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Praxistest zweier Bodensensoren

Im Greenkeepers Journal 1/15 berichtete Jan Andreas, Head-Greenkepeer im Frankfurter Golf Club, von einem auf seiner Anlage selbst durchgeführten Test zweier Bodensensoren der Firmen Rainbird und Toro.


Sollten Sie, liebe Leser, ähnliche Erfahrungen oder Tests durchgeführt haben oder verwenden aktuellere Produkte, so setzen Sie sich doch bitte mit uns in Verbindung: s.vogel (at) koellen.de

 

 

Ausgangslage

Für gewöhnlich kommen bei uns, auf der Anlage des Frankfurter Golf Clubs, kleine mobile Messgeräte (Thermometer/Bodenfeuchtemesser) zum Einsatz, jedoch ist die genaue Aufzeichnung und Kontrolle von Temperatur, Bodenfeuchte und des Salzgehaltes damit nicht möglich. Auch die Kalibrierung solcher Geräte kann schwierig sein. In der Saison 2013 durfte ich die Bodensensoren der Marken Toro und Rainbird testen und möchte die Erfahrungen hier teilen.

 

In Zeiten, in denen sparsam mit Wasser umgegangen werden muss und Umwelt­aktivisten mit dem Zeigefinger auf den Wasserverbrauch von Golfplätzen zeigen, kann man sich den technischen Hilfsmittel, die moderne Bodensensoren bieten, kaum noch verweigern.

 

Mit den Tabellen und Grafiken, die erstellt werden, können Wasserverbrauch und nötige Pflegemaßnahmen besser dargestellt und auch selbst erkannt werden. Die beiden getesteten Systeme lieferten wertvolle Daten, die mein Verständnis für Beregnung weiter geschult haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Head-Greenkeeper damit wertvolle Erfahrungen über seinen Platz gewinnen kann.

 

Rainbird Integrated Sensor

Das System der Firma Rainbird ist über ein Kabel mit einer Aufzeichnungsbox (Datenlogger) verbunden. Die Daten werden im vorher eingestellten Takt (zwei Minuten bis 120 Minuten) aufgezeichnet und auf einer Speicherkarte gesichert. Zusätzlich können die Daten per Funk direkt an den Computer gesendet werden. Die Reichweite des Senders beträgt ca. 500 m  (auch 700 m bei freier Sicht), kann aber über einen sogenannten Repeater erweitert werden. Durch den Einsatz von Batterien ist keine Stromversorgung auf dem Platz nötig. Bei meinem Versuch hatte ich einen hohen Verschleiß an Batterien und musste diese alle zwei bis drei Wochen  austauschen. Die vom Hersteller angegebenen 12 Monate Lebensdauer wurden nicht erreicht, Rainbird sicherte jedoch zu, das Problem zu beheben. Die einzelnen Sensoren sind mit Kabeln mit dem System verbunden. Alle Kabel wurden mittels Spaten ca. 20 cm tief eingegraben und der Sensor ca. drei Meter weit ins Grün gesetzt. Am praktischsten ist es wahrscheinlich, das System direkt bei der Installation einer neuen Beregnung einzubauen. Wie bei dem Vergleichssystem Toro Turfguard vorgegeben, haben wir auch hier zwei Sensoren übereinander an den selben Platz gesetzt, einen in fünf Zentimeter Tiefe und einen in 15 Zentimeter, um die Wasserbewegung in die Drainagen verfolgen zu können. Da alle Mitarbeiter beim Einbau involviert waren, wurde der Sensor auf dem Grün nicht markiert, jedoch außerhalb des Grüns ein Deckel platziert, auf dem der Abstand und die Richtung zum Sensor ersichtlich ist.

 

Um die Auswertung der Daten drucken zu können und schöne, leicht zu verstehende Tabellen zu bekommen, muss ein Programm von Rainbird auf dem Computer installiert sein.

 

Toro Turf Guard Sensor

Das zweite getestete System, der Turf Guard Sensor von Toro besteht aus unterirdisch verlegten Sensoren (Funk-Reichweite ca. 150 m), oberirdischen Verstärkern (Funk-Reichweite ca. 1.500 m), die auf eine Stromquelle angewiesen sind, eine Basisstation und eine Benutzeroberfläche für den Computer.

 

Die Installation und Verwendung des Systems sind einfach. Der drahtlose Turf Guard-Sensor wurde leicht in wenigen Minuten mit einem Lochstanzer-Werkzeug an der gewünschten Stelle unterirdisch verlegt. Der Sensor kann innerhalb kürzester Zeit wieder versetzt werden, sollte aber immer gut markiert werden, da er sonst verloren gehen und beim Aerifizieren beschädigt werden könnte. Die Position kann im Programm auf einer Google-Karte festgehalten werden.

 

Für meinen Test hatte ich eine Basisstation und den Sensor (Batterie-betrieben mit einer Laufzeit von drei Jahren), damit war alles funktionstüchtig. Der Sensor hat im Abstand von 125 mm Fühlersonden, die die Messungen von Bodenfeuchte, Salzgehalt und Temperatur in zwei Tiefen vornehmen. Die gemessenen Daten werden alle fünf Minuten an die Basisstation übermittelt. Das Programm und die Daten sind online abrufbar und können jederzeit weltweit eingesehen werden. Erwähnenswert ist die Warnfunktion: Sollte einer der Messdaten aus dem selbst festgelegten Rahmen fallen, kann man sich über E-Mail oder Telefon eine Warnung schicken lassen. Da ich in 30 Minuten Entfernung vom Golfplatz wohne, war das für mich besonders praktisch.

 

Ähnliche Funktionen gibt es auch für den Rainbird Soil Manager, leider habe ich dieses Programm nicht getestet.

 

Beide Systeme können zusätzlich mit der markeneigenen Bewässerungsanlage gekoppelt werden und diese selbstständig steuern bzw. unterstützen.

 

Langzeit-Erfahrungen aus Canada

Ich habe eine Rainbird-Beregnungsanlage dieser Art auf einem der besten Golfplätze in Canada besichtigt, bei der zwei Wetterstationen und mehrere Bodensensoren den Platz nach ET (Evopotranspiration) bewässert haben. Aus meiner Sicht erfordert das viel Know-how und mehr Arbeitszeit, als die meisten sich vorstellen können. Im angegebenen Fall war ein Bewässerungsprofi in Vollzeit damit beschäftigt, den Platz optimal zu bewässern und das ohne anfallende Reparaturen. Das Ergebnis war – wie sich jeder denken kann – hervorragend. Eine Kosten-Nutzen-Analyse muss jedoch jeder für sich aufstellen.

 

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Bericht wichtige Informationen für solch eine Investition geben und bin mir sicher, dass jeder, der sich ein bisschen damit auseinandersetzt, etwas für die Gesundheit der Gräser und unserer Umwelt erreichen wird.

 

Autor: Jan Andreas

Das Mess-System von Rainbird mit Datenlogger, Bodensensor und Repeater.
Rainbird Kabelverbindung neben dem Grün.
Der Datenlogger von Rainbird, per Kabel mit dem Boden­sensor verbunden.
Via Funk werden die Messdaten an den Rainbird Soil ­Manager/Computer übermittelt.
Der Einbau des Boden­sensors Toro Turf Guard ist denkbar einfach.
Über die Datentabelle in der Toro-Software Turf Guard SiteVision ist eine Auswertung der Daten möglich.
Beispiel für ein detailliertes Auslesen des Salzgehalts an ­einer Messstelle mit Turf Guard Site Vision.
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