TURF: Von der Atlantikküste auf das Grün

Viele Hersteller von Produkten für Hochleistungsrasen nutzen inzwischen Extrakte aus Meeresalgen, um ihre Düngemittel mit nützlichen Stoffen wie Aminosäuren, Biostimulanzien, Antioxidantien und Nährstoffen anzureichern. Auch reine Algenprodukte in Form von Granulat und flüssigem Konzentrat etablieren sich immer mehr und werden von den Greenkeepern zum Beispiel zur Förderung des Bodenlebens und der Pflanzengesundheit genutzt. Für die Herstellung eines möglichst reinen Produkts aus den Algen gibt es unterschiedliche Verfahren.

Die Auswahl der Algenart

In dem hier beschriebenen Verfahren wird ausschließlich Ascophyllum nodosum (Abbildung 1) verwendet, eine besonders leistungsfähige Algenart, die im Atlantik, zum Beispiel an der irischen Westküste, vorkommt. Die exakte Menge der Inhaltsstoffe der Alge unterscheidet sich je nach Standort. Entscheidend sind unter anderem die Qualität des Meerwassers in den Ernteregionen und das Ernteintervall. Für die Reinheit und Konzentration des Endprodukts ist das Verfahren verantwortlich, mit dem die Algen verarbeitet und die nützlichen Inhaltsstoffe extrahiert werden.

Das Verfahren

Es gibt mehrere Wege, um bestimmte Inhaltsstoffe zu extrahieren. Ziel ist es, die Zellwände der Alge möglichst schonend zu zerstören, damit Kohlenhydrate, Aminosäuren, Spurenelemente und weitere Zellbestandteile freigesetzt werden. Chemische Extraktionsverfahren, zum Beispiel mit Laugen, zerstören die Zellwände sehr effektiv, allerdings auch einige der gewünschten Inhaltsstoffe. Auch eine Wärmeextraktion ist möglich, jedoch denaturieren Proteine bei Temperaturen von über 40 °C.Eine kalte Extraktion bedeutet, dass die Inhaltsstoffe aus den Algen ohne Temperaturerhöhung herausgepresst werden. Eine Verfeinerung und Weiterentwicklung dieses Verfahrens wird im Folgenden beschrieben.

Ernte und Transport

Die Ernte erfolgt in Handarbeit direkt auf den Felsen der Atlantikküste, wo die Alge drei bis fünf Jahre lang wächst. Eine Handarbeit ist erforderlich, da Ascophyllum nodosum nicht niedriger als auf 15 cm abgeschnitten werden darf, um gesund weiterwachsen zu können. Die Algen werden in einem Netz auf den Felsen gesammelt und dann per Schiff zur Küste geschleppt. Ein sehr kurzer Transportweg zwischen Küste und Fabrik garantiert die Frische der Algen (Abbildung 2), die vor der Weiterverarbeitung auf einem Sammelplatz ausgebreitet werden. Geerntet wird elf Monate im Jahr, sofern es das raue irische Wetter im Winter erlaubt.

Vorbereitung des Materials

Der erste Schritt in der Fabrik ist die Reinigung des Materials. Dazu zählt nicht nur das Abwaschen von Sand und mitgereisten Kleintieren, sondern auch das Sortieren der Algen. Es kann vorkommen, dass ähnlich aussehende Arten wie Fucus vesiculosus (Abbildung 1) mitgeerntet wurden. Die Algen werden mit Wasser in einer langsam drehenden Walze gereinigt und per Hand sortiert, bevor sie in einer ersten groben Zerkleinerungsanlage gehechselt werden (Abbildung 3). Dieser Schritt erleichtert zum einen das weitere Zerstören der Zellwände, vereinfacht zum anderen aber auch den internen Transport für die nächsten Schritte. Die Produktionswege von Granulat und Konzentrat trennen sich nun.

Granulat oder Konzentrat

Während das Material für das Granulat weiter einheitlich zerkleinert wird, wird dem Material für das Konzentrat Wasser zugesetzt, um es pumpen zu können (Abbildung 4).

Die mit Wasser versetzte Algenmasse wird mit ca. 4 bar durch eine Aneinanderreihung von Filtern gepumpt. Dadurch werden weiterhin Zellwände zerstört und Schwebstoffe gefiltert.

Da weder Temperaturerhöhung noch chemische Zusätze zum Einsatz kommen, verbleibt eine hellgrüne Flüssigkeit, denn auch das Chlorophyll wird erhalten. Bereits hier liegt ein sehr gehaltvolles Produkt vor, welches durch einen letzten Schritt vollendet wird: In einem Vaporisator wird das zugesetzte Wasser durch den Einsatz von Unterdruck verdampft. Diese Maschine ermöglicht das Verdampfen bei einer Temperatur unter 25 °C, sodass wiederum keine der Inhaltsstoffe zerstört werden. Der pHWert liegt nun bei ca. 4,8. Das fertige, konzentrierte Flüssigprodukt wird nun in 10 l-, 20 l- und 1.000 l-Behältern abgefüllt und sofort ausgeliefert. Die Produktion erfolgt stets nach Bedarf, jedes Algenprodukt wird nur wenige Tage gelagert. Die durchschnittliche Haltbarkeit des Konzentrats bei entsprechender Lagerung liegt dennoch bei 15 Monaten.

Das spätere Granulat wird zur Vereinheitlichung mehrfach zerkleinert und gesiebt. In den Schritten werden sowohl zu grobe Stücke aussortiert, als auch zu feine entfernt, um später eine gute Ausbringung zu gewährleisten (Abbildungen 6-8).

Die Trocknung verläuft auch hier schonend bei niedrigen Temperaturen. Für den Einsatz auf Golfplätzen und Stadionrasen wird das Granulat in 25 kg-Säcken abgefüllt.

Ein Granulat, mehrere Einsatzgebiete

Die Endprodukte werden nicht nur im Golf- und Sportrasenbereich eingesetzt. Das gleiche Granulat wird unter anderem aufgrund der Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien als Zusatz in der Tierfütterung, zum Beispiel bei Pferden, Bio-Milchkühen und Schweinen verwendet.

Fazit

Egal ob man Düngeprodukte mit Zusätzen aus Algenextrakten oder reine Granulate/Konzentrate verwendet, so lohnt es sich zu wissen, mit welchem Verfahren gearbeitet wurde, und ob somit die höchstmögliche Konzentration der nützlichen Inhaltsstoffe der Alge erreicht wurde.

Entscheidend sind sowohl die Algenart und ihr Standort als auch ihre Verarbeitung. Mit der hier dargestellten Methode werden die für die Rasenpflanze nützlichen Elemente und Moleküle schonend und sehr hoch konzentriert extrahiert, ohne dass auf dem Weg zum Endprodukt chemische Zusätze oder schädigende Prozesse verwendet werden müssen.

Das Granulat aus reiner Ascophyllum nodosum ist anwenderfreundlich granuliert und als biologische Alternative zur Bodenverbesserung von Golfgrüns, beispielsweise nach dem Aerifizieren anzusehen.

Autor: Benjamin Franke, TURF Handels GmbH

Abb. 1: Oben: Fucus vesiculosus, wird vorwiegend für Medizin eingesetzt; unten: Ascophyllum nodosum.
Abb. 2: Das frisch geerntete Material kommt „tropfnass“ in der Fabrik an, um größtmögliche Frische zu gewährleisten.
Abb. 3: Reinigung, Sortierung und Zerkleinerung des Ausgangsmaterials
Abb. 4: Zugabe von Wasser ermöglicht eine leichtere Weiterverarbeitung zum Konzentrat.
Abb. 5: Durch aneinandergereihte Filter wird das Wasser-Algengemisch weiter aufbereitet.
Abb. 6-8: Für die Granulatproduktion wird mehrfach zerkleinert und gesiebt, anschließend schonend getrocknet.
Abb. 7
Abb. 8
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