Zwei von drei als Minimalziel

Erfahrungsbericht aus der Schweiz

Nicht als SGA-Vorstandsmitglied, sondern als engagierter Head-Greenkeeper (HGK) mit Leidenschaft und Freude an seinem Beruf, reichte uns Lukas Andreossi, HGK im Trainingspark Golf Augwil, folgenden Beitrag ein – ergänzend zu unserem Magazin-Schwerpunkt „Fair Jobs & Fair Play auf Golfanlagen“. Er dokumentiert damit eindrucksvoll, dass das Spannungsfeld „Platzpflege – Golfer“ nicht nur in Deutschland ein Thema ist, sondern ebenso bei den eidgenössischen Nachbarn.

 

Wir Greenkeeper sehen jede kleine Unregelmäßigkeit im Grasbestand und jeden nicht ganz so perfekten Fleck. Unser Berufsstolz lässt uns jeden Tag nach dem Besten streben und wir möchten die Anlage den Golfern täglich in einwandfreiem Zustand präsentieren.

 

Dies ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Witterungseinflüsse, Pflegemaßnahmen, Krankheiten, Belastungen vom Spielbetrieb und andere Einflüsse hinterlassen ihre Spuren.

 

Für den Golfer gibt es drei Kriterien, welche „perfekte“ Greens erfüllen müssen:

  • Optik: Schöne, satte Grünfärbung, Homogenität, dichter Grasbestand
  • Spurtreue: Gleichmäßiges, ruhiges Ballrollverhalten 
  • Ballrollgeschwindigkeit (Greenspeed): Passend zum Spielniveau der Golfer, am besten immer etwas schneller, als es erwartet wird.

 

Interessanterweise reicht es für den normalen Spielbetrieb oder für durchschnittliche Turniere, wenn man zwei der drei Kriterien erfüllt: 

 

Stimmen Optik und Greenspeed, ist es nicht so schlimm, wenn der Ball kurz mal „hoppelt“. Schließlich sehen die Grüns tadellos aus und sind schnell. Dies überwiegt.

 

Sind die Grüns schnell und spurtreu, ist es nicht so schlimm, wenn sie nicht so gut aussehen. Denn sie spielen sich viel besser, als die Optik es erwarten lässt.

 

Sind die Grüns sattgrün und spurtreu, gewinnt man nicht die Herzen der tiefen Handicapper, jedoch ist ein Durchschnittsspieler damit zufrieden. Solange der Ball das macht, was der Spieler erwartete (Spurtreue) und die Grüns richtig gepflegt aussehen, hat man die Mehrheit der Spieler für sich gewonnen.

 

Bei wichtigen Strokeplay-Turnieren oder Meisterschaften reichen zwei von drei nur, wenn die Spurtreue und der Greenspeed stimmen. Die Optik ist an solchen -Anlässen für das Spielresultat nicht ausschlaggebend, jedoch rundet es den Gesamteindruck der Grüns ab und ist erstrebenswert.

 

Wir Greenkeeper machen uns oft selbst zu viel Druck. Golfer haben nicht so geschulte Augen wie wir Rasenprofis. Ein paar Krankheitsflecken oder braune Stellen bemerken Golfer erst, wenn sich diese in ihrer Puttlinie befinden. Wenn ein paar Meter um die Fahne keine größeren Flecken zu sehen sind, ist die Welt für die Golfer in Ordnung. 

 

Um die Freiheit zu haben, die Fahne da zu stecken, wo sich das Grün am besten präsentiert, sollten die Greenkeeper täglich selbst entscheiden können, wo die Fahne gesteckt wird. Fixe Sektoren, welche willkürlich gewählt werden, schränken diese Freiheit ein und zwingen Greenkeeper, die Fahnen in der Nähe von schlechten Bereichen zu platzieren.

 

Der Druck, täglich einen schönen Platz präsentieren zu müssen, ist groß. Wir können nicht jeden Fleck auf der ganzen Golfanlage kontrollieren. Es gibt immer etwas Unperfektes! Golf ist ein wunderbarer Sport in der Natur und die Natur ist nicht perfekt. 

 

Ein guter Schlag sollte nicht bestraft werden, jedoch sind weder wir Greenkeeper, noch die Natur verantwortlich für schlechte Golfschläge!

 

Lukas Andreossi, HGK im Trainingspark Golf Augwil

 

Die SGA informiert

In einem Mitglieder-Mailing Anfang April 2021 dankte SGA-Präsident Pascal Guyot allen Partner, Sponsoren und SGA-Mitgliedern für die Treue, großzügige Unterstützung und Solidarität, die dem Schweizer Greenkeeper Verband während der Corona bedingt teils sehr schweren Monate entgegengebracht wurde.

 

Gleichzeitig warb er darum, die Golfplatz-Mechaniker besser in der SGA-Familie einzubinden und ihnen verbesserte Möglichkeiten zu Weiterbildungstagen oder Workshops zu bieten. Aus diesem Grund sei eine neue Mitgliederkategorie „Mechaniker“ geschaffen worden. Pascal Guyot: „Derzeit sind wir dabei, als Greenkeeper registrierte Mechaniker umzuteilen und potenzielle Neumitglieder anzuschreiben. Falls Ihr auf einer Golfanlage einen potenziellen Kandidaten kennen solltet, stellt doch bitte den Kontakt mit ihm zu uns her. Jedes Mitglied zählt! Solltet Ihr als Firma Interesse haben, eine Veranstaltung explizit für die Golfplatz-Mechaniker anzubieten, dann meldet Euch bitte bei uns. Unser Ziel wäre, den Mechanikern mindestens einen Anlass pro Jahr anzubieten. Bringen wir die Sache zusammen ins Rollen!“ 

 

Für Ideen und Anregungen ist der SGA-Vorstand dankbar und freut sich über Rückmeldungen!

 

Stand: Greenkeepers Journal 2/2021

Vielen Golfern ist die ­Optik der Grüns sehr wichtig. (Alle Fotos: L. Andreossi)

Mittelgroße, störende Schäden um die Fahne

Schäden ausgestochen und durch schöne Pfropfen ersetzt

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