Login

Differenzierte Wachstumsentwicklung im Markt

Marke schlägt Preis

Was tun mit den potenziellen, vollzahlenden Golfern, wenn diese nicht bereit sind, eine Vollzahler-Flatrate auf der eigenen Golfanlage abzuschließen? Was tun mit golfenden Menschen, die keine 22,5 Golf-Runden im Jahr spielen und für sich feststellen, dass die Vollzahler-Flatrate für Golf, also die Vollmitgliedschaft, sich für sie nicht ,rechnet‘? Nicht ,rechnet‘, weil bei beispielsweise zehn gespielte Golfrunden pro Jahr die gedachten Kosten pro Runde bei rund 150,00 Euro pro Runde liegen, wobei das Greenfee auf der Heimatgolfanlage gerade mal 70,00 Euro kostet, und mit den gängigen Rabattanbietern lediglich 35,00 Euro.

Viele Verantwortliche im deutschen Golf beantworten die Frage mit Nichts-tun oder Outsourcing. Also Arbeitsteilung. Den Vertrieb für derartige Kundenanforderungen, wie z.B. die der Wenig-Spieler, ignorieren und bei der 100 %-Flatrate festhalten. Wer etwas anderes möchte, soll woanders hingehen.
 

Nur, vor dieser Motivationslage konnte sich das lukrative Geschäftsmodell fremdvermarkteter Fernmitgliedschaften so stetig entwickeln. Aber, worin liegt die Motivation, das wirtschaftliche Potenzial, welches in Wenig-Spielern und Golfern, die sich nicht an eine Golfanlage (vollzahlend) binden wollen, besteht?
 

Die Antwort ist sicher vielfältig und reicht von Werte-getriebenen Argumenten über Lethargie bis Markenverständnis des eigenen Dienstleistungsprodukts Golfanlage.
 

Das ist selbstverständlich im Rahmen der unternehmerischen Freiheit, die jeder Golfanlagenbetrieb für sich in Anspruch nehmen darf, legitim. Solange dieses unternehmerische Handeln dazu führt, dass die Wirtschaftlichkeit des Golfbetriebs gewahrt bleibt und kein anderer (ggf. die Mitglieder) in Mitleidenschaft durch Umlagen genommen wird.
 

In anderen Fällen stellt sich jedoch die Frage: Warum wird die Wertschöpfung des Dienstleistungsprodukts Golfanlage anderen gestattet, obwohl die Handlungsoption in den eigenen Händen liegt?
 

Nach den allgemeinen Mitgliedschaftsrichtlinien (AMR) des Deutschen Golf Verband (DGV) hat ein DGV-Mitglied die Option pro neun (lange) Golflöcher bis zu 700 DGV-Karten auszugeben. Bei 18 Löchern also bis zu 1.400 DGV-Karten. Dieses Kontingent wird in den seltensten Fällen komplett abgerufen. Also besteht Potenzial.
 

In diesem Beitrag geht es nicht darum, das Geschäftsmodell der Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV (VcG) zu verteufeln. Im Gegenteil, die VcG-Geschäftsleitung macht einen guten Job und tut das, wozu sie ins Leben gerufen wurde: Die Förderung des Golfsports. Die Frage, die sich auftut ist: Warum tun die Golfanlagen es nicht selber?
 

Für diesen Beitrag hat der Autor die vom DGV veröffentlichen Zahlen per 30. September von 2015 bis 2025 zusammengetragen, und diese in Relation zum Gesamtmarkt der registrierten Mitgliedschaften im DGV gestellt (Tabelle 1 sowie Grafiken 1 und 2).

Wachstum mit unterschiedlicher Verteilung
 

Erst der Wachstumsvergleich macht überdeutlich, dass nach einer mehr oder weniger Seitwärtsbewegung in den Jahren 2015 bis 2020, mit Auftreten der Covid-Pandemie, ein Kipppunkt entstanden ist, der zu einer um 34,2 Prozent besseren Performance der VcG mit 41,6 Prozent Zuwachs zu DGV ohne VcG mit lediglich 7,4 Prozent in diesem 10-Jahresvergleich geführt hat. Nun ist 7,4 Prozent nicht schlecht, aber 41,6 Prozent sind so signifikant besser, dass sich die Frage aufdrängt: Warum? Warum ist es den Golfanlagen nicht gelungen, mehr registrierte Golfmitgliedschaften zu generieren? Wir betrachten hier nicht Vollzahler, sondern registrierte Golfmitgliedschaften, also am Ende DGV-Karten. Ob eine Person ein, zwei oder mehr Mitgliedschaften auf sich vereinigt, kann hier nicht betrachtet werden, da die Zahlen nicht veröffentlicht sind. Ebenso, ob es sich bei den registrierten Golfmitgliedschaften um Vollzahler oder Fernmitgliedschaften handelt, ist lediglich bei den veröffentlichten Zahlen zur VcG eindeutig zu beantworten. Wie viele der 662.919 registrierten Golfmitgliedschaften ohne VcG von den gesamt 695.617 registrierten Golfmitgliedschaften per 30.09.2025 Vollzahler sind, ist u.U. bekannt, jedoch nicht publiziert.
 

Der Wachstumsvergleich lässt jedoch die Annahme zu, dass der Bereich der Vollzahler auf den Golfanlagen einen geringeren Zuwachs hatte, als der von den Golfanlagen bzw. von den Golfanlagen in den DGV-Kartenhandel abgegebenen Fernmitgliedschaften, die ebenfalls in den 662.919 registrierten Golfmitgliedschaften per 30.09.2025 enthalten sind.


Bei einer um 34,2 Prozent besseren Performance, also Vertriebserfolg oder besser Marktakzeptanz einer DGV-Karte mit Handicapführung, besteht eine Nachfrage im Markt, die überwiegend nicht von den Golfanlagen selber befriedigt wird, obwohl diese die Handlungsoption in der Hand haben, und diese zum Teil für relativ wenig Geld in den Markt geben.

Umsatzpotenziale im Vergleich
 

Hierzu eine Grafik, die auch die monetäre Komponente betrachtet – Zahlen beispielhaft für eine in den externen Fernmitgliedschafts-Handel gegebene DGV-Karte zu 60,00 Euro, eine von der Golfanlage selbstvermarktete DGV-Karte zu 169,00 Euro, beispielhaft 700 Karten und die echte Zahl 32.698 DGV-Karten über die VcG zu 202,80 Euro/Stück (Grafik 3).
 

Obwohl die VcG-Mitgliedschaft nicht die günstigste am Markt ist, erfreut sie sich zunehmender Beliebtheit. Auch hier ist der Preis wieder einmal nicht ausschlaggebend, sondern die Marke, die dahintersteht.
 

Wie geht es nun weiter? Demografisch und gesellschaftlich. Anscheinend nimmt der Wunsch, sich an eine Golfanlage mit einer Vollzahler-Flatrate zu binden, ab. Golfanlagen können diesem Trend durch ihr Produktangebot an Spielrechten und Mitgliedschaftsvarianten Rechnung tragen. Kannibalisierungseffekte? Ja, sicher! Aber, ist ein ,Weiter-so‘ wirklich die Alternative? Vor dem Hintergrund der vorliegenden Zahlen wohl eher nicht.
 

Wie wird Golf in zwanzig Jahren in Deutschland statfinden? Preismodelle, Mitgliedschafts- Spielrechtsmodelle, Zeitbudget, Rentenniveau und ohne die Golf-Boomer der 80-ziger, 90ziger Jahre? Das sind die Fragen, über die heute nachgedacht werden muss, wenn eine Golfanlage dann noch das anbieten soll, was sie heute tut: Raum für das beste Spiel der Welt!
 

Quelle:
 

Zahlen DGV-Statistiken, VcG-Jahresgebühr. https://www.vcg.de/, Jahresgebühr Kartenhandel und Fernmitgliedschaften – eigene Recherche

Autor:  Adriaan A. Straten | golfmanager 1/26

 

<< Zurück