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Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Am 21. Januar 2016 fand im Rahmen der diesjährigen Golf- & WellnessReisen das „1. GMVD/PGA Hearing ‚Wir bewegen Golf!‘“ in Stuttgart statt.

Seit 2014 bieten die beiden Golf-Fachverbände PGA of Germany und GMVD ihren Mitgliedern auf bilateraler Ebene gemeinsame Veranstaltungen an. Es geht dabei in erster Linie um eine bessere und engere Zusammenarbeit, insbesondere darum, das sogenannte „Spannungsfeld“ zwischen Golfmanagement und Golfschule bzw. Golflehrer weiter abzubauen.

Derzeit führen beide Verbände ca. 80 Doppelmitglieder in ihren Reihen, also Personen, die sowohl der PGA of Germany als auch dem GMVD angehören. Dieser spezielle Kreis wurde nun erstmalig angeschrieben und nach Stuttgart zum „1. GMVD/PGA Hearing ‚Wir bewegen Golf!‘“ eingeladen. Die einleitenden Worte bzw. Statements sprachen GMVD-Geschäftsführer Andreas Dorsch, PGA of Germany-Geschäftsführer Rainer Goldrian sowie GMVD-Vizepräsident Korbinian Kofler. Bei der im Anschluss an die Vorworte durchgeführten gemeinsamen Diskussion wurden die veranschlagten zwei Stunden voll ausgeschöpft.

Wichtige Aussagen des ersten gemeinsamen Hearings waren u. a.: 

  • Erfolgreich arbeitende Golfclubs bzw. -anlagen können es sich nicht mehr leisten, dass der Golfmanager und der Golflehrer parallel nebeneinander arbeiten, ohne regelmäßig miteinander zu kommunizieren und ohne ihr gegenseitiges Handeln aufeinander abzustimmen 
  • Die wirtschaftlichen Ziele der jeweiligen Golfanlage sollten in einem aktuell stagnierenden deutschen Golfmarkt im Mittelpunkt stehen und -den handelnden Golflehrern bzw. der verantwortlichen Golfschule bekannt sein. Dies ist wiederum eine Bringschuld des Geschäftsführers, Club- bzw. Golfmanagers, der - auf den oder die Golflehrer aktiv zugehen sollte, um wichtige gemeinsame Ziele zu definieren und festzulegen. 


Laut Rainer Goldrian haben sich für die Golfprofessionals in den letzten Jahren die Anforderungen und die Nachfrage nach professionellem Golfunterricht stark verändert. Beispielhaft erwähnte Goldrian in Bezug auf die veränderte Nachfrage, dass die PGA-Pros früher Montagmorgen das Stundenbuch im Club ausgelegt hätten und am Nachmittag sei es in vielen Fällen für die restliche Woche bereits voll gewesen.

Korbinian Kofler, Geschäftsführer des GC München Eichenried, stellt fest, dass der Head-Pro früher mehr Einfluss im Golfclub gehabt hat. Er war der „Platzhirsch“ auf der Driving Range und konnte als „klassischer Einzelkämpfer“ hervorragend wirtschaftlich überleben. Kofler meint, dass es heutzutage wichtig ist, als Golfclub eine Philosophie zu haben, die von allen Mitarbeitern verfolgt wird. Nur ein geschlossenes Auftreten führt zu den gewünschten Erfolgen und sichert das langfristige, wirtschaftliche Bestehen eines mittelständischen Unternehmens wie einer professionell geführten Golfanlage. In Bezug auf die Golfschule sei es notwendig, dass die Golfschulprogramme gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden und dass die Professionals gemäß der Club-Philosophie ausgewählt werden. Regelmäßige, fast tägliche gegenseitige Kommunikation setze das voraus, so Kofler. Er räumt aber auch ein, dass das Modell Eichenried mit einer professionellen Golf-akademie als eigenständige GmbH mit vier festangestellten und sechs freiberuflichen Pros nicht als Vorbild für jede Golfanlage in unseren Breitengraden dienen kann.

Der Präsident des Golf-Verbandes Niedersachsen/Bremen e.V., Gerhard Michalak, der der Veranstaltung gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Joachim Schoetz--au, beiwohnte, stellte das neue eingeführte Honorartrainer-System in seinem Verband kurz vor und sehr positiv heraus. Durch das Hauptamt sei eine viel engere Kommunikation entstanden und viel mehr Tiefe im gegenseitigen Austausch vorhanden. Für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Golfclub und Golflehrer sprach sich Michalak insbesondere für seinen Golfverband für das Modell Basislohn und erfolgsabhängige Vergütung aus. Ein Golfclub muss sich entscheiden, professionell zu arbeiten.

Nathalie Remmel bestätigte den Eindruck, dass es nach wie vor zu „Spannungsfeldern zwischen den beiden Berufsgruppen kommt“. Außerdem besteht aus ihrer Sicht eine geringe Bereitschaft, aus der Selbstständigkeit für den Club etwas zu tun und dass es mitunter am gesamtunternehmerischen Denken und Handeln der Golfprofessionals mangelt. Hier müsse ein Paradigmenwechsel vor allem in den Köpfen stattfinden.

Rainer Goldrian ergänzte, dass der moderne Golflehrer von heute ein kompetenter Gesprächspartner auf der Golfanlage sein muss. Des Weiteren berichtete er auch von einem Spannungsfeld zwischen jungen und alten Pros innerhalb der PGA of Germany. Der Beruf sei im Umbruch, es würden heute „andere Skills“ gefordert als noch vor einigen Jahren. „Es knirscht an allen Ecken und Enden, der Umbruch ist deutlich zu spüren, die zahlreichen Anrufe der älteren Pros in unserer Geschäftsstelle bestätigen diese These“, so Goldrian.

Am Ende des ersten gemeinsamen „Hearings“ wurde von Andreas Dorsch auf die Dringlichkeit eines „gemeinsamen, runden Tisches unter dem Schulterschluss ‚Wir bewegen Golf!‘“ hingewiesen. Dies sollte im ersten Quartal 2016 passieren, um weitere gemeinsame Aktivitäten der im deutschen Golfsport fünf aktiven Golfverbände zu organisieren und zu koordinieren.

Autor: Andreas Dorsch

Foto: Colourbox
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