Von Rück- und Ausblicken

Ging Ihnen das auch schon so? Sie stehen zu Beginn der Golfsaison bei der Frühjahrstagung des Greenkeeper Verbandes Deutschland (GVD) in Fulda im Fahrstuhl und denken sich (wieder) bei der Betrachtung des Spiegebildes „ein paar Pfund sollten da aber schon noch runter, Zeit wird es, dass das sportliche Jahr wieder losgeht …“. Etwas verspätet werden Sie sagen, gehören die guten Vorsätze doch zum Jahreswechsel. 


Nimmt man sich da aber bewusst nichts vor, kann es zu solchen Gedanken kommen. Passend aber zur Veranstaltung des GVD, die bereits zum zehnten Mal die greenkeeperische Golfsaison einläutete und wie in den vergangenen Jahren ausgebucht war.

Passend auch, da Marc Biber bei seiner letzten Programmauswahl für die „GVD-Traditionsveranstaltung“ am 15./16. Februar 2016 Katja Bayer vom Deutschen Golf Verband (DGV) eingeladen hatte. Die seit 1996 Verantwortliche für den Leistungssport beim DGV unterrichtete die Anwesenden nach einer kurzen Begrüßung durch GVD-Präsident Hubert Kleiner vom Stand der Vorbereitungen auf die olympischen Spiele 2016, zeigte erste Aufnahmen des Olympia-Golfplatzes in Rio de Janeiro – ja, er wird fertig – und berichtete vom spannenden Kampf um den begehrten zweiten Starterplatz bei den Herren zwischen Marcel Siem, Alex Cjeka und theoretsich auch noch Max Kiefer.

Besonders interessant fand ich, dass bei den leistungssportlich orientierten Damen besonders die Koreanerinnen dominieren, einem Land, in dem Golf anscheinend einen deutlich größeren Stellenwert als hierzulande genießt; lesen Sie hierzu auch den Bericht von Dr. Fritz Lord auf Seite 18 ff., der die Korean Golf Course Industry Show in Daegu, Südkorea, besuchte. Katja Bayer machte aber auch deutlich, wie wichtig top gepflegte Anlagen für den Wettkampfbetrieb und die Leistungsträger dieser Sportart sind.

Dr. Harald Nonn (ö.b.u.v. Sachverständiger für Sportplatzbau, Leiter F&E Vegetationstechnik Fa. Eurogreen, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft e.V.), stellte im Folgenden die wichtigsten Gräserarten mit ihren Stärken und Schwächen vor und warf die im Programm ausgegebene provokante Frage auf: Regel-Saatgut-Mischungen Golf – sind die Mischungen noch zeitgemäß?

Die Workshops

Traditionsgemäß war der zweite Block der Tagung geprägt von Workshops, die in diesem Jahr noch mehr als in den Jahren zuvor auch tatsächlich als solche zu bezeichnen waren – schade, dass man aufgrund der Zeitgleichheit nicht alle besuchen konnte, thematisch waren alle interessant ausgewählt worden.


Einen der Workshops gestaltete der Moderator der gesamten zweitägigen Veranstaltung, Hartmut Schneider (ö.b.u.v. Sachverständiger für Haus- und Sportrasen), zusammen mit Georg Armbruster (ö.b.u.v. Sachverständiger für Bodenuntersuchungen & Bodenaufbau bei Sportplätzen) und Selina Thannheiser (Geographie-Studentin an der Universität Augsburg, derzeit bei Georg Armbruster mit einer Masterarbeit zum Thema Clegghammer beschäftigt). Ihr Thema: „Spannungsfeld Spieleigenschaften und durchflusswirksames Porenvolumen auf Golfgrüns“.

Dem Themenfeld „Stellenausschreibung, Personalauswahl und Personaleinführung im Greenkeeping“ widmeten sich Eva Zitzler (Clubmanagerin GC Abenberg und Werner Nißlein, Head-Greenkeeper GC Abenberg). Lesen Sie hierzu auch die Beiträge von Eva Zitzler und Angela Frfr. von Müffling-Titscher in dieser Ausgabe, Seite 54 ff.

Den dritten Workshop mit dem Schwerpunkt „Planung, Bau, Pflege und Instandhaltung von Wegen im Golfplatz- und Landschaftsbau“ übernahm Andreas Klapproth (Inhaber Ingenieur Büro Klaproth, DEKRA- Sachverständiger für Vegetationsbewässerung und Leiter DGV-Arbeitskreis Golfplatzbewässerung).

„Was blüht denn da? Planung, Anlage und Pflege von Beeten auf dem Golfplatz“ war das Thema eines vierten Workshops, den Thomas Fischer (Geschäftsführer iNova Green) am zweiten Seminartag anbot.

Micha Mörder (Vertriebsleiter Pflegemaschinen TORO Deutschland) eröffnete den zweiten Seminartag mit „Nachhaltige und wirtschaftliche Antriebstechnologien für Golfplatz-Pflegegeräte“.

So berichtete er über die aktuelle Abgasnorm TIER 4 (2019 ist die Umstellung auf TIER 5 geplant), über Einsparmöglichkeiten, aber auch Mehrkosten, die bei Umrüstungen/Neukonstruktionen anfallen können. Auch einen Ausblick wagte er: So stellten Antriebe mit Brennstoffzelle technisch kein großes Problem dar, allein das Netz an Betankungsmöglichkeiten sei nach wie vor recht grobmaschig und für Golfanlagen mit eigenen Betankungsstationen bislang nicht wirtschaftlich.

Der Praxisblock

Einen Vortrag aus der Praxis hielt anschließend Heinz Briem (Head-Greenkeeper und geschäftsführender Gesellschafter golfyouup GmbH, öffentlicher Golfplatz Pforzheim): „Maulwürfe, Klee, Gänseblümchen – nützliche Tipps für die tägliche Golfplatzpflege“. Wie gehe ich mit Schädlingen auf den Anlagen um? Welche darf ich ggf. wie bekämpfen? Auch Empfehlungen aus der eigenen Erfahrung im Umgang mit Behörden sprach er aus und regte dazu an, einen engen Kontakt mit den Behörden zu pflegen und sie ggf. auf die Anlagen einzuladen, um ihnen vor Ort die Problematiken zu zeigen.

Einen Rückblick auf das golf-sportliche Highlight „Solheim Cup 2015“ unternahm im Folgenden Sascha Baumann (Head-Greenkeeper GC Darmstadt Traisa). Als einer der knapp 40 freiwilligen Greenkeeper (Volunteers) berichtete er von seinen, zum Teil sehr persönlichen, Erfahrungen während des Groß-Events – überschrieben war sein Vortrag mit: „Was brauchen 24 Damen, um Golf spielen zu können?“

Aktuelle Stunde

In der aktuellen Stunde mit Fragen an den GVD-Vorstand und die Geschäftsstelle berichtete Christina Seufert (GVD-Geschäftsführerin) unter anderem vom Stand der derzeit neu gestalteten GVD-Homepage und erläuterte das 2016 gestartete neue GVD-Zertifizierungssystem. Ein eigener Punkt war in diesem Rahmen der Dank an Marc Biber, dem Hubert Kleiner für seine Jahre in führender Position mit und für den GVD dankte. 


Nach der offiziellen Verabschiedung Bibers bei der Jahrestagung 2015 in Dresden, war die GVD-Frühjahrsfortbildung in Fulda die letzte Tagung, die hinsichtlich Referenten und Themenwahl von ihm akzentuiert wurde. Künftig nurmehr für den DGV tätig (Umwelt und Platzpflege (Ltg.)) bleibe er aber auch weiterhin Ansprechpartner für die Belange des Greenkeepings/ der Golfplatzpflege und „GVD-nah“, wie er abschließend bemerkte. Dies drücke sich unter anderem dadurch aus, dass er Fördermitglied des GVD werde und auch dem WBA als Beratendes Mitglied weiterhin zur Verfügung stehe. Schön, dass es Konstanten gibt!

Ein Dank richtet sich zum Schluss an Hartmut Schneider für die kompetente Moderation, an die Industrie, die die Tagung wieder mit ihren Neuheiten und fachkundigen Beratern unterstützte, die Referenten für ihre informativen Vorträge, nicht zuletzt aber auch an das Holiday Inn in Fulda, das mit toller Verpflegung und gutem Service wieder einmal zeigte, dass das geflügelte Wort von der „Dienstleistungswüste Deutschland“ nicht überall gilt.

Autor:Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 01/2016 (Download PDF)

 

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Wie schon in den vergangenen Jahren war die Frühjahrsfortbildung in Fulda auch 2016 ausgebucht.
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