Agieren statt reagieren

Weite Wiesen, alte Bäume, Wald, Hecken, das eine oder andere Wasserhindernis und über dem Platz der Rote Milan, der majestätisch seine Kreise zieht. Golf hat als Sportart im Freien eine enge Beziehung zur Natur, da die Spielbahnen unmittelbar in die Landschaft eingebunden sind. Gepflegte Spielflächen sind längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor auf dem Golfmarkt geworden. Die Pflege unter Nachhaltigkeitsaspekten spielt dabei eine immer größere Rolle. Seit Kurzem auch beim Allgäuer Golf- und Landclub in Ottobeuren. Die Anlage ist eine von knapp 160 der rund 700 in Deutschland, die sich am Programm GOLF&NATUR des Deutschen Golf Verbandes (DGV) beteiligen. Das Programm, seit Jahren im deutschen Golf verankert, hat sich dabei mehr und mehr zu einem modernen und naturnahen Umweltmanagement hin entwickelt, ein breit aufgestelltes Unternehmenskonzept, das den Golfclubs zudem Rechtssicherheit bieten soll.

 

Während für den Golfer vorwiegend die Qualität der Rasenfläche von Interesse ist, sind für den Betrieb einer Golfanlage Vorgaben und Arbeitsprozesse verbindlich. Sprich: Neben dem Schwerpunkt Natur und Landschaft geht es bei der Zertifizierung auch um Pflege und Spielbetrieb, um ein Leitbild, die Infrastruktur und um Arbeitssicherheit. Letztere spielt im Allgäuer Golf- und Landclub eine große Rolle. Nach dem Neubau einer Maschinenhalle haben die Verantwortlichen ganz bewusst die Nähe zu den Behörden gesucht und sind bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in München vorstellig geworden. Der Wunsch, sich proaktiv einer Betriebsüberprüfung zu stellen, wurde seitens der VBG wohlwollend aufgenommen und im Rahmen der Bronze-Zertifizierung GOLF&NATUR bei einem Ortstermin im Unterallgäu in die Tat umgesetzt. „Wir wollten wissen, wo wir stehen, was wir verbessern können und in welchen Bereichen wir bereits gut aufgestellt sind“, erklärt Clubpräsident Horst Klüpfel. Denn Gefahren lauern rund um den Golfplatz an allen Ecken und Enden – für Golfer genauso wie für die Mitarbeiter. „Uns geht es darum, diese Gefahren möglichst schnell zu beseitigen“, sagt Clubmanager Johannes Siemenczuk.

 

Das beginnt schon beim zum Teil recht fahrlässigen Umgang mancher Mitglieder mit dem eigenen Equipment. Tatort: Caddyboxen. Die leicht erhitzbaren Stromaggregate lagen dort mitunter auf brennbarem Untergrund oder auf nassem Boden. Eine regelmäßige Überprüfung aller elektrischen Geräte im Clubhaus ist einer der Punkte auf der Checkliste in Sachen Arbeitsschutz. Unter anderem geht es auch um sogenannte Gefährdungsanalysen für alle Tätigkeiten auf dem Betriebshof, dem Platz, im Restaurant und im Sekretariat. Bei der gemeinsamen Begehung in Ottobeuren wurde beispielsweise diskutiert, an welchen Stellen auf der 24-Löcher-Anlage möglicherweise ein Geländer angebracht werden muss oder ob tatsächlich auch alle Wege noch bedenkenlos mit dem Golf-Cart befahren werden können. Eine der Sicherungsmaßnahmen, die auf dem Platz direkt umgesetzt worden sind, waren Abdeckungen für die Bewässerungsanlagen, die vormals mitunter zur Stolperfalle hätten werden können.

 

Die Frage nach einem Sicherheitsbeauftragten hat sich nicht gestellt. Den gibt es auf Hofgut Boschach bereits. Zu seinen Aufgaben zählt es beispielsweise, sich vom sicheren Zustand der Betriebsstätte sowie vom sicherheitsgerechten Verhalten der Mitarbeiter zu überzeugen, auf Unfall- und Gesundheitsgefahren aufmerksam zu machen und eine Erste-Hilfe-Versorgung sicherzustellen.

 

Ganz speziell unter die Lupe wurde die neue Maschinenhalle genommen. Auf einem etwa 10.000 Quadratmeter großen Gelände errichtet, ist sie die bisher größte Investition des Klubs. Nach und nach sind die Mitarbeiter nun umgezogen. Raus aus den alten Stallungen des Hofguts, rein in den modernen und doch schlichten Neubau. Dort ist genügend Platz für die verschiedenen Gerätschaften zur Rasen- und Platzpflege, auch eine Werkstatt sowie Gesellschaftsräume wurden eingerichtet. Im abschließenden Bericht der VBG wurde etwa die Empfehlung ausgesprochen, an allen Fahrzeugen und Maschinen stets die Schlüssel abzuziehen und diese in einem Schrank gesondert aufzubewahren. Im Bezug auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel zielt GOLF&NATUR nicht in erster Linie darauf ab, künftig nur noch Bio-Dünger auszubringen, sondern auch auf eine bessere Kennzeichnung der Stoffe. Es müsse bereits auf den ersten Blick klar und deutlich erkennbar sein, ob es sich um gefährliche oder ungefährliche Stoffe handle. Der Umgang ist schließlich auch in einem Pflanzenschutz-Tagebuch zu dokumentieren. Das sind freilich zum Teil auch Anforderungen, die bereits die Silber-Zertifizierung nach sich ziehen. „Es ist aber kein Fehler, diese Punkte schon früher abzuarbeiten“, rät Dr. Gunther Hardt, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Anlage und Pflege von Golfplätzen. Seit Mitte der 1990er Jahre engagiert er sich im DGV für das Programm GOLF&NATUR. Für Clubpräsident Klüpfel ist indessen klar: „Ein nachhaltiger und ressourcenschonender Betrieb der Golfanlage ist schon immer der richtige Weg in Ottobeuren gewesen. Wir wollen dieses Motto auch künftig leben.“

 

Autor: Stephan Schöttl

 

 

Blick über die Anlage des Allgäuer G&LC in Ottobeuren: versteckt mittig hinter den Bäumen das Clubhaus, unten links die Übungsanlagen und etwas weiter hinten links die moderne Maschinenhalle (alle Fotos: Stephan Schöttl).
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Sicherheit steht an oberster Stelle: Ladegeräte gehören nässe- und brennschutzsicher montiert.
Die klare Kennzeichnung der Dünge- und Pflanzenschutzmittel – ein Kriterium, das neben der ordnungsgemäßen Lagerung bei der ­Begehung mit der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in ­München geprüft wurde.
Der Lohn der Mühe: die Zertifizierung in Bronze bei GOLF&NATUR – v.l.: Dr. Gunther Hardt (DGV-Auditor), Susanna Gabler (Schriftführerin im Vorstand), Daniel Weischedel (stellv. Head-Greenkeeper), ­Reinhold Müller (Head-Greenkeeper), Karl-Heinz Bandner (Fachkraft Arbeitssicherheit, FASI), Horst Klüpfel ­(Präsident), Lorenz Schäffler (VBG München), Johannes Siemenczuk (Clubmanager) und Dr. Hans-Peter Wagner (VBG München).
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