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Wirbeltiere im Rasen

Kompetente Vorstellung

Für viele Rasenbesitzer bedeutet der Anblick eines Maulwurfhaufens blankes Entsetzen. Das gilt nicht nur für den Hobbygärtner, sondern auch für den professionellen Rasennutzer im Golf- und Sportrasenbereich. Ein junger, vitaler Maulwurf kann täglich immerhin um die 20 Erdhügel produzieren und damit den Rasen für unbespielbar erklären!

 

Bei der Ankündigung des Themas „Wirbeltiere im Rasen, Möglichkeiten der Bekämpfung? Vergrämung durch innovative Bauweisen“ konnte man vermuten, dass es ein Randgebiet für die Rasenfachleute sein würde und die Beteiligung eher geringer ausfallen würde. Dies war jedoch ein Trugschluss, denn mit über 80 Teilnehmern war das diesjährige DRG-Frühjahrsseminar am 25. und 26. April 2016 in Leipzig/Markkleeberg ausgebucht. Die zahlreichen Mitglieder, inklusive einer Reihe von Neumitgliedern, kamen mit dem Seminarangebot voll auf Ihre Kosten. Neben den Gästen aus dem deutschsprachigen Raum war es für den Vorsitzenden, Dr. Harald Nonn, besonders erfreulich, auch ein Neumitglied aus Spanien begrüßen zu können.

 

Die Tages-Exkursion startete in Markkleeberg zu eine kompakten Rundreise in der Region Leipzig.

 

Besichtigungen in der Region Leipzig

Das besondere Markenzeichen der DRG-Seminare liegt in der Kombination von Exkursions-Tour am ersten und Vortragsteil am zweiten Seminartag. Auf diese Weise lassen sich in der Regel praktische Eindrücke und Beobachtungen direkt auf den Rasen- und Vegetationsflächen vermitteln, bevor die Vertiefung in den Vorträgen folgt. „Ein gemeinsamer Rundgang durch die Gänge der grabenden Tiere im Rasen war aber nicht zu organisieren“, wie der Leiter der Exkursion, Dirk Fellenberg, bei seiner Begrüßung anmerkte. So waren es die Erdbewegungen nach der Braunkohlegewinnung, die als Rekultivierungsflächen besichtigt wurden. Ebenso spannend waren die Informationen zur Abdeckung der Mülldeponie, bevor daraus ein Golfplatz gestaltet werden konnte.

 

Die ganztägige Exkursion führte zielgerichtet zu speziellen Projekten der Region, wie beispielsweise dem Golfpark Leipzig, der auf einer Mülldeponie entstanden ist oder in das Rekultivierungsgebiet der Braunkohlegewinnung rund um den Zwenkauer See.

 

Aber auch die echten Fans des Fußballrasens kamen nicht zu kurz, denn mit der Besichtigung der Red Bull Arena und der Führung durch die Akademie von RB Leipzig stand ein echtes Highlight auf der Tagesordnung.

 

Besichtigungsobjekte

Golfpark Leipzig Seehausen

Begrüßt und geführt wurde die DRG-Gruppe vom Geschäftsführer Dr. Rolf Hartmann. Er wies auf die Besonderheit dieser Golfanlage hin, die auf einer abgedeckten Mülldeponie entstanden ist. Die Entwässerung erfolgt durch Ableitung in den Außenbereich, so dass kein Niederschlagswasser in die Deponie eindringt. Nach Angaben des Head-Greenkeepers Andy Noatsch, werden die aus einem Pflanzenbestand von Agrostis capillaris, Festuca rubra und Poa annua bestehenden Grüns, jährlich mit ca. 25 g Rein-N/m² versorgt. Aufgrund des geringen Nachlieferungsvermögens des Bodens, werden die Fairways jährlich mit ca. 15 g Rein-­­N/m² gedüngt.

 

Die Anlage am nördlichen Stadtrand von Leipzig liegt direkt an der neuen Messe im Vorort Seehausen. Überwiegend flaches Gelände, große Seen, viele Bunker und sehr anspruchsvolle Grüns prägen das Gesamtbild. Je nach Wahl der Abschlags- und Fahnenposition ist der Platz von anspruchsvoll bis schwer, aber immer fair einzustufen. Ergänzt wird der Meisterschaftsplatz durch einen 9-Löcher-Panorama Course mit wundervollem Ausblick über die Stadt Leipzig.

 

Red Bull Arena Leipzig

Die Grundsteinlegung für den Neubau einer modernen Fußballarena mit 45.000 Zuschauerplätzen im alten Wall des Zentralstadions fand im Jahr 2000, anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Leipzig, statt. Die Arena war Austragungsstätte von internationalen Spielen im Rahmen des FIFA-Confederation-Cups 2005 und der FIFA-WM 2006.

 

Betreiber des Stadions ist die ZSL Betreibergesellschaft mbH. Hauptnutzer ist der Leipziger Fußballverein RB Leipzig e.V., der gerade im Mai in die Bundesliga aufgestiegen ist. Am 24.07.2010 wurde das Stadion mit dem Freundschaftsspiel RB Leipzig e.V. gegen den FC Schalke 04 e.V. offiziell in Red Bull Arena umbenannt.

 

Als „Stadion der Hunderttausend“ war in den Jahren 1954-1956 das Zentralstadion Leipzig in einer Bauzeit von 15 Monaten aus Trümmerschutt errichtet worden. Dieses Zentralstadion diente in den folgenden Jahrzehnten als Leichtathletik- und Fußballstadion.

 

Innerhalb seiner 23 Meter hohen Wälle fanden 26 große Leichtathletikveranstaltungen und mehr als 50 Fußballländerspiele statt. 1994 wurde das Stadion aufgrund des schlechten Bauzustandes geschlossen.

 

Heute wird nicht nur das Stadion mit modernster Technik, sondern auch das Rasenmanagement auf höchstem Niveau betrieben, wie die beiden Head-Greenkeeper Matthias Eichner und Chris Grünberg den Seminarteilnehmern erläutern konnten.

 

Leistungszentrum RB Leipzig

Mission-Statement des Leistungszentrums: „Besondere Leistungen auf besonderen Wegen!

 

Zu den vorrangigen Bestrebungen des Vereins zählt, dass die Nachwuchsspieler durch die Säulen Sport, Schule und Soziales eine ganzheitliche Ausbildung erfahren, um die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, sowohl den Schritt in den Profifußball als auch in das Berufsleben erfolgreich meistern zu können.

 

Um dieses Zukunftsbild zu erreichen, ist es dem Verein wichtig, die besten Talente frühzeitig zu sichten und sie in den jeweiligen Mannschaften optimal zu fordern und zu fördern. RB Leipzig ist davon überzeugt, das führende Nachwuchsleistungszentrum zu werden, welches zukünftig aufgrund einer hochmodernen Infrastruktur den höchsten Anforderungen entspricht. „Auf diesem Weg versuchen wir kreativer, innovativer und besonders zu sein!

 

Bei den technischen Voraussetzungen der Trainingsplätze und den Übungseinrichtungen setzt RB Leipzig einen hohen Maßstab an, davon konnten sich die DRG-Besucher überzeugen.

 

Tagebauflächen Leipzig/­Zwenkauer See – Der Tagebau wird zum See

Die Geschichte des Zwenkauer Sees beginnt eigentlich schon im späten 17. Jahrhundert. Damals wurde im Leipziger Südraum die erste Braunkohle gefunden. Rund 150 Jahre später, nämlich 1921, wurde dann der Tagebau Böhlen „aufgeschlossen“ und mit dem Abbau der Braunkohle begonnen – die eigentliche Geburtsstunde für den späteren See.

 

Jahr um Jahr rückten die Bergmänner mit ihrem schweren Gerät näher an Zwenkau heran. 1969 wurde der Tagebau Böhlen dann offiziell zum Tagebau Zwenkau und so sollte es auch für weitere 30 Jahre bleiben.

 

Im Lauf des 78-jährigen Bestehens nahmen die Tagebaue Böhlen, Zwenkau und Cospuden rund 31 km² Fläche in Anspruch, wurden drei Gewässer verlagert, vier Waldgebiete ganz oder teilweise abgeholzt und die Bewohner von fünf Ortschaften verloren ihre Heimat.

 

Dank des Einsatzes der Zwenkauer Bürger Anfang der 90er Jahre, konnten die Weichen für die Zukunft Zwenkaus als Stadt am See gestellt werden, denn sie erreichten es, dass der Tagebaubetrieb im Jahr 1999 auslaufen sollte. Nach 580 Mio. Tonnen geförderter Braunkohle verließ 1999 der letzte Kohlezug den Tagebau Zwenkau und es konnte mit der Sanierung begonnen werden.

 

Seit 2007 wird der ehemalige Tagebau geflutet und nach Fertigstellung des Harth-Kanals seinen Endwasserstand erreichen.

 

Die Exkursions-Teilnehmer konnten sich nicht nur von der Entwicklung der Infrastruktur rund um den See ein Bild machen, sie waren auch eingeladen, bei einer Bootsrundfahrt die Ruhe und Idylle des neu geschaffenen Sees zu erfahren.

 

2. Seminartag: Vorträge zu Grundlagen und praktischen Verfahren

Für die meisten Rasenbesitzer gelten grabende Tiere im Rasen als ärgste Feinde, zerstören sie doch, auf der Suche nach Nahrung, im oberflächennahen Bereich die Rasennarbe erheblich. Zum Verständnis der Lebensweise der betroffenen Tiere war gerade der Vortrag des Biologen Bernd Walther von besonderer Bedeutung.

 

Von Vermeidung durch Nahrungsentzug, über Abgrenzung durch horizontale und vertikale Barrieren, bis hin zur Verkehrssicherungspflicht befallener Sportplätze reichten die Ausführungen der Referenten.

 

Zum Einsatz und zur Beurteilung geeigneter Barrieren zur Vermeidung von Schäden durch Maulwürfe und Wühlmäuse referierte Carsten Ludowig. Seine Ergebnisse werden derzeit in einer Dissertation zum Thema: „Einfluss horizontaler Barrieren auf die Grabaktivität des Maulwurfs und anderen ganggrabenden Säugetieren in Rasenstandorten“ ausgewertet.

 

ine Erkenntnis in seinem Vortrag lautete: „Die Untersuchungen haben bisher ergeben, dass es Barrieretypen und Materialien gibt, die grundsätzlich geeignet sind, den Maulwurf daran zu hindern, Erdhügel in der Rasenfläche aufzuwerfen. Durch Wechselwirkungen mit anderen ganggrabenden Säugetieren wie der Wühlmaus, kann sich diese Eigenschaft jedoch umkehren.“ Weitere Informationen sind auf der DRG-Homepage unter der Überschrift: „Wenn der Rasen Hügel wirft“, als Rasenthema im Mai 2014 veröffentlicht worden.

 

Auf die technische Umsetzung beim Einbau von vertikalen und horizontalen Barrieren z.B. im Sportplatzbau, ging Michael Pülm, Ingenieur-Büro Richter, bei seinen Ausführungen ein. Ein wichtiger Hinweis beim Einbau von vertikalen Barrieren lautete: „Eine möglichst sichere Wirkung kann nur bei Anbindung der Barriere an feste Einbauten oberhalb der Geländeoberkante erreicht werden.“ Er schloss seine Ausführungen mit dem Fazit: „Zur Vermeidung von Gefahren und Schäden durch Maulwurf und Wühlmaus können auf Sportplätzen bauliche, aber auch betriebliche Maßnahmen erfolgreich sein. Die jeweiligen standörtlichen Randbedingungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg.

 

Zu den Anforderungen an eine Barriere zählte er folgende Gesichtspunkte:

  • Korrosionsbeständigkeit in feuchtem Milieu/Boden;
  • Resistenz gegen organische Säuren im Boden;
  • Grundmaterial = polymerer Kunststoff (PE, PP);
  • ausreichende Wasser- und Wurzeldurchlässigkeit;Maschenweite muss grabende Kleinsäuger verlässlich zurückhalten;
  • keine negativen Wechselwirkungen mit Bodenlebewesen;
  • möglichst geringe Einschränkungen für mechanische Regenerationsmaßnahmen (Tiefenlockerung, Schlitzen);
  • hohe mechanische Belastbarkeit und resistent gegen Nagerbisse;
  • UV-stabil.

 

Im letzten Beitrag stellte Jutta Katthage, Hochschule Osnabrück, die Bedeutung der Verkehrssicherheit auf Sportanlagen und Grünflächen heraus. Neben den Gefahren durch grabende Tiere waren es besonders die Gefahren, die durch falsche oder unterlassene Pflege die Nutzer einer Anlage beeinträchtigen können. Die meisten Seminarteilnehmer werden sicherlich insbesondere Sportanlagen zukünftig mit anderen Augen betrachten.

 

Nachfolgend eine Übersicht über die Vortragsthemen des zweiten Seminartages:

  • Wirbeltiere im Rasen: darf ich ­geschützte Tiere bekämpfen?
    Referent: Dipl. Biologe Bernd ­Walther, Havixbeck
  • Vermeidung von ganggrabenden Säugetieren im Rasen, z.B. Maulwurf und Wühlmaus
    Referent: Dipl.-Ing. (FH) Carsten ­Ludowig, Seelze
  • Wie kann die Bauweise eines Sportplatzes vor Maulwurf und Wühlmaus schützen?
    Referent: Dipl.-Ing. Michael Pülm, Wernigerode
  • „Verkehrssicherung auf Sport­plätzen“
    Referentin: Jutta Katthage, M. Eng., Hochschule Osnabrück

 

Die jeweiligen Handouts zu den Vorträgen stehen auf der DRG-Homepage im Login-Bereich für die Mitglieder der Deutschen Rasengesellschaft zum Download bereit. (www.rasengesellschaft.de/content/login/index.php)

 

Ausblick

Mit dem Frühjahrsseminar konnte die Deutsche Rasengesellschaft erneut die Besonderheiten einer Region den Teilnehmern im Rahmen der Exkursion näherbringen.

 

Das vermeintliche Randthema „Grabende Tiere im Rasen“ entwickelte sich zu einer spannenden Vortrags- und Diskussionsrunde mit allen Beteiligten.

 

Quellen

www.wp.richter-ingenieure.de/

www.dierotenbullen.com/die-roten-bullen/nachwuchs.html

http://www.erminea.com/Erminea.html

www.1golf.eu/club/golf-park-leipzig-gmbh-co-kg/

http://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/sport/sportstaetten/red-bull-arena-leipzig/

http://www.leipzigseen.de/die-seen/zwenkauer-see.html

http://www.ludowig.net/startseite/galabau/maulwurfbarrieren/

http://www.rasengesellschaft.de/content/rasenthema/index.php

www.zwenkauer-see.com/entdecken-erleben/see-umgebung/umgebung.html

 

Autor: Dr. Klaus G. Müller-Beck

 

Abb. 1: Starker Besatz mit Maulwurfs­haufen stört die Nutzung einer Rasen­fläche erheblich. (Alle Fotos: K.G. Müller-Beck)
Abb. 2: Begrüßung der Teilnehmer des 122. DRG-Seminars am Golfpark Leipzig durch den DRG-Vorsitzenden Dr. Harald Nonn (vorne).
Abb. 3: Blick vom Hochplateau des Golfparks Leipzig auf die neue Messe und Stadtsilhouette Leipzig.
Abb. 4: Erläuterungen zur Grünspflege beim Golfpark Leipzig ­Seehausen.
Abb. 5: Stadionrasen mit SGL-Belichtungseinheiten in der Red Bull Arena Leipzig.
Abb. 6: Trainingsplatz bei Red Bull Leipzig mit Blick auf die ­Akademie.
Abb. 7: Dank an die verantwortlichen Head-Greenkeeper bei RB Leipzig – v.li.: Chris Grünberg und Matthias Eichner mit Dr. Harald Nonn und Dirk Fellenberg.
Abb. 8: Renaturierung und Boots-Anleger am Zwenkauer See.
Abb. 9: Blick vom Zwenkauer See.
Abb. 10: Die Entwicklung und Aktivitäten des Maulwurfs im Verlauf des Jahres. (Quelle: Vortrag Bernd Walther, Erminea GmbH, www.erminea.com)
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