Das ungeschriebene Gesetz: Professionals spielen für lau!?

Golfprofessionals spielen gratis. Jederzeit und auf jedem Platz der Welt. Tatsächlich? Gibt es ein Anrecht auf die Gratis-Runde für PGA Golfprofessionals, oder ist es jedem Club selbst überlassen, ob er dieses ungeschriebene Gesetz in die Tat umsetzt?

 

Ich habe noch nie in meinem Leben irgendwo auf der Welt Greenfee bezahlt“, erzählt etwa Heinz Fehring. Der PGA Ehrenpräsident weiß aber auch, was sich gehört, um als Gast auch ohne Obolus willkommen zu sein. Die PGA of Germany hat Anlagenbetreiber und Professionals zum Thema befragt. Und festgestellt: Keinesfalls gehen Professionals überall und jederzeit zum Nulltarif auf Birdiejagd. Es ist schon ein paar Jahre her, aber die Erfahrung hat doch bleibenden Eindruck hinterlassen: „Auf Teneriffa mussten wir mal eine Anlage unter Polizeibegleitung verlassen: Da hatten wir uns zwar völlig korrekt als Trainingsgruppe angemeldet, das Sekretariat aber hatte trotz Zusage den Head-Professional nicht informiert, dass wir kommen.“ Als Stefan Quirmbach begann, seine Reisegruppe auf dem Platz zu coachen, intervenierte der lokale Golfschul-Chef auf drastische Weise. Ein Missverständnis, das sicher die Ausnahme ist und die Folge mangelnder Kommunikation, in dem Fall zwischen Clubsekretariat und Head-Professional. Aber auch ein Beispiel, das zeigt: Kommunikation ist der Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung des ungeschriebenen Gesetzes, dass PGA Golfprofessionals umsonst spielen und willkommen sind, erst Recht, wenn sie Gastspieler mitbringen. Es ist eine Portion diplomatisches Geschick gefragt, wenn es um Gratis-Spiel auf anderen Anlagen geht, auch auf Seiten des Clubs, vor allem aber auf Seiten des Professionals, der dieses Entgegenkommen in Anspruch nehmen möchte. Denn für „lau“ an den Abschlag zu dürfen, ist nichts anderes als das: Ein Entgegenkommen des Gastgeberclubs auf freiwilliger Basis, ohne jeglichen Rechtsanspruch.

 

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das mehr oder weniger in der ganzen Welt angewandt wird“, weiß Heinz Fehring. „Ich habe selbst nicht ein einziges Mal Greenfee bezahlen müssen, nicht einmal an der Costa del Sol, in Florida oder Palm Springs.“ Abgesehen vom Cart-Fee und den Ausgaben am 19. Loch fällt für den ehemaligen World-Cup-Teilnehmer keine große Ausgabe an, was aber vor allem mit zwei Dingen zu tun hat: Zum einen hat der Name Heinz Fehring weltweit einen exzellenten Klang in der Golfwelt: Der ehemalige Lehrherr von Bernhard Langer, PGA Ehrenpräsident und renommierte Golfplatz-Architekt war oder ist Mitglied in den führenden Gremien und Institutionen des Golfsports. Außerdem weiß der 76-jährige, was sich gehört, wenn man eine Vergünstigung erbitten möchte: „Man muss sich rechtzeitig im Voraus beim Home-Pro erkundigen, was die Voraussetzungen für kostenfreies Spiel sind, und wann das möglich wäre.“ Im Normalfall folgt dann die Einladung durch den Kollegen. Der Ton macht wie so oft auch hier die Musik. Dabei gilt es, drei Fälle von Anfragen zu unterscheiden: Der Professional spielt eine reine Privatrunde zum persönlichen Vergnügen, er bringt eine Gruppe von Gastspielern mit, mit denen er auf die Runde geht, oder er okkupiert mit seiner Gruppe auch die Trainingsanlagen und erteilt Unterricht auf Range und Putting Grün. Während viele Clubs in Deutschland ein bis drei Privatrunden pro Saison ohne Entgelt oder gegen einen symbolischen Obolus erlauben sowie weiteres Spiel zu reduziertem Greenfee, sind Professionals, die zahlende Gäste bringen, selbst meist eingeladen. Der begleitende PGA Golfprofessional bringt zwei oder drei Amateure mit und spielt selbst kostenlos, schließlich verschafft er dem Club Umsatz nicht nur auf dem Greenfee-Konto, sondern meist auch noch in der Gastronomie und im ProShop.

 

Privatrunde oder Training mit Schülern?

Weitaus sensibler ist die Situation, wenn der Pro mit seinen Schülern nicht nur den Platz spielen, sondern auch die Übungsanlagen zum Training mit seiner Gruppe nutzen will. Spätestens in diesem Fall ist es nicht nur eine Frage des guten Tons und der Etikette unter Kollegen, sondern völlig unverzichtbar, im Vorfeld Kontakt mit dem lokalen Golfprofessional aufzunehmen. „Es ist einfach schlecht, wenn ich morgens um neun Uhr auf meine Anlage komme und dort belegt ein Kollege mit seiner Gruppe für zwei Stunden das Putting-Grün, ich habe aber selbst ab zehn Uhr einen Kurzspiel-Kurs angesetzt“, so Stefan Quirmbach, Inhaber der Golfschule im GolfResort Hardenberg. Wer dagegen im Vorfeld ankündigt, dass er die Anlage fürs Training nutzen möchte, ist willkommen. „Man kann sich dann absprechen.“ Clubs, die zu diesem Punkt klare Regeln formulieren und bei allen ihren Mitarbeitern sowie auch nach außen kommunizieren, heben eine Grauzone auf – und berichten durchweg von guten Erfahrungen. Roman Graf, selbst PGA Golfprofessional und Betreiber des Golf-Resort Bitburger Land, gibt den Pro-Passus auf seiner Website bekannt: Bis zu dreimal im Kalenderjahr lädt er Kollegen ein, wer fünf Greenfeespieler bringt, schlägt generell gratis ab. Im Kölner Golfclub spielen PGA Golfprofessionals zweimal im Jahr ohne zu bezahlen, weitere Runden kosten halbes Fee. „Ein gutes Goodwill, aber aus unternehmerischer Sicht muss man es begrenzen“, sagt gleichwohl Guido Tillmanns, Betreiber und Geschäftsführer der Kölner Anlage. „Denn übers Jahr ist das Pro-Fee ein gutes zusätzliches Einkommen.“ Sein Kollege Mike McFadden vom GC Jakobsberg schätzt, dass er pro Saison zwischen 100 und 200 Gratis-Golfrunden an Fully Qualified PGA Golfprofessionals verschenkt. PGA Assistenten zahlen bei ihm halbes Greenfee. „Ich tue das sehr gerne, die meisten Gratis-Runden werden ohnehin in der Nebensaison und zu Randzeiten in Anspruch genommen.“ Und McFadden sieht darin nicht nur eine kollegiale Gefälligkeit: „Golfprofessionals sind sehr gute Werbeträger. Sie selbst spielen gratis, bringen aber Gruppen auf die Anlage und ins Hotel, viele sehr regelmäßig und seit vielen Jahren. Wir unterstützen Gast-Professionals deshalb so gut wir können!“ Allerdings macht auch hier der Ton die Musik: „Ich hasse Leute, die einfach hier aufkreuzen, ihren PGA Mitgliedsausweis auf den Tisch knallen und nach einem Rabatt fragen. Denen erkläre ich dann schon mal, wie das eigentlich funktioniert.“ Nämlich auch in diesem Fall mit einem Telefonat oder einer E-Mail im Vorfeld des Besuchs. McFadden: „Dann lade ich den Kollegen sehr gerne ein, gegebenenfalls auch seine Frau!“ Gute Erfahrungen hat McFadden weltweit selbst als Gast in Clubs gemacht, schon in vielen Ländern umsonst gespielt, aber stets nach entsprechend höflicher Anmeldung beim lokalen Kollegen. „Wobei ich festgestellt habe, dass es insbesondere in den USA viel einfacher ist, als Club-Präsident, der ich ja auch bin, eine Einladung zu erhalten, als eine Gratis-Runde als Professional.“ Was auch an der hohen Zahl an Pros in den Vereinigten Staaten liegt, die Top-Anlagen geradezu heimsuchen. Auch in Kanada gilt das Gratis-Spiel als „ungeschriebenes Gesetz“, wie Matt Allen von der PGA of Canada bestätigt. Doch gerade in Nordamerika scheint die hohe Anzahl an Professionals und die in manchen Clubs hohe Nachfrage nach Gratis-Greenfees dazu zu führen, dass völlig freies Spiel in Top-Clubs immer weniger angeboten wird. Ein Insider hält es sogar für denkbar, dass für manchen die Möglichkeit, selbst kostenfrei zu spielen, einen großen Anreiz darstellt, PGA Mitglied im Status Playing Professional zu werden. Entsprechend rufen Clubs in Nordamerika oftmals generell ein „Pro-Fee“ auf, bei dem sie Rabatte zwischen zehn und 50 Prozent einräumen, aber kein völlig freies Spiel.

 

Feedback nach dem Besuch

So entscheidend es ist, seinen Besuch sowohl im Sekretariat als auch beim verantwortlichen Head-Professional oder Golfdirektor anzumelden, so wichtig ist auch das Feedback nach der Runde: „Es muss immer ein Geben und Nehmen sein“, so Stefan Quirmbach: „Ich mache es grundsätzlich so, dass ich nach einer Runde dem Golfclub Feedback gebe – entweder im Sekretariat oder anschließend per E-Mail. Da gebe ich positive Eindrücke weiter, aber auch mal einen Hinweis, wo noch etwas optimiert werden kann. Das können Hinweisschilder sein oder ein Bunker-Shaping.“ Ein Feed­back, auf das Anlagenbetreiber großen Wert legen: „Wenn nach der Runde neben dem Dankeschön fürs Gratis-Spiel auch eine kurze Rückmeldung zum Club und zum Platz kommt, dann hat auch der Anlagenbetreiber etwas davon“, so Andreas Dorsch, Geschäftsführer des Golf Management Verband Deutschland (GMVD) und jahrelang selbst Clubmanager. Und GMVD-Präsident Korbinian Kofler, Geschäftsführer des GC München Eichenried, ergänzt: „Für den Club ist es durchaus interessant, wenn man die Pros nach der Runde einfängt und sich deren Urteil über den Platz anhört, um besser zu werden. Ab und an sind ja auch namhaftere Spieler dabei, die eventuell bereit sind, beim Jugendtraining als Überraschungsgast vorbeizukommen.“ Für Playing Professionals, die Eichenried, Heimat der BMW International Open, als Trainingsbasis wählen, bietet der Club sogar eine spezielle Playing-Pro-Mitgliedschaft an. Im GC St. Leon-Rot nimmt Geschäftsführer Eicko Schulz-Hanßen bis zu zehn Tourspieler kostenfrei als Mitglieder auf, wenn die den Vorzeige-Club aus dem Kraichgau offiziell zu ihrem Trainingsmittelpunkt machen. Mitglieder der PGA of Germany können dreimal im Jahr für fünf Euro Greenfee spielen. Anmeldung im Sekretariat ist Pflicht.

 

Grenzen der Pro-Rabatte

Und wohlgemerkt: Allein Mitglieder der PGA of Germany kommen in den Genuss dieses symbolischen Greenfees, der Rabatt gilt in St. Leon-Rot nicht für Mitglieder anderer PGAs, und schon gar nicht für Professionals, die keiner PGA angehören. Wer also beispielsweise mit einem Ausweis von WGTF, GGTF oder anderer Organisationen im Service-Center auf der Matte steht, zahlt volles Amateur-Greenfee. Auch im bayerischen GC Starnberg erleichtert der PGA-Ausweis das Spiel zum Nulltarif – wer diesen vorlegt, ist automatisch als eingeladener Gast willkommen, für andere Professionals gilt das nur eingeschränkt. Und Vanessa Herbon bestätigt für das A-ROSA Scharmützelsee in Bad Saarow: „Bei uns kommen ausschließlich PGA Golfprofessionals in den Genuss, ohne Greenfee spielen zu dürfen. Diese laden wir gerne ein. Mitglieder anderer Pro-Organisationen lehnen wir generell ab.“ Für alle Anfragenden gilt jedoch: Wer übermäßig oft anklopft und die Großzügigkeit der Clubs ausnutzt, muss damit rechnen, auch mal abgewiesen zu werden.

 

Fazit

Der PGA Mitgliedsausweis öffnet demnach oft die Türen zu Gratis-Spiel oder günstigem Preis – und zwar weltweit. Aber er ist mitnichten ein Freifahrt- oder gar Berechtigungsschein für das Spielen für lau. Clubs haben keinerlei Verpflichtung, PGA Mitglieder gratis an den Abschlag zu lassen. Wer sich aber an die Etikette und den PGA Code of Ethics hält und sich an die gute Kinderstube erinnert, sich im Vorfeld beim Club und dem dortigen Kollegen anmeldet, der wird in den seltensten Fällen abgewiesen werden und muss dann entweder gar kein Greenfee zahlen oder erhält einen deutlichen Rabatt. Als freundliche Geste unter Kollegen.

 

Autor: Matthias Lettenbichler | golfmanager 04/2017

Foto: iStock / PGA
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