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Digitale Unterstützung für die Nährstoffplanung

Verfolgt man die Tagungen und Seminare der verschiedenen Fachverbände, aber auch so manches Gespräch abseits der offiziellen Veranstaltungen, so ist die richtige Dosierung bzw. Mischung von Düngersorten bzw. Düngegaben ein gerade für (Halb-)Laien nicht zu entwirrender gordischer Knoten. Zu viele Faktoren, Standort- und Klimabedingungen spielen mit hinein. Dazu kommen die Anforderungen der Golfer an den jeweiligen Platz und die bewusst gewählte Ausrichtung der Plätze. In der Regel geht es trotz guter Aus- und Fortbildung bzw. Erfahrung der Platzverantwortlichen nicht gänzlich ohne fachliche Beratung seitens der Industrie. Dieser Service geschieht bislang meist im persönlichen Kontakt vor Ort, ist zeitaufwändig und muss natürlich von den Firmen eingepreist werden. Einen interessanten und kundenorientierten neuen Ansatz, der unter Umständen eher ergänzend zur bisherigen, ausschließlichen Beratung vor Ort gesehen werden muss, hat nun die Firma EUROGREEN entwickelt: einen Online-Düngekonfigurator.

 

Wir befragten Thomas Peters, Geschäftsführer der EUROGREEN GmbH.

 

? Düngekonfigurator – was kann ich mir darunter vorstellen? Kann ich damit meinen eigenen Dünger zusammenstellen?

 

! Nicht den Dünger, sondern den Düngeplan. Die Basis gesunden Pflanzenwachstums sind die Grundnährstoffe: Stickstoff, Kalium, Phosphor und Mag­nesium. Der Bedarf ergibt sich aus der vorhandenen Bodennährstoffanalyse, Klima- und Wachstumsbedingungen des Standortes, dem Pflanzenbestand, der Nutzungsintensität und daraus folgernd den individuellen Erfahrungen des Greenkeepers. Diese Daten gibt der Greenkeeper ein und erhält die Abfolge entsprechend passender Düngeranalysen. Damit kann er seinen Pflanzenbestand optimal durch die Vegetationszeit führen.

 

? Nehmen wir beispielsweise die Menge an Stickstoff pro Vegetationsperiode. Da gehen die Meinungen weit auseinander.

 

! Richtig. Aber genau das ist ja der Job des Greenkeepers: Sein eigenes Grünmanagement umzusetzen. Deshalb gibt der Konfigurator auch nichts vor, sondern überlässt dem Nutzer die Entscheidung: Wieviel Gramm Rein-N pro Vegetationsperiode möchte ich geben? Flüssig, granuliert oder eine Abfolge von beidem? Wie hoch soll der Langzeit-Anteil sein? Welches N/K-Verhältnis erscheint mir sinnvoll? Dünge ich Phosphor auf Entzug, darüber oder darunter? Alle Optionen können einfach online per Schiebeschalter gesetzt werden.

 

? Und der Computer berechnet dann einen Düngeplan?

 

! … und stellt ihn sofort auf dem Bildschirm oder als Ausdruck dar. Das ist der große Vorteil einer digitalen Anwendung im Internet: Sofort, überall, von jedem. Wer möchte, kann sich auch gleich die Kosten des Vorschlages anschauen – volle Transparenz gehört eben auch zu den Vorteilen.

 

? Der Preis wird ja eigentlich gerne verhandelt. Wie geht der Konfigurator damit um?

 

! Der Preis einer Ware hängt nicht nur mit der Qualität und den Herstellkosten eines Produktes zusammen, sondern auch mit dem jeweiligen Vertriebsaufwand. Will ich regelmäßig besucht werden? Will ich, dass Bodenproben gezogen werden? Der Greenkeeper kann das im Konfigurator zu- oder abwählen und damit seinen Rabatt bestimmen. Das ist fair und nebenbei stellen wir dadurch auch Transparenz über die Kosten solcher Aufwände her.

 

? Wahrscheinlich ist das Angebot auf ­EUROGREEN-Produkte beschränkt?

 

! Im Mercedes-Benz-Auto­konfigurator kann ich natürlich keinen VW konfigurieren. Unser Produktsortiment für Grüns deckt alle Wünsche perfekt ab. Und trotzdem sind Fremdprodukte insofern integrierbar, als der Greenkeeper die gewünschten Nährstoffmengen entsprechend anpasst. Wenn er also nur 5 Gramm Rein-N mit EUROGREEN-Produkten geben will, stellt er den Schiebeschalter entsprechend ein.

 

? Das Angebot ist allerdings auf Grüns beschränkt?

 

! Zunächst. Grüns sind mit Abstand fachlich am anspruchsvollsten bei der Erstellung von Düngeplänen, und die Programmierung war eine echte Herausforderung für unsere Entwicklungsabteilung. Im nächsten Schritt nehmen wir uns Abschläge vor, dann die Fairways.

 

? Werden auch Spezialanwendungen wie beispielsweise Mikronährstoffe oder organische Hilfsstoffe berücksichtigt?

 

! Nicht als Einzelanwendungen. Das bleibt dem Wunsch und der Erfahrung des Greenkeepers überlassen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass unsere Greensdünger mit Mikronährstoffen und mit P56 und unser Flüssigdünger mit zusätzlichen Algenex­trakten diese Spezialanwendung ohnehin abdecken. Grundsätzlich geht es uns aber um eine sinnvolle Basisversorgung. Bei allen Diskussionen um Spezialanwendungen gerät dieser wichtige Zusammenhang manchmal ins Hintertreffen.

 

? Wie gehen Sie mit dem Datenschutz um? Der Kunde muss sicher alle Kontaktdaten eingeben …

 

! Wir haben die „Mitmach-Barriere“ bewusst niedrig gehalten. Die E-Mail-Adresse reicht. Erst wenn wir uns über einen Auftrag freuen dürfen, erwarten wir natürlich die Geschäftsdaten.

 

? Wie sehen Sie die Zukunft einer solchen Anwendung?

 

! Im Augenblick reden alle von Digitalisierung. Dabei muss man unterscheiden: Was spart Zeit, was bietet eine kompetente Unterstützung, was hilft mir wirklich oder ist bloße Spielerei? Der Konfigurator ist aus meiner Sicht ein schönes Beispiel für eine sinnvolle Innovation. Die Verantwortung für gesunde, balltreue Greens liegt nach wie vor beim Greenkeeper, seinem Wissen und seiner Erfahrung. Hier kann der Konfigurator helfen, ohne zu bevormunden. Selbstverständlich stehen auch unsere Fachberater nach wie vor zur Verfügung. Letztendlich wird der Markt es entscheiden.

 

Herr Peters, schönen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der Einführung Ihres Konfigurators!

 

Das Gespräch führte Stefan Vogel (Greenkeepers Journal 01/2019).

Praktisch: der neue Online-Düngekonfigurator von EUROGREEN unter www.eurogreen.de/service
In einer einfach zu bedienenden Eingabemaske unter
www.eurogreen.de/service gibt der Greenkeeper seinen Bedarf an Grundnährstoffen für die Grüns ein. Basis ist eine hierfür benötigte Bodennährstoffanalyse.
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