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Professionalisierung im Clubmanagement

Eric Marschke beim MDP in St. Andrews

Eine Woche in St. Andrews zu verbringen, bedeutet für viele Golfer, einen Lebenstraum zu erfüllen. Für mich stand jedoch nicht das Spielen, sondern das Lernen im Mittelpunkt: Ich nahm vom 03.-07.11.2025 am Management Development Programme (MDP) ,Golf Operations‘ der Club Management Association of Europe (CMAE) teil – einem der anerkanntesten Weiterbildungsformate für Führungskräfte im Clubmanagement.
 

Dass dieser Kurs ausgerechnet in St. Andrews stattfand, verlieh jeder Einheit eine besondere Bedeutung. Die Kombination aus Theorie, Austausch und der unmittelbaren Nähe zu einem der geschichtsträchtigsten Orte des Golfsports, machte diese Woche zu einer ausgesprochen intensiven und inspirierenden Erfahrung.

Ein besonderer Rahmen
 

Untergebracht waren wir im Rusacks Hotel, direkt neben dem 18. Fairway des Old Course. Jeden Morgen mit Blick auf die vermutlich berühmteste Schlussbahn der Golfwelt aufzuwachen, hat einen eigenen Zauber – und sogar das für Schottland typische Wetter zeigte sich von seiner freundlichsten Seite.
 

Der Standort war nicht nur eindrucksvoll, sondern bot auch ideale Bedingungen für ein Programm, das sich tiefgehend mit Greenkeeping, Course Operations und Teamkultur beschäftigt. Die Nähe zu St. Andrews Links ermöglichte es den Teilnehmenden, theoretische Inhalte unmittelbar mit gelebter Praxis zu verbinden.

Einblick in eine Weltmarke: St Andrews Links
 

Ein Schwerpunkt der Woche war die Arbeitsweise von St. Andrews Links. Die Verantwortlichen gewährten uns detaillierte Einblicke in:
 

  • Greenkeeping-Philosophie und Nachhaltigkeitsstrategien
  • Struktur und Organisation des operativen Betriebs
  • Prozesse der Startzeitensteuerung
  • Umgang mit Besucherströmen und Mitgliedern
  • Teamkultur und Führung im Tagesgeschäft
     

Besonders beeindruckend war, wie konsequent und gleichzeitig unaufgeregt in St. Andrews gearbeitet wird. Vieles, was in anderen Clubs als komplex oder besonders herausfordernd gilt, wird dort mit beeindruckender Klarheit und Struktur gelöst. Kultur, Prozesse und Verantwortlichkeiten sind eindeutig definiert – ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Identität und Erlebnisqualität
 

Ein weiterer Höhepunkt war der ganztägige Besuch in Gleneagles. Die Anlage, die 2014 Gastgeber des Ryder Cup war, gilt als Paradebeispiel dafür, wie ein Golfresort eine starke Marke aufbaut und pflegt.

Die Verantwortlichen zeigten uns, wie sie:
 

  • Erlebnisse für Gäste bewusst gestalten,
  • eine konsistente Markenidentität auf allen Ebenen sicherstellen,
  • Personalentwicklung und Teamkultur in den Mittelpunkt stellen und 
  • betriebswirtschaftliche Ziele und Premiumanspruch miteinander verbinden.
     

Der Besuch verdeutlichte eindrucksvoll, dass Spitzenqualität kein Zufallsprodukt ist, sondern das Ergebnis konsequenter und langfristiger Arbeit an Standards und Kultur.

Momente, die man nicht vergisst
 

Ein ganz besonderes Erlebnis war der Besuch des Clubhaus des R&A. Die Führung durch die traditionellen Räume und der Blick vom berühmten Balkon über die 1 und 18 des Old Course waren ein Moment, der sich einprägt – nicht nur aufgrund der Geschichte, sondern auch wegen des starken Bewusstseins für Verantwortung, das dort spürbar ist.
 

Am Ende der Woche stand eine Runde auf Kingsbarns Golf Links auf dem Programm. Die Anlage bot nicht nur landschaftlich einen spektakulären Ausklang, sondern rundete die Woche auch emotional ab. Nach intensiven Tagen des Lernens tat es gut, all die Eindrücke in dieser einzigartigen Umgebung wirken zu lassen.
 

Zentraler Bestandteil: der Austausch unter Kollegen
 

Neben dem offiziellen Programm waren die Gespräche mit den 22 Teilnehmenden aus Großbritannien und Europa mindestens ebenso wertvoll. Der Austausch über unterschiedliche Betriebsmodelle, Herausforderungen und Lösungsansätze brachte zahlreiche neue Perspektiven.

Besonders fruchtbar waren Diskussionen über:
 

  • Moderne Führungsansätze im Clubmanagement
  • Member Experience und Community Building
  • Digitalisierung und Prozessoptimierung
  • Chancen im Recruiting und der Personalentwicklung
     

Dieser kollegiale Dialog ist einer der Gründe, warum das MDP-Programm in der Branche einen so hohen Stellenwert genießt.

Persönliche Erkenntnisse

Aus der Woche in St. Andrews nehme ich drei zentrale Learnings mit:
 

  1. Prozesse und Menschen bestimmen die Qualität im täglichen Betrieb.Technik, Systeme und Strukturen sind wichtig – aber sie funktionieren nur, wenn Menschen sie verstehen und leben.
  2. Kultur prägt den Erfolg stärker als jede Strategie. Ob in St Andrews oder Gleneagles: Das gemeinsame Verständnis darüber, „wie wir hier arbeiten“, ist der größte Hebel für Spitzenleistung.
  3. Benchmarking bedeutet nicht Wettbewerb, sondern Entwicklung. Die Vergleiche mit anderen Anlagen zeigen nicht, was man nicht hat, sondern wo man wachsen kann.


Fazit
 

Die Woche in St Andrews war weit mehr als eine Fortbildung. Sie war eine intensive Auseinandersetzung mit Professionalität, Kultur und Exzellenz im Golfmanagement. Die Eindrücke aus St. Andrews Links, Gleneagles und der R&A – kombiniert mit dem Austausch in der Gruppe – haben wertvolle Impulse geliefert, die ich langfristig in meine Arbeit einfließen lasse.
 

Ein herzliches Dankeschön gilt Michael McCormack CCM und dem gesamten CMAE-Team für eine Woche, die fachlich wie menschlich beeindruckend war. Ebenfalls ein großer Dank an den Golf Management Verband Deutschland, der durch die Kooperation mit der CMAE mich überhaupt erst auf die Woche aufmerksam gemacht hat. 
 

Autor: Eric Marschke, General Manager Berliner G&CC am Motzener See | golfmanager 5/25

 

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