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30 Jahre – oder wie die Zeit vergeht ...

Seit 2011 arbeite ich nunmehr als Redakteur und „Blattmacher“ für die Köllen Duck + Verlag GmbH und die beiden Fachmagazine golfmanager bzw. Greenkeepers Journal. Deutlich länger schon unterstützt Adriaan A. Straten die Bonner Fachredaktion und ist ein gern kontaktierter Gesprächspartner, um sich über die Golfwelt auszutauschen und/oder Rat zu holen.

 

Bei einem der letzten Telefonate erwähnte Straten, dass er 2019 sein bereits 30-jähriges Betriebsjubiläum feiere – ein Grund, sich mit ihm über seine Sicht auf die Golfwelt zu unterhalten, seinen Werdegang und den Reiz, eigenes Wissen und Erfahrungen den Golfanlagen im Sinne einer weiteren Professionalisierung zur Verfügung zu stellen.

 

? Lieber Herr Straten, seit 30 Iahren sind Sie nunmehr als Unternehmensberater selbständig tätig und betreuen Kommunen, Vereine und Kapitalgesellschaften, um deren Engagement für Golfanlagen zu wirtschaftlichem Erfolg zu führen. Was hat Ihnen am meisten Freude bereitet während der verschiedenen beruflichen Stopps?

 

! Große Freude hat mir immer die Arbeit mit den Auszubildenden gemacht – ganz besonders, wenn ich daran denke, dass es auch ihnen gefallen hat. Noch heute haben meine Frau und ich zu den meisten privaten Kontakt: Wir waren auf deren Hochzeiten, erleben die Taufen der ersten Kinder mit. Treten im Beruf Probleme auf, wird meine Meinung immer noch geschätzt. Alle Auszubildenden haben wundervolle Entwicklungen durchgemacht und ich bin stolz darauf, Deutschlands besten Auszubildenden 2006 im Bereich Sport- und Fitnesskaufmann ausgebildet zu haben. Gemeinsam mit ihm war ich in Berlin und wurde im Rahmen der nationalen Bestenehrung „Azubis – unsere Besten“ des DIHK, von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und dem damaligen DIHK-Präsidenten geehrt. Heute engagiere ich mich zunehmend im Bereich der Fort- und Weiterbildung Erwachsener.

 

? Wie war Ihr beruflicher Weg?

 

! Mit meiner A.S.K. Werbeagentur habe ich schon immer Unternehmen und Unternehmer durch gezieltes Marketing und Werbung erfolgreich gemacht. Wir haben für große Unternehmen Kataloge gestaltet, Verpackungen entwickelt usw. Als Ausgleich für die unzähligen Stunden vor dem Computerbildschirm habe ich mit dem Golfspiel begonnen. Die sportliche Betätigung außerhalb des Elektrosmogs tat mir gut. Damals haben wir auf Mallorca gelebt und um uns herum gab es einige herrliche Golfanlagen. Aber die Initialzündung, meinen professionellen Schwerpunkt in den Bereich der Golfanlagenrevitalisierung und somit auf das Golfbusiness zu legen, entstand bei einem Besuch in Bad Griesbach.

 

? Wie meinen Sie das?

 

! In Bad Griesbach gingen damals die Ordner mit den Golfeinsteigerunterlagen für jeweils rund 1.000 DM über den Tresen der Golf-Rezeption – die gingen damals weg wie warme Semmeln. Es war die Boomphase. Eigentlich wollte ich mein Hobby nicht zum Beruf machen, aber schon damals klaffte eine große Lücke auf den Golfanlagen im Bereich der Wirtschaftlichkeit, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Es bestand auch noch nicht so dringlich die Notwendigkeit wie heute, daran etwas zu ändern. Es gehört eben eine gute Portion fundierter fachlicher Ausbildung und Hintergrund dazu, eine Golfanlage kundenorientiert und zudem erfolgreich zu führen.

 

? Was würden Sie Golfanlagen heute empfehlen?

 

! Mit 30 Jahren beruflicher Erfahrung kenne ich das Business und es ist nicht einfach. Mein Unternehmen „golfpilot“ zeigt Schritte auf, die eine Golfanlage in eine bessere Wirtschaftlichkeit führen kann. Revitalisierung ist das Schlagwort von golfpilot.

 

? Sind es mehr Golfclubs, die heute Ihre Hilfe in Anspruch nehmen?

 

! Fast jedes Unternehmen steckt irgendwann einmal in einer Krise. Manche erkennen es und reagieren sofort, indem sie sich fachliche Unterstützung holen. Ein Haus baut man ja auch nicht ohne den Architekten und den Handwerker. Allerdings entsteht da etwas Schönes, ein Traum, den man sich erfüllt. Da nimmt man so manchen Ärger in Kauf. Auf einer Golfanlage, insbesondere bei einer vereinsgeführten, muss man als Berater in Komfortzonen von dominanten Gruppen eindringen, diese verändern und vielleicht sogar auflösen. Das führt zu allerlei Unverständnis bis zu Aggressivität, da kein Bezug zur Notwendigkeit eines wirtschaftlich ausgeglichenen Betriebs gegeben ist.

 

? Wie konnten Sie das 30 Jahre lang aushalten?

 

! Widerstand, Aggression, Wutanfälle oder Mobbingattacken gegen mich und meine Familie sind Auswüchse, die zwar immer nur von einem kleinen Teil forciert, jedoch von der Masse still toleriert werden. Naja, aus der Geschichte lernt nun mal nicht jeder. Eine Golfanlage besteht aber auch aus wirtschaftlich, demokratisch und sozial denkenden Menschen, die sich mittlerweile zunehmend eine gewisse Fachkompetenz der Verantwortlichen wünschen, um deren Dienstleistungserwartung an einen Golfbetrieb zu erfüllen. Treffe ich auf Kunden, die dieses Ziel mit ihrer Golfanlage verfolgen möchten, dann ist diese Zusammenarbeit von Erfolg gekrönt und macht zufrieden. Alles andere steckt man weg, freut sich auf daheim und seine Freunde, mit denen man friedlich und humorvoll sein Privatleben genießt.

 

? Wir sprachen von Initialzündung, wie ging es dann weiter?

 

! Wenn man so will, mit „due diligence“. Ich habe mich schlau gemacht und alles an Ausbildungen und Weiterbildungen im Bereich Golf absolviert, was sich mir anbot. Zudem habe ich mich neun Jahre ehrenamtlich für den Golf Management Verband Deutschland (GMVD) als Regionalkreisleiter engagiert.

 

? Waren Sie auch auf Golf­anlagen tätig?

 

! Oh ja, hier hat es mich vom Süden nach Norden, von Osten nach Westen verschlagen, und meine Beratungstätigkeit war mal längerfristig als GmbH-­Geschäftsführer, manchmal nur ein paar Monate im Rahmen eines Beratungsmandats. Alles auch eine Frage der Umsetzungsmöglichkeit und letztendlich auch der wirtschaftlichen Möglichkeiten der jeweiligen Golfanlagen.

 

? Waren Sie nicht auch Beitreiber einer eigenen Golfanlage?

 

! Im Rahmen einer Beratungstätigkeit ergab sich einmal ein Kauf einer Golf­anlage, die ich mit einem Mitgesellschafter erworben hatte. Aus heutiger Sicht kann ich nur jedem Investor, der mit einer Golfanlage Geld verdienen möchte, raten: „Kaufe keine Golf­anlage mit einem eingetragenen Golfclub darauf, sofern dieser sich nicht auflösen möchte!“ Durch meine Tätigkeit erlebe ich überwiegend, dass die Konstellation von Golfclub und Betreiber eine eher unselige Kombination für eine zukunftsweisende Entwicklung der Golfanlage ist. Bedauerlicherweise hängen viele Betreiber noch in Altverträgen mit Vereinen, die auf den Bestandschutz ihrer DGV-Mitgliedschaft pochen, so dass sich seit vielen Jahren die Golf-Welt immer um die gleiche Achse dreht.

 

? Denken Sie, dass sich in 30 Jahren nicht viel verändert hat?

 

! Mittlerweile haben wir eine Stagnation bei der Entwicklung der registrierten Golfer zu verzeichnen. Einige Golfclubs lösen sich zu Gunsten der Kapitalgesellschaften auf – manchmal läuft es auch anderes herum. Wie auch immer: Die jungen Menschen fehlen auf den Golfanlagen, und wenn man sich die ein oder andere Homepage von Golfanlagen anschaut, dann wäre ich als junger Mensch auch nicht zum Golfsport gekommen, und das nicht deshalb, weil ich mich mit Markenbildung und der Marketingbranche auskenne.

 

? Dass junge Leute in den Golfclubs fehlen, ist bekannt. Wie lässt sich dies aus Ihrer Sicht ändern?

 

! Man steuert alles über Bildung. Ich bin seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung in verschiedenen Verbänden und Bildungsträgern tätig, mittlerweile bin ich für meine Tätigkeit bei Industrie- und Handelskammern für mein langjähriges Engagement geehrt worden. Die heutigen Greenkeeper verfügen überwiegend über fundiertes Wissen, bilden sich weiter. Auch hier ist meine Erfahrung gefragt, und als Dozent kann ich moderne Methoden weitergeben.


Meine Schüler oder Studenten aus anderen Bildungsträgern oder Fachhochschulen bringe ich zum Golfsport mit Schnupperkursen, die ich nach meiner bewährten Methode anwende, und die Erfolgsquote gibt mir recht. Nur einen öffentlichen Golftag anzubieten, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, führt aber nicht zum Ziel. Junge Menschen brauchen Input und vor allem: Sie möchten als Kunde gleichbehandelt werden. Biedere Clubstrukturen sind ihnen ein Dorn im Auge. Moderne Strukturen, wie die der GolfRange mit Gleichbehandlung und ohne Seilschaften und möglicherweise zusätzlicher finanzieller Umlage finden da einfach mehr Anklang. Das ist unsere Zeit. Wenn Golf beliebt und zeitgemäß sein soll, dann müssen manchmal Mauern eingerissen werden.

 

? Wie stellen Sie sich die Zukunft in der Golfbranche vor?

 

! Wie gesagt, ich setze auf Bildung, wie es unsere Politiker auch tun. Bildung hilft uns, „frisches Wasser aus der Leitung zu bekommen“ und Bildung hilft uns, Geschäfte zu führen. Es gibt wirklich nichts schlimmeres als branchenfremde Laien auf Golfanlagen. Das lässt alles stagnieren …

 

? Was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten 30 Jahre?

 

! Ob ich noch 30 Jahre arbeiten möchte, kann ich nicht sagen. Ich finde langsam an meinem Golfspiel Gefallen, das habe ich in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigt. Und ich freue mich, wenn wir, also meine Frau und ich, bald wieder Besuch unserer ehemaligen Auszubildenden bekommen, die heute, erwachsen und verheiratet, oft mit ihrem zweiten Baby anreisen. Irgendwie gefühlt auch sehr nachhaltig, wie die Arbeit auf den Golfanlagen auch sein sollte ...

 

Lieber Herr Straten, vielen Dank für das nette Gespräch und herzlichen Dank, dass Sie uns so viele Jahre in der Fachredaktion unterstützt haben. Ihnen und Ihrer Gattin weiterhin allzeit gutes Spiel und Freude an den „Früchten“ Ihrer bisherigen Arbeit. Beratende Betätigungsfelder in der Golfbranche sind heute mehr denn je gefragt, insofern bin ich mir sicher, dass wir uns schon bald über neue Themen austauschen werden.

 

Autor: Stefan Vogel | golfmanager 3/2019

Bild: johan2011@123rf.com
Adriaan A. Straten
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