Golfer 4.0 – wie sich Golfanlagen darauf einstellen sollten
Was moderne Golfer wirklich wollen
Seit vielen Jahren erfreut sich Golf in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit – zwar mit geringen Wachstumsraten, aber immerhin mit Wachstum. Grundlage der Bewertung bilden dabei die ,im DGV registrierten Golfer‘, also jene Golfer, die zusätzlich zu ihrer Clubmitgliedschaft auch über ein Handicap und einen DGV-Ausweis verfügen. Zwar verliert Golf-Deutschland weiterhin jedes Jahr rund 50.000 Golfer, aber noch gelingt es, dies durch Neugolfer zumindest auszugleichen, wenn nicht gar zu übertreffen. Andererseits hört man auf nahezu jedem Branchentreffen, dass rund ein Drittel aller Golfanlagen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfe – teils sogar um das Überleben. Auf die Habenseite des Golfsports zahlt sicherlich ein, dass der Sport längst nicht mehr als ,Altherrensport‘ gilt, sondern zunehmend von jüngeren Menschen als attraktiv angesehen wird. Und gerade in Deutschland lag der Anteil weiblicher Golfer in den vergangenen Jahren stets deutlich über den Daten anderer Länder, insbesondere im Vergleich zu UK oder den USA. Auf der anderen Seite kämpft auch der Golfsport mit erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Auf der Betriebsseite sind hier vor allem die Kostensteigerungen zu beachten, auf der Nachfrageseite führt die Inflation zu sinkenden Realeinkommen. Das wirft die Frage auf, wie nachhaltig die aktuelle Nachfrageentwicklung ist. Gerade das fixkostenintensive Golfbusiness ist darauf angewiesen, seine Erträge kontinuierlich zu steigern, sofern die regelmäßigen Kostensteigerungen nicht zu wirtschaftlichen Problemen führen sollen. All dies erfolgt in einem sich rasant verändernden Markt. Eine der zentralen Fragen: Entspricht das Golfangebot den Erwartungen der ,neuen Golfer‘, hier vereinfacht als ,Golfer 4.0‘ bezeichnet?
Wer sich mit Angebot und Nachfrage zu Golf in Deutschland befasst, stellt schnell fest: Es fehlt an vielen Ecken an aussagekräftigen Daten. Das zeigt sich bereits bei der Grundlage zur Beurteilung der Entwicklung: Hier wird lediglich die Anzahl der DGV-registrierten Mitgliedschaften herangezogen – doch welche Arten von Mitgliedschaften dahinterstehen, ist nur noch auf Clubebene bekannt. Auch die vieldiskutierte Frage, wieviele Fernmitglieder (oft über Dritte vermarktet) hinter den Mitgliedszahlen einer Anlage stehen, lässt sich aus den verfügbaren Zahlen nicht beantworten. Wer die Nachfrage-Entwicklung analysieren möchte, benötigt jedoch weitere Daten – insbesondere zur Spielfrequenz. Doch auch hier gilt: Es gibt bundesweit keine Statistik, welche die Entwicklung der gespielten Runden pro Golfer aufzeigt. Daten aus den USA weisen bspw. darauf hin, dass dort in vielen Clubs die Anzahl der Mitgliedschaften sogar gesunken ist, andererseits jedoch die Mitglieder deutlich häufiger auf die Runde gehen. Doch damit nicht genug: Auch über die Golfer selbst weiß man in Golf-Deutschland oft nicht viel. Das zeigt schon ein Blick auf manches Teesheet, bei dem nur der erste Spieler einer Gruppe mit Namen bekannt ist, der Rest jedoch als ,Spieler 2-4‘ oder ,Gast 2-4‘ tituliert wird – so wird es schwer, konkrete Daten zum Nachfrageverhalten zu erheben und zu analysieren. Auch sonst sieht es so aus, als ob man auf deutschen Golfanlagen primär auf sporadische oder gar zufällige Erhebungen zu Anforderungen der Golfer setze. Brancheninformationen zufolge nutzen weniger als die Hälfte aller Golfanlagen in Deutschland systematische, regelmäßige Befragungen ihrer Mitglieder und Gastspieler – obwohl es dafür mit Tools wie Players1st längst branchenspezifische Optionen gibt. Auch die externe Analyse des Angebots durch anonyme Tests bildet eher die Ausnahme denn die Regel. Vorbildlich hier die Herangehensweise der Leading Golf Clubs of Germany, bei denen die externe Qualitätskontrolle wichtiger Teil des Konzepts ist. Aber auch ohne Mitgliedschaft bei den Leading Courses können Golfanlagen entsprechende Angebote wie bspw. von 59Club nutzen – dem Vernehmen nach ist die Nutzungsintensität jedoch stark ausbaufähig. Insgesamt stellt man fest, dass die deutsche Golfszene auf Makroebene über wenige – ja, zu wenige – Daten über ihre Kunden verfügt. Dabei wäre es gerade für den regional ausgerichteten Golfmarkt essenziell, möglichst detaillierte Daten über das Kundenverhalten verfügbar zu haben und das eigene Angebot entsprechend anpassen zu können. Bleibt somit nur erneut, den Blick über die deutschen Grenzen hinaus schweifen zu lassen und sich grundsätzlich mit der Frage zu befassen, welche Veränderungen gerade im Golfmarkt passieren und wie das Angebot hierauf reagieren sollte. Hierzu haben wir sieben Trends identifiziert, die nachfolgend näher beleuchtet werden.
Trend 1: Off-Course Golf als Wachstumstreiber
Daten der National Golf Foundation (NGF) für die USA zeigen: Das sogenannte Off-Course Golf wächst dort aktuell deutlich schneller als das klassische Golf auf Anlagen. Die Anzahl der Off-Course Golfer hat 2024 mit 32,6 Mio. gar die Anzahl der On-Course Golfer mit 28,1 Mio. übertroffen, Off-Course Golf ist um 10% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Erwartungsgemäß hat sich auch das Angebot entsprechend erhöht, alleine im Golfsimulator-Segment wuchs das Angebot seit 2022 um über 160%. Off-Course Golf ist äußerst vielschichtig. Neben Simulatoren zählen Entertainment-Angebote wie Topgolf zu diesem Segment, auch Driving-Ranges mit entsprechenden Rangesystemen und Adventure-Golf fallen in diesen Bereich. Diese Angebote werden in den USA zunehmend zum Wachstumsmotor für klassisches Golf – wobei eine Kernfrage lautet: Wie bringt man Off-Course Golfer auf den Platz? PGA-Präsident Don Rea hat dies in seinem Interview mit dem golfmanager in 2025 bereits skizziert: Eine zentrale Rolle spielen hier Par 3- und Kurz-Plätze, aber auch spezielle Off-Course Ligen, in denen man Golfer aus allen Bereichen zusammenbringt. Schaut man auf den deutschen Markt, stellt man fest, dass sich das Off Course-Angebot vergleichsweise spärlich entwickelt. Interessanterweise setzen Golfanlagen in erster Linie auf Rangesysteme, während Simulatoren und Adventure-Golf anderen Betreibern überlassen werden. Dabei sind gerade bei Simulatoren die Markteintrittsbarrieren im Vergleich zu einem traditionellen Golfplatz deutlich geringer. Man darf gespannt sein, ob das aus Schweden stammende Franchise-System ,Ruff‘ in Deutschland künftig mehr als seine aktuell drei Standorte (ein vierter war Ende 2025 in Vorbereitung) für sich gewinnen kann. Entscheidend wird auch in Deutschland sein, ob es gelingt, Off-Course Golfer für klassisches Golf zu begeistern. Hier sind Partnerschaften, vor allem auf lokaler Ebene, unerlässlich. Auch hier zeigt der nordische Markt mögliche Optionen: Anlagen, die witterungsbedingt im Winter geschlossen bleiben, schließen – sofern sie kein eigenes Indoor-Golfangebot haben – zunehmend Partnerschaften mit Indoor-Golfanlagen, um ihren Mitgliedern auch in der kalten Jahreszeit ein Spielangebot zu ermöglichen. Für Golf in Deutschland lautet eine spannende Frage: Will man weiterhin versuchen, Golfer möglichst direkt für On-Course Golf zu gewinnen oder wird auch hier Off-Course Golf zum wichtigen Bestandteil der Gewinnung von Neugolfern auf klassischen Golfanlagen?
Trend 2: Kürzere Runden
Trotz über die letzten Jahre sinkender durchschnittlicher Wochenarbeitszeit: Der Begriff ,Freizeitstress‘ ist heute präsenter denn je. Wie bei vielen Entwicklungen geht es nicht um objektive Einschätzungen, sondern subjektives Empfinden. Gerade angesichts des großen Angebots an Freizeitaktivitäten neigen immer mehr Menschen dazu, ihre Freizeit auf mehrere Aktivitäten aufzuteilen. Für Golf bedeutet dies: Gerade jüngere Menschen sind nicht mehr bereit, für jede Golfaktivität einen Zeitaufwand inklusive An- und Abfahrt von fünf Stunden und mehr in Kauf zu nehmen. Wie im golfmanager 5/25 berichtet, sind Par 3-Plätze ein Angebot, diesem gefühlten Zeitmangel entgegenzuwirken. Auch verstärkte 9-Löcher-Angebote entsprechen diesem Trend. Allerdings ist das Angebot in Deutschland vergleichsweise gering. Golfanlagen sollten daher vermehrt prüfen, ob sie anstatt traditioneller 18-Löcher-Runden nicht – zumindest für bestimmte Tageszeiten – verstärkt 9-Löcher-Runden anbieten möchten und dann bspw. sowohl an Tee 1 als auch an Tee 10 starten.
Trend 3: Golf als Community
Lange wurde diskutiert, ob gerade jüngere Golfer durch ein Clubmodell angezogen werden können oder ob dies nicht eher Teil einer eher traditionellen Golfphilosophie sei. Die vielleicht überraschende Erkenntnis: Gerade jüngere Golfer suchen beim Golfen die Gemeinschaft. Sie nennen dies jedoch nicht ‚Clubleben‘, sondern neudeutsch ,Community‘. Damit wird die seit langem geführte Diskussion um die Willkommenskultur auf Golfanlagen nochmals unterstrichen. Zudem funktioniert eine Community auch abseits des klassischen Clublebens – denn gerade für jüngere Golfer ist eine Community etwas Organisches, das sich aus gleichgelagerten Interessen ergibt. Folglich können solche Communities entstehen, ohne dass dafür eine Mitgliedschaft in einem Golfclub erforderlich ist. Das Zauberwort heißt ‚Events‘, und zwar nicht pauschal für alle Kunden einer Golfanlage, sondern nach Zielgruppen segmentiert. Für Golfanlagen bedeutet dies, sich gerade mit Events verstärkt Nicht-Mitgliedern zu öffnen – und ihre Events noch stärker auf bestimmte Zielgruppen zuzuschneiden. So kann es spezielle Events für Neugolfer geben, aber auch für Singles, für alleinerziehende Golfer (inklusive Kinderbetreuung), für Wiedereinsteiger, für Filmfans und vieles mehr. Wichtig ist die Erkenntnis, dass gerade neu hinzukommende Golfer wieder verstärkten Wert auf ein Gemeinschaftsgefühl legen. Dieses Bedürfnis wird jedoch nicht durch eine formale Clubmitgliedschaft erfüllt, sondern durch tatsächlich gelebte, gemeinsame Aktivitäten.
Trend 4: Mehr personalisierte Angebote
Der Handel kennt diesen Trend seit vielen Jahren: Kunden erwarten auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote. Wer schulpflichtige Kinder hat, möchte nicht mit Reiseangeboten außerhalb der Ferienzeiten überhäuft werden. Die Golfbranche bildet hier keine Ausnahme. In Hinblick auf Mitgliedschaftsmodelle sagte ein erfahrener Golfmanager vor einiger Zeit einmal: „Wenn das so weitergeht, haben wir bald für jedes Mitglied ein individuelles Mitgliedschaftsmodell!“ Natürlich bleibt es jeder Anlage freigestellt, wie individuell sie ihre Mitgliedschaftsmodelle ausgestalten möchte. Ein Blick in die Praxis zeigt jedoch, dass es schon längst nicht mehr ‚die‘ Mitgliedschaft gibt: Mal werden für bestimmte Altersgruppen eigene Mitgliedschaftsmodelle angeboten, mal für bestimmte Wochentage. Wichtig ist, die Spielhäufigkeit künftig stärker in Mitgliedschaftsmodelle einzubeziehen, denn Wenigspieler lehnen es zunehmend ab, Vielspieler über Flatfeemodelle zu subventionieren. Doch auch bei Gastspielern und für Events gilt: Individuelle Angebote in Verbindung mit individueller Kommunikation lösen zunehmend das Gießkannenprinzip im Marketing ab. Um solche personalisierten Angebote erstellen zu können, benötigen Golfanlagen möglichst viele Daten über das Nachfrageverhalten ihrer Kunden – sowohl Mitglieder als auch Gastspieler. Die rein statische Verwaltung von Namen, Wohnadressen und Bankverbindung zum Einzug der Mitgliedsbeiträge reicht längst nicht mehr aus. Manche Daten lassen sich aus dem Spielverhalten generieren (bspw. an welchen Wochentagen spielt ein Golfer besonders häufig, wie oft nimmt er/sie an Turnieren teil, bucht er/sie eher Einzelstartzeiten oder meist gemeinsam mit anderen Golfern?), andere Daten kann man durch gezielte Erhebung gewinnen. Je mehr Informationen eine Anlage zur Verfügung hat, umso passgenauer kann sie Angebote entwickeln und aktuelle und potenzielle Kunden darüber informieren. Moderne Golfanlagen benötigen somit keine klassische Mitgliederverwaltungs-Software mehr, sondern ein leistungsfähiges CRM. Für jeden Golfer – auch solche, die über andere Golfer gebucht werden – sollte ein möglichst umfassendes Profil erstellt werden. Eine Analyse dieser Daten insgesamt sowie auch pro Golfer hilft, individuelle Angebote zu konzipieren und zu bewerben. Dafür ist ein modernes Newsletter-Tool unerlässlich, personalisierte Kommunikation kann zudem über Apps, GPS-Cartlösungen und andere Systeme realisiert werden. Damit rücken Kundendaten noch stärker in den Mittelpunkt des Anlagenmanagements. Golfanlagen sollten überlegen, ob sie diese Daten stets innerhalb eines Club-Management-Systems speichern möchten oder sie in ein externes System – unabhängig von Startzeiten-Buchungssystemen und Mitgliederadministration – auslagern. Letzteres bietet den Vorteil, bei einem Systemwechsel im
Bereich Club-Management-Software oder Startzeiten-Buchung nicht auch die Kundendaten migrieren zu müssen.
Trend 5: Dynamic Pricing ersetzt Rabatte
Kaum ein anderer Golfmarkt wird so stark durch Rabatte geprägt wie der deutsche. Zugegeben: Kaum eine Branche kommt ohne Preiswettbewerb aus – und noch immer sind Preisaktionen besonders leicht zu kommunizieren. International werden die eher statistischen Rabattsysteme, die zudem meist über Drittanbieter kommen und weit im Voraus die Ermäßigungsregeln wie ‚2 Golfer spielen wochentags zum Preis von 1 Golfer‘ festlegen, durch moderne, dynamische Preisfestsetzung abgelöst. Diese bietet drei entscheidende Vorteile: Erstens erfolgt die Preisanpassung hier nicht grundsätzlich nach unten, sondern kann auch nach oben erfolgen – warum sollten Golfanlagen bei besonders starker Nachfrage ihre Greenfeepreise nicht kurzfristig erhöhen? Fluggesellschaften und Hotels praktizieren dies seit Jahren erfolgreich, bspw. zu Messezeiten. Zweitens wird der Nachlass bei der dynamischen Preisgestaltung nicht per se vorab festgelegt, sondern hängt von verschiedenen Faktoren, insbesondere der aktuellen Nachfrage, ab. Der dritte Vorteil: Die Anlage gibt über Dynamic Pricing nicht mehr ihre Preishoheit aus der Hand und behält die alleinige Kontrolle, ob und in welchem Maß sie für alle Golfer oder auch nur für bestimmte Zielgruppen (warum nicht ein Sondergreenfee anbieten für Golfer, die eine Anlage erstmals spielen?) Sonderpreise anbietet.
Trend 6: Daten als Entscheidungsbasis
Ein klarer Trend im Golfanlagen-Management – sowohl beim operativen Betrieb als auch im Greenkeeping – ist die Nutzung von Daten als Entscheidungsgrundlage. Voraussetzung hierfür ist, dass die dafür notwendigen Informationen konsequent erhoben, gespeichert und ausgewertet werden. Genau hier steht Deutschland insgesamt im internationalen Vergleich eher am Anfang, siehe die Einleitung zu diesem Beitrag. Ziel sollte es daher sein, künftig mehr Daten über die Golfer zu sammeln – quasi eine ‚Aktion Eichhörnchen‘ der deutschen Golfbranche. Denn solche Daten sind nicht nur auf Mikroebene der einzelnen Golfanlage wichtig, sondern helfen auch, für die Gesamtbranche noch mehr Wirkung zu entfalten, bspw. gegenüber der Politik. Ein weiterer Aspekt: Die zunehmende Technisierung bestimmter Prozesse kann nur funktionieren, wenn dafür klare Daten in entsprechenden Strukturen vorhanden sind. Jeder, der schon einmal mit KI experimentiert hat, kennt es: Je unpräziser der Prompt, umso unbefriedigender das Ergebnis. Eine der wichtigsten Anforderungen an das Anlagenmanagement 2026 lautet daher: Sammeln Sie möglichst viele Daten zu ihrer Anlage – von Mitgliedern, von Gastspielern, aber auch über das Greenkeeping. Auch Themen wie Spielgeschwindigkeit sollten nicht vernachlässigt werden – wenn hier konsequent gemessen wird, kann man bspw. schnell feststellen, wie sich unterschiedliche Rough-Höhen oder auch bestimmte Fahnenpositionen auf die Runden-Dauer auswirken. Gerade für Turniere bietet dies einen echten Planungsmehrwert.
Trend 7: Personal Touch versus Technik
KI, Mähroboter, automatische Startzeiten-Wartelistenverwaltung, automatisierte Kundenmailings, Gewinnung neuer Mitglieder über soziale Medien – längst werden viele Prozesse im Golfbetrieb durch Technik unterstützt. Gerne wird daher die Frage gestellt: Will das der Kunde – und wo bleibt der Faktor Mensch? Auf der anderen Seite berichten nicht nur in Deutschland, sondern international Golfanlagen von der zunehmenden Schwierigkeit, gutes Personal zu finden. Es kommt also, wie so oft, auf die richtige Mischung an. International geht man davon aus, dass die Technik künftig noch stärker dafür genutzt wird, um Routineaufgaben zu erledigen. Interessanterweise ist der Anteil von Online-Startzeitenbuchungen in Deutschland deutlich höher als in den sicherlich sehr technikaffinen USA. Aber welche Anlage lässt ihre Kunden bspw. Adress- oder Bankdaten über ein Login selbst pflegen? Oder bietet während der Runde, z.B. per App, eine Vorbestellmöglichkeit für ein Halfway an? Auch die angesprochene automatisierte Wartelistenverwaltung bei Startzeiten ist noch nicht in Deutschland angekommen – dabei berichten viele Golfer von der Schwierigkeit, gerade an Wochenenden eine Startzeiten zu buchen, um dann später festzustellen, dass viele der Ursprungsbuchungen entweder wieder storniert oder einfach nicht wahrgenommen (No-Show) werden. Auch Fragen nach bspw. Öffnungszeiten oder Zeitfenstern für Platzpflegemaßnahmen müssen nicht mehr durch Mitarbeiter beantwortet werden, moderne Chatbots können diese Aufgaben längst mit gleicher und vor allem gleichbleibender Qualität erledigen, auch bei der 30. Anfrage pro Tag. Entscheidend ist, dass jede Golfanlage für sich ihren individuellen Mix aus ,Tech Touch‘ und ,Human Touch‘ definiert und umsetzt.
Dabei spielen Zielgruppen eine große Rolle. Gerade jüngere Golfer sind sehr technikaffin und möchten möglichst viel über eine Mensch-Maschine-Kommunikation, bspw. per App, erledigen. Umgekehrt legen gerade ältere Golfer weiterhin Wert auf eine persönliche Ansprache – und möchten sich vielleicht lieber an einer Rezeption für ihre Runde anmelden als per Mausklick oder QR-Code. Auch der deutsche Golfmarkt ist inzwischen groß genug, dass Anlagen sich auf bestimmte Zielgruppen fokussieren können – das ist am Ende des Tages meist erfolgreicher als ein breites Universalangebot, das verschiedene Zielgruppen teilweise, aber eben nicht vollständig, anspricht.
Veränderungen auch im Berufsbild
Golf befindet sich in einer Phase starker Veränderungen. Treiber sind vor allem eine neue Generation Golfer, die den Sport für sich entdeckt, sowie zunehmende technologische Systeme, die es ermöglichen, den Golfbetrieb noch effizienter und individueller zu führen. Das bedeutet für das Anlagenmanagement, dass es einen Generationswechsel moderieren muss: Langjährige, ältere Golfer haben andere Erwartungen an Betrieb und Produkt als neu für den Sport gewonnene, meist jüngere Golfer. Gerade diese unterschiedlichen Erwartungen der Kunden sorgen dafür, dass Daten über das Kundenverhalten von Mitgliedern und Gastspielern noch wichtiger werden. Zudem bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass sich das Golfanlagenmanagement – sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt – immer stärker mit Technik und ihren Einsatzmöglichkeiten befassen muss. Vielleicht wäre es an der Zeit, bei Vereinen ein Resort ‚Digitales‘ einzuführen. Auch für hauptamtliche Golfmanager wird es immer wichtiger, sich mit den verschiedenen Systemen zu befassen und die optimale Kombination für ihre Anlage zu implementieren. Social Media war erst der Anfang, KI ist längst kein abstraktes Technologie-Phänomen mehr, sondern hat bereits Eingang in diverse Systeme des Golfanlagenbetriebs gefunden. Mehr denn je ist daher Technik-Affinität und permanente Weiterbildung in diesem Segment eine zentrale Anforderung im Golfmanagement. Dies sollte sich sowohl in künftigen Anforderungsprofilen an Führungskräfte als auch im Aus- und Weiterbildungsangebot der Branche niederschlagen.