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Aufreger zum Jahresende

Kommentar eines früheren und aktuellen Chefredakteurs

Herr Lehrer, ich weiß was!“ Anklagend und noch nicht einmal missverständlich verstehen wir den Kommentar „Kopflose Greenkeeper“ des ansonsten sehr geschätzten Kollegen Oskar Brunnthaler in der GOLF TIME, Ausgabe 8-2017. Er beschreibt darin Head-Greenkeeper als Menschen, „die nach einer vier- bzw. fünfwöchigen Ausbildung (als Head-Greenkeeper) bei der Deula (Deutsche Landwirtschaftsschule) glauben, ihr Handwerk zu verstehen, glauben, die unterschiedlichen Grassorten und ihre Vor- und Nachteile zu kennen oder glauben, Quarzsand von Brechsand unterscheiden zu können.

 

In der deutschen Literatur kennen wir einen ähnlichen Oskar, dessen Verstand frühzeitig entwickelt war und der über seine Blechtrommel Aufmerksamkeit erhaschen wollte. Dieser Oskar konnte über Ereignisse berichten, an denen er nicht unmittelbar beteiligt war. Der Wahrheitsgehalt seiner Geschichten erschien oft zweifelhaft.

 

Durch unsere beiden Golf-FachMagazine golfmanager und Greenkeepers Journal kennen wir Hunderte von Greenkeepern, teilweise sehr persönlich und auch sehr privat. Bei den im Kommentar genannten „kopflosen“ Head-Greenkeepern handelt es sich unserer Erfahrung nach nicht selten um Fachleute mit „grünem“ Meisterbrief oder sogar um Agrarwissenschaftler mit Dipl.-Ing.-Abschluss.

 

Die meisten Greenkeeper absolvierten vor Eintritt in die Golfplatzpflege eine „grüne“ Lehre, eine Voraussetzung für den späteren Beruf. Nach drei Jahren als Platzarbeiter kann die Fortbildung zum Fachagrarwirt Head-Greenkeeper begonnen werden. Heißt also: Greenkeeper wird man nicht von heute auf morgen und Head-Greenkeeper in der von GOLF TIME beschriebenen Zeit schon gar nicht. Will man dann noch den staatlich anerkannten Head-Greenkeeper machen, hat dieser Mensch insgesamt mindestens acht bis zehn Jahre Aus- und Weiterbildung absolviert. Und genau wegen dieser gründlichen Ausbildung schätzen unsere Golfanlagen die Wichtigkeit ihrer ausgebildeten Greenkeeper. Professionelles Greenkeeping spielt eine immer wichtigere Rolle im heutigen Platzmanagement. Nochmal zum Mitschreiben: Fachagrarwirte und -agrarwirtinnen für Golfplatzpflege bzw. Head-Greenkeeper/innen übernehmen Managementaufgaben im Pflege- und Instandhaltungsbetrieb sowie in der Weiterentwicklung von Golfplätzen. Sprich: Sie haben Ahnung.

 

Wer ist hier also kopflos?

 

Autoren: Franz Josef Ungerechts und Stefan Vogel, Greenkeepers Journal 03/2017

 

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Greenkeeper wehren sich gegen Rufschädigung

Ein in der GOLF TIME 8-2017 im November erschienener Artikel mit dem Titel „Kopflose Head-Greenkeeper“, der eigentlich schon alles über den Inhalt sagt, hat die Greenkeeper tief getroffen. Zu recht, ist doch gerade die Berufsgruppe der Greenkeeper in Deutschland durch die DEULA-Ausbildungen mit staatlich anerkannten Abschlüssen bestens qualifiziert. Aber, in jeder Krise steckt auch eine Chance, die die Arbeitsgemeinschaft Greenkeeper Qualifikation (AGQ) ergriffen hat. In der AGQ sind neben dem Deutschen Golf Verband e.V. und dem Greeperkeeper Verband Deutschland e.V. die Golf-Fachverbände sowie die mit der Greenkeeper-Ausbildung befassten staatlichen Stellen sowie die DEULEN vertreten.

 

In der nächsten Ausgabe der GOLF TIME, die am 26.02.2018 erscheint, wird ein Fachbeitrag mit Schwerpunkt berufliche Qualifizierung, Tätigkeit und Verantwortung von Greenkeepern/Head-Greenkeepern erscheinen. Der Chefredakteur der GOLF TIME, Oskar Brunnthaler, hat dies nach heftigem Protest aus der Greenkeeper-Szene zugesagt.

 

Ferner wurde der Vorschlag der AGQ aufgenommen, in der GOLF TIME künftig eine Kolumne zum Greenkeeping – neben Golf erweitert um allgemein interessierende Themen wie z.B. Bienensterben, Artenvielfalt, Hausrasen und Glyphosat – zu veröffentlichen. Autor der Kolumne wird Hubert Kleiner sein, Head-Greenkeeper des Stuttgarter Golf-Club Solitude und bis September 2017 langjähriger Präsident des Greenkeeper Verbandes Deutschland e.V.

 

Die Greenkeeper bekommen damit – erstmals – eine redaktionelle Plattform in einem Printmedium für Golfspieler. Dies ist eine großartige Chance für unseren Berufsstand. Er hat es verdient.

 

Autor: Klaus Dallmeyer, Vorsitzender der ­Arbeitsgemeinschaft Greenkeeper Qualifikation (AGQ)

Stand: Greenkeepers Journal 03/2017

 

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Betrachtung der deutschen Greenkeeperszene

In seiner Kolumne „Time Out“ im aktuellen GOLF TIME-Magazin beleuchtet Chefredakteur Oskar Brunnthaler unter dem Titel „Kopflose Head-Greenkeeper“ u.a. die Ausbildung der Head-Greenkeeper, „... die nach einer vier- bzw. fünfwöchigen Ausbildung (als Head-Greenkeeper) bei der Deula (Deutsche Landwirtschaftsschule) glauben, ihr Handwerk zu verstehen, glauben, die unterschiedlichen Grassorten und ihre Vor- und Nachteile zu kennen oder glauben, Quarzsand von Brechsand unterscheiden zu können ...

 

Zunächst muss dieser Aussage entschieden widersprochen werden! Da hat wohl jemand nicht oder schlecht recherchiert. Kurz zur DEULA Rheinland, die nicht nur Greenkeeper für Sportstätten ausbildet, sondern auch Landwirte, Garten- und Landschaftsbauer sowie Forstwirte. Sie ist u.a. die Nummer eins in Deutschland für die Weiterbildung zur Qualifikation „Fachagrarwirt für Golfplatzpflege“. Ihre Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz und aus den Benelux-Ländern.

 

Zur Ausbildung eines Head-Greenkeepers: Die­se dauert über mehrere Jahre, bestehend aus vielen Schritten stets im Wechsel aus Theorie und Praxis. Alleine die Weiterbildung zum „Fach­agrarwirt“ dauert über zwei Jahre. Die weitere Spezialisierung zum „Geprüften Head-Greenkeeper“ bedarf drei Jahre Berufserfahrung als Geprüfter Greenkeeper! Darüber hinaus gibt es ständige Weiterbildungen und es findet ein reger Austausch statt über Erfahrungen mit der DEULA sowie der Head-Greenkeeper untereinander.

 

Die Bereitschaft zur Fortbildung ist heute unabdingbar, selbst wenn sie Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Gute Golfanlagen fordern und fördern ihre Greenkeeper und greifen kontinuierlich dafür tief in die Taschen. Denn nur gut ausgebildetes Personal kann eine perfekte Golfanlage guter, bleibender Qualität erhalten. Herausforderungen gibt es ohnehin genügend, so wird z.B. die Neuordnung des deutschen Pflanzenschutzgesetzes den Golfanlagen nicht gerecht. Sie schränkt notwendige und erhaltende Pflegemaßnahmen stark ein, übrigens wäre das doch einmal einen gut recherchierten Artikel wert! Nur gut ausgebildete Greenkeeper können mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung das Beste aus den Bestimmungen machen.

 

Leider erweist der GOLF TIME-Artikel vielen bemühten und ausgezeichneten Greenkeepern, dem Greenkeeper-Nachwuchs, damit aber auch vielen bemühten und engagierten Qualitäts-Golfanlagen, die sie aus- und weiterbilden lässt, einen Bärendienst. Er verschweigt außerdem, dass das Greenkeeping in Deutschland in den vergangenen Jahren hochprofessionell in einem QM-System aufgestellt und organisiert wird. Somit stellt sich abschließend die Frage: Wer war kopflos?

 

Autor: Dipl. Kfm. Hubertus Kühne, Geschäftsführer Haus Kambach Golf und Freizeit GmbH & Co. KG

Stand: Greenkeepers Journal 03/2017

GOLF TIME, Ausgabe 8-2017
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