Rudi May – ein engagierter, aufgeschlossener und fairer Investor

Mit dem unerwartet frühen Tod von Rudi May (06.05.1941-12.11.2019) erleidet nicht nur der deutsche Golfsport einen überaus großen Verlust.

 

Der kreative, unermüdliche Geschäftsmann, Erbauer, langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Golfclubs Würzburg war als ambitionierter Sportler zugleich Berater, Präsident, Ehrenpräsident und aktives Mitglied des Fußball-Clubs Würzburger Kickers (FWK) sowie des Tennisklubs Weiß-Blau. Darüber hinaus machte er sich als wohltätiger Sponsor und in der Brauchpflege seiner geliebten Heimatstadt einen Namen.

 

Nachdem er bereits 1983 durch Professor Rolf Wallenhorst auf ein bei dem Hotel Polisina in Ochsenfurt geplantes Golfprojekt angesprochen wurde – das aus ökologischen Gründen an diesem Standort wegen seiner artenreichen Flora und Fauna nicht realisiert werden konnte, ließ ihn der Gedanke, Würzburg mit einer exponierten, stadtnahen, imageträchtigen Golfanlage nachhaltig aufzuwerten, keine Ruhe. Als Immobilieninvestor wusste er genau um den Wert einer solchen Anlage am richtigen Standort. Zudem hatte er mit einer ausgeprägten Sensibilität aus der Diskussion um die Anlage in Ochsenfurt bereits den ökologischen Wert einer derartigen landschaftlichen Golfanlage erkannt.

 

Nachdem dann der richtige Standort auf der ausgeräumten Agrarlandschaft des Ochsenfurter Gäus unmittelbar oberhalb der Stadt an der Giebelstädter Steige gefunden war, mussten in aufwändigen Verhandlungen die Stadtherrn und insbesondere die bäuerlichen Grundbesitzer überzeugt werden.

 

1992 waren zwar noch nicht alle Grundbesitzer bereit, ihr Gelände zu verpachten oder zu verkaufen. In seinem Optimismus ließ Rudi May jedoch bereits um den Rand des intensiv genutzten Agrarlands am Übergang zur historischen Terrassenlandschaft und den angrenzenden Waldflächen neun Löcher errichten, die nun die unwilligen Grundbesitzer sozusagen „umzingelten“. So konnten 1994 – zehn Jahre nach Gründung des Golfclubs – die ersten neun Löcher und eine Übungswiese ausgebaut werden. Und nun zeigte sich wiederum die enorme Kreativität des Bauherrn: Recht bald entspann sich ein intensiver Kontakt zur Würzburg Partnerstadt Dundee und zum altehrwürdigen Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews. Somit war es kaum verwunderlich, dass dieser mit einer Abordnung des Vorstandes und der von elf weiteren Golfclubs im Umfeld von Dundee der Einweihung des Clubhauses und der ersten neun Löcher einen illustren Rahmen verpassten. Über all die folgenden Jahre wird bis heute die deutsch-schottische Freundschaft und Partnerschaft gepflegt.

 

Kaum waren dann Ende September 2002, nach Baubeginn im April des Jahres, die überaus anspruchsvollen 18 Löcher, die in charakteristischer Weise die umgebende Kulturlandschaft einbeziehen, vollendet, nahm Rudi May Kurs auf die nächste Hürde, um dann 2006 Mitglied der Leading Golf Clubs zu werden und nach der Übergabe der Verantwortung an seinen Sohn Bernhard May 2017 die außerordentliche ökologische Bedeutung der nun gut eingewachsenen Anlage im Rahmen von „Golf&Natur“ zertifizieren zu lassen.

 

verliere ich zudem einen außerordentlich engagierten, aufgeschlossenen und fairen Bauherrn. In 46 Berufsjahren war es mir nur selten vergönnt, mit einem derartigen Bauherrn zusammenarbeiten zu dürfen und ich sehe es heute mehr denn je als außerordentliches Privileg, seit 1983 in Kontinuität mit dieser bemerkenswerten Persönlichkeit verbunden gewesen zu sein.

 

Mein Mitgefühl richtet sich an seine Familie, seine Freunde und all‘ diejenigen, die ihn auf und abseits „seiner“ Anlage vermissen werden.

 

Autor: Karl F. Grohs | Landschaftsarchitekt BDLA/DASL/EIGCA | Senior Member of the ­European Institute of Golf Course Architects | golfmanager 6/2019

Rudi May
Visionär und konsequent realisiert: der von Rudi May ­erbaute Golfplatz Würzburg. (Foto: K. Grohs)
zurück