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In Rio gibt es kein Preisgeld, aber ...

Nun ist unser Golfsport nach 112 Jahren wieder olympisch, zuletzt 1904. Doch viele der Superstars machten einen Bogen um Rio. Nicht nur die besten vier Golfprofis der Welt haben abgesagt, mehr als 20 Spitzenspieler fehlten. Die meisten gaben Angst vor dem Zika-Virus als Grund an. Die Ehrlichkeit darf bezweifelt werden, zumal die Top-Golferinnen nach Brasilien reisten. Grund dürfte eher gewesen sein: Vielen Spitzenspielern passte Olympia nicht in den Terminplan. Vor den Spielen fand zum Beispiel die PGA Championship statt. Preisgeld: 10 Millionen Dollar. In Rio gab es kein Preisgeld.

2017 will das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die künftige Sportarten-Zusammensetzung entscheiden. Für Golf besteht die Gefahr, dann wieder aus dem Programm gestrichen zu werden. Nach den Absagen seiner zahlreichen Konkurrenten stand ein Olympia-Start für Deutschlands Top-Golfer Martin Kaymer nicht zur Debatte. Und er war nicht froh über die Absagen seiner Kollegen. Er übte Kritik am Verhalten der Golf-Stars, aus Angst vor dem Zika-Virus nicht nach Brasilien zu reisen. „Ich sehe es auch als angenehme Ausrede für manche. Ich habe mich damit befasst und kenne die Risiken. Für mich ist es ganz schwer, dafür eine Begründung zu finden“, sagte Kaymer kürzlich im „ZDF-Sportstudio“. Nach den Absagen der Kollegen, so Martin Kaymer weiter im ZDF, sorgt er sich um die olympische Golf-Zukunft.

Auch im ARD-Olympia-Gespräch am Samstag, den 6. August, konnte er sein Unverständnis über die diversen Absagen nicht ganz verbergen. „Eine Mücke habe ich bislang noch nicht gesehen“, so Kaymer, aber er könne die Entscheidung seiner Kollegen nicht beeinflussen. Er konzentriere sich jetzt lieber auf seinen Wettkampf und genieße die Atmosphäre in Rio und im olympischen Dorf, in dem er wohne. Gerade der Kontakt und der Austausch mit den anderen Spitzensportlern aus Deutschland und der ganzen Welt sei eine neue und tolle Erfahrung für ihn. „Ich bin ganz bewusst ein paar Tage früher gekommen“, so Kaymer weiter. „Zwei, drei Stunden trainieren, Fitnesstudio, andere Wettkämpfe besuchen“, so sehe sein Tagesablauf in Rio aus. Der schwere Platz komme ihm entgegen und wenn Anfragen anderer golfbegeisterter Spitzenpsportler kämen, ein paar Bälle zusammen zu schlagen, sehe er dies nicht als Belastung an, das gehöre doch dazu! Sich bei all den Eindrücken und neuen Erfahrungen kozentriert auf das große sportliche Ziel zu konzentrieren, sei nicht immer ganz einfach, schwärmte der sehr sympathisch und locker wirkende Martin Kaymer. „Es wäre ein Fehler gewesen, nicht hierher zu kommen!“

Zu einer olympischen Medaille hat es bei den deutschen Golfern/innen 2016 leider (noch) nicht gereicht, 2020 aber im Visier haben sich die deutschen Spitzensportler - allen voran Martin Kaymer - bestens präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass die sportlichen Leistungen in Rio insgesamt, die z.T. spaktakulären Schläge, aber auch die tolle Übertragung und Moderation/Kommentierung im TV und Web nachdrücklich ein anderes Bild des Golfsports in die Gesellschaft tragen als das ewige Image der „Nischensportart für Besserverdienende“.

Autor: Franz Josef Ungerechts

(Abbildung: www.colourbox.de)
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