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Bundesverband Golfanlagen und Drees & Sommer vereinbaren Partnerschaft

Ziel der Kooperation ist es, Golfplatzunternehmer erfolgreich bei der Konzeptionierung und Umsetzung von Energie- und Klimastrategien bzw. -projekten zu beraten. Beide Organisationen möchten so einen Beitrag zum Erreichen europäischer Klimaziele leisten, indem sie Golfplatzunternehmen unterstützen, um damit den Wan del zu grüner Energie erfolgreich zu gestalten. BVGA Wirtschafts-GmbH-Geschäftsführer Thomas Hasak: „Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit im Zuge der Entwicklung klimafreundlicher Geschäftsmodelle, um so die Wettbewerbsfähigkeit der Golfanlagen weiter zu stärken.

 

Im Gespräch mit dem golfmanager erläutert Klaus Dederichs, Partner der Drees & Sommer SE Näheres:

Lieber Herr Dederichs, könnten Sie Ihr Unternehmen und die damit verbundenen Leistungen kurz vorstellen?

Als führendes europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen begleitet Drees & Sommer private und öffentliche Bauherren sowie Investoren seit über 50 Jahren in allen Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur – analog und digital. Dadurch entstehen wirtschaftliche und nachhaltige Gebäude und Quartiere, rentable Immobilienportfolios, menschenorientierte Arbeitswelten sowie visionäre Mobilitätskonzepte. In interdisziplinären Teams unterstützen die über 5.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an weltweit 59 Standorten Auftraggeber unterschiedlichster Branchen. Alle Leistungen erbringt das partnergeführte Unternehmen unter der Prämisse, Ökonomie und Ökologie zu vereinen. Diese ganzheitliche Herangehens¬weise heißt bei Drees & Sommer „the blue way“.

 

Aktuell sind Klimaaktivisten immer wieder auch auf Golfanlagen präsent. Wie sehen Sie die Möglichkeit, Golfanlagen aus der Rechtfertigungsecke zu befreien?

Golfanlagen sollten in der Zukunft CO2-neutral sein und so einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende leisten. Einer der wichtigsten Punkte ist die Visualisierung und kontinuierliche Darstellung des Wasserverbrauchs bezogen auf die Gesamtfläche der Golfanlage. Auch die Darstellung der Energieverbräuche der Golfanlage im Verhältnis zur Eigenenergie-Erzeugung über Photovoltaik in Kombination mit Batteriespeicherung und die Darstellung der verursachten CO2-Emissionen kann hilfreich sein. Der Umstieg von Benzinmäher auf Elektromäher, die Anpassung des Heizungssystems der Clubräume von Öl/Gas auf Wärmepumpen-Technik sowie die Umstellung in den Restaurants beim Kochen von Gas auf Elektro, sind wichtige Schritte im Rahmen einer CO2-Neutralitätsstrategie. Womit viele Golfanlagen aufgrund ihrer Lage zu kämpfen haben, ist die Bereitstellung von Energie. Daher sollte die Energie-Autarkie der Golfanlagen durch eigenerzeugten Strom (Photovoltaik, Windkraft, Grüner Wasserstoff) im Vordergrund stehen. Zertifizierungssysteme – ähnlich wie eine DGNB-, LEED-, BREAM-Zertifizierung für Immobilien und Quartiere –  könnten einen wichtigen Beitrag zur Darstellung der Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit sein.

 

Könnten Sie uns mehr darüber erzählen, wie es zur Kooperationspartnerschaft mit dem Bundesverband Golfanlagen (BVGA) gekommen ist?

Ich bin selbst leidenschaftlicher Golfer und Mannschaftsspieler für den Golfclub Gut Lärchenhof. In den letzten Jahren konnte ich viele Golfanlagen national und international spielen. Als Fahrer eines Elektrofahrzeuges erlebe ich jedoch überwiegend, dass die wenigsten Golfanlagen ein nachhaltiges Lademanagementsystem besitzen. Des Weiteren sehe ich oft, dass weder die Dachflächen der Clubhäuser, noch die Lager- und Geräteflächen, noch die Parkflächen oder Flächen der Abschlagboxen mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet sind. Oft sind auch die großen Grünflächen neben dem Golfplatz ungenutzt! Mein guter Golffreund und Manager der Golfanlage an der Elfrather Mühle in Krefeld – Hubertus Kühne – stellte den Kontakt zum BVGA her. In den ersten Gesprächen mit Thomas Hasak stellten wir fest, dass es kein Gesamtkonzept für Golfanlagen in Bezug auf ein strategisches Lademanagement für Kfz, Golfcarts und Elektromäher gibt. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, Kooperationspartner des BVGA zu werden, um auch hier einen Beitrag zur CO2-Neutralität national, aber auch zukünftig international zu leisten. Letztlich gibt es 722 Golfanlagen in Deutschland und rund 35.000 Golfplätze mit 3 Millionen aktiven Golfern weltweit.

 

Wie können Golfanlagen im Rahmen eines gemeinsamen Projektes Synergien und Kräfte bündeln?

Grundsätzlich brauchen alle Golfanlagen ein holistisches Gesamtkonzept: Sie müssen zum einen die gestiegenen Energiekosten in den Griff bekommen und zum anderen ein Konzept zur Erreichung der CO2-Neutralität und der Energie-Autarkie erreichen. Ein nachhaltiges Ladeinfrastruktur-Konzept kann nur in der Kombination aus selbst erzeugtem Strom auf der Golfanlage und einer Digitalisierungsstrategie sein. Bidirektionales Laden der Fahrzeuge, der Mäher und Golfcarts in Kombination mit einem KI-gestützten Lade- und Energie-Managementsystem werden der Schlüssel für die Golfanlagen der Zukunft sein. Golfanlagen sind von den Strukturen doch sehr ähnlich aufgebaut. Daher macht ein Gesamtkonzept für alle Golfanlagen Sinn. Mit dem BVGA wollen wir für alle Mitglieder ein Gesamtkonzept auch unter Betrachtung von Fördermöglichkeiten erarbeiten. Jedes BVGA-Mitglied zahlt daher nur einen geringen Beitrag für die Nutzung des Gesamtkonzepts. Nach Umsetzung des Gesamtkonzepts (Ziel 06/2024) erfolgt dann die Umsetzung „customized“, also maßgeschneidert für jede Golfanlage, die sich am Gesamtkonzept beteiligt hat. Das spart Kosten und Ressourcen. Ziel ist es auch, ein gemeinsames Buchungs- und Abrechnungssystem zu integrieren. Eine große Kostenreduzierung ist dann auch durch eine gemeinschaftliche Einkaufspolitik – zum Beispiel für eine gemeinschaftliche Ausschreibung für Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Batteriespeicherung – und dergleichen möglich.

 

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich eine Golfanlage in der Zukunft vor, die sich intensiv mit den Themen Klima-, Energie- und Wassermanagement auseinandergesetzt hat?

Die Zukunft der Golfanlagen liegt in der CO2-Neutralität, der Energie-Autarkie, der Digitalisierung und der Verwendung von Baumaterialien nach dem Cradle to Cradle Prinzip (C2C). Eine gut aufgestellte Golfanlage der Zukunft hat ein nachhaltiges, digitalisiertes, KI-unterstütztes Energie- und Wassermanagement, das den wirklichen Bedarf der Pflanzen berücksichtigt: Das ist der Schlüssel für einen nachhaltigen Betrieb. Auch profitiert sie von einem digitalen Lademanagement, das gleichzeitig auch die Mobilitätswende unterstützt. Ein Zertifizierungssystem in Bezug auf die CO2-Neutralität liefert dabei auch einen wichtigen Beitrag zur Darstellung in der Öffentlichkeit.


Drees & Sommer steht den Golfanlagen mit seinen Energie- und Nachhaltigkeitsexperten, seinem Expertenteam zum Thema Photovoltaik, Lademanagement, Windkraft und Wasserstofferzeugung sowie Digitalisierung zur Verfügung. Aber auch im Bereich Fördermanagement wie bei der gemeinschaftlichen Entwicklung eines Zertifizierungssystems können wir dank unserer Kooperation mit vielen Universitäten und Zertifizierungssystemen Golfanlagen-Betreiber unterstützen.   

 

Herr Dederichs, besten Dank für Ihre Ausführungen.


Stand: golfmanager 5/2023

 

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