Froschdasein bei erschwerten Witterungsbedingungen

Extreme Temperaturen – Gefahr für Gewässer auf Golfanlagen?

Derzeit leiden Teiche und die hier lebenden Pflanzen und Tiere. Aufgrund der anhaltenden Hitze, in Verbindung mit fehlenden Niederschlägen, ist eine Ex­tremsituation entstanden, die sowohl Pflanzen und Tiere im See, als auch Personen, die Teichpflege durchführen, gefährden kann.

 

Grundsätzlich nimmt das Sauerstoffbindungsvermögen im Wasser immer weiter ab, je höher die Wassertemperatur ansteigt. Hinzu kommt, dass viele Teiche unter einer Nährstoffübersättigung leiden. Sind höhere Wasserpflanzen nicht in ausreichender Menge vorhanden, die diese Nährstoffe binden könnten, kommt es schnell zu einer Massenvermehrung bei den Algen. Fehlt es zudem an einer Flachwasserbeschattung, so werden sich gerade diese Zonen sehr schnell aufheizen.

 

Kampf gegen die Algen

Fatal wäre es nun, hinzugehen und Wasserfontänen zu installieren, im Glauben, dem See etwas Gutes zu tun. Sinnvoll ist der Einsatz von „Oberflächensprudlern“, die Sauerstoff ins Wasser verdüsen und ihn so auch in die Tiefenzonen einbringen. Fontänen führen lediglich dazu, dass das Oberflächenwasser weiterhin erwärmt wird und das Sauerstoffbindungsvermögen weiter abnimmt.

 

Sinkt nun der Sauerstoffgehalt oberhalb der Sedimentschicht unter 5 mg/l und liegt der Phosphatgehalt im Sediment über 0,035 mg/l, kommt es zu einem Rücklöseprozess von wasserunlöslichem Eisen-­III-phosphat in wasserlösliches Eisen-II-phosphat. Anders ausgedrückt: Es werden nun zusätzliche Nährstoffe im Wasser frei, die die Algenmassenvermehrung fördern. Optisch zu erkennen ist diese Situation am Auftreiben an der Wasseroberfläche, vielfach verbunden mit einer grünlichen Wassertrübung.

Werden diese nicht entfernt, setzen Bakterien beim Abbau der Algen die gebundenen Nährstoffe wieder frei. Ein Prozess, bei dem zum einen erneut Sauerstoff verbraucht wird, zum anderen toxische Abbauprodukte entstehen. Bei einem Hautkontakt, z.B. im Verlauf von Teicharbeiten, kann es dann zu al­lergischen Hautreaktionen kommen.

 

Deshalb entnehmen Sie auftreibende Algen mit gewissen Sicherheitsvorkehrungen:

  • Bedecken Sie alle freiliegenden Körperpartien!
  • Tragen Sie Gummihandschuhe!
  • Vermeiden Sie Hautkontakt!
  • Verschlucken Sie auf keinen Fall Teichwasser! 
Aufschwimmende Fadenalgen (Foto: B. Licht)

Ferner sollten in dieser Situation auf keinen Fall Sedimentschichten aufgewühlt werden, da hierdurch wiederum Nährstoffe freigesetzt werden, die ja bereits im Überfluss im Wasser sind. Das geschieht bei Anwesenheit von karpfenartigen Fischen täglich bei deren Futtersuche.

 

Besonders ungünstig ist es, wenn in und an den Teichen Wassergeflügel vorkommt und diese im ungünstigsten Fall gefüttert werden. Hier besteht, wenn Futterreste, wie etwa Brot, im Wasser verbleiben, im schlimmsten Fall sogar das Risiko, „Botulismus“ in den Teich einzuschleppen. Auch die häufig anzutreffenden Koi-Karpfen oder ihre Artverwandten können zusätzliche Pro­bleme verursachen, so ist der Koi-Herpes eine meldepflichtige, hochinfektiöse Viruserkrankung.

 

Golfballtauchgänge steuern

Ich stelle zur Diskussion, dass das Golfballtauchen in Gewässern ohne Sichtweite auf Witterungsverhältnisse zu beschränken ist, bei denen der ökologische Schaden gering gehalten werden kann. Sprich im Spätherbst bis Frühjahr bei Wassertemperaturen, idealerweise unter 12 °C. Tauchgänge sind zudem so zu gestalten, dass Beeinträchtigungen von Flora und Fauna unter Wasser sowie das Aufwirbeln von Sedimenten unterlassen werden. Das Tauchen in Flachwasserzonen < 80 cm Wassertiefe sollte überdacht werden, denn die Folge ist ein starkes Aufwirbeln der Sedimente.

 

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es haftungsrechtlich von Seiten des Clubs zu verantworten ist, dass Taucher alleine, ohne „Buddy“, in Gewässer gehen. Was ist im Rettungsfall? Wie ist sichergestellt, dass ein Alleintauchender Rettung anfordern kann? Nach den Tauchsicherheitsrichtlinien des Verbandes Deutscher Sport Taucher wird diese Frage eindeutig beantwortet: „Tauche nie allein!“­

Achtung Blaualgen

Eine besonders zu beachtende Situation liegt vor, wenn, wie derzeit, aufgrund des extremen Witterungsverlaufes, eine Massenvermehrung von Blaualgen auftritt.

 

Anders als der Name es vermuten lässt, handelt es sich nicht wirklich um Algen, sondern um Cyanobakterien. Sie gehören zu den ältesten Lebensformen und kommen in vielen Gewässern vor. In kleinen Kolonien sind sie harmlos, problematisch ist jedoch die Massenvermehrung, die nicht nur durch Hitze, sondern auch durch hohe Phosphorgehalte gefördert wird. Zu erkennen sind Blaualgen am getrübten Wasser, blaugrünen Schlieren und Algenteppichen an der Oberfläche. Hinzu kommt der typische muffige Geruch, bedingt durch Abbauprozesse. Gefahr kann hier ebenfalls von den giftigen Abbauprodukten ausgehen. Die Toxine können Haut- und Augenreizungen verursachen, es kann sogar zu schweren allergischen Reaktionen kommen. Entzündungen der Atemwege bis hin zur Atemlähmung sind bei einigen Bakterienkulturen möglich.

 

Die für die Blaualgen typischen grünblauen Schlieren (Foto: K. Silberbach)

Autoren: Karsten Silberbach und Beate Licht | Greenkeepers Journal 03/2018

 

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