Sinnvolle Golfplatzbewässerung – wichtiger denn je

Im Gespräch mit Bewässerungsfachmann Andreas Klapproth

Das Thema Trockenheit und die Probleme infolgedessen beschäftigten das Greenkeeping der Golf­anlagen in den letzten beiden Jahren in ganz besonderer Weise. Forscher haben herausgefunden, dass die nächsten Sommer wohl ähnlich heiß werden. Ein Problem für unsere Golf­anlagen? Fachleute sagen, dass in den unteren Bodenschichten bis jetzt noch nicht der Wassergehalt von vor 2018 erreicht ist. (Die Reihe „Extremsommer 2018“ greift neben einigen anderen Beiträgen das Thema „Trockenheit auf Golf­anlagen und ihre Folgen“ auf.)

 

Die Reserven an Beregnungswasser wurden 2018/2019 auf vielen Golf­anlagen knapp. Die anhaltende Trockenheit auf den Golfplätzen stellte die Platzverantwortlichen vor große Herausforderungen. Veraltete Beregnungsanlagen, zu kleine oder gar fehlende Teiche oder Brunnen, Grünastbruch und vieles mehr sind Themen, die wir auch in unseren FachMagazinen aufgriffen. Wir befragten Andreas Klapproth, Leiter des Arbeitskreises Golfplatzbewässerung beim Deutschen Golf Verband (DGV).

 

? Lieber Herr Klapproth, besonders in den Jahren 2018/2019 sprachen wir beide und schrieben des öfteren danach über die verschiedenen Auswirkungen der großen Trockenheit auf Golfanlagen. Glaubt man den Medienberichten, sind trotz der starken Regenfälle zu Beginn diesen Jahres die Wasserreservoires noch immer nicht auf dem Stand von vor 2018. Trifft dies aus Ihrer Sicht so generell für Golf-Deutschland zu oder gibt es regionale Unterschiede?

 

! Generell trifft die Wasserproblematik alle Golf­anlagen in Deutschland. Hierbei gibt es jedoch regio­nale Unterschiede, so war 2018 die gesamte Republik betroffen, 2019 hat sich die Situation im Alpenvorland verbessert. Generell ist die Wassersituation regional sehr unterschiedlich zu bewerten. In einigen Regionen sind die Oberflächengewässer besonders betroffen, in anderen Regionen betrifft es den Grundwasserhaushalt. So muss sich jede Golfanlage an seinem Standort mit der Problematik klimatischer Veränderungen und Beregnungswasserversorgung auseinandersetzen.

 

? Wir hörten in den vergangenen beiden Jahren auch immer wieder davon, dass Golfanlagen freiwillig oder sogar gezwungenermaßen auf eine Bewässerung verzichten mussten. Andere Anlagen wiederum planen angesichts brauner Fairways neue Beregnungssysteme auf Fairways zu installieren. Ein Widerspruch?

 

! Nein, dies ist kein Widerspruch in sich. Sicher mussten einige Golfanlagen in den Jahren 2018/2019 teilweise die Beregnung der Golfplatzflächen unterlassen. Dies trifft allerdings eher auf Golfanlagen zu, welche nur geringe Mengen Wasser zur Beregnung bevorraten können. Um die Beregnung der Golfplatzflächen in sehr trockenen Witterungsphasen aufrecht zu erhalten, ist es sinnvoll, Niederschlagswasser in regenreichen Perioden zu speichern. Dies kann z.B. durch Vergrößerung der Speicherkapazitäten mittels Neubau und/oder Erweiterung von Speicherteichen erfolgen. Einige Golfanlagen bauen auch Brunnen oder versuchen die Wasserrechte und Entnahmemengen aus Brunnen zu erhöhen. Dies ist aber nur möglich, wenn in der jeweiligen Region die Grundwasservorräte ausreichend sind und die Grundwasserneubildungsrate dies ermöglicht.

 

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen viele Golf­anlagen das Beregnungssystem erweitern, dies ist aber nur sinnvoll, wenn regional ausreichend Beregnungswasser zur Verfügung steht.

 

? Ich gehe davon aus, dass Sie mit dem DGV-Arbeitskreis Golfplatzbewässerung aufgrund vorgenannter Problematik verstärkt um Rat gefragt werden. Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Probleme auf deutschen Golfanlagen hinsichtlich Bewässerung?

 

! Sie haben recht, Fragen wurden in den letzen beiden Jahren verstärkt an den Arbeitskreis gerichtet. Als dringlichste Punkte und Fragen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – würde ich nennen: Keine ausreichenden Wasserentnahmerechte, terminlich auslaufende Genehmigungen zur Wasserentnahme, zum Teil werden Golfanlagen auch immer noch mit Trinkwasser beregnet und die Bereitstellung wird hierfür zeitweise untersagt; und dann natürlich die zu geringen Speicherkapazitäten der Vorratsteiche sowie die zu geringe Leistungsfähigkeit der bestehenden Beregnungsanlagen (Pumpenleistung und Rohrquerschnitte).

 

? Wie sieht es bei behördlichen Genehmigungen aus?

 

! Die Erfolgschancen einer behördlichen Genehmigung zur Grundwasser- und Oberflächenwasserentnahme und der Bevorratung sind relativ gut. Der Weg zu einer Genehmigung muss jedoch im Vorfeld, vor einer Beantragung, mit den Behördenvertretern genau abgestimmt werden. Die Genehmigungsverfahren werden von Jahr zu Jahr komplexer, da auch bei der Gesetzgebung der Bundesländer das Europarecht Einzug hält. So werden im Genehmigungsverfahren immer mehr Fachabteilungen beteiligt. Neben dem Erhalt und der Verbesserung der Oberflächen- und Grundwasserqualität hat auch der Bodenschutz an Bedeutung gewonnen. So werden bei Baumaßnahmen die Baugrundverhältnisse genau analysiert und Genehmigungen werden oft mit Auflagen zu einem Monitoring erteilt. Zum Erhalt der Naturlebensräume werden Biologen in das Genehmigungsverfahren eingebunden. Eine Genehmigung wird nur dann erteilt, wenn Negativauswirkungen ausgeschlossen werden können.

 

? Auf der CMT in Stuttgart wurde erst kürzlich ein Kooperationsvertrag bzgl. Zusammenarbeit zwischen Deutschem Golf Verband, baden-württembergischem Golfverband und Umweltministerium Baden-Württemberg unterzeichnet. Das Thema Biodiversität ist nicht zuletzt angesichts der öffentlichen Klimadebatte ein dankbares, um „pro Golf“ zu punkten. Bei weiteren Problemen mit der Bewässerung: Laufen wir nicht Gefahr, hier rasch an Boden zu verlieren? Was raten Sie Golfanlagen an wassersparenden Maßnahmen?

 

! Die Bewässerung der Vegetationsbestände einer Golfanlage ist ein wesentlicher Bestandteil zum Erhalt der Biodiversität.

 

Der wassersparende Umgang mit Beregnungswasser ist ein wichtiger Baustein der Golfplatzpflege, denn nur mit einer sparsamen Beregnung können sich die gewünschten Gräserbestände mit einer tiefen Wurzelbildung gut entwickeln. Die Dosierungen der Beregnungsgaben werden bereits sehr professionell umgesetzt. Eine Golfplatzbewässerung wirkt sich sehr positiv auf den örtlichen Naturlebensraum aus. So profitieren die angrenzenden Vegetationsbestände wie Bäume, Sträucher und Wildkräuter von einer ausreichenden Bodenfeuchte. Beim Erhalt der örtlichen Bodenfeuchte wird auch die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens erhalten und somit kann bei Regenfällen das Wasser besser vom Boden aufgenommen werden und am Ende der Vegetationsperiode sofort zur Grundwasserneubildung beitragen.

 

Im Rahmen unserer langjährigen Zusammenarbeit haben Sie sich bereit erklärt, mit Ihrer Frau für die nächsten Ausgaben des Greenkeepers Journal eine Beitragsreihe zum Thema Bewässerung zu erstellen. Als Themen sind geplant: „Brunnen, Brunnenbau, Betrieb und Wartung von Bewässerungsbrunnen“, womit wir bereits in dieser Ausgabe starten. In den folgenden Ausgaben sind dann vorgesehen: „Beregnungswasserspeicherung, Teichbau oder Zisterne und Pflege von Teichanlagen“, „Pumpstation zur Bewässerung, Neubau, Instandhaltung und Wartungsempfehlung“, „Beregnungswasserausbringung, optimaler Betrieb der Beregnungsanlage zum sparsamen Umgang mit Beregnungswasser“ sowie „Beregnungswassermanagement im Sportrasenbereich“. Vielen Dank hierfür und Ihnen, liebe Leser, viel Interessantes für eine etwas entspanntere Saison 2020, zumindest, was die Bewässerungssituation angeht.

 

Das Gespräch führte Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 1/2020.

 

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