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Kürzer als du denkst

Die Utopie angenommener Schlaglängen – Die von Arccos Golf für 2022 veröffentlichten Schlagweiten von Amateuren bestätigen die Wahl des richtigen Abschlags.

Wir werden kürzer. Während im Profigolf fast schon erbittert über das sogenannte Rollback des Turnierballs debattiert wird, also über eine Verringerung der Flugeigenschaften und mithin der erreichbaren Länge, notiert beispielsweise Arccos Golf für das Jahr 2022 einen Rückgang der Schlaglängen bei Amateuren. Das US-Unternehmen rühmt sich als „weltweit führendes System zur automatischen Schlagverfolgung“ (CEO Sal Syed) und erfasst durch sein Produkt Arccos Caddie mit Sensoren in den Schlägerköpfen und App im Mobiltelefon des Nutzers alljährlich hunderte Millionen Schläge.

Längen gehen zurück

Demnach sind die durchschnittlichen Drive-Distanzen von Männern seit 2018 um ein halbes Yard, gleich 45,7 Zentimeter, zurückgegangen. Bei den Damen waren es sogar zwei Yards, was umgerechnet 182,8 Zentimetern entspricht. Diese Werte mögen als Marginalien wahrgenommen werden, aber sie verdeutlichen eine Tendenz, die durch modernes Schläger- und Ball­material allenfalls kaschiert wird.

Skills schlagen Alter

Naturgemäß kann Arccos Golf aus den generierten Daten jede Menge Erkenntnisse schöpfen. An dieser Stelle sollen indes nur die wichtigsten reportiert werden. Beispielsweise, dass ausgefeilte Schlag-Fertigkeit eindeutig altersbedingte Nachteile ausgleichen kann. Wenig überraschend, dennoch eine gute Nachricht. Die Longhitter unter den Amateuren sind in den 20er-Lebensjahren, spielen Scratch oder besser und dreschen die Murmel im Schnitt fast 250 Meter weit (273 Yards). Herren-Golfer in den 70ern mit ähnlichen Handicaps bringen es auf 193,8 Meter (212 Yards) und können diesbezüglich durchaus mit 15- bis 19-Jährigen und Golfern um die 30 mithalten, die sich im Handicap-Bereich 20 bis 24,9 bewegen.

 

Damen punkten mit Präzision

Bei den Frauen verhält es sich ähnlich. Die Längsten vom Tee sind Twens mit Handicap 0 bis 4,9, sie schaffen im Mittel 223,1 Meter (244 Yards). Das ist übrigens deutlich länger als die meisten Männer, einschließlich männlicher Twens mit Handicap 10 und höher. So viel zum Thema: Was sucht denn die Dame auf dem gelben Abschlag? Und präziser vom Tee sind die Golferinnen alle Mal, quer durch alle Altersgruppen und Spielstärken, selbst im schwächsten Segment noch um neun Prozent.

Längenverluste im Lauf der Jahre

Was im Zusammenhang mit der Wahl des richtigen Abschlags weiters interessant sind: Laut Arccos Golf verlieren Herren zwischen ihrem 15. bis 19. Lebensjahr und dem Seniorenalter (70 bis 79 Jahre) durchschnittlich knapp 40 Meter Schlaglänge (39,8 Meter/43,6 Yards). Gentlemen in den 70ern mit einem Handicap um und jenseits von 30 sind dann nur noch bei 143,5-Meter-Drives (157 Yards). Die Ladies büßen zwischen 20 und 50 rund 29,2 Meter (32 Yards). Mit 50 bis 59 Jahren und einem Handicap von 30+ liegt der Ball dann im Schnitt nach 124,3 Metern (136 Yards). Genau deswegen haben gute Golfplätze eine Auswahl an gut gestaffelten Tee-Boxen. Wir Hobby-Spieler müssen das Angebot dann aber auch annehmen.

 

Die Utopie der angenommenen Schlaglängen

Dazu passt die Bemerkung des Betreibers einer Indoor-Golfanlage, der erzählt hat, dass viele männliche Besucher bass erstaunt sind und es gar nicht glauben wollen, wenn ihnen der Shot-Tracker als unbestechliches Messinstrument belegt, dass die angenommenen Schlaglängen reine Utopie sind. Oder anders: Meistens ist er – der Schlag natürlich – kürzer als man denkt. Wer hätte gedacht, dass ein oller und schaler Spruch doch so viel Relevanz haben könnte.

 

Autor:  Michael F. Basche | golfmanager 2/2023

 

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