AlzChem AG: Kalkstickstoff – Multitalent auf Rasenflächen

Seit einiger Zeit wird auch im Garten- und Landschaftsbau, auf kommunalen Grünflächen und auf Golfplätzen verstärkt mit Kalkstickstoff gedüngt. Für den multifunktionalen Dünger sprechen viele Gründe.

Die Düngung mit Kalkstickstoff ist relativ kostengünstig, weil sie mehrere positive Wirkungen in einem Arbeitsgang vereint. Sie kommt damit außerdem den Vorstellungen des Integrierten Pflanzenbaues entgegen. Immer mehr Greenkeeper düngen die Fairways mit Kalkstickstoff. Granulierter Kalkstickstoff, welcher unter dem Handelsnamen „Perlka“ vertrieben wird, entspricht dem EG-Düngemitteltyp „Nitrathaltiger Kalkstickstoff“. Interessant ist dieser Dünger für Rasenflächen wegen seiner langsam wirkenden Stickstoffform, seines hohen Kalkgehaltes und seiner vielfältigen Sonderwirkungen. Der Stickstoff setzt sich im Boden durch Tau oder Niederschläge in Cyanamid um und entwickelt dadurch erwünschte Zusatzeffekte. Er ist beispielsweise unverträglich für verschiedene Unkräuter im Keimlings- oder Rosettenstadium. Auch für manche Entwicklungsstadien von Grasnarbenschädlingen ist er unverträglich oder wirkt vergrämend. Es gibt dabei keine Gasphase, so dass es nicht zu gasförmigen N-Verlusten kommt. Alles spielt sich im wässrigen Milieu ab. Kalkstickstoff hat weiterhin eine stark stimulierende Wirkung auf Bodenbakterien, wodurch den Schadpilzen, welche oftmals Pflanzenkrankheiten auslösen, die Ausbreitung im Boden erschwert wird. Das granulierte Produkt wird in einer grobkörnigen Qualität geliefert. Damit sind Streubreiten mit herkömmlichen Düngerstreuern von etwa 30 Metern ohne nennenswerte Staubbelastung möglich. Für Golf- und Rasenflächen bietet sich besonders Perlka Microgran an. Das ist ein feines Granulat, welches für Streubreiten bis etwa 12 Meter geeignet ist. Der Dünger ist als Sackware oder im 600-kg-BigBag erhältlich.

Gut bei Problemen mit Moos, Pilzen, Unkräutern und Schädlingen

Die wichtigsten Zusatzwirkungen bei der Düngung mit Kalkstickstoff auf Rasenflächen sind eine deutliche Verringerung von Moos und die Unterdrückung bodenbürtiger Schadpilze. Während der Umsetzung ist der Kalkstickstoff unverträglich für Algen und aus Samen keimende Unkräuter auf der Bodenoberfläche. Häufig wird auch Perlka gedüngt, da während der Umsetzungsphase eine Unverträglichkeit für viele in der Grasnarbe lebende Schädlinge besteht. Auch Fraßschäden an den Graswurzeln durch Larven von Schnaken (Tipula), Haarmücken (Bibioniden) sowie Strahlenmücken (Philia) und die Schädigung der Grasnarbe durch Insekten suchende Krähen oder Möwen gehen zurück. Durch die regelmäßige Düngung der Rasenflächen mit Kalkstickstoff wird der Larvendruck vermindert. Die geringeren Schäden durch Haarmückenlarven werden auch von Rollrasenproduzenten und Sportflächenbetreuern bestätigt.

Sattgrüne Farbe, gute Narbe ohne Verfilzung

Nach der Cyanamidphase besticht der Dünger durch eine lange Ammoniumphase. Analog zu stabilisierten Düngern bleibt die Grasnarbe bei der Kalkstickstoffdüngung für viele Wochen sattgrün. Dabei gibt es keine Rückstände, das Cyanamid wandelt sich komplett in pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen um. Neben den 20% Stickstoff bringt Kalkstickstoff von allen Stickstoff- und Volldüngern am meisten Kalzium (> 50% CaO) mit. Der freiwerdende Kalk unterbindet die Versauerung an der Oberfläche und wirkt so einer Verfilzung entgegen. In Dauerversuchen über 53 Jahre an der Universität in Weihenstephan ergab nach Professor Amberger die Kalkstickstoff-Düngung von allen Varianten die beste Bodenfruchtbarkeit. Der Hersteller empfiehlt die Perlka-Düngung idealerweise auf trockenem Rasen und feuchtem Untergrund. Je nach N-Bedarf kann der Greenkeeper mit Einzelgaben ab ca. 100 kg Perlka je Hektar starten. Auch Teilgaben sorgen für die gewünschten Effekte. Die Fairways und Sportplätze können direkt nach der Düngung wieder bespielt werden. Eine Wartezeit ist nicht notwendig.

Fazit
Die Düngung mit Kalkstickstoff leistet einen wichtigen Beitrag, die Fairways kostengünstig in einem guten Zustand zu halten. Neben der Düngung mit lang anhaltend wirkendem Stickstoff und reaktionsfreudigem Kalk, bietet Kalkstickstoff weitere Zusatzeffekte gegen unerwünschte Kräuter und Schädlinge. Die speziell für den Bedarf von Golf- und anderen Rasenplätzen gebaute „Väderstad Turf“ legt auch größere Mengen Kalkstickstoff unter der Grasnarbe ab und schafft so gute Voraussetzungen für eine optimale Wirkung.

Henry Becker,
AlzChem AG



Hartmut Voigt,
Head-Greenkeeper im Burgdorfer Golfclub

Die Flächen des Burgdorfer Golfclubs betragen 80 ha, die zu bewirtschaftende Fläche etwa 45 ha. Die Spielbahnen verlaufen in einem überwiegend ebenen Gelände und sind gesäumt von Mischwald mit Kiefern, Eichen und Birken. Die Meisterschaftsanlage hat 18 Löcher und Par 72. Die Gesamtlänge beträgt 6.053 m für Herren und 5.247 m für Damen. Die Bauarbeiten für die Kurzplatz-Erweiterung sind in vollem Gang, die Fertigstellung wird im Frühjahr 2016 erwartet.

Der Golfplatz wird mit einer N-reduzierten Düngung gefahren. Auf den Grüns, die in etwa einen Hektar betragen, werden im Jahresdurchschnitt – verteilt auf ca. 15 Gaben – ungefähr 20 Gramm Reinstickstoff je Quadratmeter mit üblichen Rasendüngern ausgebracht. Das entspricht umgerechnet 200 kg N/ha.

Die Fairways werden hingegen seit 2008 mit Kalkstickstoff gedüngt. Im Jahresdurchschnitt bringen Hartmut Voigt und seine Mitarbeiter 6 g N/m² in zwei Gaben, umgerechnet 60 kg N/ha, aus. „Mit dem Kalkstickstoff haben wir viele Probleme wie Schneeschimmel, Tipula-Larven, Moos und tiefschnittverträgliche Unkräuter besser in den Griff bekommen. Durch die Langzeitwirkung erreichen wir eine sattgrüne Blattfärbung über mehrere Wochen. Des Weiteren konnten wir die Düngerkosten halbieren und zudem noch Kosten im Pflanzenschutz einsparen.“ Die gute Erfahrung führte dazu, dass die vier Fußballplätze des benachbarten Landesliga-Fußballvereins in Ehlershausen, die in Dienstleistung gepflegt werden, seither ebenfalls mit Kalkstickstoff gedüngt werden.

Die universell einsetzbare „Väderstad Turf“ ist eine auf deutschen Golfplätzen verbreitete Maschine. Sie legt den Kalkstickstoff unterhalb der Grasnarbe ab. Neben der anhaltenden Stickstoffwirkung unterdrückt die Anwendung auch die Ausbreitung von Gartenlaubkäfern oder Tipuliden. (Werkfoto)
Rund 45 ha zu bewirtschaftende Fläche inmitten eines Mischwald-Geländes umfasst der Burgdorfer Golfclub. Die Meisterschaftsanlage hat 18 Löcher und Par 72.
Hartmut Voigt, Head-Greenkeeper im Burgdorfer Golfclub, ist von den Vorteilen der Kalkstickstoffdüngung überzeugt.
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