Alle unter einem Dach

Stellen Sie sich bitte einmal ein mittelgroßes Wohngebäude vor, das ungefähr zwanzig Wohnungen beinhaltet. Die Wohnungen haben sehr unterschiedliche Größen, von der kleinen Einzimmer-Wohnung bis hin zum exklusiven Penthouse mit 300 m² Wohnfläche.

Zum Teil sind die Wohnungen vermietet, zum Teil werden sie vom jeweiligen Eigentümer selbst genutzt. Einige Wohnungen werden auch nicht vom Eigentümer direkt, sondern über eine von ihm beauftragte Wohnungsverwaltungsgesellschaft vermietet und verwaltet.

Es gibt Mieter und Eigentümer, die bereits seit vielen Jahrzehnten hier wohnen, einige hingegen erst seit wenigen Jahren. Die finanzielle Lage der Mieter und Eigentümer ist sehr unterschiedlich. Analog zur Wohnungsgröße ist vom Sozialhilfe-Empfänger bis zum Einkommensmillionär alles vertreten.

Einmal jährlich findet eine große Versammlung statt, an der alle Bewohner – Mieter und Eigentümer – teilnehmen können. Zu der fristgerecht versandten Einladung mit der Tagesordnung können schriftliche Anträge gestellt werden. Diese Möglichkeit wird auch genutzt. Zum Teil sind die Anträge sachlich begründet und logisch nachvollziehbar. Bei anderen Anträgen fragt man sich allerdings, ob damit der Tatbestand des groben Unfugs erfüllt ist.

Von ähnlich unterschiedlicher Qualität sind dann bei der Versammlung auch die Debattenbeiträge. Einige Beiträge sind sachlich und konstruktiv, manche Beiträge zeichnen sich durch eine beeindruckende Unkenntnis der diskutierten Materie aus und wieder bei anderen Beiträgen merkt man nur zu deutlich, dass sie lediglich der Befriedigung einer persönlichen Profilneurose dienen.

Wenn Beschlüsse gefasst werden, dann sind alle stimmberechtigt, sowohl Mieter als auch Eigentümer. Dass diese zum Teil sehr unterschiedliche Interessen haben, darf getrost unterstellt werden.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die erforderlichen Beschlüsse, z.B. über notwendige Instandhaltungsmaßnahmen, Investitionen in Energiesparmaßnahmen, Gestaltung der zum Haus gehörigen Gartenfläche usw. jeweils mit einer großen Mehrheit oder vielleicht sogar einstimmig gefasst werden? Und nun stellen Sie sich bitte solch ein Haus nicht mit zwanzig, sondern mit rund 800 Wohnungen vor. Ähnlichkeiten mit der Situation beim jährlich stattfindenden Verbandstag des Deutschen Golf Verbandes sind natürlich rein zufällig – aber nicht auszuschließen.

Autor: Horst Schubert, Vorstand Golf- & Country Club Seddiner See AG

P.S. Der vorstehende Kommentar trifft eigentlich mehr auf die Verbandstage der vergangenen Jahre zu. Der Verbandstag am 16. April 2016 war hingegen – trotz der Fülle der gestellten Anträge – durch eine für DGV-Verbandstage untypische Harmonie und Entspanntheit geprägt. Dies war in erster Line der perfekten Vorbereitung und der souveränen Versammlungsleitung durch die DGV-Geschäftsstelle und das DGV-Präsidium geschuldet. Dafür Dank und Anerkennung!

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