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Britisches Militär gibt Golfanlage frei

Tief im Westen der Republik, unweit der Grenze zu den Niederlanden, liegt Elmpt, ein kleiner Ort, der nicht jedem Bundesbürger bekannt sein dürfte. Elmpt ist einer von vier Ortsteilen der Gemeinde Niederkrüchten -- (ca. 15.000 Einwohner) im nordrhein-westfälischen Kreis Viersen.

Bekannt ist das Dorf durch den ehemaligen Flugplatz der Royal Air Force (damals Javelin Barracks/Elmpt Station genannt). Die letzten britischen Militärflugzeuge wurden 2008 abgezogen; bis 2009 diente der Platz noch als Basis für Hubschrauber. Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens Elmpt befindet sich ein zirka 80 Hektar umfassender Golfplatz. Der wurde 1954 von der Royal Air Force als Sportstätte für Soldaten und Bedienstete erbaut, sorgsam gepflegt und weiterentwickelt. Der Golfplatz ist eingebettet in einer schönen Park- und Heidelandschaft, weit entfernt von jedwedem Verkehrslärm, ideal für Golf von seiner schönsten Seite. Der sandige Boden sorgt für eine schnelle Entwässerung und garantiert eine ganzjährige Bespielbarkeit.

Nach der Ankündigung des britischen Verteidigungsministeriums im Jahre 2010, den Standort Elmpt aufzugeben, vereinbarte der britische Armeeclub und der neu gegründete Europäische Golfclub Elmpter Wald e.V. (EGCEW) eine britisch-deutsche Golf-Allianz, um den Course auch nach dem Abzug des Militärs zu erhalten. Der EGCEW wurde im Dezember 2006 gegründet und ist seit März 2011 Mitglied im Deutschen Golf Verband. Der Verein hat am 1. Juni 2015 den Spielbetrieb auf der Golfanlage vom britischen West Rhine Golf Club übernommen. Nach der Freigabe des Geländes durch die britische Armee am - 13. November 2015 hat der EGCEW den Golfplatz langfristig gepachtet. Mit dem Betriebsübergang wurden die bisherigen Mitarbeiter des britischen Clubs übernommen.

Ehrenamtlicher Geschäftsführer des EGCEW ist Dr. Hans Albert Kirchhofer, der im letzten Jahr, im Rahmen seiner DGV-Golfmanagement-Ausbildung, eine Machbarkeitsanalyse mit Marktanalyse und Fünf-Jahres-Finanzplan für die Übernahme einer bestehenden Golfanlage mit 18 Löchern, Clubhaus und Übungsanlagen zur Prüfung zum Golfbetriebswirt (DGV) vorlegte. Themenstellung und Betreuung kamen dabei von Dieter von Restorff, Dipl. Betriebswirt (FH).

Diese Hausarbeit, die wir in Auszügen veröffentlichen, war und ist Grundlage für die konzeptionelle Ausrichtung des EGCEW. Sie bildete die Basis für die Vertragsverhandlungen mit der britischen Militärverwaltung, dem West Rhine Golf Club und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Seit 1.6.2015 verantwortet der EGCEW den operativen Golfbetrieb in Elmpt. Im Rahmen der Betriebsübernahme wurden Personal und Maschinenpark zu sehr günstigen Konditionen übernommen. Mit der Rückgabe des Militärgeländes an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben am 13.11.2015 trat der Pachtvertrag mit einer langfristigen Laufzeit in Kraft. Mit der Bundesanstalt wurde ein marktgerechter Pachtzins vereinbart, wobei jedoch auch die besonderen Bedingungen von Konversionsflächen Berücksichtigung fanden.

Aufgaben

Umstellung der Cluborganisation und des Spielbetriebs auf deutsche Bedingungen (Mitgliederverwaltung, Personalwesen, Buchhaltung, Steuern, Clubverwaltungssoftware, Handicap-System, Arbeitsschutz, Umweltschutz etc.). Außerdem muss das übernommene Personal entsprechend aus- und fortgebildet werden. Die Umbruchsituation erfordert eine intensive Betreuung der Mitglieder, damit sich eine Vereinskultur entwickelt, die durch eine hohe Kundenbindung gekennzeichnet sein soll. Für die Weiterführung des Golfbetriebs im Jahre 2016 bedurfte es einer Duldungsgenehmigung des Kreises Viersen und des Regierungspräsidenten Düsseldorf. Der Club hatte deshalb detaillierte Pläne der Golfanlage samt Aufbauten vorgelegt. Dazu zählen Aussagen zu Art und Umfang des Golfbetriebs, Brandschutz und Rettungswesen etc.

Aufnahme von Flüchtlingen

Seit dem 11. Dezember 2015 dienen die dem Golfplatz vorgelagerten ehemaligen Javelin Barracks der Aufnahme von 2.500 Asylsuchenden und Flüchtlingen. Diese Einrichtungen sind bis 30. Juni 2016 als Notunterkünfte vorgesehen. Ab Juli 2016 ist die Umwandlung und Verkleinerung der Fläche in eine zentrale Unterbringungseinrichtung für die Erstaufnahme von Asylbewerbern für den Zeitraum von fünf Jahren für dann ca. 1.000 Personen geplant.

Aktuell haben sich mit dieser Errichtung der größten Flüchtlingsunterkunft in NRW im nordöstlichen Teil des ehemaligen Militärgeländes und der Aufnahme großer Flächen im westlichen Teil in das Bundesprogramm „Nationales Natur-Erbe“ ernste Probleme hinsichtlich der Zufahrt und der Erschließung der Golfanlage ergeben.

Trotz dieser Unsicherheiten wurden seit Dezember 2015 bereits erste Projekte (Investition ca. 150.000 Euro) umgesetzt. Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wurden von der Gesamtversorgung abgekoppelt, eine Kleinkläranlage gebaut, Trinkwasser wird gefiltert und über einen Brunnen bezogen. Wegen der exponierten Lage des Golfplatzes und der damit gehäuft auftretenden Schäden durch Wildschweine wird der Golfplatz mit einem durchgehenden Elektrozaun geschützt.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen im Jahr 2015 ist entgegen der allgemeinen Entwicklung erfreulich positiv. Empfehlungsmarketing und das bewährte Golfkurs-Angebot haben sich als wirksame Instrumente erwiesen. Auch der Jahresabschluss 2015 weist eine gute finanzielle Situation aus. Gute Vertragskonditionen und die stabile Mitgliederentwicklung waren hier ursächlich und lassen den Vorstand trotz aller Probleme hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Vision

Ziel ist es, dass die Golfanlage Elmpt als sportlich attraktiver, durch guten Pflegezustand überzeugender und abwechslungsreich gestalteter Platz im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zwischen Mönchengladbach und Roermond wahrgenommen wird. Die Anlage soll in wenigen Jahren die Heimat eines bekannten, mitgliederstarken und wirtschaftlich soliden Golfclubs in der Euregio Rhein-Maas-Nord werden.

Standort mit gutem Marktpotenzial

Der Golfplatz ist über die Autobahn 52 mit der direkt zugeordneten Abfahrt Elmpt verkehrsmäßig günstig und schnell für GolferInnen der Region Mönchengladbach, Viersen, Roermond erreichbar. Im Umkreis von 30 PKW-Minuten leben ca. 810.000 Personen (D: 609.000, NL: 201.000). Die Bevölkerungsdichte und die Kaufkraft sind im näheren Umfeld für Golfanlagen als gut zu bewerten. Die golfspezifischen Kennzahlen deuten auf eine reife Marktphase hin. Mit geeignetem Marketing und Produktvarianten lassen sich Marktanteile weiter ausbauen.

Das Angebot richtet sich an eine breite Bevölkerungsgruppe diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze. Besonders die Generation 50+ sowie junge und sportlich ambitionierte, auch bislang nicht oder nicht mehr organisierte Golfer sollen angesprochen werden.

Leitlinien für den Betrieb

  • Golf für eine breite Interessentengruppe.
  • Britische Atmosphäre im Club, auf dem Platz und besonders im Clubhaus sowie die traditionell bedingte Internationalität des Clubs erhalten.
  • Mit nachhaltiger Pflege Mitgliedern und Gästen eine angenehm spielbare, aber dennoch sportlich herausfordernde Anlage in gutem Zustand bieten.
  • Die besondere ökologische Vielfalt von Fauna und Flora des Golfplatzes mit Sorgfalt pflegen und erhalten.
  • Unter normalen Witterungsbedingungen einen nahezu ganzjährigen Betrieb.
  • Für Einsteiger und Anfänger eine gute Übungseinrichtung mit kostengünstigen Kursangeboten.
  • Ein motiviertes, kunden-- orientiertes Team offeriert ein innovatives nutzungsabhängiges Produktangebot mit gutem -Service.
  • Fairness gegenüber Konkurrenten im Markt. 

Einzugsgebietsanalyse Im Auftrag des EGCEW hat die Project M GmbH Lüneburg 2014 eine Analyse für die Einzugsgebietszonen und 45 PKW-Minuten um den Standort Niederkrüchten-Elmpt erstellt. Wichtige Kernaussagen der Potenzialanalyse sind:

 

  • Die Bevölkerungsdichte ist im näheren Umfeld bis 30 Minuten für Golfanlagen als gut zu bewerten (D: 609.000, NL: 201.000).
  • Die Altersstruktur im Einzugsgebiet wird als grundsätzlich nicht schlecht beurteilt, obwohl die Gruppe der 50- bis 64-jährigen leicht unterrepräsentiert ist.
  • Der Kaufkraftindex für den deutschen Teil liegt im Vergleich zum Wert für Gesamtdeutschland im durchschnittlichen Bereich. Trotz durchschnittlicher Kaufkraft könnte mit attraktiven Angeboten, nachfragegerechten Preisen und professionellem Marketing eine höhere Golfverbreitung erreicht werden. 


Konkurrenzanalyse

Im Einzugsgebiet ist sowohl im deutschen als auch im niederländischen Bereich eine überdurchschnittliche Golfplatzdichte zu verzeichnen.

Im Produktbereich kann die Golfanlage Elmpt mit einem vom Design und von der Lage her attraktiven, naturbelassenen Platz punkten. Sie hat allerdings Schwächen bei den übrigen Einrichtungen: Clubhaus, Sozialräume, Gastronomie und im Servicebereich. Unter Beachtung dieser Tatsachen ergibt sich in der Preisgestaltung unter Konkurrenz-Gesichtspunkten nur ein geringer Spielraum bei den Jahresmitgliedschaften mit vollem Spielrecht. Wichtig für die Produktpolitik der Golfanlage Elmpt ist es, einen unverwechselbaren Platz im Markt des Einzugsgebietes zu finden.

Folgende Merkmale sollen zu einer charakteristischen Positionierung führen:

  • Typisch britischer naturbelassener Parkland-Platz, ansprechendes Erscheinungsbild, guter Pflegezustand.
  • Öffentliche Ausrichtung, Ansprache breiter Bevölkerungsgruppen nach angloamerikanischen Vorbild.
  • Schrittweise Annäherung an den Golfsport für Einsteiger (Kurse, Einstiegsmitgliedschaften).
  • Abbau Barriere Zeitaufwand (9-Löcher-Turniere/EDS Runden, 9-Löcher-Greenfee).
  • keine Wartezeiten. 


Leitbild

Der Club ist sich seiner britischen Wurzeln bewusst und will in dieser Tradition dazu beitragen, Golf als Breitensport nach anglo-amerikanischem Vorbild zu etablieren. Der EGCEW versteht sich als Gastgeber für alle Golfer und alle Golf-interessierten, die das Spiel erlernen wollen. Dabei spielen Alter, soziale Herkunft oder Stellung, Nationalität sowie Handicap keine Rolle.

Der Club will Spezialist für Golfanfänger werden. Interessenten und Gäste können zu akzeptablen Konditionen Golf erlernen und auf einfache, abgestufte Weise Mitglieder werden.

Der über 60 Jahre alte Golfplatz fügt sich nahtlos ein in die umgebende Wald- und Heidelandschaft des Naturparkes De Meinweg/Maas-Schwalm-Nette. Natur und Landschaft zu achten und zu pflegen, ist für den EGCEW eine besondere und dauerhafte Verpflichtung. Eine nachhaltige Golfplatzpflege soll mithilfe des Umwelt- und Qualitätsmanagement-Programms „GOLF&NATUR“ praktisch umgesetzt werden.

Guter Service, ein gepflegter, erlebnisreicher Platz sowie eine funktionale Gastronomie sorgen dafür, dass sich Mitglieder und Gäste wohlfühlen. Ein aktives Miteinander prägt die Vereinskultur. Der Golf-Nachwuchs wird mit gezielter Jugendarbeit gefördert. Dem ambitionierten Golfer wird eine sportliche Heimat geboten.

Die golfspezifischen Kennzahlen (Golfverbreitung, Golfplatzdichte, Golfplatzauslastung) deuten auf eine reife Marktphase hin. Mit geeignetem Marketing und nachfragegerechten Produktvarianten lassen sich Marktanteile weiter ausbauen. Das Angebot richtet sich an eine breite Bevölkerungsgruppe diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze. Besonders die Generation 50+ sowie junge und sportlich ambitionierte, auch bislang nicht oder nicht mehr organisierte Golfer, sollen angesprochen werden.

Zusammenfassung

  • Der Standort des Golfprojektes ist positiv hinsichtlich Bevölkerungsdichte, Altersstruktur und Kaufkraft.
  • Die golfspezifischen Kennzahlen Golfverbreitung und Golfplatzauslastung liegen im durchschnittlichen Bereich.
  • Die etwas überdurchschnittliche Golfplatzdichte ist tendenziell als negativ zu bewerten.
  • Das Angebot der Golfanlage muss der Nachfrage und den potenziellen Zielgruppen entsprechend modifiziert werden. 


Wirtschaftlichkeit und eine gesicherte Finanzplanung für die angestrebte Pachtzeit konnten nachgewiesen werden. Es sind allerdings erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der Erschließungskosten und den Aufwendungen für Arbeitsschutz und Verkehrssicherheit vorhanden. Die Finanzplanung muss deshalb zeitnah und dynamisch dem entsprechenden Informationsstand angepasst werden.

Redaktionell überarbeitet von Franz Josef Ungerechts

© 2014 PROJECT M GmbH, Lüneburg
© 2014 PROJECT M GmbH, Lüneburg
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