Ein Platz ohne Par, aber mit jeder Menge Spaß
Streamsong setzt neue Maßstäbe in Florida

Im Jahr 2023 eröffnete das renommierte Streamsong Resort in Bowling Green, Florida, seinen vierten Platz. Doch anders als die vorhandenen drei 18-Löcher-Meisterschaftsplätze Red, Blue und Black steht hinter ,The Chain‘ ein anderes Konzept. Der von Bill Coore und Ben Crenshaw designte Platz – an ihn grenzt zudem ein großes Puttingareal namens ,The Bucket‘ rund um eine riesige Baggerschaufel aus den Zeiten, als hier noch eine Phosphatmine betrieben wurde – soll vor allem eins machen: Spaß! Seinen Namen hat der Platz, so Lead Golf Professional Tom Kaiser, von den Ketten, die man hier im Boden gefunden habe. Massive Kettenglieder markieren daher auch die Abschläge. Wobei: Feste Abschläge gehören nicht zum Konzept, man kennzeichnet einen vorderen und hinteren Abschlag, aber jeder Golfer kann dazwischen frei seine Tee off-Position wählen. Ein Blick auf die Scorekarte bringt eine weitere Überraschung: Dieser Platz hat kein Par! Die meisten Golfer nutzen den Platz vor allem für Matchplay-Runden, und dafür wird schlicht kein Par benötigt. Auch möchte man beispielsweise an den längeren Bahnen bewusst die Diskussion vermeiden, ob dies noch ein Par 3 oder schon Par 4 sei – es zählen die Schläge, die ein Golfer braucht, sonst nichts. Anders als auf den drei Meisterschaftsplätzen können Golfer den The Chain auch mit mehr als vier Golfern pro Gruppe spielen – nicht selten sieht man bis zu acht Golfer gemeinsam auf der Runde.
Zwei Kursabschnitte – zwei Charaktere
An sich besteht The Chain aus zwei Teilplätzen. Die ersten sechs Bahnen verlaufen im Kreis gegen den Uhrzeigersinn vom Clubhaus aus, sie spielen sich zwischen 57 und 166 Yards. Dann wechselt der Platz die Richtung, nun führen die Bahnen vom Clubhaus weg und kehren erst mit der neunzehnten Bahn wieder dorthin zurück – und der Charakter des Geländes wird deutlich offener. Auf diesem Teilplatz findet man auch längere Bahnen bis zu 293 Yards. Wer nun jedoch glaubt, eine simple Pitch und Putt-Anlage vorzufinden, täuscht sich: Zwar sind die Bahnen kürzer als auf klassischen Plätzen, aber die Grüns stehen ihren drei großen Brüdern auf der Anlage weder in Größe noch in Ondulierung und damit Schwierigkeit etwas nach. Selbst wenn man hier vom Abschlag direkt das Grün erreicht, ist ein Zwei-Putt noch längst nicht sicher – und genau das macht den Reiz aus in Verbindung mit der freien Wahl der Abschlagposition. Auch die freie Entscheidung der zu spielenden Bahnen – man kann entweder nur die sechs ersten Bahnen, die Bahnen sieben bis 19 oder auch alle 19 Bahnen spielen, zudem kann man auch auf dem längeren Rundenteil nochmals abkürzen – sorgt dafür, dass die Runden auf The Chain deutlich kürzer ausfallen als auf den klassischen 18-Löcher-Plätzen. Das ist für die Gäste des Streamsong Resorts gerade in der Winterzeit als Hochsaison mit kürzerer Tageslichtdauer von Vorteil, da sie so eine zweite Runde pro Tag anhängen können. Auch für Einspielrunden am Anreisetag oder Farewell-Runden am Abreisetag ist der Platz sehr beliebt. Ferner sollte der Trainingseffekt nicht unterschätzt werden. „Ich selbst war seit Monaten nicht mehr auf der Range, sondern spiele lieber ein paar Bahnen auf dem The Chain – das macht schlicht mehr Spaß“, so Lead Pro Kaiser.
Erfolgreiches Konzept und Ausblick
Das innovative Konzept wird von den Gästen des Resorts hervorragend angenommen. Der Platz hat ein eigenes, kleines Clubhaus im Containerstil, davor gibt es einen Sitzbereich im Freien, Speisen und Getränke steuert ein Foodtruck bei. Mit dem The Chain verabschiedet sich Streamsong keineswegs vom traditionellen Golf: Aktuell baut man bereits den vierten Championship-Platz. Die Eröffnung des von David McLay-Kidd geplanten Platzes ist für 2027 geplant, dem Vernehmen nach soll das Layout dem mehrfach preisgekrönten Dunas Course des Designers von Terras da Comporta in Portugal ähneln – wir sind gespannt.
Autor: Michael Althoff | golfmanager 5/25

