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Das Erbe von Seve Ballesteros

Real Golf de Pedreña, Heimat eines Golfgenies

Kaum ein Golfer hat das Spiel in Europa und der ganzen Welt Ende des 20. Jahrhunderts so geprägt wie der Spanier Severiano „Seve“ Ballesteros. Der 1957 geborene und mit nur 54 Jahren 2011 viel zu früh verstorbene Ausnahmegolfer blieb seiner Heimat im Norden Spaniens stets treu. So wurde er nicht nur im kleinen Fischerdorf Pedreña in Kantabrien (Nordspanien) geboren, sondern starb hier auch. Und natürlich war der Real Golf de Pedreña seine Golfheimat – zunächst als Caddie, dann als Golfer. Bis zuletzt blieb er seinem Heimatclub treu. Selbst nach seinen großen Major-Siegen ließ er es sich nicht nehmen, in der darauf folgenden Woche wieder in Pedreña gemeinsam mit anderen Clubmitgliedern auf die Runde zu gehen. Hier kann man heute noch den Geist Seves spüren, beispielsweise im Clubhaus mit vielen Fotos, die an den Golf-Künstler erinnern. Neben dem Golfclub erinnert eine Gedenkstätte an den wohl größten Sohn Pedreñas, samt Statue in seiner berühmten Jubelpose und einer Nachbildung der Swilcan Bridge. Auch die Strände, an denen er mit seinem legendären Eisen 3 übte, kann man vom Platz aus erkennen. Golfclub und Strand waren auch Drehorte des viel beachteten Dokumentarfilms „Seve“. Die Anlage blickt auf eine fast hundertjährige Tradition zurück und wurde 1929 eröffnet. Für das Design zeichnete Harry Colt, einer der großen Vertreter des Goldenen Zeitalters der Golfplatzarchitektur, verantwortlich. Seit einigen Jahren gleicht der Club den Platz behutsam wieder, soweit dies überhaupt möglich ist, an das ursprüngliche Design an. Im Interview mit dem golfmanager erläuterte Pedro Navedo García, Geschäftsführer Real Golf de Pedreña, die Bedeutung des bis heute berühmtesten Clubmitglieds und die Pläne für die künftige Platzgestaltung.

Im Gespräch mit Pedro Navedo García, Geschäftsführer Real Golf de Pedreña – Ausführliche Version

 

Wie wichtig ist die Geschichte von Seve Ballesteros für Ihren Club?

 

Seve ist das wichtigste Vermächtnis unseres Golfplatzes. Es ist erstaunlich, wie ein Mann aus einem abgelegenen Dorf in Nordspanien so gut Golf spielen konnte, ohne Unterricht gehabt zu haben, ohne gute Ausrüstung, ohne Mitglied in einem Golfclub zu sein (er musste am dritten Loch über die Mauer springen) – es war wie ein Wunder. Der Platz wurde 1929 von Harry Colt entworfen, und das ganze Dorf war sehr verbunden mit dem Leben, das der Golfplatz ihnen gegeben hat. Viele Leute arbeiteten hier als Gärtner, als Caddies oder mit anderen Berufen im Club. Die Geschichte des Dorfes Pedreña und des Golfclubs sind also eng miteinander verbunden: Das eine kann nicht ohne das andere leben.

 

Wurde der Film über Seve und sein Leben auch im Club gedreht?

 

Ja, er wurde auf unserem Platz gefilmt. Auch andere Orte im Dorf und die Szenen am Strand, wo Seve mit dem Spiel begann, wurden hier vor Ort gefilmt. Es war erstaunlich zu sehen, wie ein Mensch aus dem Dorf an einem Tag das Masters gewann und zwei Tage später wieder hier spielte und die gleichen Abschläge wie unsere Mitglieder benutzte. Seve war ein Mensch, der mit den Leuten aus dem Dorf zu tun haben wollte. Er war ein bescheidener Mensch und wollte wirklich in seiner Stadt bei seinen Leuten sein und auf unserem Platz spielen.

 

Welche Rolle spielen die Mitglieder, welche die Gastspieler in Ihrem Golfclub?

 

Wir sind ein privater Club, daher sind die Mitglieder für uns am wichtigsten. Aber wir freuen uns, wenn Besucher kommen und spielen. Es ist ein wunderbarer Ort, an den man kommen kann, und es ist auch eine wichtige Einnahmequelle für uns. Wir kümmern uns ausgiebig um unsere Besucher. Wir haben eine Vorgabe, die ein bestimmtes Handicap und eine gewisse Kenntnis der Golfregeln und der Etikette voraussetzt. Davon abgesehen ist jeder herzlich willkommen – nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Essen und Trinken in unserem Clubhaus.

 

Wie überprüfen Sie die Regel- und Etikette-Kenntnisse der Besucher?

 

Wir versuchen zunächst, mit den Besuchergruppen in Kontakt zu treten. Dabei fragen wir sie nach ihrem Handicap, woher sie kommen und mehr. Wenn sie auf dem Platz spielen und ihr Spielniveau nicht so gut ist wie erwartet, werden sie den Platz nicht genießen und auch die Mitglieder werden nicht sehr zufrieden sein.

 

Hilft das Erbe von Seve eher bei den Mitgliedschaften oder bei den Gastspielern?

 

Das Erbe von Seve ist immer präsent – es spielt keine Rolle, ob wir von Mitgliedern oder Gästen sprechen. Die Mitglieder tragen den Geist von Seve oft in sich – einige von ihnen haben mit Seve gesprochen, sie haben hier mit Seve gelebt, sie hatten also eine große persönliche Erfahrung mit ihm. Sie haben ihn wie einen normalen Menschen behandelt. Was die Besucher betrifft, so habe ich Golfer aus der ganzen Welt gesehen, die hier nicht nur wegen der Qualität des Platzes, sondern auch wegen Seve spielen wollten. Sie wollten eine Art „Pilgerreise“ machen. Seve war ein Genie und es ist sehr inspirierend, hierher zu kommen und dort zu spielen, wo er sein erstaunliches Golfspiel entwickelt hat.

 

Welche Rolle spielt Harry Colt als Designer?

 

Colt hat den Platz entworfen, der 1929 eröffnet wurde. Nach seinen eigenen Worten hat er nie ein so fantastisches Land für das Golfspiel gesehen wie das, das er hier in Pedreña vorfand – wegen der Qualität des Geländes und auch wegen der Aussicht und der Umgebung. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre herrschte hier in Spanien Krieg, und der Platz wurde fast aufgegeben. Wir alle wissen, dass manche Dinge einfach verloren gehen, wenn man sich nicht täglich um einen Platz kümmert. So wurden zum Beispiel einige ursprüngliche Bunker aufgegeben und in Grasbunker umgewandelt. Vor etwa 15 Jahren beschloss unser Clubausschuss, das ursprüngliche Design von Harry Colt wiederherzustellen. Wir wissen, dass es aufgrund der Technologie und anderer Aspekte des Spiels, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, sehr schwierig ist, das ursprüngliche Design wiederherzustellen. Ein Beispiel ist die Weite, mit der die Spieler ihre Bälle schlagen. Es ist schwierig, den Platz genau so zu gestalten, wie er vor fast 100 Jahren war. Wir versuchen, das ursprüngliche Design von Harry Colt an die moderne Zeit anzupassen. Im Grunde wollen wir den Platz so wiederherstellen, wie er war, aber mit moderner Technik und modernen Aspekten, die unserer Meinung nach den Golfplatz und damit das Erlebnis für Mitglieder und Besucher verbessern. Ein Beispiel: 1929 hatte der Platz überhaupt keine Bäume! Heutzutage ist er ein Wald. Daher ist es fast unmöglich, das ursprüngliche Design vollständig wiederherzustellen – alles verändert sich.

 

Seve hat den New Course entworfen – wie unterscheidet er sich vom Old Course?

 

Er wurde 1992 von Seve entworfen und ist ein 9-Löcher-Platz. Der Platz liegt direkt am Fluss. Er ist nicht so beliebt wie unser alter Platz, aber wegen der Lage der Grüns und der Aussicht trotzdem sehr schön. Er erinnert uns daran, dass Seve ein Genie war, denn man muss wirklich einen guten Schlag zu einem bestimmten Teil des Lochs spielen, um einen guten Score zu erzielen. Wir möchten diesen Platz unbedingt behalten, weil er ein verstecktes Juwel ist.

 

Bieten Sie den Besuchern zusätzliche Erlebnisse im Zusammenhang mit Seve an?

 

Als Besucher können Sie vor allem unsere beiden Plätze spielen. Wir arbeiten mit der Seve-Stiftung zusammen, die ihren Hauptsitz in der Stadt Santander hat. Sie ist über ein Boot mit dem Golfplatz verbunden. Es ist ein herrlicher kleiner Ausflug, nur etwa 15 Minuten mit dem Boot und ein kurzer Spaziergang. Die Seve Foundation zeigt den Besuchern einige Originalausrüstungen, die Seve bei seinen Siegen verwendet hat. Es gibt auch ein Putting-Green, das die Putts nachbildet, mit denen Seve die Open in St. Andrews und Royal Lytham & St. Ames oder die Masters in Augusta gewann.

 

Gibt es Kooperationen mit anderen Golfplätzen, die von Seve entworfen wurden oder auf denen er Turniere gewonnen hat?

 

Seve hat so viele Golfplätze auf der ganzen Welt entworfen – aber wir haben mit keinem von ihnen eine Vereinbarung. Das liegt nicht daran, dass wir das nicht wollen, aber die Möglichkeit hat sich bisher nicht ergeben. Da wir ein privater Golfplatz sind, ist es außerdem nicht so einfach, eine Vereinbarung mit einem anderen Golfplatz zu treffen. Wenn wir eine solche Vereinbarung treffen, wollen wir sicherstellen, dass der andere Golfplatz ebenfalls eine ausgezeichnete Qualität bietet.

 

Arbeiten Sie mit Reiseveranstaltern und Reisebüros zusammen?

 

Wir haben mit einigen Reiseveranstaltern aus dem internationalen Markt gesprochen, z.B. aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Leider ist Nordspanien kein sehr beliebtes Golfreiseziel. Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir hier im Norden einige der besten Golfplätze in ganz Spanien haben. Neben unserem berühmten Golfplatz gibt es z.B. die Real Sociedad de Golf de Neguri, und auch Südfrankreich ist nicht weit. Es ist ein sehr schöner Ort, nicht nur wegen des Golfsports, sondern auch wegen der Kultur und der Gastronomie.

 

Gibt es eine Unterstützung durch die örtlichen Tourismusbehörden?

 

Die Regierung in Kantabrien hat öffentliche Golfplätze eingerichtet, die es jedem ermöglichen, zu einem sehr niedrigen Preis Golf zu spielen. Das ist wirklich gut, denn es ist wie eine „Fabrik für neue Spieler“. Da diese Plätze der Regierung gehören, hat die Regierung für diese Golfplätze geworben. Aber diese Plätze sind nicht geeignet, um Touristen anzulocken. Wir machen unsere Werbung also ganz allein, aber es wäre schön, wenn wir die Unterstützung unserer Behörden hätten. Das ist etwas, was unsere Regierung verstehen muss: Golf ist ein wirksames Instrument, um Qualitätstourismus zu schaffen, da qualitätsorientierte Golfer ihr Geld auch für angemessene Unterkünfte, Essen und mehr ausgeben – und das nicht nur im Sommer, sondern fast das ganze Jahr über. Zum Beispiel haben wir im November oft mehr als 20 Grad Celsius, aber nur wenige Mitglieder spielen ihre Runden auf unserem Platz. Ich würde mich daher sehr freuen, einzelne Golfer und Gruppen aus anderen Ländern auf unserem Platz und in unserem Restaurant zu begrüßen und sie in die Seve Foundation, aber auch in andere berühmte Einrichtungen in unserer Gegend wie das Kunstmuseum Centro Botín zu bringen. Wir haben viele Restaurants, die mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet sind, so das Cenador de Amós. Das ist etwas, das viele Leute nur aus Gegenden wie New York kennen! Wir haben das ganze Jahr über geöffnet, daher ist die perfekte Zeit für einen Besuch aus meiner Sicht zwischen September und Dezember und von März bis Juli.

 

Vielen Dank für diese interessanten Einblicke.


Autor: Michael Althoff | golfmanager 02/2024

Impressionen vom Real Golf de Pedreña, Pedreña, Kantabrien, Spanien.  (Fotos: M. Althoff)