Weniger ist mehr
Wie das kurze Spiel den Zeitgeist trifft

Kurze Plätze und das kurze Spiel verdichten Golf zur Essenz und komprimieren den Zeitaufwand. Peter Merck hat das im Golf Lounge Resort in Hamburg-Moorfleet zum Credo erhoben.
Der Freizeitforscher und Zukunftswissenschaftler Prof. Horst Opaschowski hat vor knapp 20 Jahren eine Erkenntnis niedergeschrieben, die seither auch die Golfbranche leiten sollte, ja müsste. „Für zeitaufwändige Beschäftigungen bleibt immer weniger Zeit … Alles, was über zwei Stunden dauert, stagniert oder geht zurück“, heißt es in seinem Buch ,Deutschland 2030. Wie wir in Zukunft leben‘, das als Standardwerk zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland gilt.
Opaschowskis Bestseller erschien 2008, er dürfte vorher etliche Monate am Schreibtisch gesessen haben, um diese und andere Thesen auszuformulieren. Ungefähr zeitgleich wurde auf den Golfplätzen landauf, landab die Halbrunde gesellschaftsfähig: Seit 2007 darf auch über neun Löcher vorgabewirksam gespielt werden. Leider bloß ein schöner Zufall, keine direkte Antwort auf das Plazet des Mannes, der ad professionem im Kaffeesatz des Kommenden liest und mit den Ergebnissen Politik und Wirtschaft berät.
Die Golfwelt zieht nach
Dennoch ist das globale Golfbusiness längst zur selben Erkenntnis gelangt. Noch nicht im gebotenen Umfang und in aller Konsequenz – was viele Gründe haben kann, die bei mangelnder Weitsicht beginnt und bei finanziellen Einschränkungen endet. Aber immerhin. Weltweit haben Macher und Manager den Wert des ,Weniger ist mehr‘ erkannt und adressieren den Zeitaufwand für Golf mit räumlicher Verdichtung, die dem Spiel dennoch genügend Möglichkeit zur Entfaltung bietet. Der golfmanager hat sich dieser Entwicklung bereits unter dem Titel ,Großes Kino auf kleiner Fläche‘ gewidmet (Ausgabe 2/24).
Warum eigentlich 18 Löcher?
Überhaupt stellt sich die Frage, warum der 18-Löcher-Platz nach wie vor als Maß aller Dinge angesehen wird. Zumal nur aus Zufall entstanden, weil 1764 auf dem Old Course einige zu kurze Bahnen zusammengelegt wurden und die Alma Mater der Kurskonzeption dadurch von 22 auf 18 Löcher schrumpfte. Es muss bei einem Opus dieser Art ohnehin ein Architektur-Virtuose am Werk sein, um zwischendrin eine gewisse Langatmigkeit des Layouts zu vermeiden. Ganz abgesehen davon, dass Lage und Landschaft überhaupt die Voraussetzungen bieten müssen. Vom ausufernden Flächenbedarf und den ökologischen Bedenken gar nicht zu reden, die derartige Spielwiesen mit sich bringen.
Die Magie der Kürze
Im 1896 gegründeten Shiskine Golf & Tennis Club auf der Insel Arran vor der schottischen Westküste beispielsweise, wo man des modischen Firlefanzes völlig unverdächtig ist, wird seit rund hundert Jahren über zwölf Löcher gespielt. Es gibt Experten, die das als ideale Anzahl für eine Runde Golf ansehen und gern eine entsprechende Debatte anstrengen möchten. Andere nennen es „einfach perfekt für zwei wunderbare Stunden Golf“. Opaschowski lässt grüßen. An dieser Stelle ist Zeit für eine Binsenweisheit: In der Kürze liegt die Würze. Zwischen Kurzplätzen und reduzierten Runden à la Shiskine – seien es 6, 9 oder 12 Löcher – liegt eine Mannigfaltigkeit an Varianten, die sich munter multiplizieren lassen.
Eine Vision für modernes Golf: Golf Lounge Country
Man frage bloß mal bei Peter Merck nach. Der umtriebige Unternehmer aus Hamburg, der sich nicht nur aus geschäftlichem Antrieb sehr viele kluge Gedanken über das Spiel macht, hat schon vor zehn Jahren die Vision eines modernen Golfplatzes für alle Zeit- und Aufwandsbedürfnisse konzipiert. ,Golf Lounge Country‘ nennt sich das Planspiel: Merck entwickelte Drei-Löcher-Schleifen mit jeweils individueller Design-Typologie und arrangiert sie ums Clubhaus und den Parkplatz: ein Terzett im Linksstil, drei Bahnen als Lakes Course, eine Trilogie namens Night & Day mit Flutlicht, dazu Adventure, Country und Family.
Sechs mal drei Löcher in unterschiedlicher Ausgestaltung eben, aneinander grenzend, zwischen 140 und 170 Meter lang, alle drei Löcher wechselt die Charakteristik, so kommt Abwechslung ins Spiel. Der Golfer kann sich je nach Gusto und verfügbarer Zeit die passende Runde zusammenstellen. Zum Feierabend mit dem Kollegen ein flotter Dreier Linksgolf? Kein Problem! Sonntag früh vor dem Brötchen-holen ein Quickie über sechs Löcher auf Lakes und Country? Passt. Ein Neun-Löcher-Spaßturnier? Klar doch. Selbst die ,volle Dröhnung‘ über 18 Löcher wäre drin. Vielleicht sogar in zwei oder drei Etappen, mit Päuschen und dem obligatorischen Kaltgetränk zwischendurch.
Golf für jede Gelegenheit
Nicht zuletzt böte Golf Lounge Country die Gelegenheit für einen golferischen Familienausflug. „Eine gemeinsame Runde Golf auf dem Adventure oder dem Family Course, danach Brotzeit oder Blechkuchen im Biergarten und anschließend eine kleine Trainingseinheit auf der Range“, heißt es in der Konzeptbeschreibung. Notfalls können sich die Kids auf dem Minigolfplatz amüsieren, während Mama und Papa den letzten Eimer Bälle verfeuern oder bloß den Sonnenuntergang genießen.
Verdichtetes Golf in Hamburg-Moorfleet
Wie gesagt, es ist eine Vision, die Peter Merck da skizziert hat (siehe Anlagenübersicht). Doch in der Gestaltung des Golf Lounge Resort im Hamburger Stadtteil Moorfleet kommt Merck dem Ideal durchaus nahe und hat ein Modell und eine Blaupause zugleich für stadtnahes Golf geschaffen. Mit dem Schwarzen und dem Roten Platz verdichtet er Golf zur Essenz und komprimiert den Zeitaufwand. Wer braucht schon Runden von sechs Stunden, inklusive Bälle-suchen? Zusätzlich ist der Blaue Minigolf-Platz ein idealer Einstieg für Familien und Freizeitkunden.
Der Rote Kurs hat sechs Löcher mit Abschlägen und Grüns aus Kunstrasen und ist für Anfängergolfer ausgelegt. Die Fairways sind breit, ohne Rough und maximal 200 Meter lang. Es gilt, den Ball einigermaßen in die Luft und auf die Puttfläche zu bringen – ideal für Platzreife-Absolventen, um unkompliziert das Golfspiel zu erlernen.
Dafür ist der Schwarze wie die weltweiten Brüder und Schwestern ein kompletter Golfplatz mit sämtlichen Features: mit Teichen und Bunkerkomplexen und kleinen, interessant ondulierten Grüns, die akkurate Annäherungen erfordern. Die Optik ist bestechend und täuscht einen Schwierigkeitsgrad vor, der im Spiel dann doch lösbare Aufgaben beschert – allein schon, weil nicht mit den langen ,Stecken‘ hantiert werden muss, um erst mal Strecke zu machen. Keine Bahn ist länger als 350 Meter. Es braucht vom Tee zwar ,Transportschläge‘ über 120, 130 Meter, aber dafür reicht ein kleines Fairwayholz oder ein längeres Eisen.
Der Driver bleibt im Bag
Deswegen bleibt der Driver direkt draußen. Wie neulich bei Rory McIlroy, der für die erste Runde des Turniers der DP World Tour in Indien angesichts der schmalen, von dichter Vegetation flankierten Fairways im Delhi Golf Club ebenfalls auf seine nominell stärkste Waffe im Bag verzichtete und damit die ,Krawumm-Fraktion‘ innerhalb der Fan-Gemeinde aufschreckte. Dabei, befand der Nordire, stehe lediglich der erwartbare Vorteil in keinem Verhältnis zum Ausmaß des Risikos. Sprach’s, verließ sich auf das Ball Striking und spielte auch ohne Holz 1 eine 69.
Zurück nach Moorfleet: „Der schwarze Platz ist für fortgeschrittene Golfer ausgerichtet und schluckt alles, was nach rechts und links unkontrolliert verzogen wird. Das Rough ist bei uns nicht knöchel-, sondern kniehoch“, sagt Merck. „Außerdem haben wir uns bewusst entschieden, 80 Meter Rough vor die Abschläge zu legen. Das ist Natur pur. Und wer da nicht drüberschlagen kann, der sollte auf den roten Platz oder blauen Minigolf Platz ausweichen.“ In Moorfleet fängt der Spaß erst nach dem Abschlag richtig an. „Wir sind mitten in der Stadt“, verdeutlicht Merck. „Da kann man einen Platz nicht für 200-Meter-Drives konfigurieren. Und ob der Abschlag 140 oder 160 lang wird, ist eigentlich egal. Den musst du nur irgendwo vorne hinlegen. Deswegen haben wir auch Damen- und Herrenabschläge zusammengelegt. Der nächste Schlag muss sitzen.“
Es geht ums kurze Spiel. Ab Eisen 7 wird es lustig. „Eisen 8, Eisen 9, die Wedges spielen, ein bisschen ,rumzaubern‘“, ergänzt Merck: „Wer das verstanden hat, der hat einen Mordsspaß. Ein leichtes Pencil-Bag mit wenigen Schlägern dafür reicht völlig aus. Damit lässt sich wunderbar trainieren, und in anderthalb Stunden ist man durch.“ Was zu beweisen war.
Golf als Antwort auf den Zeitgeist
In der Spaßgesellschaft des 21. Jahrhunderts kommt dem kurzen Spiel nicht nur im Sinne eines guten Scores besondere Bedeutung zu. Es ist die Antwort auf den Zeitgeist und eine volatile Freizeitkultur, in der sich der ,Homo ludens‘, der spielende Mensch, längst nicht mehr wenigen, intensiv ausgeübten Dingen verschreiben mag. Um nochmal Professor Opaschowski zu zitieren: „Wir sind offensichtlich für viele Tätigkeiten aufgeschlossen – solange sie nicht über zwei Stunden dauern.“
Also, Golf darf gern knackiger werden, kürzer und cooler. Wie im Golf Lounge Resort, das zu einer ziemlich einmaligen Symbiose von Freizeit, Event und Golf -Location gewachsen ist und wo sich die eingesparte Zeit entspannt und genussvoll in der Elb Lodge oder auf der umlaufenden Terrasse verbringen lässt.
Autor: Michael F. Basche | golfmanager 5/25



