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Digitaler Drive

Innovation setzt sich durch

Im Golf Lounge Resort in Hamburg wird der gesamte Service über eine individuelle IT-Lösung geführt. Das fördert die Effizienz für den Kunden und setzt personelle Ressourcen frei.
 

Deutschland ist ein digitales Drama – um es salopp zu formulieren. Die diesbezüglichen Defizite gehören zu den apokalyptischen Reitern wider Prosperität und Fortschritt, unter denen Wirtschaft und Gesellschaft aktuell in besonderem Maße leiden. Während alle Welt sich von den Apps im Mobiltelefon durchs Leben leiten lässt, symbolisiert das gute alte Faxgerät den Stand der technischen Dinge in deutschen Amtsstuben und anderen Verwaltungsstrukturen.
 

International rangiert Deutschland in Sachen Digitalisierung allenfalls im Mittelfeld, wenngleich die Bundesregierung sich bei ihrer Digitalstrategie das Ziel gesetzt hat, es bis 2025 in die Top 10 zu schaffen: „Auch südeuropäische Staaten schreiten in der Umsetzung von E-Government-Lösungen schneller voran als das Land der Dichter, Denker und Verwaltungsbürokraten“, konstatierte Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft vergangenes Jahr (Quelle: Tagesschau).

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Im Norden beispielsweise denkt einer mit. Und vor. Peter Merck, Wahl-Hamburger, Golfunternehmer, Förderer des Sports. Der 57-Jährige hat mit der Golf Lounge Hamburg im Industriestadtteil Rothenburgsort bereits vor gut 15 Jahren initiiert, was heutzutage Topgolf weltweit als Spektakel inszeniert: Golf für jedermann mit Gaming-Charakter und hohem Unterhaltungswert. 2020 erwarb Merck die in die Jahre gekommene 9-Löcher-Golfanlage von Red Golf in Moorfleet, siedelte die Golf Lounge um, deren Pachtvertrag abgelaufen war, feilte sechs Monate an der Philosophie für die 50 Hektar mit ansehnlich verteiltem Baumbestand und eröffnete im April 2022 das Golf Lounge Resort, Modell und Blaupause zugleich für stadtnahes Golf heute und in Zukunft.

Golf der Zukunft
 

Sportlich ist die Anlage mit dem Skipisten-Farbsystem schon mal Golf 2.0, strukturell und organisatorisch mindestens 4.0. Weil der Inhaber und Betreiber die Möglichkeiten der Digitalisierung für einen Erlebnisort samt Golfspielbetrieb konsequent mit einem maßgeschneiderten eigenen IT-Tool dekliniert. „Wenn man branchenübergreifend denkt, nehmen wir sicherlich keine Vorreiterrolle ein“, schränkt Merck zwar ein, aber: „Auf die Golfbranche bezogen, sind wir schon um einiges voraus.“ Was nicht als Kritik an Kollegen oder Unzufriedenheit mit gängigen Buchungs- und Informationsmedien wie PC Caddie zu verstehen ist. „Wir sind nun mal keine Golfanlage im klassischen Sinn, sondern eine Freizeit-, Event- und Golf-Location“, verdeutlicht der passionierte Reiter und Tennisspieler. „Da wir kaum Turniere austragen, haben wir ein eigenes System aufgebaut und die kompletten Betriebsabläufe und das Angebot für die Kunden digitalisiert.“
 

Kurz: Für Gäste oder Mitglieder, die im Golf Lounge Resort charmant als „Friends“ geführt werden, führt der Weg nach Moorfleet zunächst über den Online-Auftritt des Golf Lounge Resorts. Auf der Webseite lassen sich alle Leistungen und die Vorteile der Friends-Mitgliedschaft buchen und bezahlen – derzeit für 99 Euro (Stand 2024): Golfrunden, Abschlagmatten für bis zu vier Personen, die stundenweise und ohne Bälle-Limit vergeben werden, Trainerstunden, Gruppenkurse, das Friends-Abonnement mit vergünstigten Preisen für alle Produkte und Guthabenkonto mit zehn Prozent Bonus auf jede Einzahlung, selbst für Events. Eine sechsstellige Summe hat Merck investiert, der studierter Diplom- und zudem Golfbetriebswirt ist und sich einen „innovativen Qualitätsjunkie“ nennt: „Was ist die Vision? Mit welcher Innovation kann ich die gesetzten Ziele umsetzen und was muss ich noch anpassen, damit aus der Vision Wirklichkeit wird? Das ist mein Antrieb, meine unternehmerische DNA – verbunden mit der Gewissheit, dass sich Innovation durchsetzt.“
 

Dafür braucht es einen konzeptionellen Blick über die Out-of-Bounds-Markierungen des herkömmlichen Golfbetriebs hinaus. „Man sollte mit offenen Augen herumlaufen und sehen, welche Produkte es im Freizeitsegment gibt und was funktioniert“, sagt Merck. „Ich gucke mir die innovativen Hotellerie-Formate oder die Kreuzfahrtbranche an, gehe auf Messen oder Großevents.“ Der Austausch und Blick aufs Neue ist entscheidend. „Vor allem aber versuche ich, von anderen Branchen zu lernen.“ Zum Beispiel hat ihn jüngst die Mega-Dauershow der englischen Sängerin Adele in München und der drumherum inszenierte Mikrokosmos aka Adele World fasziniert und inspiriert: „Come together und Konzert-Erlebnis in Einem.“
 

Golf und Spaß kombinieren


Merck erkannte als einer der Ersten das Potenzial der Trackingtechnologie für Sportbälle und wirkte in Zusammenarbeit mit der dänischen Firma Trackman darauf hin, die ursprüngliche Anwendung im Bereich der Schlag- und Trainingsanalyse auf das weite Feld des Gaming auszuweiten: „Ich glaube, heute geht es nicht mehr ohne, weil der Spieltrieb noch mal anders beflügelt wird und die Leute nicht mehr stundenlang über den Platz laufen müssen.“ Die Golf Lounge Hamburg war die erste mit Trackman Range ausgestattete Anlage weltweit. Im Golf Lounge Resort haben alle 36 Boxen des zweistöckigen Rangegebäudes einen Trackman-Bildschirm, die Nutzung ist im Mattenpreis enthalten. „Rund 20 Prozent der User sind Hardcore-Golfer“, erzählt Merck. „Alle anderen sind im Spaßbereich unterwegs.“
 

Trotz des besonderen Konzepts für das Golf Lounge Resort, das eine individuelle IT-Lösung erfordert, hält Merck den digitalen Drive mit Blick auf die Branche generell für unverzichtbar: „Digitalisierung ist für uns alle ein Thema und muss zwingend auf den Golfanlagen Einzug halten.“

Merck erkannte sehr früh das Potenzial von Tracking für „Golfgaming“ – die Golf Lounge Hanburg war folgerichtig die erste mit Trackman Range ausgestattete Anlage weltweit.

Effizienz und Blick fürs Wesentliche
 

Das Zauberwort heißt Effizienz. „Wir haben keine Zeit, Greenfees an der Rezeption abzurechnen, Scorekarten und Trolley-Griffe auszugeben, Standardmails und alle Arten von Anschreiben manuell zu verfassen, Ballautomaten zu leeren, Spindschlüsseln hinterherzulaufen oder wirklich für jede Anfrage ans Telefon zu gehen. Und es ist völlig klar, dass wir uns in den Clubhäusern irgendwann vom Bargeld verabschieden.“ Im Golf Lounge Resort wurde die diesbezügliche Umstellung schon 2023 vorgenommen. Kurz: „Das gesamte daily business muss automatisiert werden.“
 

Sowieso: Alle Golfanlagen seien bezüglich der Kostenstruktur absolut gefordert, erinnert Merck an Inflation, gestiegene Energie-, Betrieb- und Bau- oder Personalkosten. „Eigentlich müssten alle die Preise um 30, 40 Prozent erhöhen. Das ist angesichts der generellen wirtschaftlichen Schieflage und der Belastungen der Haushaltseinkommen jedoch schwierig.“ Also bleibe nichts anderes übrig, als an den Kosten zu drehen oder neue Formate beziehungsweise Profitcenter zu entwickeln. „Qualität und Innovation sind dabei die entscheidenden Faktoren. Kosten lassen sich nur einsparen, indem Prozesse verschlankt und effizienter gemacht werden. Neue Formate zu entwickeln, brauchen Zeit und viel Mut“, so Merck.
 

Hier schließt sich der Kreis. Merck konnte durch die Digitalisierung seiner Anlage mehrere Verwaltungsmitarbeiter freistellen – was nicht heißt, dass er sie eingespart hat. Vielmehr: „Wir müssen unser Personal dort einsetzen, wo wir es brauchen – beim Kunden. Wir müssen ermitteln, in welchen Bereichen der persönliche Austausch unabdingbar ist und gezielt dort ansetzen? Für das Golf Lounge Resort heißt das: Unser gesamtes Personal ist in den Vertrieb eingebunden.“
 

Es gilt, sich um den Gast zu kümmern, den Kopf freizuhaben, um ein Gespür für eventuelle Bedürfnisse jenseits des Alltagsgeschäfts zu entwickeln. „Es geht um das zusätzliche Produkt, das einen persönlichen Kontakt braucht oder um ein emotionales Überzeugungselement. Dafür hast du aber keine Zeit, wenn du dich ständig in organisatorischem Kleinkram verzettelst“, erläutert Merck und liefert das Beispiel direkt mit: „Wenn ich hier auf der Anlage ein junges verliebtes Paar sehe, dann erhoffe ich mir von meinen Mitarbeitern, ein Gespür dafür zu entwickeln und das Gespräch entsprechend zu lenken, vielleicht herauszufinden, dass die beiden heiraten wollen, und zu vermitteln, dass wir hier den idealen Platz für die Hochzeitsfeier bieten.“
 

Auch wenn er das sportlich orientierte Golf nicht aus dem Auge verlieren will, setzt Merck eindeutige Prioritäten: „Die Freizeit- und Eventschiene ist nun mal unsere wirtschaftliche Basis für Wachstum und der Zugang für eine jüngere Zielgruppe.“

Das Golf Lounge Resort ist keine „klassische“ Golfanlage, der Freizeit- und Event-Charakter – in Verbindung mit Golf – steht im Vordergrund.

Autor: Michael F. Basche | golfmanager 5/24

 

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