Login

Golf in Deutschland wächst moderat

DGV-Zahlen 2025: Wachstum mit Fragezeichen

Für 2025 konnte der Deutsche Golf Verband (DGV) ein Wachstum der bei ihm registrierten Mitgliedschaften berichten – das geht aus den im Januar veröffentlichten Daten hervor. Demnach wuchsen die DGV-registrierten Mitgliedschaften um 8.909 auf nunmehr 695.617 Golferinnen und Golfer – der höchsten, je berichteten Zahl. Diese Entwicklung bedeutet ein Wachstum um 1,3 % gegenüber dem Vorjahr – kein Boom, aber eine solide Entwicklung. Wie schon in der Vergangenheit geben die vom DGV veröffentlichten Daten jedoch keinen Aufschluss über die ,Wertigkeit‘ der hinter diesen Zahlen steckenden Mitgliedschaften. Ob es sich um Vollmitgliedschaften oder andere Mitgliedschaftsmodelle bis hin zu Fernmitgliedschaften handelt, ist nicht bekannt. Interessant ist jedoch, dass alleine die VcG ein Wachstum um 3.429 Mitgliedschaften berichtet – das entspricht fast 39 % des Gesamtwachstums. Stark unterschiedlich auch die Entwicklung nach Landesgolfverbänden: Während Sachsen-Anhalt rund 3,7 % weniger Mitgliedschaften verzeichnet, wuchsen Sachsen/Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Niedersachsen/Bremen (+3,5 %) über Bundesdurchschnitt. Die genauen Zahlen zeigt Tabelle 1.

Mitgliederzuwachs reicht wirtschaftlich nicht aus
 

Bei aller Freude über die konstante Entwicklung: Das Wachstum der Mitgliederzahlen 2025 lag unterhalb der Inflationsrate von 2,2 %. Für die Clubs bedeutet dies: Die zu erwarteten Kostensteigerungen lassen sich wohl nicht alleine durch die Neumitgliedschaften auffangen. Ob im gleichen Zeitraum die Einnahmen durch Greenfeespieler oder sonstige Einnahmen wie beispielsweise Sponsorings ausgebaut werden konnten, geht aus den Daten des DGV nicht hervor – es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es kurz- bis mittelfristig zu Beitragserhöhungen auf vielen Anlagen kommen wird. Dafür spricht auch die unterschiedliche Entwicklung der Mitgliederzahlen nach Golfanlagen. Den Angaben des DGV zufolge berichteten 47,7 % aller Anlagen von einer gestiegenen Mitgliederzahl – was im Umkehrschluss jedoch bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller Anlagen kein Wachstum oder gar einen Rückgang bei den Mitgliederzahlen in Kauf nehmen musste. Das bestätigt eine subjektive Wahrnehmung im Markt, denn längst nicht alle Anlagen setzen auf konsequente Neumitgliedergewinnung in Form von Kampagnen, oft scheinen Neumitgliedschaften eher ein zufälliges Ergebnis denn Resultat konsequenten Marketings zu sein. Mit der aktuellen Mitgliederzahl konnte Golf seine Durchdringung in der Bevölkerung insgesamt steigern, den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge ist für 2025 gegenüber dem Vorjahr von einer konstanten bis leicht rückläufigen Bundesbevölkerung aus-
zugehen.

Golf wird älter: Über-61-Jährige dominieren den Markt
 

Spannend ist erneut die Altersverteilung unter den Golfern. Das Statistische Bundesamt erwartet bis 2038 einen Anstieg der über 67-Jährigen von aktuell rund 20 % auf dann 25 – 27 %. Kein Wunder daher, dass unter den DGV-Mitgliedschaften die Altersgruppe der über 61-Jährigen mit 
2,5 % erneut über Durchschnitt wuchs. In einer separaten Auswertung des DGV zu den über 60-jährigen Golfern (warum der Verband in dieser Auswertung eine von seinen sonstigen Statistiken abweichende Altersklassifizierung ab 61 Jahre wählt, ist nicht bekannt) zeigt sich, dass alleine die über 80-Jährigen auf 49.854 Mitgliedschaften kommen – mehr als alle Altersgruppen bis 18 Jahren zusammen. So erfreulich das Wachstum der Mitgliedschaften bei den jungen Erwachsenen in der Altersgruppe zwischen 21 und 40 Jahren ist: Bei den 41- bis 60-Jährigen verliert Golf Mitglieder, obwohl diese Zielgruppe an sich über beste Voraussetzungen (Kinder sind oftmals bereits selbständig, verfügbares Einkommen wächst) für Golf verfügt. Mit rund 44 % nehmen die Golfer ab 61 Jahren fast die Hälfte des Marktes ein, wie Grafik 1 auf Basis der DGV-Daten zeigt.

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen blieb in den letzten drei Jahren weitgehend konstant, das Allzeithoch an Mitgliedschaften 2022 (44.277) konnte seitdem nicht mehr erreicht werden, wenn auch 2025 in dieser Altersgruppe wieder ein kleiner Zuwachs um 551 Mitgliedschaften erzielt werden konnte. Dennoch: Im internationalen Vergleich, gerade gegenüber Nordamerika, fällt auf, dass Golf in Deutschland weiterhin stark durch Menschen im oder nahe des Rentenalters dominiert wird.

Frauenanteil weiter rückläufig – ein deutsches Sonderthema
 

Die Entwicklung in Deutschland weicht noch in einem anderen Punkt vom internationalen Trend ab: Während nahezu weltweit mit gezielten Initiativen erfolgreich um mehr weibliche Mitglieder geworben wird, reduziert sich der Anteil der Golferinnen in Deutschland seit 2016 kontinuierlich. Da passt es ins Bild, dass das international sehr erfolgreiche Projekt ,Women’s Golf Day‘ in Deutschland weiterhin keine Beachtung findet. Lag der Anteil der Golferinnen 2016 noch bei rund 36,8 % (eine Zahl, für die Deutschland im Ausland stets bewundert wurde), hat sich ihr Anteil in 2025 auf 34,7 % verringert. Kamen damals auf ein weibliches Mitglied 1,72 männliche Mitglieder, sind es nun bereits 1,88 Golfer pro Golferin, wie eine Analyse der DGV-Daten zeigt.

Leicht rückläufig ist auch die Zahl der Golfanlagen. Sie sank um fünf Anlagen auf 721, so dass im statistischen Durchschnitt nach 945,9 Mitgliedschaften pro Anlage nunmehr 964,8 Mitgliedschaften auf eine Anlage entfallen. Die meisten Golfanlagen gibt es mit 171 weiterhin in Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 157. Sachsen-Anhalt meldet lediglich 5 Anlagen, hier zählt jede Anlage im statistischen Durchschnitt gerade einmal knapp 434 Mitgliedschaften.
 

Zufriedenheit hoch – wirtschaftliche Realität noch offen
 

Angesichts der insgesamt eher moderaten Entwicklung ist es umso erfreulicher, dass nach Angaben des DGV rund drei Viertel der Golfanlagen mit dem Verlauf der Saison 2025 zufrieden oder sehr zufrieden waren. Zudem haben im DGV-Golfbarometer Herbst 2025 93,8 % aller teilnehmenden Anlagen ihre Situation als befriedigend oder gut bezeichnet. Was dies in konkreten Zahlen bedeutet und ob es den Anlagen flächendeckend gelungen ist, die für künftige Investitionen unverzichtbaren Überschüsse zu erzielen, werden die Mitgliederversammlungen sowie Jahresabschlüsse in den kommenden Wochen zeigen.

Autor:  Michael Althoff | golfmanager 1/26

 

<< Zurück