US-Golfbranche im Zeichen der Technologie
Premiere in Texas: Golf Business TechCon 2025 by NGCOA
Die National Golf Course Owners Association (NGCOA) brachte ihre jährliche Technologiekonferenz erstmals nach Texas. Getreu dem Motto ,They Say Everything’s Bigger in Texas …‘ wurde die Golf Business TechCon 2025 in Frisco abgehalten – jener texanischen Stadt, in der auch die PGA of America seit einigen Jahren ihren Sitz hat. Ort des Geschehens war jedoch nicht die Zentrale der PGA, sondern das Konferenzzentrum des Westin Stonebriar Hotels. Mehr als 200 Teilnehmende folgten dem Aufruf. Besonders interessant: Gerade die sogenannten Multicourse-Operator, also Golfanlagenbesitzer und Betreiber, welche mehrere Standorte bedienen, waren stark vertreten. Von Troon über KemperSports bis hin zu Bobby Jones Links reichte das Teilnehmerfeld, so dass letztlich Entscheider mehrerer tausend Golfanlagen in Texas zusammenkamen.
Digitalisierung: USA nicht immer Vorreiter
Wer nun jedoch denkt, dass in den USA die Techniknutzung viel weiter fortgeschritten sei als in Europa, wird oftmals überrascht: Nur rund 60 Prozent aller öffentlich zugänglichen Golfanlagen bieten den Golfern Online-Startzeitenbuchungen. Vielfach ist der Buchungsweg Nummer 1 weiterhin der Anruf im Pro-Shop – dies findet man in Europa am ehesten noch in Großbritannien, wo Pro-Shops ähnlich in die Cluborganisation integriert sind, jedoch kaum einmal in Deutschland. Moderator James Cronk berichtete zudem, dass rund 10 % aller Golfanlagen gar keine Website hätten – und damit weder für Google-Suchanfragen noch für KI-Suchen prädestiniert seien. Das mag für einige wenige, ultra-private Golfclubs Teil der Strategie sein, aber viele Clubs fallen hier auf der Suche nach Greenfee-Zahlern und Mitgliedern schlicht durchs Technologie-Raster.
Der amerikanische Blick auf Golftechnologie
Die Konferenz in Frisco bot zwei intensive Tage rund um das Thema ,Golf IT‘. Aus europäischer Sicht auffällig: Während man in Deutschland und Europa neue IT-Systeme häufig in erster Linie unter dem Blickwinkel des Kundennutzens betrachtet, geht es bei den Anlagen jenseits des Atlantiks immer in erster Linie um die Frage, wie durch Technologieeinsatz die Rentabilität der Anlagen gesteigert werden kann. Der Blick ist dadurch häufiger eher nach innen, denn nach außen gerichtet. Da überrascht es wenig, dass einige, gerade in Deutschland und den Niederlanden längst verbreitete Konzepte in den USA noch wie Neuland in den Ohren der Teilnehmer klingen und vielfach oben auf der Liste der Clubverantwortlichen stehen. Beispielhaft seien ein Online-Check per QR-Code oder die kontaktlose Anmietung und Übernahme von Golfcarts angeführt.
Andererseits überrascht es, dass Systeme, die teils sogar in Europa entwickelt wurden, vor allem in den USA reüssierten, während gerade der deutsche Golfmarkt sehr verhalten auf diese Systeme reagiert und kaum nutzt. Als Beispiele seien das dynamische Preissystem PriSwing (Frankreich), der Weltmarktführer bei Pace of Play-Systemen Tagmarshal (Südafrika, mit deutschem CEO und Co-Founder) und das Compliance-System Obbi (Irland) genannt – der golfmanager hat diese Systeme bereits in der Vergangenheit vorgestellt.
Spannende Mischung aus Plenum und Workshops
Die Golf Business TechCon 2025 war eine sehr gelungene Mischung aus Plenumsveranstaltungen und parallel stattfindenden Breakout-Sessions. Manchmal war es sehr schwierig, sich für einen der parallel stattfindenden Workshops zu entscheiden, zu interessant war die Themenvielfalt. Wer rechtzeitig anreiste, konnte (gegen Aufpreis) am ersten Tag eine Golfrunde auf dem Fazio-Course des Westin Resorts spielen. Zum Auftakt der Konferenz gab es dann unter der Moderation von Michael Williams zunächst gemeinsam mit Matt Welliver von Lighthouse eine Standortbestimmung zur Technologie in der Golfszene, gefolgt von zwei sehr interessanten Einblicken in Technologieentwicklungen in der grünen Szene.
Höhepunkt des ersten Tags war sicherlich zum Abschluss das Gespräch von NGCOA-CEO Jay Karen mit Bob Parsons – Tech-Unternehmer, Golfplatzbesitzer und Gründer der Golfschläger-Firma PXG. In einem ebenso amüsanten wie teils berührenden Blick auf sein Leben wurde deutlich, dass sich erfolgreiche Unternehmer vor allem dadurch hervorheben, dass sie bei Schwierigkeiten nicht aufgeben, sondern ihre bisherigen Strategien in Frage stellen. Details zu diesem großartigen Programmpunkt haben wir in einem separaten Beitrag für die Leser des golfmanager zusammengetragen. Die Abendveranstaltung des ersten Tages wurde im Kongresszentrum als Walking Dinner in den drei Ausstellungsräumen der Hausmesse abgehalten, eine gelungene Aktion und großartige Gelegenheit zum Netzwerken.
Praxisnähe am zweiten Konferenztag
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der praktischen Anwendungen. In einem Mix aus Podiumsdiskussionen, Expertentalks und Workshops wurden verschiedene Perspektiven der Technologie-Nutzung auf Golfanlagen betrachtet. Der golfmanager hat die wesentlichen Ergebnisse zahlreicher Sessions in Textkästen im Anschluss an diesen Beitrag zusammengefasst.
Auch wenn zahlreiche Sponsoren der Veranstaltung aktiv in die Veranstaltung eingebunden waren: Es ist der NGCOA und ihren Partnern hoch anzurechnen, dass gerade die Workshops keine Werbeveranstaltungen der Industriepartner waren, sondern eine großartige Mischung aus Möglichkeiten, wie Technologie Golfplätze unterstützen kann, und praktischen Beispielen von Golfplätzen, die solche Tools bereits einsetzen. Dabei wurde es teils mathematisch (beispielsweise bei der Betrachtung der Vorteile der dynamischen Preisgestaltung) und sehr technisch bis hin zu JSON Codes für die Website (bei der Vorbereitung der eigenen Website für KI-Suchen).
Zum Abschluss wies Berater James Cronk, der auch als Zeremonienmeister über beide Tage fungierte und am ersten Tag – stilecht mit Cowboyhut, -hemd- und -stiefeln ausgestattet – die Teilnehmer in die richtige Aussprache von Yeehaw und Howdy einführte, nochmals darauf hin, dass Technologie stets den Menschen mitnehmen müsse, sowohl Mitarbeitende als auch Kunden. Zum Abschluss ging es dann zur Abendveranstaltung ins Hauptquartier der PGA of America, wo die Teilnehmer nicht nur einige Golfwettbewerbe, leckeres Fingerfood und eine gut gefüllte Bar erwartete, sondern auch ein Blick hinter die Kulissen der erst wenige Jahre alten, sehr modernen Zentrale der PGA of America samt beeindruckendem Ausblick auf das benachbarte Omni PGA Frisco Resort & Spa.
Daten, Prozesse und Change Management als Schlüssel
Die Botschaft der Konferenz war eindeutig: Das Golfgeschäft wird sich mehr denn je auf Daten konzentrieren. Darüber hinaus werden Golfplätze es mit teilweise völlig unterschiedlichen Kunden zu tun haben, vom Digital Native bis zum Service-orientierten Senior mit entsprechendem Budget. Alle Tools – viele davon bereits mit KI – unterstützen mindestens einen der folgenden Bereiche:
- Prozessoptimierung einschließlich des Ersatzes von gering qualifizierten Arbeitskräften
- Anwendungen der entlang der Customer Journey gewonnenen Daten zur Steigerung der Einnahmen, entweder für Greenfees oder Zusatzleistungen
- Prozessverbesserungen, um einen besseren kundenorientierten Service zu bieten.
Es war mehr als offensichtlich: Das Management von Golfplätzen erfordert eine gezielte Überprüfung und Übernahme bestehender Technologien auf und neben dem Platz – und die Einführung neuer Technologien kann ohne einen Change-Management-Prozess nicht gelingen: gegenüber Mitarbeitern, Eigentümern und Kunden. Das gilt für Golfanlagen in den USA wie in Deutschland. Die Herausforderung für Anlagen besteht darin, aus der zunehmenden Vielfalt der Systeme – nicht nur national, sondern zunehmend international – die für ihre Strategie und Zielgruppen bestmöglichen Systeme auszuwählen und miteinander zu kombinieren. Veranstaltungen wie die Golf Business TechCon 2025 by NGCOA bieten dazu wichtige Orientierungspunkte.
Teil 2: Die TechSessions
Autor: Michael Althoff | golfmanager 5/25


