Umweltministerium unterstützt Pilotprojekt Lebensraum Golfplatz

Gemeinsam Verantwortung für Artenvielfalt übernehmen

Golfclubs fördern Artenvielfalt in Baden-Württemberg

 

„Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt.“ So lautet das Pilotprojekt baden-württembergischer Golfanlagen, des Umweltministeriums Baden-Württemberg, des Baden-Württembergischen Golfverbandes (BWGV) und des Deutschen Golf Verbandes (DGV). Ziel des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projektes ist es, die vorhandenen Biodiversitätsflächen auf baden-württembergischen Golfanlagen quantitativ und qualitativ auszubauen. Auftakt dazu war das 1. Umweltsymposium des BWGV am 22. November in Ludwigsburg unweit des Golfclubs Schloss Monrepos.

Über 100 Vertreter baden-württembergischer Golfanlagen verfolgten die Eröffnung von Staatssekretär Dr. Andre Baumann vom Umweltministerium Baden-Württemberg und von Thomas Graner, Stellvertretender Präsident des Bundesamtes für Naturschutz. Martin Klatt vom NABU Baden-Württemberg zeigte Chancen eines derartigen Pilotprojektvorhabens am Beispiel von „Natur nah dran“, einem Projekt, das biologische Vielfalt in baden-württembergischen Kommunen fördert. Einen wissenschaftlichen Blick auf die Flora ausgewählter Golf­anlagen Baden-Württembergs warf Prof. Dr. Martin Elsäßer, Fachbereichsleiter beim Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg.

Dr. Andre Baumann (Staatssekretär des Umweltministeriums ­Baden-Württemberg, Bildmitte) hob die ­bedeutende Rolle der Golfanlagen für mehr Artenvielfalt hervor – zusammen mit Achim Battermann (Stellv. DGV-Präsident, li.) und BWGV-Präsident Otto Leibfritz. (Quelle: DGV/Füssinger)

Was das Pilotprojekt „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ im Einzelnen genau beinhaltet und wie es umzusetzen ist, darüber informierten Marc-Frederik Elsäßer (Leiter Golfanlagen Hofkammer.Golf) und Marc Biber (Teamleiter Umwelt & Platzpflege beim DGV). Im Zentrum stehen dabei Maßnahmen aus den Bereichen Insekten- und Vogelschutz, die Schaffung von Lebensräumen wie etwa Totholzhaufen sowie Maßnahmen zur Förderung der Naturbildung. Schluss­endlich stellten Vertreter des GC Kirchheim-Wendlingen, des GC Domäne Niederreutin und des GC Steißlingen exemplarische Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt auf ihren Anlagen vor.

Alle Golfanlagen, die ihre Teilnahme am Pilotprojekt erklären, erhalten aufmerksamkeitsstarke Schilder, mit denen die jeweiligen Artenvielfaltsmaßnahmen prominent und deutlich sichtbar auf dem Platz gekennzeichnet werden können.

 

Die Resonanz war überwältigend: Fast alle anwesenden Golfanlagen unterzeichneten am Veranstaltungsende eine Absichtserklärung, am Pilotprojekt für die Jahre 2020/2021 teilzunehmen.

Das neue Pilotprojekt stößt auf große Resonanz bei den Golfanlagen in Baden-Württemberg. (Quelle: DGV/Füssinger)

Stimmen zum Pilotprojekt

Dr. Andre Baumann (Staatssekretär Umwelt­ministerium Baden-­Württemberg):

Viele Golfanlagen bei uns im Südwesten zeigen: Sie sind Oasen für die Natur mit bunt blühenden Wiesen, Teichen voller Kröten und Frösche, sowie Gehölzen, in denen Nachtigallen brüten. Es ist gut, dass der Deutsche Golf Verband, der Baden-Württembergische Golfverband und das Umweltministerium enger zusammenarbeiten und an der bisher schon erfolgten Umweltarbeit auf vielen Plätzen anknüpfen. Denn ein Großteil der Flächen von Golfplätzen kann voll lebendiger Natur sein. Der Grüne Sport fördert die Grüne Infrastruktur.

 

Thomas Graner (Stellvertretender ­Präsident Bundesamt für Naturschutz):

Der Verlust der Biodiversität in Deutschland schreitet insbesondere bei den heimischen Insekten und der heimischen Vogelwelt dramatisch voran. Deshalb freue ich mich, dass Golfclubs einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten wollen. Für den Insekten- und Vogelschutz können Golfclubs wichtige und sinnvolle Maßnahmen umsetzen und helfen, das gesellschaftliche Bewusstsein für den Schutz der Biodiversität zu stärken.

 

Otto Leibfritz (Präsident Baden-­Württembergischer ­Golfverband):

Der Lebensraum ist in unserem stark industrialisierten Bundesland ein sehr wertvolles Gut. Der Bedarf an Flächen für Industrie, Landwirtschaft, Wohnen, Arbeiten und Verkehr schränkt den Lebensraum für Fauna und Flora immer weiter ein. Die Folgen sind der zunehmende Rückgang an biologischer Vielfalt. Und hier kommen jetzt die Golfplätze ins Spiel, die einerseits wichtige Naherholungsgebiete für sportinteressierte Menschen, gleichzeitig aber auch Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen sind, die dort geeignete Lebensräume finden und besiedeln. Der BWGV möchte mit dem Pilotprojekt „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliederclubs auf den Golf­anlagen in Baden-Württemberg ganz gezielt noch mehr adäquate Lebensräume schaffen und damit einen wertvollen Beitrag zum Schutz und zur Förderung der Artenvielfalt leisten.

 

Achim Battermann (Stellvertretender DGV-Präsident):

Golfanlagen sind in besonderer Weise mit dem Schutz der Natur und dem Erhalt der Umwelt verbunden. Dazu trägt bereits heute jede Golfanlage in ganz unterschiedlicher Form und Intensität bei. Mit unserem bundesweiten Qualitätsmanagementprogramm Golf&Natur arbeiten wir seit 2005 intensiv an einem optimalen Miteinander von Golfsport und Natur. Mit großem Erfolg: Heute sind 144 Golfanlagen zertifiziert, davon allein 26 in Baden-Württemberg. Ich bin mir sicher: Das neue Pilotprojekt Lebensraum Golfplatz bietet hier eine ideale Ergänzung und eine großartige Erweiterung unseres Umweltengagements. Der Golfsport nimmt seine Verantwortung ernst. Keine andere Sportart schafft solch einzigartige Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

 

Alexander Klose (DGV-Vorstand Recht & Services):

Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg einen Partner gefunden haben, der unser jahrelanges Engagement für den Naturschutz würdigt. Gemeinsam werden wir den Umweltschutz weiter stärken und dafür sorgen, dass deutsche Golfanlagen vermehrt Rückzugspunkte für Flora und Fauna sind. Das Pilotprojekt bietet uns zudem die Chance zur Begegnung und Zusammenarbeit mit regionalen Naturschutz-Organisationen. Bei diesen können wir eine positive Grundhaltung gegenüber dem Golfsport schaffen und von deren Netzwerken und Know-how profitieren.

 

Beate Licht (DGV-Koordinatorin ­„Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“):

Das Pilotprojekt „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ ist nun in Baden-Württemberg erfolgreich angelaufen. Golfanlagen engagieren sich für Umweltschutz und tragen durch die Aufwertung von wertvollen Lebensräumen zur Erhaltung der Biodiversität bei. Wir stehen nun vor der Aufgabe, bundesweit koordinierte Initiativen zu ergreifen. Je flächendeckender unser Engagement ist, umso größer sind die Effekte zum Wohle der Natur und des Golfsports.

 

Prof. Dr. Martin Elsäßer (Leiter Fachbereich LAZ Baden-Württemberg):

Hardroughflächen auf Golfplätzen sind in erster Linie keine Ballgräber, sondern wertvolle Lebensräume in oft artenarmen Agrarlandschaften. Es gibt schon sehr gut entwickelte artenreiche Roughflächen im Land. Andere lassen sich gezielt entwickeln, dafür braucht man Zeit und einen Plan. Das Pilotprojekt Lebensraum Golfplatz kommt genau zur richtigen Zeit für unsere Golfanlagen.

 

Dr. Gunther Hardt ­(Vorsitzender des DGV-Ausschusses ­Umwelt- und Platzpflege):

Durch die Kooperation mit dem Umweltministerium werden die Golfanlagen bzw. die umgesetzten Maßnahmen erstmals Teil der Naturschutzstrategie des Landes Baden-Württemberg und erhalten dadurch eine neue Wahrnehmung der Sportart Golf in Politik und Gesellschaft.

 

Marc-Frederik Elsäßer (Leitung Golfanlagen ­Hofkammer.Golf):

Wir als Golfanlage profitieren ganz unmittelbar von dieser einmaligen Kooperation „Lebensraum Golfplatz - wir fördern Artenvielfalt“. Das Umweltministerium sensibilisiert die Behörden vor Ort, indem der positive Beitrag der Golfanlagen zur Förderung der Artenvielfalt an diese aktiv kommuniziert wird. Diese Unterstützung hilft uns beim Betrieb unserer Golfanlage. Zugleich sichern wir uns unsere Handlungsfähigkeit als Partner im Bereich Naturschutz und Naturbildung.

 

Informationen zum Pilotprojekt sind auf www.lebensraum-golfplatz.de abrufbar.

 

Autor: DGV | Greenkeepers Journal 4/2019 und golfmanager 6/2019

 

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