Mythos Greenkeeper´s Motivation

Warum bin ich eigentlich Greenkeeper? Mit dieser Frage begann der Vortrag zum Thema Motivation, anlässlich der Frühjahrstagung des Regionalverbandes Mitte. Die Antwort lieferten die Greenkeeper selbst. Der Referent, Johann Detlev Niemann, orientierte sich an einer von ihm initiierten Umfrage, als er noch Leiter der DEULA Bayern war. An dieser Umfrage Ende 2010/Anfang 2011 beteiligten sich über 200 Head-Greenkeeper und Greenkeeper.

 

Hier eine Auswahl ohne Wertung:

  • Abwechslungsreiche Tätigkeit
  • Interesse am Golfsport
  • Naturverbundenheit
  • Technische Vielfalt
  • Aus Bauernhof wurde Golfplatz

 

Im zweiten Schritt seines Vortrages skizzierte Niemann die Ausbildungsschritte vom Platzarbeiter bis zum Fachagrarwirt Head-Greenkeeper und meinte leicht süffisant, dass man in Deutschland schneller Doktor jur. sei, als Fachagrarwirt Head-Greenkeeper.

Beide bisher genannten Aspekte, die vielen Gründe: Warum bin ich Greenkeeper? und die ausgezeichnete Berufsausbildung, so Niemann, bilden die Basis für Motivation und zwar für Eigen-Motivation.

Eine alte Managementweisheit lautet:
Nur wer sich selbst motivieren kann, kann andere motivieren.



Was motiviert einen (Head-)Greenkeeper?

Auch diese Frage beantwortete der Zwei-Meter-Mann, der seit nunmehr vier Jahren wieder in seiner Heimat, dem Siegerland lebt.
Hier einige Motive ohne Wertung:

  •  Mehr Anerkennung durch Golfer bzw. Clubverantwortliche
  •  Mitspracherecht bei Jahresverträgen
  •  Höhere Akzeptanz des Berufsbildes in der Bevölkerung
  •  Ganzjahresverträge
  •  Einheitliche Gehaltsregelungen etc.

 

Aus diesen Vorinformationen entwickelte der Referent eine zweigeteilte Strategie für die Greenkeeper:

  1. Mein „Eigen-Marketing“ forcieren
  2. Meine Selbstmotivation steigern

 

Vorab gab Niemann uns noch zwei Empfehlungen:

  1. „Übernehmen Sie alle für sich die volle Verantwortung und verstecken Sie sich nicht hinter sogenannten Killerphrasen!“
  2. Hier eine kleine Auswahl aus der Präsentation:
    • Geht auf dieser Golfanlage nicht!
    • Jetzt ist der falsche Zeitpunkt!
    • Das klappt sowieso nicht!
    • Kann ich nicht durchsetzen!
    • JA, aber … etc.
  3. Haben Sie keine Angst vor Veränderungen. Wenn sich Ihr Berufsfeld ändert, ergreifen Sie die Initiative und verabschieden sich von Ihrem „Verweilmodus Abwarten“!

Jeder (Head-)Greenkeeper sollte sich in Sachen Eigen-Marketing auf sein lokales Umfeld konzentrieren, während sich die Verbände auf den übergeordneten Ebenen austoben dürfen. Niemann, der seine Leidenschaft für Marketing nicht verbergen kann, skizzierte einige Ideen, die er schon häufiger geäußert hat.

Hier eine Auswahl:

  • Info-Veranstaltungen über Greenkeeping, z.B. in der Maschinenhalle, für kleinere Zielgruppen, die aber Multiplikatoren sein können. Zu diesen Zielgruppen gehören u.a. Repräsentanten von Gemeinde, Stadt oder Landkreis sowie regionale Sportgrößen oder Behördenvertreter usw.
  • Nutzen der traditionellen Medien, aber auch dessocial media
    Periodische Veranstaltungen wie Vermittlung von Pflanzenkenntnissen für den Privatgärtner
  • Die jährliche Mitgliederversammlung als Forum für die eigenen Ziele nutzen
  • Einladen der heimischen Lokalredakteure zu einer zünftigen Brotzeit zwischen den einzelnen Aufsitzmähern …
  • Die Medien der Golfanlage nutzen, wie Club-Homepage, Clubzeitschrift oder Clubnewsletter usw.
  • Selbst Fachbeiträge in der „Grünen Fachpresse“ schreiben und dann ans Schwarze Brett heften.

 

Führen Sie auf Ihrer Golfanlage einen zusätzlichen und verpflichtenden Greenkeeper-Abend neben den üblichen Regelabenden ein. Dies schafft, so Niemann, frühzeitig eine „gesunde Akzeptanz“ zum Greenkeeping. Aus den neuen Clubmitgliedern rekrutieren sich in fünf bis zehn Jahren die neuen Clubfunktionäre. Und der Spruch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! – trifft leider auch auf Golfer zu …

 

Ein Blick in den Spiegel

Mit einem Blick in den Spiegel beginnt ein erfolgreiches Selbst-Motivationsprogramm. Dazu zählte Niemann eine Vielzahl von Aspekten auf. Auf mehreren Folien berichtete er, wie jeder von uns, sich mit einfachsten Mitteln selbst motivieren kann.

Anschließend beschrieb Niemann fünf Motivationsfelder und skizzierte dazu einfache Handlungsansätze, wie diese auf einer Golfanlage umgesetzt werden könnten:

  • Persönliche und emotionale Bindung an eine Golfanlage, z.B. durch die verantwortliche Leitung von Projekten, die mit dem Tagesgeschäft des Greenkeeper nicht zu tun haben.
  • Karriereplanung auf einer Golfanlage, z.B. durch einen gezielten Kompetenzaufbau durch entsprechende Weiterbildungsschritte.
  • Freizeit und Selbstbestimmung als Greenkeeper, z.B. durch Arbeitszeitmodelle.
  • Arbeitsklima und Teamentwicklung, auch außerhalb der Greenkeepermannschaft, z.B. durch gemeinsame Aktivitäten mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der anderen Bereiche einer Golfanlage, wie Gastronomie, Golf-Schule sowie Pro-Shop und Clubsekretariat mit Geschäftsführung.
  • Sicherheit und Vergütung, z.B. durch Ganzjahresverträge oder Zielvereinbarungen mit einem entsprechenden Vergütungssystem.


Wenn‘s um Geld geht, Sparkasse

Dieser Werbespruch war die ideale Überleitung zum letzten Teil des Vortrages. Niemann hatte in der Vorbereitung zu diesem Vortrag bei der Sparkasse in Siegen recherchiert. Dort hörte er sich einen Vortrag zum Thema Mitarbeiterbindung an. Dieser Vortrag beschäftige sich mit einigen Maßnahmen, wie ein Unternehmen gute Mitarbeiter an sich binden kann und dies unter dem Aspekt steuer- und sozialversicherungsfrei bzw. begünstigt. Hier einige Ideen, die jeder Greenkeeper mit seinem Schatzmeister und/oder mit seinem Geschäftsführer besprechen sollte, um für beide Seiten auch diese „Steuervorteile“ nutzbar zu machen:

  • Bindung durch tägliche Normalität, der Golfclub überlässt verbilligt oder unentgeltlich den Mitarbeitern Kaffee, Erfrischungsgetränke usw.
  • Gesund leben und arbeiten – wohlwissend, dass Greenkeeper keine Stubenhocker sind, sollten auch sie auf ihre Gesundheit achten. Als Sachzuwendungen könnte z.B. der Zuschuss zu einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio angeboten werden.
  • E-Bike-Leasing – die Krönung. Es gibt wohl nur wenige Greenkeeper, die einen Firmenwagen fahren dürfen. Eine sinnvolle Alternative zum Auto wäre, so die Sparkasse Siegen, ein E-Bike – richtig finanziert, rechnet sich eine Gehaltsumwandlung für beide Seiten.
  • Sachbezüge sind steuerlichbegünstigte Zuwendungen des Arbeitgebers. Es müssen ja nicht gleich Eintrittskarten zu Fußballspielen des BVB oder des FC Bayern sein. Die Freigrenze liegt bei 44 Euro im Monat.


Der (Golf-)Ball liegt im Feld des Greenkeeper

Es gibt kein Patentrezept für (Mitarbeiter-)Motivation. Johann Detlev Niemann beschrieb in seinem Vortrag eine Vielzahl von Möglichkeiten, die jeder Greenkeeper nutzen kann. Entscheidend ist, so der Referent, dass sich jeder mit den einzelnen Ideen kritisch auseinandersetzt und die Machbarkeit prüft. Wenn jeder der interessierten Zuhörer nur drei Impulse aus diesem Vortrag in die Tat umsetzt, waren diese fünfzig Minuten ihr Geld wert, so Niemann mit einem Augenzwinkern.

 

Autor: Thomas Bäder, Vorsitzender

Gewohnt unterhaltsam, aber auch sehr informativ: Johann Detlev Niemann. (Foto: GVD-RV BaWü)
zurück