Für eine gesunde Zukunft von Golf in Deutschland

Die sich stetig wandelnde Nachfrage nach „Golf in Deutschland“ erfordert eine regelmäßige Überprüfung der Angebote im deutschen Golf. Die Mitglieder des Deutschen Golf Verbandes (DGV) haben dazu auf dem außerordentlichen Verbandstag Ende November 2014 einen Antrag aus ihrem Kreis zur Bildung einer Expertengruppe angenommen, die sich mit einem Konzept für eine „neu strukturierte VcG sowie Vorschlägen zur Eindämmung/Beendigung der Billigangebote“ befassen soll. Diesem Auftrag ist das DGV-Präsidium gefolgt.

Mit Prof. Dr. Helmut Digel als Vorsitzendem (emeritierter Professor für Sportsoziologie an der Universität Tübingen und Vorsitzender des Sportwissenschaftlichen Beirats im DGV), Prof. Dr. Rüdiger Falk (Direktor des Instituts für Sportmanagement der Hochschule Koblenz) sowie Prof. Dr. Gerhard Nowak (Dekan Sportbusiness Management der IST-Hochschule für Management, Düsseldorf) hat der DGV drei anerkannte Experten aus dem Bereich der Sportentwicklung in eine Arbeitsgruppe berufen, die an herausgehobener Stelle in wissenschaftlicher Lehre und Forschung tätig sind und gleichzeitig über Erfahrung im Golfsegment verfügen. Im Interview erklärt Prof. Digel die Thematik.

? Herr Prof. Digel, wie muss man sich die Arbeit einer Expertengruppe zu diesem umfangreichen und auch politischen Thema vorstellen?
Mir war es als Leiter der Expertengruppe wichtig, dass wir zu einem völlig unabhängigen Ergebnis kommen. Wir haben wichtige Repräsentanten des Golfsports in Deutschland angehört. Unter Berücksichtigung verschiedener wissenschaftlicher Expertisen war es möglich, die vielen, zum Teil gegensätzlichen Meinungen einzuordnen und zu bewerten. Es sind dabei keine völlig neuen Erkenntnisse entstanden, aber es war so möglich, einen schlüssigen Kanon von Empfehlungen abzugeben. Daraus kann nun der Verband Schlüsse ziehen. Es muss Ziel sein, dass die Mitglieder auf dem Verbandstag geschlossen hinter der Neuausrichtung stehen, die alle unterschiedlichen Gruppen in ihrer Arbeit unterstützt und jedem den Freiraum seines wirtschaftlichen Handelns lässt.

? Was sind die wichtigen Botschaften Ihrer Empfehlungen?
Der Schlüsselbegriff heißt „Greenfeedifferenzierung“. Wir halten eine möglichst flächendeckende Strategie der Greenfeedifferenzierung zwischen Golfspielern mit und ohne Anlagenbindung für überaus bedeutsam. Bei selbstfinanzierten Sportarten wie Golf ist ein wirtschaftlicher Betrieb der Sportanlagen nur möglich, wenn die mit Investition und Betrieb verbundenen Kosten aus den von den DGV-Mitgliedern erwirtschafteten Einnahmen dauerhaft gedeckt werden.

Es hat sich aber in Deutschland beim Greenfee ein problematisches Preisniveau entwickelt, das falsche Anreize beim Nebeneinander des anlagengebundenen und -ungebundenen Golfs setzt. Denn: Der regionale Vor-Ort-Golfer erbringt seinen relevanten Beitrag zum Betrieb einer Golfanlage solidarisch durch den mindestens an den dortigen Betriebskosten orientierten Mitgliedsbeitrag (bzw. ein entsprechendes Spielrechtsentgelt). Dies darf dann durchaus zu einer wechselseitigen „Belohnung“ durch ein niedrigeres Greenfee auf den jeweils anderen Golfanlagen führen. Der anlagenungebundene Golfer, der sich als „Smart-Golfer“ für ein flexibles Mitgliedschaftsmodell zu geringen Fixkosten entschieden hat, erbringt aber weder durch einen relevanten Mitgliedsbeitrag, noch durch ein erhöhtes Greenfee einen Solidarbeitrag. (Anm. d. Redaktion: Lesen Sie hierzu auch den Beitrag zum Thema Greenfee-Differenzierung von Prof. Dr. Rüdiger Falk auf S. 10.)

? Und wie passt hier noch die VcG?
Die VcG stand bei uns auf dem Prüfstand mit allen möglichen Szenarien, von deren Beendigung bis zu deren Optimierung und bei der Frage, wie die VcG bei der Golfentwicklung in Deutschland einen konstruktiven Beitrag leisten kann. Es wurde dabei deutlich, dass die Golf-anlagen in den letzten Jahren ihre Angebote mit Alternativmodellen für flexibles Golfspiel erweitert haben, so dass es zu Überschneidungen der Aufgaben kommt. In Zeiten, in denen wir von über 0,2% Wachstum im organisierten Golf sprechen, gilt es allerdings, möglichst viele Angebote in den Golfmarkt zu bringen. Letztendlich ist unsere Empfehlung, die VcG wegen ihrer wichtigen Funktion zur Wahrnehmung von Golf in der Öffentlichkeit und als ein Motor in der Golfergewinnung zu erhalten, sie aber deutlich mehr in der Interessentengewinnung und als Partner der Golfanlagen zur Golfergewinnung zu positionieren. Die Überschüsse der VcG sollen den Golfanlagen zu Gute kommen. Dies war bereits in der Vergangenheit der Fall, da sie Projekte unterstützte, die sonst von den Mitgliedern über Beiträge zu finanzieren wären. Hier muss zukünftig mehr Transparenz und Mitbestimmung durch die Mitglieder erreicht werden.

? Der Verband kann sich jetzt aus Ihren Empfehlungen bedienen?
Es wurde in der Beurteilung der Vorschläge deutlich, dass unsere Empfehlungen einem System von Instrumenten gleichkommen, die nur gemeinsam funktionieren können. Sicher können einzelne Details andere Schwerpunkte erhalten. Es wird aber unbedingt notwendig sein, dass die Themen, vor allem die Greenfeedifferenzierung eine breite Zustimmung erfährt, weil eine nur teilweise Umsetzung zu große Lücken für Geschäftsideen lässt, die den Golfanlagen und vor allem unseren Kunden und Mitgliedern auf den Anlagen schaden werden.

Vielen Dank Herr Prof. Digel für Ihre Ausführungen.

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