Der Rasen(de)-Professor

Im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Prämaßing, HS Osnabrück

Auf der GVD-Jahrestagung 2018 wurde der Praxis-Part von ­ Prof. Dr. Wolfgang Prämaßing eingeleitet und die daran anschließende Diskussion von ihm fachlich kompetent unterstützt.

 

Der Allgäuer, der nach 21 Jahren Lehrtätigkeit an der DEULA Rheinland im vergangenen Jahr die Stiftungsprofessur für „Nachhaltiges Rasenmanagement – Sustainable Turfgrass Management“ an der Hochschule Osnabrück übernahm, stand uns im Nachgang zu einem ersten, sehr persönlichen Fazit des ersten Semesters zur Verfügung.

 

? Herr Prof. Prämaßing, nochmals herzliche Gratulation zur neuen Aufgabe in Osnabrück. An den verdienten neuen Titel muss man sich erst noch ein wenig gewöhnen. So, wie ich Sie aber bislang kennenlernte, nehmen Sie es auch Ihren ehemaligen Lehrgangsteilnehmern in Kempen nicht allzu übel, wenn in der Anfangszeit der richtige Titel noch nicht so geläufig ist?

 

! Nein, ich bin da sehr unkompliziert, es ist eine schöne neue Herausforderung, für die ich sehr dankbar bin. Neben den verstärkt wissenschaftlichen Themen, schätze ich nach wie vor die Kontakte in die Praxis; zu vielen DEULA-Absolventen habe ich noch einen engen Kontakt, zumal man sich auf den diversen Tagungen des Greenkeeper Verbandes Deutschland immer wieder begegnet. Daneben bin ich weiterhin ein bis zwei Tage pro Woche) an der DEULA Rheinland als Referent beschäftigt und unterstütze den neuen Bereichsleiter Thomas Pasch in seiner Arbeit.

 

? Die Ernennung zum Stiftungprofessor ergab sich erst kurzfristig vor Beginn des Wintersemesters 2017. War eine vernünftige Vorbereitung und Lehrplanerstellung in so kurzer Zeit überhaupt möglich?

 

! Sie haben recht, ernannt wurde ich am 1.September 2017, das erste Semester begann dann mit dem Vorlesungszeitraum in der letzten Septemberwoche. Viel Zeit blieb da nicht (lacht). Aber als einer der möglichen Kandidaten musste ich mir natürlich schon im Vorfeld meine Gedanken machen, was in einen solchen Lehrplan alles aufgenommen werden muss. In Abstimmung mit Prof. Thieme-Hack (Fachgebiet Baubetrieb im Landschaftsbau) ging dies dann aber ganz gut.

 

? Mit der neuen Studienrichtung erhalten erstmals in Deutschland Studierende mit agrarwissenschaftlichem, garten- bzw. landschaftsbaulichem Hin­­- tergrund die Möglichkeit, sich im von Ihnen geleiteten Masterstudiengang weiter zu spezialisieren. Wagen Sie doch mal ein erstes Fazit!

 

! Für mich erfreulich war, dass sich bereits für das erste Semester 10 bzw. 13 Studierende für die ersten beiden Rasenmodule eingeschrieben haben, um im Rahmen ihres Masterstudiums die Rasenmodule als Wahlpflichtfach zu belegen. Davon haben 6 bzw. 11 die Module mit Prüfungsleistung (mündliche Prüfung bzw. Hausarbeit und Referat) abgeschlossen.

 

Die Studierenden kommen hier aus den Master-Studiengängen im landwirtschaftlich-gärtnerischen Bereich (5) und dem Bereich Landschaftsbau (10). Das Interesse an rasenwissenschaftlicher, akademischer Ausbildung ist demnach da. Ansonsten verlief das erste Semester hochschulüblich ab: Präsenz-Vorlesungen mit den dazu nötigen Vorbereitungen, Haus-/Seminararbeiten-Betreuung, Einstieg in Masterarbeit- und Bachelorarbeitbetreuung sowie erste Auftragsforschung und Einarbeiten in Forschungsgeldanträge. Zudem hat nun das Sommersemester begonnen – mit einem weiteren Rasenmodul im Masterstudium sowie einem Rasenmodul für Studierende in den Bachelor-Studiengängen.

 

? Mussten Sie dafür Ihren Lebensmittelpunkt, zumindest während der Woche, nach Osnabrück verlegen?

 

! Ich bin in der Regel zwei Tage in Osnabrück, einen Teil meiner Arbeit kann ich aber von Köln aus erledigen. Und dann habe ich ja noch gut 1 Tag pro Woche in Kempen zu tun. Mein Lebensmittelpunkt bleibt somit weiterhin in Köln.

 

? Da schließt sich fast zwangsläufig eine Nachfrage an: Dank mehrerer Arbeitsplätze können Sie also endlich Ihrer privaten Leidenschaft, dem Autosport, guten Gewissens und verstärkt nachgehen?

 

! (Lacht) Genau das Gegenteil ist der Fall. Für einen Ausflug an den Nürburgring oder an andere Rennstrecken war jetzt zu den ersten beiden Semestern leider kaum zu denken.

 

? Ihr Aufgabengebiet in Osnabrück umfasst auch wissenschaftliche Forschungen. Können Sie hierzu schon etwas sagen?

 

! Ein Teil meiner Aufgabe in Osnabrück ist tatsächlich anwendungsorientierte Forschung mit wissenschaftlicher Methodik. Erste Versuche in Auftragsform (Saatgutauflaufverhalten) haben wir bereits starten können, wir hoffen aber noch darauf, das ein oder andere zusätzliche, interessante Themengebiet behandeln zu können.

 

? Sie sind über Ihre Kontakte zu den internationalen Fachverbänden bestens vernetzt. Gibt es unter Umständen Projekte, die länderübergreifend bearbeitet werden?

 

! Im Einzelfall ist das sicherlich eine Überlegung wert, zumal mit Prof. Dr. Bernd Leinauer in Wageningen (Niederlande) ein gemeinsamer Weggefährte nicht weit entfernt ist. Mit den skandinavischen Kollegen von STERF (Trygve Aamlid, NIBIO) starten wir derzeit ein gemeinsames Projekt zu Phsophatdünung auf Golfgrüns. Wenn Sie etwas hören, wir sind für Gespräche und mögliche Projekte jederzeit offen.

 

Lieber Herr Prof. Prämaßing, vielen Dank für das offene Gespräch, ich wüsste noch Vieles zu fragen, da Sie als Kölner aber fast in Rufweite zu uns als Bonner Medienhaus bleiben, hoffe ich, dass ich Sie bald wieder für ein Update kontaktieren darf. Für Ihr zweites Semester viel Erfolg, ich freue mich auf ein Wiedersehen an welcher Wirkungsstätte auch immer.

 

Das Gespräch führte Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 01/2018

 

Lesen Sie den Bericht über die 26. GVD-Jahrestagung in Niedernhausen HIER ... (Download PDF)

Prof. Wolfgang Prämaßing im Fachgespräch mit Dr. Klaus ­Müller-Beck …

… und zusammen mit Andreas Stegmann (li., HGK GC Rheinhessen) sowie Christian Steinhauser (Mitte, GC St. Dionys) beim Best Practice-Block der GVD-Jahrestagung 2018 in Niedernhausen

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