über viele Jahrzehnte Austragungsort berühmter Turniere der europäischen Tour der Herren. Der wohl renommierteste Austragungsort, Real Club Valderrama, wechselte 2023 von der DP World Tour zu LIV Golf und ist 2024 erneut der einzige Austragungsort dieser Turnierserie in Kontinentaleuropa. Doch längst haben die Golf- und Tourismusverantwortlichen neben dem Herrengolf den Profi-Turniersport der Damen für sich entdeckt. Während die Spieler der DP World Tour zum Race to Dubai antreten, begeben sich die Proetten der LET auf das Race to Costa del Sol. Das Finale der Damen-Tour wurde 2023 im renommierten Real Club de Golf Las Brisas ausgetragen – und der offizielle Titel des Turniers „Andalucia Costa del Sol Open de España“ ist zwar für Freunde kurzer, prägnanter Markennamen kein Zuckerschlecken, unterstreicht aber die breite Unterstützung der Region für dieses Event. Dass 2024 das Finale erneut in Andalusien ausgetragen wird, zeigt die langfristige Bedeutung dieser hochwertigen Turniere für das Marketing der Costa del Sol und Andalusiens insgesamt. Folgerichtig fand auch das größte Event des Profi-Damengolfs 2023 in der Region statt: der Solheim Cup. Vicente Rubio, Präsident des austragenden Finca Cortesín Golf Clubs, zeigte sich im Gespräch mit dem golfmanager mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Club profitiere sowohl vom Vermächtnis, das man als Austragungsort eines solch prestigeträchtigen Events erlange, als auch in finanzieller Hinsicht, da man das Greenfee nach dem Event nochmals erhöhen konnte. Gleichzeitig betonte er, dass eine Maximierung der Startzeiten nicht der richtige Weg sei – von größter Bedeutung sei das Kundenerlebnis. Am meisten profitiert habe die Anlage für den Quellmarkt USA. Dass der Erfolg lange anhalte, macht der erfahrene Manager an der breiten Unterstützung durch die touristischen Institutionen fest: „Wir sind eine touristische Destination, was uns von früheren Austragungsorten wie St. Leon Rot in Deutschland unterscheidet“, so Rubio im Interview. 

Die breite Unterstützung durch Andalusien, die Costa del Sol, Marbella und Benahávis sorge für eine nachhaltige Kommunikation der Region. Aber auch eigene Marketingaktivitäten sind dem Manager wichtig. Hier setzt er vor allem auf die Zusammenarbeit mit Performance54, arbeitet aber auch mit anderen Anbietern wie Troon Privé zusammen. Finca Cortesín, das nach Rubios Worten in erster Linie ein Immobilienprojekt sei, orientiert sich vor allem an Menschen aus der Region, ist jedoch international in seiner Ausrichtung. Aufbauend auf den Erfahrungen des Solheim Cups zieht der Clubpräsident ein sehr positives Fazit hinsichtlich der Attraktivität von Damengolf für Zuschauer, da die Qualität des Spiels der Damen außergewöhnlich sei. Um mehr Aufmerksamkeit für den Profisport der Damen zu erlangen, regt er neben erhöhter Präsenz in den Medien insbesondere an, mehr junge Frauen für den Golfsport zu begeistern und verstärkt über Turniere nachzudenken, bei denen Damen und Herren gleichzeitig antreten – dies habe beispielsweise im Profitennis ausgezeichnet funktioniert.

Solheim Cup 2026 bei Bernardus Golf 
 

Auch die Niederlande setzen bei der Gewinnung von Golferinnen auf Profiturniere, die Dutch Ladies Open auf der LET wird seit Jahren unterstützt. Hintergrund ist das Ziel des Verbandes, bis zum Ende dieses Jahrzehnts Parität bei der Anzahl weiblicher und männlicher Golfer zu erreichen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch der nächste Solheim Cup auf europäischem Boden 2026 in den Niederlanden ausgetragen wird, konkret bei Bernardus Golf in Cromvoirt. Die vielen Golfern von der KLM Open der letzten drei Jahre bekannte Anlage aus der Feder von Kyle Phillips wurde gerade erst bei den Golfers‘ Choice Awards 2024 zum besten Golfplatz der Niederlande gekürt. Eigentümer Robert van der Wallen konnte gemeinsam mit dem niederländischen Golfverband die Organisatoren für sein Herzensprojekt begeistern. „Das lag daran, dass wir der einzige Veranstaltungsort mit einem weiblichen General Manager waren“, erzählt Bernardus-Geschäftsführerin Sabine Riezebos im Gespräch mit dem golfmanager lachend. Aufbauend auf den Erfahrungen der KLM Open hat die Anlage bereits in den letzten drei Jahren von der medialen Unterstützung im Rahmen der Turniere profitiert, dank der KLM Open habe man gar Anfragen aus Australien erhalten, so Riezebos. Seit langem schon ist die Förderung des Damengolfs immanenter Bestandteil des Anlagenkonzepts. Daher geht es den Verantwortlichen mit dem Solheim Cup um mehr als die reine Austragung eines renommierten Kontinentalvergleichs. „Wir haben uns auch mit der Frage beschäftigt, wie wir die Veranstaltung nutzen können, um mehr Frauen für das Spiel zu begeistern“, so die erfolgreiche Managerin. Daher solle Golf 2026 im Mittelpunkt stehen, allerdings ergänzt um Angebote wie Modenschauen oder Künstlerinnen. Besonders am Herzen liegt Riezebos, die Spielerinnen in den Mittelpunkt der Veranstaltung zu stellen und stärker einzubinden. Dazu befinde man sich derzeit in einer Brainstorming-Phase. Auch das Ladies-Business-Netzwerk des Clubs soll hier eine Rolle spielen. Zudem soll der Solheim Cup eine der nachhaltigsten Veranstaltungen des Jahres 2026 sein, hier dienen erprobte Konzepte der Formel 1 in Zandvoort als Vorbild. Durchaus möglich, dass auch das Fahrrad – ein weltweites Markenzeichen der Niederlande – eine wesentliche Rolle spielen wird.

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Autor: Michael Althoff | golfmanager 02/2024