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Der NEUE DGV-Ausweis

Nun ist es also beschlossen: Die Ausweis-Kennzeichnung wird abgeschafft – und gleich wieder neu eingeführt. In der Tat hat die bisherige Version mit Differenzierung nach Mitglieder-Struktur und Spielrecht offensichtlich wenig Zustimmung in der Golfbranche gefunden. Nun soll es eine neue, rein mitgliederbezogene Kennzeichnung richten: Golfer, deren Wohnsitz innerhalb von 70 km um ihren Heimatclub liegt, erhalten eine Regionalkennung.

Doch auch dieser neue Weg wird nicht konsequent angewendet: Wenn mindestens 85% aller Mitglieder eines Clubs im 70 km-Radius wohnen, erhalten sämtliche Mitglieder die Regionalkennung – unabhängig vom tatsächlichen Wohnort. Und auch bei Clubs, welche die 85% nicht erreichen, bietet der DGV laut Verbandstag Einzelprüfungen an.

So werden die neuen Regeln gleich von Beginn an aufgeweicht. Ob dadurch der heftig diskutierte Kartenhandel über Fernmitgliedschaften eingedämmt wird, darf hinterfragt werden. Gerade Clubs mit über 85% Regionalmitgliedern könnten gar auf die Idee kommen, ungenutzte Kartenkontingente nun an Fernmitglieder zu vertreiben – allerdings mit voller Regionalkennzeichnung, solange die 85%-Grenze eingehalten wird. Wer dagegen vollzahlende Mitglieder hat, deren Hauptwohnsitz mehr als 70 km vom Club entfernt ist und die 85%-Grenze nicht knackt, kann nur auf eine Ausnahmeregelung des DGV hoffen.

Wer weiß, vielleicht vermietet da mancher Club bald günstige Zweitwohnsitze an Mitglieder, um die Regionalität zu sichern ...

Auf dem Verbandstag wurde immer wieder über Wert und Wertigkeit des DGV-Ausweises diskutiert. Denn genau hier setzt die Herausforderung an: Wer in Deutschland, unabhängig von seiner Mitgliedschaft, einem DGV-Club beitritt, erhält einen DGV-Ausweis. Ganz anders in zahlreichen Nachbarländern, beispielsweise England und Schottland: Hier erhalten die Golfer ausschließlich einen Clubausweis – und dieser ist oft, selbst bei weiter entfernt wohnenden Mitgliedern, mit Vergünstigungen in der Gastronomie oder dem lokalen Pro-Shop verbunden. Anders formuliert: Hier wird das Buy Local-Prinzip im Heimatclub belohnt und der Clubausweis gezielt dazu genutzt, einen Golfer an seinen Club zu binden. Doch genau das schafft der DGV-Ausweis nicht: Er bindet den Golfer nahezu komplett an den DGV und eben nicht an den Club.

Auch die Möglichkeit, auf der Rückseite (!) des Ausweises ein Club-Branding anzubringen, ändert daran nichts. Und dieser Umstand führt in letzter Konsequenz auch dazu, dass der Golfer den DGV-Ausweis als eigenständige Leistung unabhängig vom Club sieht – worauf die Kartenhändler gerne ausdrücklich hinweisen. Ob es daher durch die neue Kennzeichnung gelingt, mehr Golfer in die Clubs vor Ort zu bringen, darf zumindest bezweifelt werden. Und auch die Eignung des künftigen Ausweises als Basis der auf dem Verbandstag angeregten Greenfee-Differenzierung erscheint zumindest fraglich, da schon jetzt absehbar zahlreiche Ausnahmen bei der Kennzeichnung zu erwarten sind. Überhaupt, andere Länder differenzieren ohnehin nicht nach Art der Mitgliedschaft im Heimatclub bei Greenfee-Spielern, sondern lieber nach Wochentag, Tageszeit oder anderen Kriterien.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich noch intensiver mit den Motiven der Golfer auseinanderzusetzen, warum sie welche Mitgliedschaften in welchen Clubs anstreben. Denn auch dies wurde auf dem Verbandstag deutlich: Die Golfspieler, die mit ihrem Clubbeitrag und der darin enthaltenen Verbandsabgabe letztlich die Hauptzahler sind, haben keinerlei Stimme im Verband. Golfprofessionals haben die PGA, Golfmanager den GMVD, Golfanlagen den BVGA, nur die Golfspieler bleiben bisher ohne Stimme und vielfach auch ohne Gehör. Da ist die VcG fast schon basisdemokratisch, wenn bei ihr ein Drittel der Vorstandsmitglieder aus den Reihen der Spieler gewählt wird …

Autor: Michael Althoff

Michael Althoff Geschäftsführender Gesellschafter der MC Management Consulting GmbH, einer auf Touristik und Servicemanagement spezialisierten Unternehmensberatung mit Sitz in Bensheim
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